VorBEARicht: Bears @ 49ers ’18

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Eine Woche ist bereits um. Seit letztem Sonntag sind die Chicago Bears die Meister der NFC North! Wer sich bis jetzt noch nicht das dazugehörige Shirt in unserem Shop geholt hat, hat jetzt nochmal die Chance dazu. Ich warte so lange.

So, weiter geht’s. Der Nachteil an einer vorzeitigen Meisterschaft sind nun weniger relevante Spiele – zumindest was die Ergebnisse angeht. Nein, ich nehme die theoretische Chance auf den zweiten Platz in den NFC Playoffs nicht ernst. Sich solche Gedanken zu machen sind verschwendete Lebenszeit. Durch die vorzeitige Meisterschaft bekommen andere Aspekte eines Spiels ihre Relevanz.

Der VorBEARicht wird bei uns wie immer an das jeweilige Spiel angepasst. Wenn es darum geht, die einzelnen Spiele zu gewinnen, um in die Playoffs einzuziehen, dann zeigen wir mit dem Matchplan auf, wie man dieses Ziel erreichen kann. Zum Spiel gegen die San Francisco 49ers im schönen Kalifornien passe ich den VorBEARicht dementsprechend an die heute wichtigen Themen an – worauf sollten die Bears heute Wert legen?

Drei interessante Testläufe

Die Helden im Schatten

Head Coach Matt Nagy war auf der Pressekonferenz überzeugt davon Eddie Jackson und Aaron Lynch noch in dieser Saison wieder aufstellen zu können. Doch bei Verletzungen gibt es immer ein Problem – sie sind unvorhersehbar. Niemand kann im Vorfeld wissen, wie fit sich Eddie und Aaron zu Beginn der Playoffs fühlen. Sollten sie nicht einsatzfähig sein, müssen andere Spieler ins Rampenlicht treten. Deon Bush wird heute für Eddie Jackson einspringen und den Platz als dritten Edge Rusher werden Sophomore Isiah Irving und Rookie Kylie Fitts unter sich aufteilen. Wie werden sie sich schlagen? Wie wird die Rolle auf sie zugeschnitten? Einen Teil der Antworten darauf wird dieses Spiel liefern.

Der Pass so weit und risikoreich

Es war einmal in Amerika (Filmtipp der Woche), da hatten die Bears Schwierigkeiten Turnover zu erzeugen. In den letzten drei Jahren konnten sie speziell im Bereich Interceptions nicht glänzen (jeweils 8). Im Jahr 2016 wurde die Niedrigmarke von lediglich 11 Takeaways erreicht. In diesen drei Jahren erzeugte man insgesamt ganze 24 INT, was die diesjährige Defense in 13 Spielen bereits überbot und damit die erste Defense mit mehr als 24 INT in der Saison seit den 2015er Carolina Panthers sind, die damals in den Super Bowl einzogen.

Die Bears kreieren dieses Jahr also Turnover, wie es ihnen beliebt, während bei den 49ers eher der Gegner macht, wie es ihm beliebt, denn quasi jede Offense darf dort eine weiße Weste behalten. In 14 Spielen stehen bei den 49ers nämlich erst 2 INT zu Buche und auch insgesamt kommen sie gerade einmal auf 5 Turnover. Sollte es keine unvorhergesehene Leistungsexplosion geben werden sie das erste Team der NFL Geschichte sein, das in einer Saison eine einstellige Anzahl aufweist.

Warum erzähle ich euch das? Für die Bears bedeutet das, dass sie sich schon sehr dämlich anstellen müssen, um den Ball auf diese Art zu verlieren. Auch im Pass Rush geht nur von einer Person, nämlich DeForest Buckner, eine wirkliche Gefahr aus. Dennoch sind die 49ers auf dem 23. Platz im DVOA Ranking von Football Outsiders. Das ist angesichts meiner vorigen Zeilen eine beachtliche Leistung und deutet auf eine dennoch disziplinierte Defense hin, die haarsträubende Fehler, wie Tiefenpässe, zu vermeiden weiß. Die 49ers sind der perfekte Sparringspartner, um das tiefe Passspiel der Bears in der Praxis auszuprobieren, sei es über die schnellen Gabriel und Cohen, oder den Big Play Freaks Robinson und Miller (welcher in den letzten Spiel generell zu kurz kam).

Die Bears bekommen im Dezember ein Preseason Spiel für die Playoffs. Der Weg nach Atlanta führt voraussichtlich über zwei Auswärtsspiele in warmen Gefilden und sollte der Pass in Santa Clara nicht funktionieren, dann wird er das schon gar nicht in Los Angeles und New Orleans.

Der Bär im anderen Team

Die Auswahl an Tight Ends, die in dieser Saison auf der gegenüberliegenden Seite standen war eher mau. Außer Rob Gronkowski himself war da nicht viel. Die 49ers bieten vielleicht sogar DEN Tight End der Saison: George Kittle. Sogar der amtierende Super Bowl Gewinner Trey Burton sagte in dieser Woche, dass er sich in der Offseason Filmmaterial von Kittle anschauen wird, um das ein oder andere für sein eigenes Spiel mitzunehmen.

Kittles Route Running ist vielleicht nicht das Beste, jedoch gut genug, um in dieser Saison bereits etliche Linebacker, Cornerbacks und Safeties stehen zu lassen. Er ist schnell (4,5 Sek. 40Y Dash), athletisch und kann nach dem Catch extrem phyisch werden.

Ein einzelner Spieler wird für Kittle in der Regel nicht ausreichen, um ihn aufzuhalten. Gegen ihn muss man im Team arbeiten.

 

Nebenbei nutzt er seine Physis auch beim Blocken. Ein Khalil Mack wird mit ihm wohl weniger Probleme haben, doch ist er darin so versiert, dass die anderen Edge Rusher mit ihm eine ordentliche Aufgabe vor der Brust haben, wenn sie den Run stoppen wollen.

 

So ausgefuchst wie es ein Kyle Shanahan ist, ist es nicht überraschend, dass diese Stärke bereits für weitaus mehr genutzt wird. Im folgenden GIF sieht man ein Play Action Konzept, dass von Kittle fordert, von der rechten zur linken Seite zu wechseln und eine Cutback Lane für einen Lauf zu erzeugen. Oder es ist ein Trickspielzug, der einen Screen Pass auf Kittle vorsieht.

Neben der Physis kommt hier seine Schnelligkeit gut zur Geltung. Sie ist sogar für Bobby Wagner, einer der besten Linebacker der NFL, ein solches Problem, dass er nur durch Hilfe noch zum stoppenden Tackle ansetzen kann.

Neben dem Test gegen einen guten Tight End, bietet Kittle gleichzeitig einen weiteren Testlauf für das Tackling unserer Defense. Der Versuch einen harten Hits oder ihn festzuhalten wird nicht funktionieren. Hier gilt es um ihn herum Überzahl zu erschaffen und technisch sauber zu arbeiten. Eine gute Übung für die Defense, die sich in der Saison aus diesem Grund von den Packers, Albert Wilson, den Patriots und Saquon Barkley hat auseinander nehmen lassen.

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.