VorBEARicht: Bears @ Lions ’18

Quelle: Quinn Harris, Getty Images

Die Chicago Bears müssen an Thanksgiving zum Auswärtsspiel gegen die Lions nach Detroit. Das dritte Match gegen einen direkten Division Rivalen in Folge. Go Bears!

Ein neuer Weg

Mitchell Trubisky hat eine Schulterverletzung und wird in diesem Spiel nicht die Zügel der Offense in seiner Hand halten können. Es scheint aller Ansicht nach nichts Schwerwiegendes zu sein, so hieß es, dass er bei einem Spiel am Sonntag wohl einsatzbereit gewesen wäre. Die Tatsache, dass er in diesem Spiel geschont wird, ist ein neuer Weg den die Bears unter Matt Nagy gehen. Die gleiche Herangehensweise sahen wir bei den Verletzungen von Allen Robinson und Khalil Mack. Unser neuer Coach erlaubt/verschreibt den Spielern eine längere Genesungsphase, lässt sie länger pausieren und ihre Verletzungen vollends auskurieren, bevor er sie zurück auf das Feld schickt. In der Vergangenheit kam es öfters vor, dass Spieler, obwohl sie leicht angeschlagen waren, aufgrund ihrer Wichtigkeit für das Team – Toredol macht’s möglich. Ähnliches Vorgehen verlangte Chicago Tribune Kolumnist David Haugh ürbigens von Mack vor ein paar Wochen. Fuck Him. Fuck the Tribune. Die geringe Anzahl an Ausfällen, geschweige denn längfristiger Ausfälle, geben Nagy konservativer Herangehensweise recht.

Körperliche Herausforderung

Hätten die Bears erst am Sonntag spielen müssen, wäre Mitch also einsatzbereit gewesen? Danke, NFL. Generell. Danke, dass unsere Spieler innerhalb von 80 Stunden bereits wieder Leistungssport betreiben müssen. Das ist äußerst gesund für den menschlichen Körper.

Mentale Herausforderung

An und für sich ist das Spiel nicht schwierig zu analysieren. Die beiden Teams trafen vor 11 Tagen zuletzt aufeinander und eines davon, deine Chicago Bears im Jahr 2018, waren klar überlegen.

Die Spielplan Ansetzung ist jedoch brutal für die Bears. Sonntagnacht das Aufeinandertreffen mit den Vikings, das größte und wichtigste Spiel seit… EWIGKEITEN. Dieses Spiel wurde zugleich zu einem der emotionalsten für das junge Team und uns Fans. Den Augenblick so schnell zu vergessen und sich auf den nächsten Gegner zu fokussieren, sich konzentriert vorzubereiten, war für mich nahezu unmöglich und ist für die Spieler ebenso wenig machbar. Zu allem Überfluss müssen wir auch noch auswärts ran.

Matchplan

Defense

Im letzten Spiel wurden die Detroit Lions von unserer Defense an der Line of Scrimmage nahezu aufgefressen. T.J. Lang wird auch in diesem Spiel nicht dabei sein, da er inzwischen auf die „Injured Reserve“ -Liste gesetzt wurde. Die Offensive Line hat im letzten Spiel gegen die Lions dennoch wieder zu etwas mehr Stabilität gefunden, weil OC Jim Bob Cooter seine Taktik daran angepasst hat. Nach 16 Sacks in zwei Spielen wurde das Zurückfallen von Stafford nun kürzer und die Pässe werden schneller ausgeführt, um für Entlastung der O-Line zu sorgen. Ähnlich, wie es die Vikings handhaben, somit gilt erneut: Druck durch die Mitte ist der Schlüssel zum Erfolg. Ein kürzeres Zurückfallen des Quarterbacks bedeutet einen ebenso kürzeren Weg für Akiem Hicks und Eddie Goldman zu ihm hin.

Eine stabilere O-Line, dafür allerdings weniger Optionen im Angriffsspiel für Matthew Stafford. Einmal wäre Runningback Kerryon Johnson verletzt, der zuletzt die Offense der Lions in Person war und nun aller Voraussicht nach durch Zach Zenner ersetzt wird, den man zurückholte, nachdem er bereits entlassen war. LaGarrette Blount wird nicht mehr als seine kurzen brachialen Läufe bei kurzen Distanzen ausüben, das Alter nagt so langsam aber sicher an ihm. Theo Riddick ist viel mehr ein Receiver aus dem Backfield.

Neben Johnson wird auch WR Marvin Jones fehlen, wodurch nur noch Kenny Golladay als wirkliche Option übrigbleibt. Er kann und sollte nun gedoppelt werden. Außerdem tut er sich gegen eine physischere Spielweise seines Gegners weitaus schwerer. T.J. Jones ist zwar ein guter 4. bzw. 5. Receiver, muss nun allerdings als Nummer 2 agieren. Bruce Ellington wurde vor 2 Wochen vom Free Agent Markt dazu geholt. Er ist ein schneller, wendiger Receiver, der für Yards nach dem Catch sorgen kann, dem es aber an Masse fehlt. Auch er sollte physisch verteidigt werden und damit noch größere Probleme haben als Golladay.

Offense

Die Bears Offense wird heute, wie oben schon erwähnt, ohne Money Mitch auskommen müssen. Dafür darf sich nun Back-Up Quarterback Chase Daniel (ohne „s“ am Ende) beweisen. Dieser Umstand sorgt bei mir für gemischte Gefühle. Einerseits ist Chase Daniel seit Ewigkeiten in der NFL, kennt Matt Nagy noch aus Kansas City und kennt die Offense dementsprechend aus dem Effeff. Deshalb bekommt er auch 4 Mio. Dollar von den Bears, was eine beachtliche Summe für einen Back-Up ist. Andererseits spielte er in seiner gesamten Karriere erst 78 Pässe, weniger als Goff und Mahomes vor ein paar Tagen in einem Spiel. Es ist schlicht unmöglich vorherzusagen, wie er sich schlagen wird.

Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass die Offense unter Daniel vom Stil her derjenigen an den ersten drei Spieltagen ähneln wird.  Er wird als Game Manager fungieren, keine Highlights à la Trubisky produzieren, jedoch ebenso wenig Fehler verursachen. Die Tiefenpässe, wie Mitch sie inzwischen regelmäßig auf Gabriel versucht, wird es wohl in diesem Spiel nicht geben, sondern mehr kurze Checkdowns, sowie Ablagen auf Flat- und Hot-Routes auf die Runningbacks, sobald die Lions großen Druck erzeugen, was ihnen seit dem letzten Spieltag wieder besser gelingt, da Ziggy Ansah nun vollends genesen erscheint. Ein weiteres Mittel in den ersten Wochen waren Curl Routes auf Allen Robinson, die auch durchaus erfolgreich waren, doch wird „A-Rob“ desöfteren, wenn nicht grundsätzlich, von Darius Slay gedeckt werden. Slay ist auf keine Seite festgelegt, sondern ist in dieser Saison schon öfters seinem Matchup gefolgt. Gegen dem besten Cornerback der Lions sind Curl Routes dieses Jahr kaum möglich, dafür hat er seine Probleme gegen Slants (erlaubt 137.0 Passer Rating) und Out-Routes (erlaubt 146.0 PR). Es würde nicht verwundern, wenn Nagy sich dem anpasst.

Ein vermehrter Einsatz des Laufspiels wäre nach der Bekanntgabe von Trubiskys Ausfall die erste Vermutung meinerseits gewesen, allerdings kommt die Verpflichtung von Damon Harrison bei den Lions inzwischen zur Geltung. Harrison spielte bis heute 102 Snaps für die Lions und bei solchen Snaps erlaubten sie durchschnittlich nur 2,7 Yards pro Lauf. Worauf Harrison allerdings keinen Einfluss nehmen kann, sind Pässe auf die Runningbacks. Die Linebacker haben Probleme größere räume gegen schnelle Spieler abzudecken (Hallo, Tarik.) und so kommt es, dass 25% der Pässe gegen die Lions auf Runningbacks gespielt werden. Bei der erlaubten Erfolgsrate befinden sich die Lions zudem auf Platz 29 im NFL Vergleich.

Fazit

Es sollte ein nicht allzu ansprechendes Spiel erwartet werden, zumindest nicht für diejenigen Zuschauer auf „DAZN“, die sich über die komödiantische Einlage der Rams und Chiefs ergötzen. Es deutet auf eine Defensivschlacht, ohne viele Punkt hin. Die Vorteile der Verteidigungen auf beiden Seiten überwiegen. Die Bears sind der Favorit, doch muss noch abgewartet werden in welcher Verfassung sie sich nach den letzten Gegebenheiten präsentieren.

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