Training Camp: Ein erster Kaderüberblick – Offense

Quelle: universe.com

Spätestens mit dem Beginn der Training Camps wirft die Regular Season in etwas mehr als einem Monat seine Schatten voraus. Seit 2002 findet das Camp der Bears circa 80 km südlich von Chicago auf dem Campus der Olivet Nazarene University in Bourbonnais statt. Zwischen dem 25.7 und 11.8 werden die Bears ein reichhaltiges Trainingsprogramm absolvieren.

Quelle: NBC Sports

Wie in den letzten Jahren werfen wir zu dieser Zeit einen ersten Blick auf den aktuellen Kader der Bears für das Camp bzw. die kommende NFL-Saison.

Quarterback

Besetzung: Mitch Trubisky, Chase Daniel und Tyler Bray

M. Trubisky, Quelle: chicagobears.com

Unstrittig wird Mitch Trubisky in sein zweites Jahr als Starting-QB der Chicago Bears gehen. Obwohl er sich seit der vergangenen Saison „Pro Bowler“ nennen darf, dürfen von ihm in der kommenden Saison weitere Leistungssteigerungen (z.B. hinsichtlich Konstanz und Genauigkeit) erwartet werden. Näheres zu Trubisky und seiner Season 18/19 könnt ihr auch im QB-Tagebuch von Beardown Germany nachlesen.

Als Back-Up hinter unserer Nummer 10 wird sich Chase Daniel wiederfinden. Als Trubisky in der vergangenen Saison in den Spielen gegen die Detroit Lions in Week 12 und die Giants aus New York in Week 13 aufgrund einer Schulterverletzung ausfiel, hat der 32-jährige Daniel gezeigt, dass er ein zuverlässiger und solider Ersatz ist.

Da die Bears mit QB1 und QB2 gut aufgestellt sind, wird man Tyler Bray -vorbehaltlich Verletzungen oder Unvorhergesehenem- maximal in der Preseason auf dem Feld bei den Bears sehen. Planmäßig wird er nicht Teil des 53er-Rosters sein.

Wide Receiver

Besetzung: Allen Robinson, Anthony Miller, Taylor Gabriel, Cordarelle Patterson, Tanner Gentry, Riley Ridley, Taquan Mizzell, Javon Wims, Jordan Williams-Lambert, Marvin Hall, Emanuel Hall, Thomas Ivesyy

Im Gegensatz zu den Quarterbacks gilt es bei den Wide Receivern für eine Vielzahl an Spielern sich u.a. im Training Camp für einen Platz im finalen Roster zu beweisen. Zwar gibt es im aktuellen Bears WR-Kader viel Auswahl, allerdings dürften einige WR-Plätze schon ziemlich sicher belegt sein. Keine Sorgen um einen Platz im 53er Roster dürften sich Allen Robinson, Anthony Miller, Tayler Gabriel Cordarelle Patterson, sowie Riley Ridley machen. Robinson, Miller und Gabriel gehen in ihre zweiten Saisons bei den Bears. Gemeinsam kamen sie 2018 bei den Bears auf 13 TD und 1.865 Receiving Yards.

C. Patterson (NE Patriots 2018), Quelle: numberfire.com

Trotz einer guten ersten Saison bei den Bears darf man bei Robinson hoffen, dass er seine Ausbeute von nur 4 TDs in 2018 in der kommenden Saison noch steigern kann. Interessant dürfte die Entwicklung von Anthony Miller sein, der in seiner Rookie-Saison 7 TDs erzielen konnte und nach einer Schulterverletzung zum Training Camp zurückerwartet wird. Im Gegensatz zu Miller werden Patterson und Ridley in ihre erste Saisons im Bears-Jersey gehen.
Der 27-Jährige Patterson kam von den New England Patriots und hat bei den Bears für 2 Jahre unterschrieben. Der ehemalige Erstrundenpick der Vikings ist sowohl als WR, RB als auch als Returner im Special Team einsetzbar. Headcoach Nagy hat bereits angekündigt, dass man sich diese Vielseitigkeit von Patterson zu Nutze machen werde. Mehr dazu von philippgd.

Der WR-Rookie Riley Ridley wurde von den Bears im diesjährigen Draft in der vierten Runde gedraftet. Wer mehr über ihn erfahren möchte, dem sei unser Bericht „Der Bears Draft 2019“ ans Herz gelegt.

Mit den o.g. Wide Receivern wären fünf Plätze im Kader ausgefüllt. Möglich, dass die Bears mit bis zu sechs oder sieben WR in die Saison starten. Um mindestens einen WR-Platz wird im Training Camp also noch intensiv gekämpft werden.

Ein möglicher Kandidat für einen Kaderplatz könnte Javon Wims sein. Die Bears holten ihn im letztjährigem Draft in der siebten Runde. Seine Fähigkeiten, sowie seine Entwicklungsmöglichkeiten, lassen sich aufgrund der geringfügigen Einsätze unter NFL-Wettkampfbedingungen nur schwer beurteilen. In den paar Snaps, als auch in der Preseason des Vorjahres hatte Wims jedoch, nicht nur aufgrund seiner Statur (193 cm Körpergröße), einen guten Eindruck hinterlassen. Auch in den Offseason Workouts soll Coach Nagy bereits ein Auge auf den 24-jährigen geworfen haben.

Darüber hinaus haben die Bears in dieser Saison zwei Wide Receiver namens „Hall“. Zum einen Marvin Hall und zum anderen Emanuel Hall. Marvin Hall kommt von den Atlanta Falcons, wo er seit 2017 in Diensten stand. Von seinen Anlagen ist er am ehesten mit Taylor Gabriel zu vergleichen und auf Grund seiner Schnelligkeit nicht nur auf der WR-Position, sondern auch in den Special Teams einsetzbar. Emanuel Hall wurde im diesjährigen Draft nicht ausgewählt und kam so als Undraftet Free Agent zu den Bears. Informationen zu ihm wurden bereits in der Bears Draft Analyse von „janikbears“ zusammengetragen

Running Backs

Besetzung: Tarik Cohen, Mike Davis, David Montgomery, Ryan Nall, Kerrith Whyte Jr.

Im Vorfeld der vergangenen Saison wurde bereits gemunkelt, ob Jordan Howard in das Offense System von Coach Nagy passen würde. Nun gehen die Bears und der Pro Bowler aus dem Jahre 2017 getrennte Wege. Die Bears haben Howard für einen Conditional-Sechstrunden Pick 2020 zu den Philadelphia Eagles getraded.

Dafür wurden in der Free Agency RB Mike Davis von den Seattle Seahawks und im Draft in der dritten Runde David Montgomery geholt. Letzterer konnte in den OTAs bereits einen guten Eindruck hinterlassen und dürfte u.a. aufgrund seiner Durchsetzungskraft mit dem Ball in der Hand und seiner Einsetzbarkeit im Passspiel in der Offensive

Quelle: www.dailyherald.com

eine Rolle spielen. Für weitere Infos zu Montgomery darf ich erneut auf den Bears-Draft-Artikel auf unserer Homepage verweisen.

Mike Davis bekam bei den Seahawks und vorher bei den 49ers nur begrenzt Einsätze bzw. Aktionen in den Seasons. Nichtsdestotrotz konnte man in der letzten Saison die Produktivität (4,6 Yards AVG.) und Explosivität des 26-jährigem RB sehen.

Während sich bei Montgomery und Davis noch herausstellen muss, wer wie viel Anteil im Offensivspiel der Bears haben wird, darf man ziemlich sicher sein, dass Tarik Cohen nach einer starken zweiten Saison wieder eine wichtige Rolle spielen wird. Durch seine enorme Agilität und Schnelligkeit könnte er neben seinen Einsätzen als ballfangender Running Back auch noch häufiger in das Laufspiel eingebunden werden.

Als vierter RB könnte Kerrith Whyte, den die Bears im Draft in der siebenten Runde pickten, einen Kaderplatz ergattern. Auch hier verweise ich für weitere Infos gerne auf den BDG-Draft-Artikel.

Im Gegensatz zur letzten Saison hofft Ryan Nall ebenfalls auf Einsätze bei Spielen der Regular Season in seinem zweiten Jahr bei den Bears. Seine Vielseitigkeit ist ihm bei diesem Vorhaben sicher nicht von Nachteil. Nall kann als Running Back, Full Back oder auch TE-Adaption eingesetzt werden. Gegenüber anderen Running Backs profitiert Nall von seinen guten Blocking Skills. Coach Nagy schätzt vielseitig einsetzbare Spieler. Möglicherweise kriegt Nall eine Chance über das Special Team in den Kader zu gelangen.

Tight End

Besetzung: Ben Braunecker, Ian Bunting, Trey Burton, Jesper Horsted, Dax Raymond, Ellis Richardson, Adam Shaheen, Bradley Sowell

Trotz einer durchwachsenen Saison dürfte Trey Burton auch in der kommenden Saison der Nummer Eins Tight End der Bears sein. Nach einer Leistenverletzung, die ihm zum Verzicht auf das Playoff-Spiel gegen sein ehemaliges Team – die Philadelphia Eagles – in der vergangenen Saison zwang, wird er für das Training Camp zurückerwartet.

Auch diese Saison ruhen (meine) Hoffnungen auf Adam Shaheen, der in der letzten Saison lange verletzungsbedingt pausieren musste. Man darf gespannt sein, welche Leistungen der Zweitrundenpick von 2017 in einer verletzungsfreien Saison und nach der kompletten Vorbereitung auf den Rasen bringen kann. Besonders zeichnen ihn seine Blocking-Fähigkeiten aus, sodass er z.B. auch neben Burton auf dem Feld einen Platz haben könnte.

Ben Braunecker konnte bislang noch nicht zeigen, dass er die Bears spürbar nach vorne bringt. Auch aus dem Ausfall von Shaheen in der ersten Saisonhälfte der Saison ´18/´19 konnte Braunecker kaum Kapital schlagen und sich positiv auf der TE-Position ins Rampenlicht stellen. Hingegen sind seine Leistungen in dem Special Team nicht außer Acht zu lassen und könnten für ihn die Eintrittskarte zu einer weiteren Saison im 53-Mann-Kader sein. Das Training Camp könnte für Braunecker ein wichtiger Fingerzeig auf seine zukünftige Rolle bei den Bears sein.

Dax Raymond und Bradley Sowell sind zwei neue Gesichter auf der TE-Position. Während Raymond als Undrafted Rookie das erste Mal das Jersey der Bears tragen wird, geht Sowell in seine dritte Saison bei den Bears. Bisher war er jedoch als Offensive Tackle eingesetzt und wechselt nun auf die TE-Position. Im Training Camp dürfte interessant zu sehen sein, wie er sich in seiner neuen Rolle schlägt. Im Spiel gegen die Rams in Woche 14 der vergangenen Saison konnte Sowell zeigen, dass er in der Lage ist, Bälle in der End Zone aus der Luft zu holen.

Als UDFA in seiner ersten Saison darf man natürlich keine riesigen Erwartungen an Dax Raymond stellen. Ausgehend von den Eindrücken aus seiner Zeit bei Utah State lässt er sich von seinem Spielstil mit Trey Burton vergleichen. Seine Blocking-Fähigkeiten sind noch ausbaufähig, aber dafür ist er als Passfänger gut und kann auch nach dem Catch noch Yards machen. Die Parallelen zu Burton könnten die Chance für Raymond sein, um einen Back-up-Platz zu kämpfen.

Offensive Line

Besetzung: Charles Leno, Cornelius Lucas, Cody Whitehair, Alex Bars. Jordan McCray, James Daniels, Ted Larsen, Kyle Long, Blake Blackmar, Bobby Massie, Rashaad Coward, T.J. Clemmings, Joe Lowery, Sam Mustipher, Marquez Tucker

In der Starting-Offensive Line gibt es gegenüber der Saison ´18/´19 personell kaum Veränderungen. Angesichts guter Leistungen war dies auch nicht unbedingt erforderlich. Im Zentrum der O-Line wird James Daniels nach einer guten Rookie-Saison als Left Guard auf die Center-Position rücken. Da er diese Position bereits im College in Iowa spielte und sie seine Wunschposition ist, sollte er seine positiven Leistungen auf Center hoffentlich mindestens wiederholen können. Cody Whitehair wird dafür auf seiner favorisierten Position als Left Guard eingeplant. Somit ist diese Rotation sowohl für Daniels als auch für Whitehair eine Win-Win-Situation.

Gegenüber von Whitehair wird -sofern er gesund bleibt- Kyle Long seinen Platz finden. Damit sind die Bears zunächst qualitativ auch solide auf Right Guard besetzt. Sollte sich Long jedoch verletzen, könnte es in der Tiefe der Position schnell eng werden. Im Training Camp wird Blake Blackmar versuchen, seine Chance auf einen Back-up-Platz hinter Long zu nutzen.

Wie in den Vorjahren sind die Tackle-Positionen in den Händen von Bobby Massie, der in der Off-Season eine Vertragsverlängerung bis einschließlich 2022 unterzeichnet hatte und Charles Leno. Letzterer ist als Left Tackle bei den Bears eine Bank. In den vergangenen drei Seasons blieb er von nennenswerten Verletzungen verschont und konnte alle Spiele der Regular Season als Starter erfolgreich inkl. Pro-Bowl-Nachrücker-Nominierung 2018 absolvieren.

Hinter den o.g. Startern gibt es natürlich noch Spieler in der „zweiten Reihe“. Eine sehr positive Entwicklung in dem letzten Jahr hat z.B. Rashaad Coward genommen. Nicht zuletzt deshalb und im Vertrauen auf die weitere Entwicklung von Coward konnte man Bradley Sowell für die TE-Position einplanen. Coward, ein ehemaliger D-Liner, dürfte als Swing Tackle den Kader ergänzen.

Alex Bars (Notre Dame), Quelle: 247 Sport

Ein neuer alter Bekannter ist Ted Larsen. Der 32-jährige O-Liner spielte in der Saison 2016 bereits für die Bears, bevor er zu den Dolphins wechselte. Nun kehrt er als Free Agent aus Florida wieder nach Chicago zurück. Er ist in der Offensive Line auf der Guard-Position flexibel einsetzbar und könnte sogar Center spielen. Er wurde als Ersatz für Eric Kush und Bryan Witzmann geholt. Zwar hoffen wir, dass die Starter fit und leistungsstark bleiben, falls dem jedoch nicht so sein sollte, hätte man mit Larsen einen -wenn verletzungsfrei- soliden, flexiblen und erfahrenen einsetzbaren Back-up.

Nicht nur Larsen und die Bears wurden wieder vereint, sondern auch Alex Bars und O-Line Coach Harry Hiestand. Hiestand und Bars haben eine gemeinsame Vergangenheit bei Notre Dame. Auf Grund von Verletzungen während seiner College-Zeit blieb Bars beim Draft unberücksichtigt und konnte so von den Bears engagiert werden. Hiestand lobt Bars‘ Spielverständnis und seine technischen Möglichkeiten. Möglich, dass Bars auch auf Grund seiner Verletzung zunächst keinen Platz im Kader findet. Da Larsen nicht mehr der Jüngste ist und auch nur einen Einjahresvertrag erhalten hat, könnte ihm auch nach einem Jahr im Practise Squad eine positive Zukunft bei den Bears bevorstehen.

BenjaminBDG
Bears Fan erst seit einigen Jahren, spätestens seit einer kurzzeitigen „Gefangenschaft“ im Soldier Field 2017. Regelmäßig anzutreffen in der 6. Deutschen Footballliga Nord. – Am Spielfeldrand. Früher auf der Tonspur vor allem bzgl. Fantasy Football aktiv, nun sowohl verbal als auch schreibend bei Beardown Germany tätig.