Trubisky ist allein Schuld, für Coach D zu einfach

Quelle: The Athletic

Trubisky soll allein am Versagen der Bears Offense Schuld sein. Hören wir auf die Öffentlichkeit, scheint das Problem einfach zu sein. Dabei gehen die Probleme viel tiefer. Coach D erklärt dir die Komplexität, damit sie jeder versteht und zeigt Löusungsansätze auf, die über die Quarterback Frage hinaus gehen.

Abgesehen von der Defense, ist das Coaching Staff der Bears sein eigener größter Feind. Die Blocking Schemes sind schlecht. Der Line Split ist viel zu eng und sie nehmen Gaps vom Guard in Double Teams, die gar nicht „buttoned“ sind (Gegenspieler steht weder mit der Schulter noch dem Helm vor dem Guard), bei praktisch jedem einzigen Pass. Dies führt zu mehreren Problemen.

Zunächst finden sich so keine natürlichen Run Lanes, wenn dein Line Split zu eng ist. Gleichzeitig können Linebacker zwei oder noch mehr Gaps verteidigen, weil diese direkt nebeneinander sind. Ein Runningback muss so direkt auf seinen Blocker zulaufen und darauf hoffen, dass dieser ein Loch für ihn aufstößt. Außerdem öffnet die Bewegung des Centers beim Snap automatisch die Möglichkeit für einen Stunt des gegenüberliegenden Defensive Linemen. Ein Linebacker kann einfach in das Gap schießen.

So geschehen am Sonntag

Erster und Zehn an der gegnerischen 24 Yard Linie. Es folgt ein Passversuch. Daniels bewegt sich um Whitehair im A Gap gegen den Defensive Tackle zu unterstützen. Der Defensive End will zwischen Coward und Massie hindurchschießen. Massie blockt, wie beim RPO Spielzug vorgesehen, den End ganz gut in Richtung Coward. Der Outside Linebacker bleibt ungeblockt und es wirkt so, als würde Trubisky Druck, aufgrund eines verpassten Blocks, ausgesetzt sein.

Bei diesem Spielzug muss Trubisky allerdings erwarten, dass jemand von außen um die Line herumkommt, da es für diesen Spieler keinen Blocker mehr gibt. Massie hat im RPO Spielzug so zu blocken, wie er es letztendlich auch getan hat. Ihm anzuzeigen, den Linebacker zu blocken, hätte das Play ruiniert.

Eine simple Taktik, die viele NFL Teams als Antwort stattdessen parat halten, ist es, den Outside Linebacker einfach ungeblockt zu lassen und den Hot Read für die Receiver auf diese Seite zu wechseln. Die Bears verharrten auf der linken Seite und Trubisky setzt seinen Read auf den Slot Receiver. Der wäre sogar frei, aber auf der zum Pass Rush gewandten Seite wäre bei Miller mit dem ersten Read mehr Platz für weitere Yards gewesen. In der NFL und auch auf College Level erleben wir auch häufig, dass Teams in die Richtung des Drucks auf Laufspiel ändern. Da werden dann entweder der Center und/oder abgewandte OLiner als Puller eingesetzt und stellen eine Falle. Die erwartet der Linebacker sogar im ersten Moment und kann sein Glück kaum fassen.

Bedeutung für den Quarterback

Ein offensichtliches Problem folgt daraus. Mit einem engen Split wird es viel schwieriger für den Quarterback, nach außen dem Druck zu entweichen. Damit nimmt man einem athletischen Spielmacher seine Komfortzone. Trubisky wird gezwungen, hinter seiner Offensive Line zu verharren.

Das ist das Play Design der Bears Coaches und es dient dazu, einen möglichen Laufspielzug mit Play Action zu verschleiern und fußt auf Run Pass Option. Weitere Probleme bei der Ausführung liegen hierbei im eingeschränkten Sichtfeld. Engere Splits führen zu mehr Händen und Helmen an denen man kaum noch vorbeischauen kann als Quarterback. Mit der Körpergröße hat das nämlich wenig zu tun. Und natürlich der allgegenwärtige Druck auf den Spielmacher, weil alles viel enger und näher ist und damit bedrohlicher wirkt.

Ein Team, dass mit dieser Spielweise sehr effektiv ist, sind die Carolina Panthers. Aber sie nutzen enge Line Splits lediglich bei 30 Prozent ihrer Plays. Sie nutzen Slide Protections oder Zone Running (nicht Zone Blocking).

Einfach gesagt, obwohl es doch deutlich komplexer ist: Die Line bewegt sich nach dem Snap gemeinsam in eine vorgesehen Richtung und verlagert so die Pocket horizontal. Viele Teams nutzen solche Protections. Ich könnte euch sagen, in welchem Umfang. Aber das wäre nicht zielführend, weil die meisten keinen so engen Split wählen wie die Bears und Panthers bei der Ausführung.

Doch bei den Bears funktioniert es nicht. Trubisky hat einen fantastischen Arm und ist tatsächlich sehr genau auf mittleren Ebenen des Feldes. Doch scheint dies trotzdem mehr ein Problem denn eine Hilfe für sein Spiel zu sein. Trubisky weiß, dass er seinen ersten Read in noch so kleinem Fenster treffen kann. Sein Timing mit Robinson hierbei ist außergewöhnlich. Mit ihm erzielt er viele kurze Completions auf dem ersten Read.

Nur erlauben dir solche Plays nicht, sich nach dem Catch weiterzuentwickeln und sie öffnen auch nicht Räume für tiefe Passversuche. Defenses stehen oft innerhalb der ersten 15 Yards mit allen Männern gegen Trubisky. Das erschwert natürlich auch das Laufspiel, weil elf Verteidiger sich schnell auf den Weg zur Line of Scrimmage machen können.

Das letzte Problem, weshalb diese Spielweise nicht zu den derzetigen Bears passt, ist folgendes. Bei RPO Spielzügen ist das wichtige Target oft der Tight End. Du öffnest die Mitte, indem du drohst über die Tackle zu laufen. Ein typischer RPO ist ein Lauf Off-Tackle oder zwischen Tackle und Guard und die Option, falls beide Gaps geschlossen sind, den Ball über die Mitte zu werfen. Deshalb ist der innere Receiver so wichtig. Nur spielt Burton verletzt, Shaheen hat uns gezeigt, dass er eher der Kategorie Bust zuzuordnen ist und weder Braunecker noch Holtz können die Lücke adäquat füllen.

Lösungsansätze

Wenn die Bears ihre erwartungsvolle Saison retten wollen, gibt es drei Möglichkeiten, um sich zu verbessern.

  1. Trade: OJ Howard wäre ein wirklich solides Trade Ziel. Dallas Goedert ein weiteres. Pace müsste dafür über seinen Schatten springen, aber es muss getan werden. Die Offense braucht für ihre Spielweise einen anständigen Tight End.
  2. Mach dich auf um eine realisierbare Lösung als Quarterback Backup oder sogar als Starter zu suchen. Mariota wird Free Agent, aber mit ein wenig Geschick, könnte man den 25 jährigen Spielmacher mit Fünfjahres-Option bereits vor der Trade Deadline nach Chicago lotsen. Die Beziehung zwischen Mariota und Tennessee ist eindeutig zerbrochen und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie eine Vertragsverlängerung in Betracht ziehen. Wir haben bereits gesehen, wozu die Offense mit Chase Daniel in der Lage ist. Ein besserer Athlet der nicht viel besser spielen muss, als Trubisky und man könnte wieder Spiele gewinnen.
  3. Ändere die Komplexität, den Tonus und das Schema der Offense, damit es besser zu den Spielern passt, die der aktuelle Kader hergibt. Egos sollten hierbei hinten anstehen und man sollte sich auch nach Hilfe außerhalb von Halas Hall dazu umsehen.

Eine der Möglichkeiten sollte mindestens umgesetzt werden. Vielleicht werden es sogar mehrere. Wir werden den Bears dabei genau auf die Finger schauen.

Coach D
Stieß im Jahr 2015 dazu und ist der Ami in unserer Runde. Er war lange als Coach tätig und spielte zuvor selbst Football, wo er sich unter anderem mit der Bears Legende Brian Urlacher messen durfte.