Chefsache: Royale Grüße

Die zweite Ausgabe meiner Kolumne „Chefsache“. Wozu ich in dieser Reihe meinen Senf dazu gebe? Allem.
Hierbei wird das ein oder andere Mal scharf geschossen werden, wenn ich dabei jemanden auf den Schlips treten sollte, ist das nicht böse gemeint. Meistens jedenfalls. Aber ihr dürft euch auch ruhig wehren, ich kann was ab.

Betreff: Royale Grüße

Verehrte Weggefährten der NFC North,

hiermit überbringe ich euch meine royalen Grüße von der Tabellenspitze. Es ist wirklich schön hier, wahrhaftig ein Platz, an den ich mich gewöhnen möchte. Es ist hier so gemütlich, ihr wärt ebenfalls vollends begeistert – aber der Ort ist nun einmal nicht jedem vergönnt. Von hier aus lässt es sich auch wunderbar nach unten blicken, doch was ich da sehe, gefällt mir ganz und gar nicht.

CC: Minnesota Vikings

Ach Gottchen. Was habt ihr da ein süßes Kerlchen. Noch so naiv. Der gehört echt gut behütet, nur scheint das bei eurer O-Line noch nicht ganz angekommen zu sein.

CC: Detroit Lions

Eure Saison ist bereits um. Natürlich nicht rechnerisch, aber sie ist um. Das ist ein Fakt, spätestens seit ihr Golden Tate abgegeben habt. Das konnte man als weiße Fahne ansehen. Ihr scheint euch viel mehr für die nächste, als für diese Saison zu interessieren, doch kann irgendjemand in Detroit wirklich auf den angekündigten „Prozess“ vertrauen?

Lions Spiele in dieser Saison haben nur eine Konstante – sie sind unschön anzuschauen.

Nach zwei 9 – 7 Saisons habt ihr euch von Jim Caldwell aus dem gleichen Grund getrennt, warum die Bears damals Lovie Smith entlassen haben – Stillstand. Ein Umbruch, wie wir nur zu gut wissen, nimmt natürlich seine Zeit in Anspruch. John Fox hat allerdings eine gewisse Mentalität zurück nach Chicago gebracht, Matt Patricia hingegen spielt sich gerne als Mini-Bill (Belichick) auf, lässt seinen Worten jedoch keine Taten folgen.

Sie sind nicht mental gefestigt genug. Sie sind nicht diszipliniert genug. Sie sind nicht fokussiert genug.

Das ist für mich keine Grundlage für einen Umbruch. Sollte es im nächsten Jahr nicht bei weitem besser laufen, ist Mini-Bill schneller weg, als er „Patriots“ sagen kann. Dafür sorgt seine nicht nur unsympathische, sondern schon unverschämte Art Journalisten gegenüber. Wenn Belichick so mit jemanden umspringen würde, hat er dabei an fast jedem Finger einen Ring (mal abgesehen davon, dass Bill einfach nur trocken ist). Fragt sich bei euch jetzt auch noch nur eine Person, warum Patricia erst gar keine Einladung zum Vorstellungsgespräch bei den Bears bekommen hat, obwohl unser Tross sogar schon in der Gegend war?

Angeheuert vom alten Wegbegleiter General Manager Bob Quinn, ebenfalls aus New England. Dufte. Das war von Anfang an ein erfolgsversprechendes Konzept, Freunde. Ein Blick auf den Werdegang vorheriger Belichick Schützlinge hätte gereicht. Naja, Quinn ist jedenfalls für die Trainerwahl, als auch für den Kader verantwortlich. Merkt euch das. Zugegeben, darunter befinden sich sicher auch gute Neuzugänge, wie Kerryon Johnson zum Beispiel. Objektiv betrachtet befinden sich im Kader jedoch genauso viele Löcher, wie gute Spieler. Detroit halt, aber wem sag ich das, oder?

Der Leidtragende ist Matthew Stafford, der trotz riesigem Potenzial bei euch nie die Chance bekommen wird seine Karriere zu vergolden. Aber damit reiht er sich ja direkt neben Barry Sanders und Calvin Johnson ein. Denn nur ihr, liebe Lions, verbraucht mehr als Fords 67er Shelby Mustang.

CC: Green Bay Packers

Vor wenigen Wochen war es soweit. Das Spiel der Spiele. Ihr trefft auf die Patriots. Entschuldigung, ich meinte natürlich: Rodgers trifft auf Brady. So kam es zumindest bei mir im Vorfeld der Partie rüber. Football wurde vom Teamsport zum 1vs1-Duell. Der Gewinner wäre der wahre „GOAT“, als würde das durch ein Spiel entschieden werden können. Okay, am Ende hat tatsächlich der „GOAT“ gewonnen, aber darum geht es nicht. Es geht hier um Aaron Rodgers.

Hat sich bei euch jemand eigentlich schon mal die Frage gestellt, warum ein so großartiger Quarterback gegen Ende des Spiels überhaupt in die engen Situationen kommt, für die er immer gefeiert wird? Oder warum ihr mit einem so tollen Typen bisher nur einen Ring ergattern konntet?

Aus der persönlichen Sicht von Rodgers und damit auch der eurer Anhängerschaft an Käseköppen ist die Sache klar – die Mitspieler sind Schuld und Head Coach Mike McCarthy sowieso. Seit Jahren pusht der Rodgers bei euch für mehr Macht und den Gefallen habt ihr ihm letztendlich auch getan. Das ist seine Offense. Er hat ein Mitentscheidungsrecht (was bei verdienten Spielern an und für sich völlig in Ordnung ist). Wir können das Playcalling also nur sehr schwerlich als Grund für die erfolglose Zeit eines eigentlichen Hall of Fame Kaliber Quarterbacks heranziehen. Die Offense um ihn herum ist ebenfalls seit Jahren mit massig Talent gespickt, im Gegensatz zu den Leuten mit denen Tom Brady arbeiten muss und vor allem zu Leiden der Qualität eurer Defense. Die schmerzliche Wahrheit ist doch, dass Aaron Rodgers seit 2010 kein großes Spiel mehr überzeugend bestritten hat. Ein Blick auf die Playoffs der Jahre 2014 und 2016 genügt, um das erkennen zu können, wenn man vor lauter Liebe nicht bereits erblindet wäre.

Nach dem Spiel gegen die Seahawks in der letzten Woche wird McCarthy vermutlich dennoch gehen müssen, was? Das Spiel löste bei mir das gleiche „das war’s für ihn“ Gefühl aus, wie unser Spiel gegen euch Trottel im letzten Jahr als Ende von John Fox bezeichnet werden kann. Vielleicht tut euch ein wenig frischer Wind in Wisconsin auch gut. Wegen dem Kuhmist und so, ihr wisst schon.

Dann hätte ich jedoch ein paar Fragen an euch: Wer soll denn bitte die Nachfolge übernehmen? Erneut ein offensivorientierter Head Coach? Die Offense bliebe doch unverändert und welcher Coach, der mit einer bestimmten Philosophie antreten möchte, nimmt sowas in Kauf? Oder wird es diesmal ein defensivorientierter Head Coach? Dann übernimmt Aaron wohl die Offense komplett und muss nur einmal verletzungsbedingt ausfallen, damit alles den Bach runter geht. Spoiler: Das wird er. Verletzungen hat Aaron in einer Saison nämlich noch öfter, als seine berüchtigten Highlight Würfe, falls es euch selbst noch nicht aufgefallen sein sollte. Dafür erscheint mir der von euch in diesem Jahr zum General Manager beförderte Brian Gutekunst jedoch zu jung, um seine Karriere einem zu diesem Zeitpunkt 35-Jährigen zu verschreiben. Aber ich höre ja schon auf. Von solchen Fragen möchte bei euch niemand hören.

Außerdem, was kümmert es den Bären, wer ihm schlussendlich zum Fraß vorgeworfen wird.

 

In diesem Sinne… macht’s gut, bis zum nächsten Mal.

 

In Verbundenheit,

Euer König des Nordens

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.