Cordarelle Patterson – Der unterschätzte Neuzugang

Quelle: Screenshot auf NFL Network

Die Bears haben gestern Cordarelle Patterson verpflichtet. Die ersten Reaktionen darauf waren doch eher zurückhaltend. Dem ersten Anschein nach mag es so sein, dass die Unterschrift von Patterson nichts besonderes ist. Er konnte seinerzeit als Receiver die Erwartungen an einen Erstrundenpick nicht erfüllen und gehört bestimmt nicht zu den Kalibern Antonio Brown und Odell Beckham, die in den letzten Tagen ihr Team gewechselt haben.

Nun wisst ihr aber, dass euer BDG-Team immer genauer hinsieht. Daher wollen wir erklären, weshalb unsere drei Autoren den seltenen Umstand genießen, einer Meinung zu sein und die Verpflichtung von Cordarelle Patterson für die unterschätzteste Verpflichtung dieser Free Agency halten.

Der Vertrag

Schauen wir uns zuerst gemeinsam seinen neuen Vertrag an. Patterson erhält von den Chicago Bears für seinen zweijährigen Dienst insgesamt 10 Mio US-Dollar. Damit ist er der 45. bestbezahlteste Receiver in der Liga, der 13. bestbezahlteste Runningback und der zweitbestbezahlteste Special Teamer. Der Vertrag ist laut „overthecap.com“ zudem so strukturiert, dass eine für die Bears sorgenfreie Trennung nach einem Jahr möglich wäre.

Weshalb hier gleich drei unterschiedliche Positionen gemessen werden, erklärt sich im weiteren Artikel.

Special Teams

Wer ist der beste Kickoff Returner, der je bei den Bears einen gültigen Vertrag besessen hat?

Falsch! Es ist nicht Devin Hester, sondern Cordarelle Patterson!

Patterson erzielte in seiner bisherigen Karriere gleich 6 Yards mehr pro Kickoff Return und schaffte sogar mehr Touchdowns, obwohl er bisher fünf Jahre weniger gespielt hat als der zukünftige Hall of Fame Special Teamer Devin Hester. Der bleibt natürlich mit Abstand bester Punt Returner in der Bears Geschichte. Fun Fact: Die von ihm im Durchschnitt erzielten 30 Yards pro Return sind das Doppelte von dem, was sein direkter Vorgänger Taquan Mizzell unseren Bears einbringen konnte (15Y).

Für ein Team, dass im Jahr 2018 die schlechtesten Kickoff Return Statistiken der gesamten Liga vorzuweisen hat, kann man sicherlich von einem Gewinn sprechen, wenn es den besten Spieler auf dieser Position als Verstärkung holt. Sein Gehalt ist allein damit gerechtfertigt, dass er zu den vollwertigsten und besten Special Teamern der Liga zählt, denn er kann in Zukunft auch den abgängigen Joshua Bellamy als Gunner ersetzen.

Es ist gut zu wissen, dass die Bears ab sofort nicht nur einen Spieler in ihren Reihen haben, der solche Touchdowns kreiert, sondern auch versteht sie zu verhindern.

Runningback

Da er im letzten Jahr bei den New England Patriots in einigen Spielen als Lead Back eingesetzt wurde, könnten manche Fans auf die Idee kommen und ihn auch bei den Bears als solchen sehen. Patterson ist aber kein Runningback. Er besitzt weder die Übersicht für offene Gaps noch verfügt er über die typische Gangart eines Rushers, der mit tiefem Oberkörper und schnellen hämmernden Schritten den Einschlag des Linebackers erwartet. Seine Stats sehen da gut aus, sind allerdings beschönigt, wenn man bedenkt, dass viel Produktion u.a. in der Begegnung gegen die Green Bay Packers zustande kam, die im letzten Jahr eine schwache Laufdefense besaßen.

Das soll nicht heißen, dass er es nie tun sollte. 2-3 Läufe aus dem Backfield sind eine weitere kreative Ergänzung in unserer Offense, die man gern mitnimmt. Aber vor allem bei Pitches und Tosses kann er sich entfalten.

Receiver

Vorherige Teams nahmen seinen hohen Top Speed und hielten fest, dass Patterson ein Deep Threat Receiver ist. Nun hatte er allerdings ein Problem damit, tiefe Bälle über die Schulter zu fangen, womit er nie ein konstanter Passempfänger in diesem Bereich werden konnte. Erst die Patriots erkannten, dass mit seinem hohen Maß an Explosivität und Spritzigkeit noch viel mehr anzufangen ist, erkannten aber auch, dass er sich als vertikales Ziel verbessert hat.

Neben den bereits erwähnten Pitches und Tosses verlangten sie von ihm Screens, End Arounds und Reverse Routen. Und siehe da, es ging auf. Patterson ist ein Spieler, der mit verschiedenen Gängen laufen kann und damit Spielern ausweicht. Am effektivsten ist er, wenn er ein paar Yards mit dem Ball frei laufen kann um sich zu entfalten. So ähnlich macht er es ja schließlich auch bei Kickoff Returns und ist dort, wie bereits beschrieben, sehr erfolgreich.

Matt Nagy wird garantiert viele Wege finden, um Patterson in seine Offense einzubauen. Wide Receiver Screens, wie diesen, zeigte er im letzten Jahr zahlreich. Nur fehlte es seiner Offense an größer gewachsenen explosiven Playmakern. Allen Robinson wird in Zukunft solche Plays nicht mehr bestreiten.

In Chicago hat Nagy im letzten Jahr mit den schnellen und explosiven Athleten Taylor Gabriel und Tarik Cohen viele sogenannte Misdirecton Plays gecalled. Nun kann er mit Patterson weitere Variationen in sein System einbauen.

Außerdem muss er gar nicht den Ball bekommen um ein wichtiger Spieler zu sein. Pattersons Fähigkeiten im Screen Game sind gefürchtet und respektiert von den besten Defenses des Landes, wie wir gerade eindrucksvoll beobachten konnten. Allein die Andeutung schafft Räume für andere Receiver. Im nächsten Play sehen wir auch warum man seine Präsenz stets anerkennen sollte:

Viel leichter kann sich eine Offense das Punkten nicht machen.

Zusammenfassung

In erster Linie haben die Bears Cordarelle Patterson geholt, weil er den Special Teams eine deutliche Verbesserung bietet. Selbst wenn man ihn nur darauf beschränkt, ist er ein Gewinn. Unterschätzt wird allerdings sein Einfluss auf die vielseitige und kreative Offense, die seit dem letzten Jahr vom neuen Coaching Staff in Chicago etabliert wird. Eine Angriffsreihe, die sich gerade erst findet und noch längst nicht alle Puzzleteile besitzt, die der Coach sich wünscht. Patterson ist eines dieser Teile.

General Manager Ryan Pace wurde beim Combine gefragt, was seine Offense noch benötigt um sich weiter zu verbessern:

„I think we’re an exciting offense to watch and I think we’ve got a lot of pieces that can do a lot of different things and that’s only going to grow in Year 2,” Pace said. “Now from a personnel standpoint, do we need to add to that? Yes. Do we want to get faster and more explosive? Yes. And that’s our challenge.”

Er sucht also unterschiedliche Typen, schnellere, explosivere Spieler. Patterson erfüllt genau das beschriebene Profil. Neben seiner Vielseitigkeit bietet Patterson auch eine Verbesserung der Kadertiefe. Er kann als Wideout, Slot Receiver und Runningback aufgestellt werden.

Cordarrelle Patterson Snaps in der Patriots Offense:

Backfield: 17.9%
Wide Receiver: 52.9%
Slot Receiver: 26.2%
Tight end: 3.0%

Anthony Miller und Tarik Cohen müssen in Zukunft nicht mehr als Kickoff Returner eingesetzt werden. Erstens waren sie da eh nie so erfolgreich und außerdem ist es besser sie für die Offense zu schonen. Dort ist Patterson eine weitere Matchup Waffe, die kommenden Gegnern Kopfzerbrechen bereiten wird.

Die Chicago Bears sind kein Team mehr, dass namhafte Spieler in der Free Agency überbezahlen muss. Ein Mitstreiter um den Super Bowl ergänzt sein Team mit unscheinbaren Zusätzen die perfekt zur eigenen Philosophie passen. Cordarelle Patterson passt perfekt zu den Chicago Bears und dem kreativen Offensive Coach Matt Nagy, dessen Angriff die beste Zeit noch vor sich hat.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".