Interview: Erhitzte Gemüter im Training Camp

Quelle: NBC Sports Chicago

Vor einer Woche kam es zu drei Vorfällen von Handgreiflichkeiten im Bears Camp und Veteran Kyle Long war gleich zweimal darin verwickelt.

Zur Sache: Die Bears hielten am Mittwoch ein komplettes Trainingsspiel ab, wobei erste Offense gegen zweite Defense und umgekehrt aufliefen. Kyle Long reagierte dabei auf einen Block vom ungedrafteten Rookie Jalen Dalton etwas, sagen wir, ungehalten.

Kyle Long riss Dalton seinen Helm vom Kopf und setzte diesen dann sogar gegen ihn ein, während er einige Schläge austeilte, ehe er von seinen Teamkameraden gebändigt werden konnte. Dalton wehrte sich nicht gegen die Attacke und so wurde lediglich der Veteran vom weiteren Training ausgeschlossen.

Dies war nun schon Kyle Longs zweiter Aussetzer, geriet er doch anfangs der Woche mit Akiem Hicks aneinander, da aber nur verbal. Zwischendurch gab es auch noch die Auseinandersetzung zwischen Prince Amukamara und Javon Wims.

Die Interaktion zwischen dem Receiver und unserem erfahrenen Quarterback löste sich sehr schnell wieder auf und beide konnten die Situation gemeinsam klären. Über die Vorfälle um Kyle Long zeigte sich der Head Coach dann aber weniger begeistert.

“Yesterday to me was a little bit more of a pillow fight. Today I thought was a little bit, just like I said, it’s disappointing.” – HC Nagy

Er versuchte gar nicht erst zu erklären, wie es überhaupt dazu kommt, dass wir gleich mehrere Auseinandersetzungen im Camp erleben mussten.

“I don’t have an answer for you. We talk about it as a team. I think at some point in time, we’ve got to prove that we’re a mature team. I’ve been saying it to you guys for a long time, we have a bunch of high-character people. That starts with us as coaches, making sure we lead these guys the right way. And we also make sure that, you know, they understand that that can’t happen. It just can’t happen. It’s not going to happen, but we’ll handle that internally.” – HC Nagy

Quelle: http://www.trbimg.com/img-5ad6d876/turbine/ct-spt-bears-matt-nagy-minicamp-haugh-20180418

Man wolle das Ganze also intern klären. Unser Cheftrainer betonte dabei nochmal wie wichtig ihm die charakterliche Einstellung seiner Spieler sei und dass er von ihnen überzeugt sei.

Matt Nagy hat alle Situationen gut gelöst. Reagierte besonnen als es bei Amukamara und Wims geboten war und schickte Kyle Long zum Duschen als eine rote Linie überschritten war. Längst wissen wir auch, welche interne Lösung man gefunden hat. Kyle Long reiste nicht mit zum Preseason Game am Freitag und war auch sonst bis zum Montag rund um Halas Hall nicht mehr gesichtet. Das klingt sehr nach einer befohlenen Auszeit für ihn.

Doch Fans lassen solche Meldungen oft mit fragenden Gesichtern zurück, weshalb ich mal näher auf die besonderen Umstände im Camp eingehen will. Dazu habe ich neben meiner eigenen Erfahrung einen ehemaligen NFL Profi dazu befragt. Also fragte ich einen guten Freund von mir der bereits elf volle Saisonvorbereitungen in der NFL mitgemacht hat. Jedes Jahr hören wir nämlich viel positives aus den Camps. Doch was passiert eigentlich tatsächlich? Wer wissen will, wer mein Interview Gast ist, muss sich gedulden. Er wird demnächst wieder Gast bei Beardown Germany sein. Seid gespannt.

[Coach D]: Ich nehme an NFL Camps sind nicht immer voller Teamgeist?

[B.]: Eigentlich nie, obwohl das oft von Medien Typen so geschildert wird. Natürlich bilden sich Grüppchen innerhalb des Teams, Offense/Defense aber auch nach Positionen oder Veteran-Status oder nach Universität oder auch Hautfarbe. Bei unsern Titans gab es das definitiv. 

[Coach D]: Viel Testosteron und man kämpft um Kader- und Startplätze. Das kenn ich noch vom College.

[B.]: Klingt verrückt, aber die meisten die wirklich um Kaderplätze kämpfen mussten, verhielten sich ruhig. Man will nicht negativ auffallen, es sei denn man hat ein Coach wie Dave McGinnis. Er forderte alles raus, auch das Negative. Gut das ich kein Runningback war aber als Tight End kriegt man auch was ab. Mein erstes Camp war ganz anders als ich es erwartet hatte. Man musste um alles kämpfen. Whirlpools und Eisbäder haben einige von uns Neulingen gar nicht nutzen dürfen. Als Vinny zu uns kam (Edit: QB Vince Young, ehem. Titans Quarterback), wollte er nicht mit uns duschen.

Quelle: KHAMPHA BOUAPHANH STAR-TELEGRAM

[Coach D]: Sind Streiterien und Handgreiflichkeiten eher selten oder passiert es oft das Teammates aneinander geraten?

[B.]: Immer wieder und jedes Jahr. Meistens ist man müde und es tut alles weh, dann hast du keine Kraft mehr für sowas. Aber während der Field Practices oder an Tagen wo wir etwas Ruhe hatten, dafür öfter. Es gab auch viel Schikane, manchmal unangenehm viel. Es wird gegen Ende am schlimmsten. Da fängt es wirklich an mit Streitigkeiten.

[Coach D]: Da rückt man sich allmählich auf die Pelle. Schließlich hockt man seit Wochen nur aufeinander und dazu dieser Konkurrenzkampf und diese Anspannung. Manches, wie der Dong Haircut (Ein sehr beliebter Haarschnitt, der aussieht wie ein männliches Glied) ist ja vielleicht noch spaßig gemeint. Gibt es schlimmeres?

[B.]: *lachend* Ja, bedeutend schlimmer. Ein Dickhead ist ein Dickhead, und das kann man meist mit Humor nehmen. Aber es geht leider wirklich manchmal schlimmer zu. Oft müssen Rookies die wenig Geld haben Essen holen für deren Positionsgruppe. Das Tagesgehalt reicht bei den Camp Buddies oft nicht mal und die Jungs mussten sich sogar Geld leihen. Manch anderen sind an die Goalposts getaped worden und man hörte Geschichten von „tar and feathering“ mit Sirup, Ketchup, Senf und so. Für die Veteranen war das Camp sehr langweilig zum Teil und daher ist denen immer was eingefallen.

Quelle: Bleacher Report

[Coach D]: Ich selber wurde in ein Schrank eingesperrt als Freshman. 

[B.]: *lacht* also ich pass in Schränke nicht rein aber auch das gab es bei kleineren Spielern, ja. 

[Coach D]: Ok, vielen Dank erst mal. Wir hören uns nochmal während der Saison.

Wie man sieht, sind NFL Training Camps kein Zuckerschlecken und hinter den Kulissen geschehen Dinge, die man erst nicht glaubt.

Spieler gehen sich auf die Nerven und sind großen Belastungen ausgesetzt. Streitereien wie zwischen Prince Amukamara und Javon Wims sind da absolut nachvollziehbar und so ist der Trainer dem Vorfall ja auch gelassen begegnet.

Bei Kyle Long ist der Fall schon anders gelagert. Definitiv hat der Offensive Guard eine Grenze überschritten als er mit dem Helm des Rookies auf ihn losgegangen ist. Deshalb brauchte Long auch Abstand vom Camp und seinen Mitspielern. Die immerwährende Anspannung führte zu einer Art Lagerkoller, die sich in mehreren Ausrastern abbildete. Fans sollten dennoch nicht besorgt sein um einen ihrer Lieblingsspieler. Die Auszeit wird ihm gut getan haben und er wird nun die letzten Tage gelassener sehen können.

Long hat sich mittlerweile für sein Verhalten entschuldigt und die Verantwortung für seine Fehler übernommen. Nach einer kurzen Auszeit ist er also wieder da, unser Führungsspieler und Mannschaftskamerad.

Coach D
Stieß im Jahr 2015 dazu und ist der Ami in unserer Runde. Er war lange als Coach tätig und spielte zuvor selbst Football, wo er sich unter anderem mit der Bears Legende Brian Urlacher messen durfte.