QB Tagebuch: AFC East Wochen

Quelle: Getty Images // Foto: Jonathan Daniel/

In folgender Artikelreihe möchten wir, das sind „philippgd“ und „janikbears“, euch Lesern die Saison 2018 von Mitchell Trubisky näherbringen. Wir werden mit unserem „QB Tagebuch“ das Spiel des Jungen von Woche zu Woche anhand von Videomaterial analysieren und die Leistungen in einen Kontext mit der Situation und getroffener Aussagen stellen.

Inhaltsangabe

  • Part 1: Vorwort
  • Part 2: Saisonbeginn
  • Part 3: AFC East Wochen
  • Part 4: 27.07.19
  • Part 5: 31.07.19
  • Part 6: 03.08.19
  • Part 7: 07.08.19

Die Chicago Bears kamen mit viel Selbstvertrauen aus der Bye Week. Nach einem gelungenen Saisonstart reiste man nach Miami, wobei die Siegchancen kurz vor dem Spiel mit der Nachricht vom verletzungsbedingten Ausfall des Dolphins Quarterback Ryan Tannehill noch einmal gestiegen waren. Eine erfolgreiche Serie gegen alle AFC East Teams direkt hintereinander sollte nun folgen.

Viele Journalisten und Experten waren vor der Saison der Meinung gewesen, dass man den jungen Quarterback aus Chicago eigentlich erst nach der Bye Week bewerten dürfe. Bei Beardown Germany äußerten wir uns in der „Zugabe!-Die Spieltagrückschau“ noch vorsichtiger. Mahnten wir doch an, es ginge nicht nur darum, dass Mitch Trubisky das System lerne, sondern auch und vor allen anderen Dingen mussten der neue Head Coach Matt Nagy und sein Quarterback eine gemeinsame Ebene finden. Erst später erfuhren wir, wie bereits im Vorwort erwähnt, dass Mitch voll in die Etablierung eines neuen Spielsystem der Bears integriert wurde und nicht einfach das umsetzen sollte, was der Trainer vorgesehen hatte. Man war also dabei eine gemeinsame Spielphilosophie zu entwickeln.

So verwunderte es uns im Gegensatz zu vielen allgemeineren Schreiberlingen wenig, dass es nach guten Eindrücken erstmal wieder zu einer Regression in der Entwicklung des Quarterbacks kam.

Nach der Bye Week ging es wie angesprochen zu den Dolphins ins tropisch heiße Miami. Viele gestandene Teams und erfahrene Quarterbacks sind in den letzten Jahren in der „Dampfsauna“ Hard Rock Stadium im frühen Herbst gescheitert. Die Bears wollten es ihnen trotz geringer Erfahrung des jungen Teams nicht gleich tun. Doch obwohl man zwischenzeitlich 21-13 führte, verließen sie als Verlierer den Platz.

Es gab viele Gründe, die zur Auswärtsniederlage führten. Da war zum einen die Verletzung von Khalil Mack, dann der Fumble kurz vor Spielende von Tarik Cohen, der den Drive zum Sieg beendete und natürlich eine Interception von Mitch Trubisky. Wie wir es auch drehen, nach dem Spiel blieben wir mit gemischten Gefühlen zurück. Was es über unseren Quarterback zu berichten gab, seht ihr hier:

Wo viel Licht ist, da findet sich auch Schatten. So wie im Grunde die ganze Saison bis zu diesem Zeitpunkt verlaufen ist. Bedenkt man seine geringe Zahl an NFL und College Einsätzen, sollte es keinen Grund dafür geben, nicht an den positiven Aspekten in seinem Spiel festzuhalten. Trubisky vervollständigte bis einschließlich diesem Spiel 70 Prozent seiner Pässe bei 11 Touchdowns und 4 Interceptions. Ohne darauf einzugehen, aber einige Leser sind mit der genaueren Statistik Adjusted Net Yards vertraut. Trubisky befand sich zu diesem Zeitpunkt auf Platz 10 mit 7,06 Adjusted Net Yards pro Versuch. Auf Platz 12 war da ein gewisser Tom Brady mit 6,93.

Und auf diesen sollten die Bears im sechsten Saisonspiel mit seinen New England Patriots treffen. Zusammenfassen lässt sich das Spiel mit „Knapp daneben ist auch vorbei“. Man verlor mit 38-31 nachdem eine Hail Mary in den Armen von Kevin White landete, nur leider ein Yard zu kurz. Es hätte ein großartiger Erfolg werden können, zumal man bedenken muss, dass die Chicago Bears zwei Touchdowns über Special Teams zuließen.

Erneut erlebten wir die „gemischte Tüte“ Mitch Trubisky. Er tat sich mit 81 Rushing Yards als Dual Threat Quarterback hervor, erlief einen und warf für zwei weitere Touchdowns, jedoch auch zwei Interceptions und konnte am Ende froh sein, für keine weiteren Turnover verantwortlich zu sein. Aber seht selbst:

Dieses Spiel hatte Höhen und Tiefen und mit ein wenig mehr Glück hätte unser Quarterback die Highlight Tapes der Woche bestimmt. So blieb ein fader Beigeschmack. Würde es Trubisky in Man Coverage schaffen weiterhin mit seinen Beinen zu antworten und seine Bälle platzierter anzubringen, musste uns um die nächsten Wochen allerdings nicht Bange sein. Musste es uns auch nicht, denn die Niederlage gegen die New England Patriots am 21.10.2018 war die bis dato letzte Regular Season Niederlage von Quarterback Mitch Trubisky bis heute.

Gegen die New York Jets schwärmte am Ende des Spiels TV-Experte Tony Romo von Mitch Trubisky in höchsten Tönen. Können wir es ihm gleichtun?

Ja, es wurde hier bereits öfter über die Höhen und Tiefen in seinem Spiel geschrieben. Aber das Spiel gegen die Jets brachte es auf den Punkt. Es gab Probleme in seinem Spiel, bei der Ausführung, wo er sich entwickeln muss. Gleichzeitig würde er häufig einen Weg finden sich mit seiner exzellenten Athletik aus der Affäre zu ziehen. Allein das macht ihn, selbst wenn er wider Erwarten keine weitere Entwicklung mehr vollzieht zu einem ordentlichen bis guten Quarterback. Paaren wir das mit seiner offensichtlichen Nervenstärke und Wettbewerbsfähigkeit dürfen wir Hoffnungen in den jungen Quarterback setzen. Denn er würde bei der bisher gezeigten Fehleranfälligkeit in seinem Spiel immer wieder einen Weg in kritischen Situationen finden, den viele sicherere Quarterbacks nie gehen. Mitch Trubisky kann Spiele entscheiden, was ein wichtiges Kriterium für einen Top-Starter auf der Position in der NFL ist. Viele sichere Passer haben „Es“ nicht, werden dank der Stats aber immer über den goldenen Klee gelobt. Alex Smith fällt einem da immer als erstes ein.

Die inoffizielle Divisionsmeisterschaft der AFC East schlossen die Bears am Ende des Monats mit 2-2 ab. Gegen Buffalo siegte man mit 41-9 und verschaffte sich damit das nötige Selbstvertrauen für die wichtigen Spiele in der eigenen Division und Conference. Doch wer bei dem Ergebnis glaubt, dies wäre einer der besonders positiven Auftritte von Mitch Trubisky gewesen, weit gefehlt. Die 12-20 Pässen für 135 Yards und einen Touchdown bei einer Interception geben bereits erste Antwort. Sein inkonstantes Ball Placement während der Spielbetrachtung weitere und hinterlassen dabei fragende Gesichter:

Trubisky polarisiert die Sportmedien und die Öffentlichkeit. Während seine schärfsten Kritiker auf die besondere Unterstützung durch System und Trainer verweisen und wie hilfreich seine Defense für sein Spiel ist, konnten wir herausstellen, wie weit der Quarterback noch davon entfernt gewesen ist, sich im neuen System mit neuen Anspielstationen routiniert zu verhalten. Nichtsdestotrotz kommen wir nach dem Spiel gegen die Bills nicht darum herum, auf die negativen Aspekte seiner fehlenden Genauigkeit zu verweisen.

Das Gesamtbild, welches wir nach den AFC East Wochen zeichnen durften, war gemischt mit unterschiedlichen Farben und Facetten. Es bestätigte, dass eine Spielerentwicklung nie geradlienig verläuft. Es gab gute Spiele und schlechte Spiele, starke Momente und schwache. Mechanische Abläufe waren immer noch inkonstant, was uns allerdings, wie eingangs beschrieben, kaum verwundert hatte. Daran arbeitete Trubisky weiter, während er und Matt Nagy allmählich eine Abstimmung auf ihr gemeinsames System zu finden schienen. Wir sahen ein Auf und Ab in seinen wöchentlichen Auftritten, die Kurve ist dabei aber tendeziell steigend. Inwiefern, dass erfahrt ihr in der nächsten Ausgabe!

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".