Der Bears Draft 2019

Foto: Brian Powers // Quelle: The Register

Lange erwartet und schnell wieder vorbei – der NFL Draft. Am Ende blieb es für unsere Bears bei insgesamt fünf Picks und der ersten Wahl in der dritten Runde. Bei Beendigung der siebten Runde startet sofort die Phase der Undraftet Free Agents. In den letzten Jahren bewies GM Ryan Pace auch hier ein gutes Händchen, so waren bspw. Bryce Callahan oder Roy Robertson-Harris solche Verpflichtungen. In diesem Jahr waren die Bears besonders aktiv und konnten mit der neuerlangten Attraktivität nochmal große Namen aus dem Draft akquirieren. Ich möchte euch im folgenden Artikel die interessantesten Neuzugänge vorstellen.

3. Runde (Pick #73): RB David Montgomery, Iowa State

Der Draft der Bears begann einmal wieder typisch für Ryan Pace. Er begann mit einem Up-Trade. So gaben die Bears ihren Pick aus der dritten Runde (#87), sowie den aus der fünften Runde (#162) und einem 2020er Viertrunden Pick ab und erhielten von den New England Patriots den hier besprochenen Pick, als auch den Pick in der sechsten Runde (#205). Danach war, wie üblich, das Geschrei groß. Die Beschwerden klangen alle ungefähr so: „Warum macht er das?“ oder „Wieso für einen Runningback?“. Dabei ist das Ganze ziemlich einfach. Die Bears haben im Vorfeld zwei Runningbacks im Kader gehabt und es war allgemein bekannt, dass sie noch einen besser passenden Howard Nachfolger suchen. Inzwischen ist mehr oder weniger durchgeklungen, dass sie dafür Miles Sanders, Darrell Henderson und eben David Montgomery als klare Ziele ausgemacht hatten. Als die beiden Erstgenannten von anderen Teams ausgewählt wurden, hat Ryan Pace gehandelt, um den für ihn letzten interessanten RB zu bekommen. Er hatte schon immer klare Ziele, die er forciert und nimmt nicht einfach nur den besten Spieler, den die anderen Teams bis zum Bears Pick übrig gelassen haben. Da direkt nach unserem Pick noch weitere Runningbacks vom Board gingen, kann davon ausgegangen werden, dass er bei den Teams kein Risiko eingehen wollte.

Nun aber endlich zum Spieler. David Montgomery ist ein Spieler, der genau dem körperlichen und athletischen Profil entspricht, das ich euch im Vorfeld zum Draft vorgestellt hatte. Er ist kleiner als der Durchschnitt (5’10), wiegt aber mehr als der Durchschnitt (222lb), ist nicht schnell (4.58sek 40Y-Dash, wobei das schneller als Hunt ist), sondern eher antrittsstark und spritzig (1.6sek 10Y-Split). Außerdem hatte er einen überdurchschnittlichen Broad (121 Zoll) und verpasst nur minimal den Wert beim Vertical Jump (33,5 Zoll). David Montgomery ist also niemand, der viele lange Läufe zu verbuchen hat, trotzdem kam er auf durschnittlich 4,7 Yards pro Lauf in seinem letzten College Jahr. Er ist durchaus ordentlich im Pass Block und bewies eine gute Übersicht für aufkommende Lücken. Seine größte Stärken sind jedoch seine Balance beim gegnerischen Kontakt…

… seine Richtungswechsel…


… und seine Fähigkeiten als Receiver. Der jetzt an der Northwestern arbeitende Coach Louis Ayeni hat Montgomery rekrutiert, ebenso wie Kareem Hunt. Er hält den neuen Bears Runninback für den besseren Receiver und Routenläufer. Zudem ließ er den Ball über seine gesamte College Karriere nicht einmal fallen.

Ryan Pace: “There are numerous stories coming out of his school with his work ethic and his professionalism and how he treats the staff. He has a chip on his shoulder.”

4. Runde (Pick #126): WR Riley Ridley, Georgia

Der zweite Pick der Bears war Riley Ridley. Ridley? Richtig, der Bruder vom letztjährigen Erstrunden Receiver Calvin Ridley. Ein Pick der wenig überraschen sollte, wo Ridley doch Ryan Paces scheinbare Lieblingsuniversität Georgia besucht (Floyd, Smith, Wims, nun Ridley).

Die größte Stärke von Riley Ridley ist wohl, wie er seine Routen läuft. Er ist da genauso detailverliebt wie sein Bruder. Ridley kann weit in die Beine gehen, seine Hüfte senken und auf der Stelle abstoppen.

Ridley ist jedoch nicht nur bei Comebacks oder Curls sehr stark, auch seine Routen, in denen er seine flüssigen Richtungswechsel einbringen kann, sind hervorragend.

Ridley misst 6’1 und wiegt 199lb und bietet durch seine überragende Körperkontrolle eine verlässliche Option für sogenannte „Jump Balls“. Im Vorfeld des dazugehörigen Clips sehen wir allerdings erneut, wie er sich auf kurzer Distanz bereits wieder freispielen kann.

Ryan Pace: „Route running, hands, catching radius, the ability to win 50-50 situations [are his strength]. For as big as he is, he knows how to drop his weight and quickly get out of break points, so when you’re watching him, you consistently see him separating from man coverage and I think it’s because of his physical skillset but also because he’s a very good route runner“

Riley Ridley: „I’m not a 50-50 guy. I win all of them.“

6. Runde (Pick #205): DB Duke Shelley, Kansas State

Duke Shelley konnte in der abgelaufenen Saison an sieben Spielen teilnehmen, bis er sich eine Zehenverletzung beim Return einer Interception zuzog. In seinen Einsätzen konnte er 33 Tackles und 3 Interceptions verbuchen. Bei einer Größe von 5’9 und einem Gewicht von 180lb spielte er am College auf den Außen, in der NFL wird er die Position des Nickelcornerbacks einnehmen.

Beim Blick auf seine acht College Interceptions scheint er mir die nötigen Instinkte mitzubringen. Er versteht es die Augen des Quarterbacks zu lesen und Passwege zu unterbrechen.

Er besitzt einen guten Antritt, kann flüssig die Richtung wechseln und kann danach sehr gut wieder Geschwindigkeit aufnehmen.

Er verfügt über eine gute Endgeschwindigkeit, was ihm logischerweise bei Tiefenpässen hilft. In der Szene muss er allerdings seinen Blick in Richtung Ball wenden, doch zumindest versteht er es, seinen Körper zwischen Ball und Gegenspieler zu platzieren.

Ryan Pace: „A little bit undersized but extremely athletic, really twitchy. Good ball skills. A guy we’ve liked for a long time internally and excited to get him at that point. Four-year starter at K-State. His competitiveness just jumps off the tape when you’re watching Duke Shelley.“

7. Runde (Pick #222): RB Kerrith Whyte, Florida Atlantic

Als Läufer kann Kerrith Whyte explosiv in eine sich ihm bietende Lücke hineinstoßen, sich gegen Tackles mit dem Arm behaupten und man kann im Clip eine gute Geschwindigkeitsaufnahme sehen.

Als Receiver kann er ebenfalls von Nutzen sein. Er hat nicht die herausragende Fangsicherheit, doch bietet man ihm die Chance auf ein wenig Freiraum bei einfachen kurzen Routen, dann wird er nach dem Catch sehr gefährlich.

Als Returner besitzt er einen guten Antritt, Balance bei Gegnerkontakt und Endgeschwindigkeit.

Ryan Pace: „….we’re excited to get Kerrith where we got him. I just think his speed just jumps out when you’re watching the tape. And then you throw in the special teams value that he brings, too. I know I feel like with him, that’s one where the scouts, the offensive coaches and the special teams coaches are all excited about, because he brings that kind of versatility.“

Kerrith Whyte: „We ran a lot of routes and caught the ball. I can catch and run routes. We have a lot of practice film. We just never got to call it in the game or stuff like that. That’s another asset to my game.“

7. Runde (Pick #238): DB Stephen Denmark, Valdosta State

Der letzte Pick im Draft war nochmal purem Potenzial gewidmet. Stephen Denmark ist sowas wie der D.K. Metcalf der Defensive Backs.

Ryan Pace: „He catches your eye, has ridiculous measureables.“

UDFA: WR Emanuel Hall, Missouri

Emanuel Hall kann eigentlich als weiterer Draftpick angesehen werden. Er war der größte verbliebene Name unter den UDFA und entschied sich für die Bears. Ein wenig überraschend, wenn man bedenkt, wie stark die Bears auf dieser Position in der Breite aufgestellt sind. Hall hat jedoch die Voraussetzungen, um sich in den Kader zu spielen. Die Bears machen somit nicht den Fehler und lassen sich von ein paar (guten) Snaps von Javon Wims blenden. Wims hat ebenfalls Potenzial, doch niemand darf von einem Siebtrunden Pick erwarten, dass er auch langfristig eine echte Option in der NFL darstellt. Ryan Pace hat mit dieser Akquisition vor- und für zusätzliche Konkurrenz im Kampf um die Kaderplätze gesorgt.

Hall war einer der herausragenden Athleten beim Combine und zählte bei jedem Test zu den Besten. Er ist einer der Spieler, die wir für die mittelfristige Gabriel Nachfolge im Auge hatten.

Seine Geschwindigkeitsaufnahme nach dem Snap und sich damit freizuspielen sind großartig. Er ist wohl der beste Receiver der Klasse, wenn es um reine Schnelligkeit geht.

Einmal offen, ist es fast unmöglich ihn nochmal einzufangen. Er kann seine Geschwindigkeit auch während des Catches beibehalten.

Hall ist kein so starker Routenläufer, wie Riley Ridley. Er löst vieles noch mit seiner Geschwindigkeit. Doch neben den bloßen Go-Routes, konnte er mich mit seinen Out- und Corner-Routes überzeugen.

 

UDFA: TE Dax Raymond, Utah State

Die Tight Ends in diesem Jahr waren wirklich stark und zudem auch zahlreich. Vielleicht wird es sogar die beste Klasse seit 2010 (Gronk, Graham, Hernandez, Pitta, Gresham, Dickson). Ein Tight End, den jeder BDG Autor in seinen Top10 Position Ranking hatte ist Dax Raymond. Warum der Tight End von keinem Team im Draft ausgewählt wurde, bleibt, zumindest vorerst, ein Geheimnis.

Aus meiner Sicht ist er ein bereits älterer Spieler mit solider Athletik, dafür ist er allerdings schon weiter in seinem Entwicklungsstand. Er besitzt sichere Hände, kann blocken und hat ein gutes Raumgefühl. Er ist ein Undrafted Free Agent, der es vom Leistungsvermögen bereits in der kommenden Saison in den Kader schaffen könnte.

Fazit

Ryan Pace konnte mit den wenigen ihm zur Verfügung stehenden Picks wieder einige interessante Talente für die Chicago Bears dazu gewinnen. Erneut schreckte er nicht davor zurück, alles dafür zu tun,um einen seiner Wunschspieler zu bekommen. Erneut konnte er auch uns, trotz all der gesehenen Spieler, mit ein paar Personalien überraschen. Positiv ist vor allem die Entwicklung, dass die Bears an soviel Attraktivität gewonnen haben und damit bei den UDFA’s quantitativ und qualitativ im Vergleich zu den Vorjahren zulegen konnten. Ob der Draft gut war? Nun ja, das bewerten wir auf dieser Seite wieder erst, wenn die Spieler etwas Zeit in der NFL hinter sich haben.

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