VorBEARicht: Bears vs Vikings ’18

Quelle: Fox Sports

Die Minnesota Vikings kommen mit 5-3-1 aus der Bye Week und reisen zum Soldier Field, um die mit 6-3 führenden Chicago Bears vom Thron zu stürzen. Der erste Teil dieses in zwei Episoden ausgetragenen Kampfes zeigt zwei Teams auf Augenhöhe. Beide Mannschaften haben in ihrem letzten Spiel die Detroit Lions deutlich besiegt und wollen sich zur Primetime auf großer Bühne in den USA als König des Nordens präsentieren.

Es gibt unterschiedliche Beziehungen unter Trainern, Spielern und anderen Beteiligten. Der Vikings Special Teams Coordinator Mike Priefer trainierte bereits die Northern Illinois Huskies. Ihr Cornerback Trae Waynes ist gerade einmal 100 Kilometer von Halas Hall entfernt aufgewachsen. General Manager Rick Spielman war drei Jahre lang Pro Personnel Director bei den Chicago Bears. Unser Nose Tackle Eddie Goldman spielte gemeinsam mit Cornerback Xavier Rhodes und Runningback Dalvin Cook an der Florida State University. Ein Wiedersehen unter Freunden ist trotzdem nicht zu erwarten, dafür ist höchstens nach dem Spiel Platz in dieser Rivalität.

Das Wetter wird dem Duell gerecht. Es wird kalt. Das Thermometer bleibt in den Minusgraden stecken, der Wind kommt in frischen Böen aus südwestlicher Richtung. Aus Erfahrung wissen wir, diese Bedingungen sind tückisch. Eigentlich wirkt es nicht windig, aber aus dieser Richtung pfeifen eben immer wieder kurze frische Böen ins Stadion und verändern die Richtung des Balls in der Luft teils abrupt und ohne jegliche Vorwarnung.

Gehen wir nun ins Detail und schauen uns den möglichen Matchplan an.

Matchplan

Offense

In einem Spiel auf hohem Niveau sind es die Feinheiten die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Beide Teams gehören offensiv wie defensiv zu den besten Einheiten der NFL. In der angepassten Sack Rate (Sacks, inkl. Intentional Grounding, pro Passversuch, beeinflusst vom gespielten Down, der Distanz und der Qualität des gegnerischen Pass Rushes) befindet sich die Offensive Line der Chicago Bears auf Platz 10. Gegen den effektiven Pass Rush der Minnesota Vikings muss die Line Wort halten und unseren Quarterback Mitch Trubisky weiterhin vom Druck des Gegners bewahren. Dann fühlt sich der junge Spielmacher am wohlsten. Zwingen die Vikings ihn zu überhastetem Spiel, sind Fehler ein Bestandteil seines sonst sehr genauen Spiels. Mechanische Abläufe und überhastete Ausbrüche aus der Pocket sehen wir dann leider noch zu häufig. Nach nur einer vollen Saison am College und noch keiner ganzen Saison in der NFL fehlt ihm schlichtweg die nötige Erfahrung, um das über ein ganzes Spiel zu kompensieren. Zumal es das erste gemeinsame Jahr mit dem offensiven Head Coach Matt Nagy ist.

Über den Lauf kann gegen Minnesota etwas gehen. Außerhalb der Tackles werden die Bears trotz Tarik Cohen zwar wenig gegen Danielle Hunter und Everson Griffen ausrichten können. Die Gaps innerhalb der Tackles zu stopfen ist hingegen Aufgabe von Nose Tackle Linval Joseph. Sonst mit einem kaum umzusetzenden Anker ausgestattet, hat Joseph in diesem Jahr Probleme die Mitte zuzuhalten. Nicht dass der Gegner dadurch Big Play Runs durch die Mitte erzielt, denn hinter Joseph sind die Linebacker und Safeties meist in der Lage den Lauf dann jäh zu stoppen, bevor es ins offene Feld geht. Aber der Teufel steckt, wie eingangs erwähnt, im Detail. Erfolgreiche Runs für 3-4 Yards bei frühen Downs erleichtern den Passangriff ungemein.

Leider ist Chicago bei Läufen durch die Mitte das drittschwächste Team der Liga und bleibt genauso wie Joseph hinter den Erwartungen zurück. Können Whitehair, Daniels und Witzmann in diesem Bereich endlich erfolgreiche Blocks aufbauen und ein ums andere Mal ins zweite Level zu den Linebackern vorgehen, würden die Bears hier ein Schlüssel Matchup gewinnen. Jordan Howard könnte 2nd und 3rd Down Versuche für seinen Quarterback endlich einfacher machen. Behält Jospeh mit seiner Defensive Line die Oberhand, bedeutet das mehr Druck auf Trubisky. Um ein Super Bowl Contender zu sein, braucht jeder Quarterback Entlastung über kurze Pässe, Play Action und das Laufspiel. Was Mahomes in Hunt, Goff in Gurley und Brees in Kamara und Ingram hat, muss Jordan Howard nun endlich werden. Er hat es in den Vorjahren gezeigt und seinem Head Coach wäre nichts lieber als mehr auf den Lauf zu setzen.

Die Linebacker sollen gezwungen werden, den Lauf der Bears zu respektieren und öfter in der Zonenverteidigung zu veharren statt zu blitzen. Dies kann nicht allein durch den Gewinn des Schlüssel Matchups erfolgen, sondern sollte durch Pässe in die kurze Mitte des Feldes ergänzt werden. Hier sind Trey Burton, Tarik Cohen und Anthony Miller gegen die Linebacker Anthony Barr, Eric Kendricks, Ben Gedeon und Safety Andrew Sendejo gefragt. Falls Adam Shaheen einsatzbereit ist, wäre das ein weiteres Plus für unsere Offense. Die Front Seven wird damit um ihre größte Stärke beraubt – dem Pass Rush – und gezwungen in ihren Coverages zu verharren.

Doch wird das den Druck auf Trubisky nicht vollends eindämmen können. Everson Griffen bleibt immer gefährlich. Anspielstationen in den kurzen Layup Zonen, wie Nagy es gegen die Buffalo Bills eingebaut hat, dürfen im Matchplan nicht fehlen. Der Bears Head Coach sollte seinem jungen Quarterback nicht unnötige Improvisation abverlangen, sondern ihm stets eine Sicherheitsvariante anbieten. Dann kann dieser wiederum mit wachsender Sicherheit in diesem Härtetest „Under the Lights“ den zweiten Cornerback der Vikings herausfordern. Wenn diese erfahrene und diszipliniert gecoachete Defense von Head Coach Mike Zimmer eine Schwachstelle hat, dann ist es Trae Waynes. Was sein Pendant Xavier Rhodes auf der anderen Seite alles verteidigt, lässt Waynes durch. Kaum ein Team erlaubt dem zweiten Receiver des gegnerischen Teams mehr als die Vikings. Vor allem in der Tiefenverteidigung erwischt der Gegner Waynes immer wieder auf dem falschen Fuß.

Key Matchup: C Cody Whitehair, LG James Daniels & RG Bryan Witzmann vs NT Linval Joseph

Nuancen werden das Spiel entscheiden, dann kann es sich dennoch deutlich im Ergebnis niederschlagen. Die Offense der Chicago Bears möchte gern die ausgemachte Schwachstelle Trae Waynes mit ihren Receivern Taylor Gabriel und Allen Robinson in Bedrängnis bringen, nur muss sie dazu die nötige Zeit und die Gelegenheiten bekommen. Dies beginnt mit der Durchschlagskraft ihres Laufspiels zwischen den Tackles. Wenn die nicht existent ist, dann wird einer der gefährlichsten Pass Rushes unserem jungen Quarterback das Leben zur Hölle machen und die Vikings Secondary kann sich auf einen entspannten Tag einrichten. Kann die innere Offensive Line von Chicago die Lücken aufziehen, ist dies der erste Schritt von mehreren aufeinanderfolgenden, die dem Heimteam den erhofften Sieg ein Stückchen näher bringen.

Defense

Adam Thielen spielt in diesem Jahr herausragend. Er ist auf dem Weg zu seiner ersten Saison mit über 100 Receptions und kann schon im Spiel gegen die Chicago Bears die magische 1.000 Yards Marke knacken. Dazu benötigt er nur noch 53! Er wird im nächsten Spiel auf Kyle Fuller, Prince Amukamara und Bryce Callahan treffen. Beide Cornerbacks und der Nickelback erlaubten in den ersten neun Saisonspielen dem gegnerischen Nr.1 Ziel durchschnittlich 5,6 Receptions und 58 Receiving Yards. Dabei pflückten sie gemeinsam bereits acht Pässe zu Interceptions, forcierten zwei Fumbles und machten einen Touchdown. Dieses Schlüssel Matchup macht Freude und hat All Pro Niveau.

Um uns das Ganze nochmal auf der Zunge zergehen zu lassen. Wir sehen zwei elitäre NFL Wideouts in Adam Thielen und Stefon Diggs gegen eines der derzeit besten Defensive Back Trios in der gesamten Liga. Mehr kann man nicht verlangen. Zumal die Vikings mit ihren beiden Receivern bevorzugt die Stärken der Bears Cornerbacks bespielen. Kurze Pässe auf die Außenbahnen. Das bedeutet ein Duell auf hohem Niveau in dem sich das größere Talent durchsetzen wird.

Selbst wenn Minnesota mit Thielen und Diggs den Kürzeren ziehen sollte, bleibt ihnen der Weg über ihren Tight End. Durch die Mitte erlauben die Bears immer noch zu viele Receptions und leichte Raumgewinne. Danny Trevathan hat noch keine sichere Abstimmung mit Roquan Smith gefunden. Dafür kommt der Rookie allmählich in Fahrt. Gegen Kyle Rudolph werden sie sich keine Schwächen, wie in den vorherigen Duellen mit Miami oder New England, erlauben dürfen.

Es wäre dennoch ein wichtiger Punkt, die Duelle auf den Außen zu Gunsten der Bears Defense zu entscheiden. Kirk Cousins ist ein rhythmischer Pocket Passer, der in seiner Komfortzone ein richtig guter Quarterback sein kann. Holt man ihn dort heraus und nimmt ihm das erste und eventuell sogar das zweite Ziel, kommt der Motor des Angriffs der Vikings ins stottern. Ihr Quarterback ist bei weitem nicht so mobil, wie Mitch Trubisky auf der anderen Seite. Dies bestätigt auch die zwar ähnliche Zahl an erlaubtem Druck der Offensive Line, jedoch höhere Anzahl an Sacks. Cousins kassierte gleich sechs Sacks mehr als Trubisky.

Dazu kommt die größte Schwäche des Vikings Quarterbacks und die mir, als Fan der Wikinger, in diesem Spiel die größten Bauchschmerzen bereiten würde. Cousins verliert oft den Ball. In dieser Saison waren es bereits 8 Fumbles, davon wurden 5 vom Gegner recovered. Oft reden wir bei der Quarterback Bewertung über Touchdown/Turnover Ratio und denken dabei an Interceptions, aber Fumbles innerhalb der Pocket sind für die Erfolgsaussichten der eigenen Offense genauso tödlich. Das Problem sind bei Cousins nicht zu kleine Hände. Nur bei der Offensive Line die Fehler zu suchen, wird ihr nicht gerecht. Schließlich ist Cousins schon lange in der NFL und hat jedes Jahr diese Schwierigkeiten. Wie kommt es also dazu, dass er bei den Washington Redskins im Schnitt bei 65% seiner Starts den Ball fumbelte und dieser Wert jetzt bei den Vikings sogar bei 89% liegt (insgesamt 45 Fumbles in 66 Karrierestarts)? Die Antwort: Er starrt seinen ersten Receiver zu lang an, wartet bis er sich öffnet und vernachlässigt, was in seinem Rücken über den Left Tackle kommt. Seine innere Uhr läuft nicht richtig. Offensive Coordinator DeFilippo versucht das zu kaschieren, indem er ihn nicht zu weit zurück droppen lässt. Seitdem hat er da weniger Probleme, es kommt aber immer noch vor.

Warum es gerade in diesem Spiel angesprochen werden muss? Zwei Worte: Khalil Mack! Er hat sich letzte Woche fit zurückgemeldet und forcierte in jedem seiner ersten vier Spiele bis zu seiner Verletzung bei den Bears einen Fumble. Es zählt zu seiner Spezialität beim Sack zuerst den Wurfarm des Gegners anzugreifen. Natürlich kann Cousins sich an die Weisung seines Coordinators halten, jedoch kann angezweifelt werden, dass Akiem Hicks und Eddie Goldman ihm erlauben nur 7 Yards hinter der Line of Scrimmage zurückzufallen.

Der Schlüssel ist wenige Targets auf Thielen zu erlauben. Damit verliert Cousins sein erstes Ziel. Er wird ihn dennoch anstarren und öfter an seinem Go-To-Guy festhalten, weil er es immer so getan hat. Aus dieser Handlung resultieren dann Sacks mit, wie gerade beschrieben, erhöhter Fumble Gefahr. Kann Thielen sich im Spitzenduell mit Amukamara und Fuller öfter lösen, wird Cousins komfortabel und nahezu fehlerfrei spielen.

Den Vikings bleibt ihr Laufspiel. Dalvin Cook, Latavius Murray und viellleicht schon Neuzugang Ameer Abdullah müssen von der Bears Defense respektiert werden. Doch haben bisher weder Akiem Hicks, noch Jonathan Bullard, Eddie Goldman, Bilal Nichols oder Roy Robertson-Harris da irgendwas erlaubt. Sie erlauben die wenigsten Yards pro Versuch und ließen erst einmal einen gegnerischen Runningback in ihre Endzone. Dabei nahmen sie es u.a. mit Kerryon Johnson, Isaiah Crowell, Frank Gore, Chris Carson und David Johnson auf.

Key Matchup: Cornerbacks Prince Amukamara, Kyle Fuller und Bryce Callahan gegen die Wideouts Stefon Diggs und Adam Thielen

Da es keinen Anlass dafür gibt an der Qualität der Run Defense der Chicago Bears zu zweifeln, wird das Spiel für die Minnesota Vikings über den Passangriff und ihren Quarterback gehen. Darauf musste sich das Team bereits häufiger verlassen und hat gezeigt, dass es auch ohne effektives Laufspiel gewinnen kann. Entscheidend bleiben daher die Duelle der Wideouts mit Prince Amukamara, Kyle Fuller und Bryce Callahan.

Special Teams

Die Special Teams der Chicago Bears sind in diesem Jahr bisher die Achillesverse. Schon gegen die New England Patriots verloren sie ein enges Spiel nur aufgrund zwei erlaubter Touchdowns dieses Mannschaftsteils. Zu linear, zu geradeaus, zu durchsichtig läuft die Verteidigung der Returns ab. Dagegen kann der Gegner leicht ein Übergewicht auf einer Seite erzeugen und die Bears überlisten, wie es Cordarelle Patterson mit den Patriots gezeigt hat. Long Snapper Patrick Scales bringt nicht genug Druck an den Ball, sodass Punts immer mit einer hohen Blockgefahr verbunden sind. Auch das hat New England bereits vorgemacht. In engen Spielen darf sich das Team aus Chicago solche Schwächen nicht erlauben. Einziger Hoffnungsschimmer ist, dass die Minnesota Vikings sich dort auch nicht mit Ruhm bekleckert haben in der laufenden Saison.

Ähnliches gilt für beide Placekicker. Cody Parkey erlebte letzte Woche die schwärzesten Stunden seiner Karriere als er zwei Field Goals und zwei Extrapunktversuche gegen die Stangen knallte und verschoss. Die Vikings haben bereits ihren Rookie Kicker entlassen und den Veteran Dan Bailey verpflichtet. Auch er trägt schon keine weiße Weste mehr. Parkey trainierte unterdessen im Soldier Field unter Flutlicht. Es kann sicherlich nicht schaden.

Fazit

Letztes Jahr gewannen die Minnesota Vikings beide Duelle gegen den Divisionsrivalen. Dieses Mal begegnet ihnen aber ein veränderter und besserer Gegner. Faustregel für den Gewinn der Divisionsmeisterschaft ist, dass du deine Heimspiele gegen deine Rivalen gewinnen musst. Wollen die Chicago Bears auf dem Weg zu ihrem Ziel nicht am letzten Spieltag auswärts in Minneapolis unter Zugzwang sein, gilt es seine Duelle im Soldier Field zu gewinnen. Die Spieler sind heiß, niemand um Halas Hall macht einen Hehl aus der Bedeutung des Primetime Games auf nationaler Fernsehbühne.

Im Coaching wird unser junger Head Coach Matt Nagy auf eine harte Probe gestellt. Fehler aus Unerfahrenheit des Trainers oder seiner Spieler werden den Ausgang des engen Spiels zu Gunsten der Vikings beeinflussen. Denn Mike Zimmer wird sich keine Blöße geben. Soviel ist sicher!

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