Kyle Fuller: Ein würdiger All-Pro Cornerback?

Quelle: sportsmockery.com

Es ist noch gar nicht allzu lange her, als viele Fans äußerst verwundert darüber waren, dass die Bears zuerst kein Gebrauch von ihrer Option auf ein fünftes Jahr von Kyle Fuller genommen haben, ihn dann jedoch ein Jahr später mit einem gut dotierten 4-Jahres-Vertrag ausgestattet haben.

Die nach den vielen Verletzungen erfolgreiche Saison 2017 sollte jedoch keine Ausnahme bleiben, denn eine Spielzeit später flatterte die Ernennung zum First Team All-Pro ins Hause Fuller und ließ ihn endgültig zu einem der Top Cornerbacks der NFL aufsteigen.

Die Standard-Statistiken attestieren ihm eine großartige Saison, so führte er die NFL mit 21 abgewehrten Pässen an und teilt sich mit 7 Stück die Führungsposition bei den Interceptions. Die neueren statistischen Erhebungen sind allerdings eher zwiegespalten. Er ist über die letzten beiden Jahre der meist anvisierte Verteidiger (kein gutes Zeichen), ließ jedoch nur 55,4 Prozent der Pässe beim Gegenspieler ankommen (ein recht ordentlicher Wert).

Der zuvor angesprochene Makel muss doch einen Grund haben und da werden wir nun ansetzen. Schauen wir uns also die Deckungsarbeit, speziell die Manndeckung, von Kyle Fuller genauer an. Die gute Nachricht vorweg: all seine Probleme sind gut korrigierbar und er macht sogar schon Fortschritte in manchen Bereichen. Wir wollen trotzdem wissen, wo unser #1 Cornerback sich noch weiter verbessern kann.

Raumdeckung

Sein Erfolg stammt aus seiner Stärke in der Raumdeckung. Schon als junger Spieler konnte er auf sich aufmerksam machen, wenn er den Quarterback im Auge behalten konnte und beim Pass den Ball attackiert. Ein Beispiel dafür sind seine beiden Interceptions gegen Miami.

Es ist wirklich schwierig ein besseres Lehrvideo für Nachwuchsspieler dazu zu finden, wie man einen Tiefenlauf in einer Over-3 verteidigt.
Außerdem ist Fuller gut darin „Underneath“ Pässe zu antizipieren. Er ist wirklich schnell in den vorderen Zonen und kann den Ball abfangen oder zumindest einen wichtigen Tackle erzielen. Ein Beispiel dafür liefert das Video aus dem Spiel gegen die Rams.

In all diesen Situationen vertraut der 27-Jährige auf seine Vorbereitung, sowie auf seine Technik. Er lässt sich von den Augen des Quarterbacks zum Ball führen und kann diesen attackieren. Darin fühlt er sich sicher und darin ist er einer der besten derzeit aktiven Cornerbacks.

Manndeckung

Die Probleme fangen oft dann an, sobald er Mann gegen Mann verteidigen muss. Sein Komfortlevel sinkt bemerklich, wenn er sich an einen anderen Spieler anstelle des Quarterbacks orientieren muss. Das wirkt sich wiederum auf seine Technik aus.
Ein Beispiel dafür bietet das Spiel gegen die Patriots, als er Josh Gordon bei einem 4th Down entwischen ließ.

Fuller hat schon bei seiner Aufstellung vor dem Snap eine verkehrte Gewichtsverlagerung, indem er zurückgelehnt ist, wodurch er leicht seine Balance verlieren kann und definitiv nicht beweglich genug ist, um Josh Gordon auf dessen Fade Route aufzunehmen.

Es ist legitim sich mehr zur Innenseite zu positionieren und damit den Weg in die Mitte zu versperren, doch lässt er Gordon auf der Außenbahn zu viel Raum. In dem Moment, als der Patriots Receiver seinen Outside-Move macht, muss Fuller an ihm dran sein. Er schafft es auch nachdem er Gordon einholt nicht, näher an ihm dran zu sein, was zumindest einen Catch unter schwierigeren Bedingungen bedeutet hätte.

Am Ende bleibt zudem die Frage nach den in der Raumdeckung vorhandenen Instinkten. Er sieht, wie Gordon langsamer wird und setzt in Reaktion darauf direkt zum Tackle an, obwohl sein Gegenspieler zu dem Zeitpunkt nicht einmal den Ball gefangen hat. Durch Coach-D habe ich gelernt, dass es nicht immer gewünscht ist, dass die Verteidiger ihren Kopf zum Ball drehen, doch dann sollte er zumindest versuchen, mit einem Arm zwischen die Hände des Receivers zu gelangen, doch auch das ist hier nicht der Fall.

Nochmal: Entweder schau zum Ball hin oder warte ein wenig länger, um ihn aus den Händen des Receivers heraus zu manövrieren.
Ein ähnlicher und dennoch weiterer Fehler offenbart uns das NFC Wildcard Game gegen die Eagles. In der Szene soll Alshon Jeffery einen Richtungswechsel nach innen vollziehen und Fuller ist erneut zu dieser Seite hin positioniert. Fuller ist Off-Ball aufgestellt, die Bears spielen dennoch kein Cover-3, sondern ein Cover-1 Robber. Den Vorteil durch die Positionierung kann Fuller jedoch nicht nutzen, so findet er sich beim Cut von Jeffery an dessen äußerer Schulter wieder. Zu spät reagiert würde ich mal sagen.

Dabei fällt eine merkwürdige Beinarbeit des Cornerbacks auf. Zuallererst ist er viel zu aufrecht, dann scheint er erneut nach hinten gelehnt zu sein und dann reagiert er auf Jefferys Cut nach innen zunächst mit einem horizontalen Lauf, anstatt vertikal zu ihm zu gelangen. Der Receiver hätte dennoch eine recht hohe Erfolgschance gehabt, doch so trifft er definitiv erst ein, wenn es zu spät ist.

Logischerweise ist es schwieriger Tempo von einer Rückenlage aus aufzunehmen, als mit einer normalen Gewichtsverlagerung. So ist es fast verwunderlich, dass er dadurch nicht noch viel öfter Probleme hat, was wohl an seinen starken athletischen Fähigkeiten liegen muss.
Fuller hat nun über zwei Jahren gezeigt, dass er die Anlagen für einem der Top NFL Cornerbacks besitzt und die Auszeichnung am Ende der letzten Saison ist ein Beweis dafür. Idealerweise lässt der neue Defense Coordinator der Bears, Chuck Pagano, ihn auch zukünftig vermehrt in einer Raumdeckung spielen, was ihm offensichtlich besser liegt. Zum Ende hin möchte ich dennoch ein Video präsentieren, indem er eine Verbesserung im Bereich der Manndeckung zeigt (ohne die er kein All-Pro geworden wäre).

Hin und wieder bekommt ein Bears Fan nämlich auch einen kleinen Ausblick darauf zu sehen, was sein könnte, wenn Kyle Fuller auch in der Manndeckung mal alles auspackt.

Edelman ist gerade in engen Quartern jemand, der als Slot Receiver schwer zu greifen ist, aber Fuller spiegelt hier seine Bewegungen sehr schön und geht den Richtungswechsel der Slant-Route optimal mit.

FAZIT

Kyle Fullers Manndeckung ist weiterhin öfter schlecht als recht und all das beruht auf eine fehlerhafte Grundlagentechnik. Wenn er es jedoch schafft einen erneuten Sprung in seiner Entwicklung zu machen, hat er die Anlagen zum Superstar. Wohl Musik in den Ohren eines jeden Fans in Navy-Blue & Orange.

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.