HHCD: Ist „Neu“ immer besser?

Quelle: bearswire.usatoday.com // Foto: Nam Y. Huh

Ein weiser Mann sagte einst: „Neu ist immer besser!“. Okay, Barney Stinson aus HIMYM ist nicht wirklich weise und ihm wurde in der Episode auch aufgezeigt, dass das nicht stimmt. Aber trifft seine Aussage zumindest auf den neuen Bears Safety zu? BDG-Leser Holger hat uns vor geraumer Zeit gefragt, ob wir zu HaHa Clinton-Dix einen Artikel schreiben können und jetzt ist es dann auch endlich so weit, wir gehen der Sache auf den Grund.

Aufgrund seiner Käse-Vergangenheit und das unserem Ex-Spieler Adrian Amos, der auf der gleichen Position zuhause ist, eine Zukunft in Wisconsin bevorsteht, gibt es in dieser Offseason kaum ein heißeres Thema zwischen den beiden Fangruppen.

“Amos is better!”

“No, Ha-Ha is better!”

“No, Ha-Ha is bad. We didn’t like him anyway!”

“Oh yeah? Well Amos is overrated. He’s only good because of Eddie Jackson!”

Und so weiter und so fort.

Bevor wir also loslegen, sage ich erst einmal, dass die Wahrheit, objektiv betrachtet, wohl in der Mitte liegt. Betrachtet man das ungewollte Duell rein spielerisch, dann haben beide Teams einen soliden Starter verpflichtet, die den jeweiligen Defenses helfen können, doch keiner der beiden ist ein All-Pro. Bezieht man jedoch die finanzielle Seite mit in die Diskussion mit ein, dann kann man nicht anders, als das Geschäft der Bears vorerst besser zu bewerten (Hinweis: Die wirkliche Beurteilung kann erst erfolgen, wenn Beide Spiele für die neuen Teams absolviert haben). Immerhin kosten die Dienste für einen gleichwertigen Spieler ungefähr nur ein Drittel der Summe, die die Packers für Amos ausgeben.

Meine erste Vermutung ist, dass die Reunion mit dem ehemaligen Alabama Crimson Tide Teamkollegen und First Team All-Pro Eddie Jackson eine größere Komfortzone darstellt, als Green Bay für Amos. Dieser ist nun angehalten auch der Star zu sein, zu dem die Analysten einer bestimmten Statistik-Seite ihn seit längerem ausgerufen haben.

Nun aber hin zu Clinton-Dix und warum ich glaube, dass ein qualitativ gleichwertiger Spieler die Bears am Ende sogar besser macht, als sein Vorgänger es tat.

Deckung

Die Raumdeckung der Bears bekommt durch den Personalwechsel ein sofortiges Upgrade, weil Clinton-Dix eine bessere Tiefenverteidigung besitzt. Dieser wohlmöglich sogar vor einem Touchdown rettende Einsatz von Clinton-Dix gegen die Tampa Bay Buccaneers ist ein gutes Beispiel für die neue Ebene, die er dem Bears Spiel ermöglichen wird, welche über dem Limit des Vorgängers liegt.

Clinton-Dix agiert hier als der tiefste Spieler in der Mitte des Feldes innerhalb einer Cover-3 Aufstellung. Tampa Bay möchte eine Routen-Kombination mit Mike Evans und DeSean Jackson spielen, welche genau auf ihn abzielt. Indem Jacksons Post-Route aus der Slot versucht Clinton-Dix so lange wie möglich an sich zu binden, wird Evans bei seiner Out-And-Up-Route ein 1 gegen 1 beschert. Clinton-Dix lässt sich zwar tatsächlich zu weit nach rechts herausziehen, doch erkennt noch früh genug, was QB Ryan Fitzpatrick nun vor hat und trifft aufgrund seiner Schnelligkeit noch rechtzeitig ein, um eine Pass Deflection zu erzielen.

Die Kombination aus Disziplin, Athletik und Instinkte ging den Bears in den letzten Jahren zunächst komplett und zuletzt neben Jackson einfach ab, besonders wenn es um die tieferen Zonen des Feldes ging. Es gibt einfach nicht viele Safeties, die eine Reichweite versprechen, um solch einen Spielzug auf den Platz zu bringen.

Das ist kein einfaches Amos Bashing, dementsprechend zeige ich euch jetzt eine Szene, ebenfalls gegen die Tampa Bay Buccaneers, in der Amos die gleiche Aufgabe aufgetragen bekommen hat.

Das Problem ist hier nicht seine Positionierung, die ziemlich tief ist, sondern seine Unentschlossenheit, die den Bears ein mögliches Big Play kostet. Man sieht in dem Video genau, dass Amos sich nicht wirklich von Fitzpatricks Blickrichtung täuschen lässt, doch sobald der Quarterback zu sich zu seinem Ziel wendet, reagiert Amos zu zögerlich. Dadurch kommt er den einen Schritt zu spät, der DeSean Jackson den 40Y Gewinn ermöglicht.

Playmaker

Gegen die Buffalo Bills liest Clinton-Dix den Blick von Josh Allen richtig und fällt ebenso wenig auf dessen Pump Fake zur Seam-Route herein. Im Tampa-2 Schemata weiß er von der Absicherung hinter sich und kann sich somit bereits in guter Position zu Kelvin Benjamin begeben. Eine gute Positionierung ist hier jedoch nicht alles, denn Clinton-Dix macht einen zeitlich gut abgestimmten als auch aggressiven Lauf, womit er den Passweg unterbricht.

Dieses instinktive Spiel ist der Grund dafür, warum er nicht den einen Schritt zu spät ist und den Catch nur noch mit einem harten Tackle unterbinden kann, sondern selbst derjenige zu sein, der einen Schritt voraus ist und den Ball in den eigenen Händen hält.

Bears Fans kannten sowas bisher nur von Eddie Jackson. Clinton-Dix ist nun der zweite Safety mit einem instinktiven Spiel. Defensive Coordinator Chuck Pagano wird das zu Nutzen wissen. Er besitzt damit die Möglichkeit eine größere Rotation in den Aufgabenbereichen der Safeties einzubauen, was die Defense unberechenbarer macht und Match-Up Vorteile der Gegner ausgleichen kann.

Bisher war es zumindest der Fall, dass die Bears versuchten, den Partner von Jackson weitestgehend zu schützen, indem er nicht für die Absicherung der Tiefe zuständig war, sondern die Safeties vom Typ Amos und Bush näher zum Ball postierten. Damit nahm man sich jedoch die Chance Jackson, der am College auch Cornerback spielte, in Manndeckung gegen guten Receiving Tight Ends aufzustellen, worin er, wenn es sich ergab, einen ebenfalls guten Eindruck hinterlassen konnte. Ja, bisher wurde dieser verrückte M’f***** in seinen Möglichkeiten sogar limitiert.

Vielseitigkeit

Doch wo wir gerade über die Manndeckung von Receiving Tight Ends reden. Hier tritt HaHa Clinton-Dix gegen Evan Engram von den New York Giants an.

Gut oder? Zukünftig aber bitte die INT perfekt machen.

Clinton-Dix verspricht somit zugleich eine bessere Alternative, sollte Jackson wie im letzten Jahr, aus welchen Gründen auch immer, ausfallen. In den Playoffs gegen die Eagles wurde Jackson, über die gesamte Partie gesehen, gut kompensiert, doch beim entscheidenden Spielzug, dem Touchdown von Tight End Dallas Goeddert ließ Amos genau diese Qualität vermissen.

Das Ganze kam nicht unerwartet, denn sowas passiert, wenn das gegnerische Team Amos bereits kennt und weiß, dass er im 1vs1 gegen die Top Leute der Liga im Nachteil ist.

Fazit

Adrian Amos ist kein schlechter Spieler. Er besitzt ein gewisses Skill Set und der Artikel stellt dieses nicht heraus, weil er vom den Neuzugang der Bears handelt. HaHa Clinton-Dix ist ein ähnliches Kaliber. Er ist auch nicht so nahezu perfekt in seiner Coverage, wie Eddie Jackson. Er hat weder die größte Reichweite, noch die Instinkte, um die Chance auf wirklich jeden Ball zur Seitenlinie zu besitzen. Clinton-Dix bringt in den Bereichen Coverage, Playmaker Fähigkeit und Vielseitigkeit jedoch ein größeres Vermögen als sein Vorgänger mit und macht die Bears somit noch einmal gefährlicher. Hinter einer Front Seven, wie die der Bears, sind solche Stärken wichtiger. Neu ist nicht immer besser, doch aus der Vergangenheit gezogene Schlüsse, machen diese Neuverpflichtung passender.

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.