QB Tagebuch: Krönungsfahrt

Quelle: 670thescore.radio.com

In folgender Artikelreihe möchten wir, das sind „philippgd“ und „janikbears“, euch Lesern die Saison 2018 von Mitchell Trubisky näherbringen. Wir werden mit unserem „QB Tagebuch“ das Spiel des Jungen von Woche zu Woche anhand von Videomaterial analysieren und die Leistungen in einen Kontext mit der Situation und getroffener Aussagen stellen.

Inhaltsangabe

In Teil 1 der Reihe zu Trubiskys QB Tagebuch verwendete Janikbears den Begriff „Achterbahnfahrt“. Nachdem sich Mitch in den letzten Wochen immer besser zurecht fand, muss diese Bezeichnung für das Spiel gegen die Los Angeles Rams in Woche 14 wieder hervorgeholt werden. Sein erster Einsatz nach Verletzungsausfall war durchwachsen: 25 von 34 Pässen für 200 Yards bei zwei Touchdowns und drei Interceptions. Die Defense machte am Ende des Tages den Unterschied und die Bears konnten mit einem Signature Win ihre Ambitionen auf die NFC Krone unterschreiben.

Trubisky fühlte sich nicht wohl, kehrte er doch gerade von einer Schulterverletzung am Wurfarm zurück. Ungenauigkeiten schlichen sich erneut in sein Spiel auf die ich nicht näher eingehen möchte. Lediglich seine mechanischen Probleme in der Bein- und Fußarbeit sollen hier erneut angemerkt werden. Denn dort hat unser Quarterback bereits das ganze Jahr fortwährend Patzer in seinem Spiel, die wiederum zu Ungenauigkeiten führen.

Es soll TV-Experten geben, die Trubisky nach diesen gezeigten Szenen als One-Read-Quarterback abstempelten, was viel zu kurz gedacht ist. Was wir nämlich sehen ist folgendes und lässt auf die Zukunft hoffen. Mitch Trubisky fühlt sich am wohlsten, wenn er seine Reads vor dem Snap ausmachen kann, wenn er Spielzüge auf die gezeigte Defense umstellen kann und nicht erst nach dem Snap antizipieren muss, wo seine Receiver die Lücken suchen und wer am ehesten anspielbar ist. Allmählich wird Trubisky komfortabel mit dem System und kann diese wichtigen Entscheidungen vor dem Snap treffen. Die aktuell besten erfahrenen NFL Quarterbacks profitieren vor allem von ihren Pre-Snap-Reads. Etwas, dass ihm in seiner dritten Saison noch leichter von der Hand gehen wird. Erst dann wird er sich auch im Lesen des ganzen Feldes nach dem Snap weiter verbessern können und dort einen weiteren Schritt gehen können.

Der Sport schreibt die schönsten Geschichten. Und so begab es sich in Woche 15 der Regular Season, dass die Bears gegen den großen Rivalen aus Green Bay antraten um die Divisionsmeisterschaft perfekt zu machen. Mehr Brisanz erhielt das Spiel nicht zuletzt aufgrund der bitteren Hinspielniederlage in Woche 1 und weil es bei den Packers stark rumorte. Mit einem Sieg konnte man nämlich die letzten Hoffnungen der Packers auf die Playoffs zerschlagen und das Team somit in eine Krise stürzen.

Immer wieder thematisieren wir in unserem QB Tagebuch die Lektionen aus denen Nagy und Trubisky lernen müssen. Da trifft es sich in dieser Woche natürlich, dass wir vergleichen können, inwiefern unser Quarterback aus seinen Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und ob er bessere Lösungen im Vergleich zum ersten Spieltag findet.

Kurzes Resumee: In Woche 1 vergeigten die Bears eine 17-0 Führung, die mit effizienterem Spiel im zweiten Quarter sogar noch hätte höher ausfallen können. Da hatten sie ein paar Three and Outs und Trubisky wurde sogar mit einem Strip Sack Fumble gestoppt.

In Woche 15 war es anders. Zwar hielt die Defense ihren Gegner erneut auf wenige Punkte mit nur einem Field Goal in der ersten Hälfte, aber diesmal konnte Trubisky einige sehr gute Drives zeigen und schloss die Halbzeit mit einem Touchdown und dem besten Drive des Spiels ab.

Lektion gelernt! Wenn Trubisky und Nagy weitherin so von ihren Fehlern der Vergangenheit lernen, dürfen Bears Fans rosigen Zeiten entgegen blicken.

Gegen die San Francisco 49ers war Mitch Trubisky zum ersten Mal als Game Manager gefragt. Nachdem man die Divisionsmeisterschaft erlangt hatte, wurden die Weichen auf Playoffs gestellt. Gegen einen unterlegenen Gegner wollte man ja nicht zu viel machen. Trubisky zeigte eine effiziente Performance, die effizienteste in der Geschichte der Chicago Bears. Mit 25 angekommenen von 29 Pässen erzielte unser Quarterback eine 86,2 prozentige Completion Rate. Das war die höchste Rate eines Bears Quarterbacks mit mindestens 16 Passversuchen in einem Spiel aller Zeiten.

Im Großen und Ganzen plätscherte das Spiel so dahin, was vor allem am sehr konstanten Spiel von Trubisky gelegen hatte. Er verwaltete mit kurzen und genauen Pässen das Spiel und setzte gelegentliche Akzente.

Am letzten Spieltag liefen die Bears gegen die Minnesota Vikings streckenweise mit der B-Elf auf. Trubisky erzielte in diesem Spiel 8 angekommene von 10 Passversuchen für 119 Yards bei Third Downs, was aufgrund zweierlei Dingen bemerkenswert für den jungen Quarterback war. Erstens spielte er gegen die beste Third Down Defense der gesamten Liga und zerlegte diese zweitens mit Receivern mit denen er kaum bis gar keine gemeinsame Spielzeit in der bisherigen Saison hatte.

Beschreiben wir es mit den Worten seines Head Coaches:

“To me, that’s growth! And you see somebody that understands, ‘Hey, I might have missed one, and then I come back and hit another one on the same play or a similar concept.’ […] They’re testing him in different ways. He has reacted really well.”

„Für mich ist das Entwicklung! Und Sie sehen jemanden, der versteht: „Hey, ich hätte vielleicht einen verpasst, und dann komme ich zurück und treffe einen anderen beim gleichen Play oder einem ähnlichen Konzept.“ […] Sie testen ihn auf unterschiedliche Weise. Er hat sehr gut reagiert.“

Mitch Trubisky hat eine bemerkenswerte Entwicklung innerhalb der Saison vollzogen. Vergleichen wir sein Spiel der letzten Wochen, mit dem der ersten beiden Spieltage, sehen wir einen himmelweiten Unterschied. Besonders positiv ist hierbei, dass er dabei stets an Fehlern gearbeitet hat und kontinuierlich sein Spiel verbessert hat. Sein Head Coach ist mit ihm seine Schwächen im Spiel Woche für Woche durchgegangen, sodass Trubisky sich zu einem besseren Spielmacher entwickeln konnte.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".