VorBEARicht: Bears vs Packers ’18

Quelle: Chicago Tribune

Die Chicago Bears haben ihre erste „Winning Season“ seit sechs Jahren nach dem glorreichen Sieg gegen die Los Angeles Rams in der Tasche. Das Team wurde dabei von den Fans im Soldier Field gertagen und so soll es auch am Sonntag gegen die Green Bay Packers wieder sein. Ein klarer und sonniger Nachmittag wird im Spiel der großen Rivalitäten die Bühne bereiten.

Was neben den Fans noch gebraucht wird um das Spiel zu gewinnen, darum soll es in unserem VorBEARicht gehen. Motiviert sollten alle Spieler im Trikot der Bears sein. Es gilt nach langer Zeit endlich einmal wieder Aaron Rodgers und seine Packers zu schlagen und dabei die NFC North Meisterschaft perfekt zu machen, wobei man gleichzeitig die letzten Playoff Hoffnungen des gehassten Rivalen endgültig zerschlagen kann.

Quelle: NBC Sports

Offense

Alle Augen sind auf Mitch Trubisky! Nach zweiwöchiger Pause und einem eher dürftigen Comeback gegen die Rams muss Trubisky nun seine Form für die Playoffs finden. Die Defense hat gezeigt, dass sie auch mit den großen Kalibern der NFL mithalten kann, wenn unser junger Quarterback einen schwachen Tag hat. Das wird ihr aber nicht jede Woche gelingen.

Dazu gehört, dass sich Trubisky wieder auf rudimentäre Aufgaben besinnen sollte, bevor er seine großen Würfe zeigt. Mechanik und Rhythmus sind die Stichworte. Gegen einen der gefährlicheren Pass Rushes der Liga wird die Offense dies benötigen. Trubisky muss das Spiel nicht gewinnen, er muss es verwalten. Dann ergeben sich automatisch Big Plays von seiner Defense und nichtzuletzt auch von ihm. Geduld ist eine Tugend, Mitch!

Finden wir auf Seiten der Defense sehr wenig Strafen, fängt sich die Bears Offense regelmäßig welche ein. Vor allem sehr unnötige vor dem Snap. Bisher zeigten sie 255 unterschiedliche Formationen (Quelle: Adam Jahns), was es der Offensive sicherlich nicht leichter macht, aber gerade den erfahreneren Recken wie Allen Robinson dürfen diese ewigen Illegal Formation Strafen nicht mehr passieren. Das würde es dem Quarterback leichter machen seinen Rhythmus zu finden.

Dann wird auch das Laufspiel erneut ein Faktor im Spiel sein. Je ausbalancierter die Offense agiert, desto mehr passt sie zur Defense. Denn wenn die den Ball immer schnell wieder zurück in die eigenen Reihen befördert, kann der Angriff auch mal mehrere gestoppte Läufe und damit einen vermeintlich gestoppten Drive verschmerzen. Noch dazu wenn dabei den Packers weniger Zeit für ihre Angriffe bleibt. Gegen die Rams hat das wunderbar funktioniert.

Jordan Howard und Tarik Cohen werden über die linke Seite den größten Erfolg haben. Defenive End Montravius Adams und Linebacker Kyler Fackrell hatten in den letzten Wochen große Probleme den Lauf zu stoppen. Mittlerweile nutzt der Gegner diesen Punkt auch immer mehr aus. Über 6 Yards pro Lauf ließen die beiden in manchen Spielen bereits zu. Sollte nun auch Kenny Clark als Nose Tackle ausfallen, dann wird es richtig schwer für die Packers. Wilkerson befindet sich bereits auf der Injury Reserve Liste. Clark konnte die ganze Woche aufgrund einer Ellenbogenverletzung nicht mittrainieren. Ist er nicht dabei, haben Charles Leno, James Daniels und Cody Whitehair in ihren Matchups auf dem Papier klar die Oberhand und sollten daraus Erfolg schöpfen.

Bashaud Breeland wird gegen Allen Robinson spielen. Ihn nach nicht vollends auskurierter Verletzung zu evaluieren fällt schwer. Auf der anderen Seite stehen die unerfahrenen Defensive Backs. Nickelback Jaire Alexander soll hier herausgenommen werden. Er spielt eine herausragende Rookie Saison und wird gegen Anthony Miller wahrscheinlich wenig erlauben. Aber Josh Jackson hat wie erwartet Probleme den tiefen Ball zu verteidigen. Taylor Gabriel wird es mit ihm aufnehmen. Jackson gilt als disziplinierter Zonenverteidiger, hat aber im Sprintduell Defizite.

Key Matchups: Charles Leno und James Daniels im Run Blocking gegen Montravius Adams und Kyler Fackrell

Defense

Aaron Rodgers beeindruckt den Gegner mit seinem Spiel und seiner Präsenz auf dem Feld. Oft bekommt man den Eindruck, dass gegnerische Abwerreihen ihn gar fürchten. Vor allem wenn es Richtung Ende des Spiels geht. Auffäliig hierbei sind die vielen Holding und Defensive Pass Interference Strafen, die der Gegner gegen ihn kassiert. Gern wirft Rodgers einen Ball, der kaum eine Chance hat anzukommen, den Defensive Back aber beinahe zwingt, den Receiver wie Davante Adams zu foulen.

Können die Bears allerdings weiter so diszipliniert in ihrer Secondary verteidigen, kann Rodgers diesen Plan schon mal verwerfen. Chicago befindet sich statistisch mit insgesamt acht Holding oder DPI Strafen auf Platz 2 ligaweit.

1. Dallas (5)
2. Chicago (8)
3. Oakland (10)
4. Tennessee, Los Angeles Chargers (11)

8. Carolina, Cleveland, Green Bay, Jacksonville, Houston, Philadelphia (13)


29. Atlanta, Miami (20)
31. New Orleans (23)
32. Kansas City (36)

Nur um Aaron Rodgers wird es sich drehen! Das Laufspiel der Packers ist durchschnittlich und die Bears Defense hat in diesem Jahr schon andere Namen vollends gestoppt. Da kann Green Bay zunächst nicht erwarten, dass es mit dem äußerst soliden Aaron Jones anders läuft. Wenn doch, öffnen sich für die Packers viele Möglichkeiten zum Sieg.

Wir können aber ein von Rodgers selbstbestimmtes Spiel erleben. Seit der Entlassung von Head Coach Mike McCarthy lässt ihn Interim Cheftrainer Joe Philbin schalten und walten. Kurze simple Calls für den Huddle, damit Rodgers viel Zeit auf der Play Clock bleibt, sein eigenes Spiel aufzuziehen. Gegen die Atlanta Falcons in der vergangenen Woche hat das gut funktioniert. Die bevorstehende Aufgabe in dieser Woche dürfte mit den Bears aber kaum größer sein.

Rodgers wird versuchen die Bälle kurz und schnell zu verteilen um den Pass Rush einzudämmen. Khalil Mack wird häufig über die rechte Seite der Offensive Line kommen. Da spielt Jason Spriggs für den verletzten Brian Bulaga.

Kleine Anekdote am Rande: Als Autor für Beardown Germany habe ich über den NFL Draft 2016 berichtet und kann mich noch gut erinnern, wie Fans auf den Uptrade der Packers in der zweiten Runde reagiert haben. Sowohl im Packers als auch im Bears Lager, vor allem im deutschsprachigen Raum, hieß es, dass Green Bay den Bears nun Spriggs vor der Nase wegschnappen würde und Whitehair nur der Trostpreis sei. Denkt das wirklich immer noch jemand?

Spätestens Sonntagabend werden wir die Antwort haben, ob es besser war einen Anwärter zum Pro Bowl Center zu draften oder für einen Backup Tackle hochzutraden. Der Pass Rush wird von der exzellenten Secondary im Spiel mehr denn je benötigt. Rodgers kann auch vermeintlich gedeckte Receiver treffen und mit dem langfristigen Ausfall von Bryce Callahan werden sich die Packers vor allem auf das Matchup mit Sherrick McManis stürzen. Der zeigte im letzten Spiel eine sehr gute Leistung und ging am Ende sogar als Tackling Leader vom Feld. Ein Schlüssel der Defense wird sein, dass Fehlen von Callahan zu überspielen. Spätesens in den Playoffs muss sein Ausfall kompensiert werden können. Möglichkeiten gibt es mehr als nur Sherrick McManis. Defensive Coordinator Vic Fangio könnte auch Kevin Tolliver dort zwischendurch testen oder einfach Prince Amukamara und Tolliver auf der selben Seite aufstellen und dabei Amukamara jeweils das schwerere Matchup in Manndeckung nehmen lassen.

Rodgers brach in der vergangenen Woche den Rekord für die meisten aufeinanderfolgenden Pässe ohne Interception. Eine der Fragen des Spiels wird sein, um wie viele Minuten er den Rekord erweitern kann, ehe er den nächsten Pick wirft und damit erst die zweite Interception der Saison. Wäre es nicht perfekt, wenn ausgerechnet Kyle Fuller die Serie reißen lässt, nachdem er im ersten Aufeinandertreffen dieser Saison, eine sichere Interception zum Sieg fallen ließ?

Key Matchups: Aaron Rodgers gegen die Bears Pass Rusher

Fazit

Seit der schmerzlichen Playoff Niederlage im Januar 2011 konnten die Chicago Bears zu Hause nicht mehr gegen die Green Bay Packers gewinnen. Als sie das letzte Mal siegreich waren, holten sie die NFC North Meisterschaft. Gegen ein Team, dass bereits seinen Head Coach feuern musste, sollte ein Sieg eigentlich eine leichte Aufgabe sein. Aber gegen Aaron Rodgers und die Packers zu siegen, war noch nie einfach.

Wollen die Bears ein langfristig erfolgreiches Team sein, müssen sie lernen, die Packers wieder zu schlagen und weil Derby ist, will ich mich noch an ein paar unwahrscheinliche Tipps wagen. Chicago gewinnt 25:19 und Rodgers wirft zwei Interceptions!

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".