Der Fan gegenüber: Bears vs Lions ’18

Quelle: Brad Rempel, USA TODAY Sports

Zum Spiel der Chicago Bears gegen die Detroit Lions darf natürlich eines nicht fehlen. Ich habe mich wieder mit unserem guten Kollegen Martin Senfter von seNFL in Verbindung gesetzt und ein kleines Interview mit ihm geführt. Martin ermöglicht uns dieses Mal, neben seinen Erwartungen an das Spiel, vor allem einen schönen Überblick auf die Lions Organisation und am Ende gibt es noch ein kleines Schmankerl für uns.

[janikbears]: Die Fans der Chicago Bears sind von Grund auf begeistert vom neuen Head Coach Matt Nagy. Sei es seine aufblühende Offense auf dem Feld, als auch seine Art abseits des Platzes. Die Lions haben in Matt Patricia im Winter ebenfalls einen neuen Head Coach verpflichtet. Wie zufrieden bist du mit dessen Leistungen (auch auf und neben dem Platz)?

[Martin]: Auch bei uns war die Vorfreude auf den neuen Head Coach enorm groß. Einerseits weil die Durchschnittsjahre unter Jim Caldwell – der definitiv über seinen Möglichkeiten coachte – endgültig vorbei, andererseits weil man einen der aufstrebendsten jungen Trainer der Liga verpflichten konnte. General Manager Bob Quinn kannte Patricia aus der gemeinsamen Zeit bei den New England Patriots und wusste dementsprechend auf was er sich einlässt.

Dennoch war jedem Lions-Fan klar, dass man von Patricia nicht sofort Wunderwerke erwarten durfte. Bis auf wenige Ausnahmen – wie etwa Offensive Coordinator Jim Bob Cooter – wurde der gesamte Coaching Staff ausgetauscht. Patricias Defensive agiert aus Packages, die Spieler müssen bestimmte Profile besitzen. Einzig seine Sturheit im Bezug auf Man-Coverage (vor allem mit den im Kader befindlichen Spielern) kann schon das ein oder andere Mal nerven.

Der Saisonstart verlief katastrophal – gegen die New York Jets setzte es eine verdiente und grausam anzusehende Niederlage, gegen die San Francisco 49ers war man lange noch im Rennen, hätte aber keinen Sieg verdient gehabt. Mit der Zeit kamen die ersten Erfolge – just gegen Teams wie New England oder Green Bay.

Die Richtung stimmt, Patricia bekommt Zeit und gilt aufgrund seines Auftretens schon jetzt als Kultfigur in der Lions-Fanbase.

Eines der Überbleibsel des alten Regimes ist Offensive Coordinator Jim Bob Cooter. War es eine gute Entscheidung ihn im Staff zu behalten

Matthew Stafford setzte sich stark für den Verbleib von JBC ein. Prinzipiell ein gutes Zeichen, da die Chemie zwischen Offensive Coordinator und Quarterback stimmt. Allerdings ist die konservative Spielweise von Cooter mitunter nicht mitanzusehen und für Gegner viel zu berechenbar. Da hilft auch das ENDLICH vorhandene Laufspiel um Rookie Kerryon Johnson wenig. Außerdem bleibt abzuwarten, wie er den Abgang von Reciever Golden Tate kompensieren kann. Vergangene Woche – im ersten Spiel ohne Tate – ging offensiv gar nichts. Die Spieler konnten sich nicht schnell genug von den Gegenspielern lösen, Stafford fand keine Anspielstation und wurde zehn Mal gesacked. Keine Entwicklung die große Freude hervorruft….

Anfang der Woche wurde Special Teams Coordinator Marciano entlassen. Coaches innerhalb der Saison zu entlassen ist noch immer ein kontroverses Thema bei den NFL Teams. Gehst du mit der Entlassung konform und wie kam es überhaupt dazu?

Die Special Teams der Lions sind eines der größten Probleme in diesem Jahr – vor allem seit All-Pro Returner Jamal Agnew verletzungsbedingt ausfällt. In nahezu jedem Return erfolgt ein illegaler Block in the Back, es regnet nur so Strafen. Mit Sam Martin hat man einen hervorragenden Punter in der Mannschaft, der derzeit aber auch weit unter seinen Möglichkeiten performt (wie etwa letze Woche, als er beim Kick-Off ausrutschte – symptomatisch für die gesamte Special-Team-Saison).

Doch auch am Kader gab es zuletzt Abgänge zu verzeichnen. Wide Receiver Golden Tate, der nach dem Karriereende von Calvin Johnson lange Fixpunkt der Offense war, spielt ab sofort für die Eagles. Wie ist deine Reaktion und die der Lions Fangemeinschaft im Allgemeinen auf den Trade?

Golden Tate war eine der absoluten Identifikationsfiguren der Lions seit seiner Verpflichtung 2012. Der Receiver war nicht nur aufgrund seines Spielstils und seiner Fähigkeiten äußerst beliebt, sondern auch wegen seiner klaren Ansprachen – etwa nach Niederlagen oder schlechten Leistungen. Außerdem war er der Go-To-Guy für Stafford in kritischen Situationen, ist er doch einer der besten Passfänger was Yards nach dem Lauf anbelangt.

Tates Vertrag wäre aber mit Ende der aktuellen Spielzeit abgelaufen und eine Verlängerung hätte große Teile des Budgets gefressen. Für einen bald 31-Jährigen Receiver im Schnitt 12-14 Millionen Dollar pro Jahr zu zahlen ist nicht in Bob Quinns Philosophie vorgesehen (auch wenn er noch versucht hat, Tate mit einem nicht so hoch dotierten Vertrag zu verlängern). Dass man jetzt zur Saisonmitte noch einen Drittrundenpick bekommt und einiges an Geld spart tut und mittelfristig schon sehr gut. Auch wenn der Abgang natürlich schmerzt und Golden immer im wahrsten Sinne des Worts golden sein wird.

Kommen wir nun endlich auf das anstehende Spiel unserer Teams zu sprechen. In der letzten Woche prasselte es nur so auf QB Matthew Stafford ein. Die Vikings verbuchten 10 Sacks, doch Matt Patricia ist von der Offensive Line dennoch begeistert. Die Bears und allen voran der wieder genesene Khalil Mack stellen sich nun die Frage, was sie davon halten sollen? Weiterhin OL Probleme in Detroit oder nicht?

Jain. Probleme in der Line sind nach dem von dir angesprochenen Spiel natürlich nicht wegzuleugnen, allerdings hält sie insgesamt deutlich besser als in den letzten Jahren. Zudem leistet die Mauer auch gute Arbeit im Run-Blocking. Rookie-Guard Frank Ragnow spielt für sein erstes Jahr solide, wenn auch mit Fehlern. Herz der Line bleibt T.J. Lang, der aber immer wieder verletzungsbedingt ausfällt. Den Tackles um Tayler Decker und Rick Wagner geht es nicht unbedingt besser, sie sind auch häufig verletzt und mit ordentlichem Pass-Rush auch überfordert.

Ich befürchte sehr schlimmes gegen eure starke Defense (bei der ich neben Mack gar nicht noch einen Spieler herausheben will, es ist eine wirklich geile Einheit!).

Wie schaffen es die Detroit Lions die Chicago Bears im Soldier Field zu schlagen?

Du stellst mir Fragen ;) Die Defensive muss gegen den Lauf halten, was in der Regel mindestens einmal pro Spiel nicht funktioniert. Nahezu jeder Gegner hatte gegen uns einen großen (Touchdown)-Lauf. Bei Spielern wie Jordan Howard oder Tarik Cohen kann das ganz schnell sehr grausam werden. Dennoch keimt in mir die Hoffnung, dass Snacks Harrison die Einheit weiterhin stark verbessert.

Offensiv muss Kerryon einen Weg zwischen den ganzen D-Linern und Linebackern finden, was ich ehrlich gesagt als ziemlich aussichtslos erachte. Aber Stafford – und nicht Bob Cooter – wird sich schon was einfallen lassen. Die Special Teams könnten endlich wieder mal etwas Vernünftiges machen. Ameer Abduallah ist nicht mehr im Kader, es gibt also definitiv eine Verschiebung auf der Return-Position.

Zum Abschluss. Wie lautet dein Tipp?

Beim Tippen bin ich absolut schlecht, ich denk aber, dass es ein knappes Spiel wird – mit dem besseren Ende für uns, da niemand mit einem Erfolg rechnet. Wie gegen die Pats und die Packers.

Okay, eine kleine Zugabe noch. Wer gewinnt deiner Meinung nach dieses Jahr die NFC North und wie viel steckt in den Chicago Bears?

Ich denk die Bears holen sich das Ding. Damit könnt ich auch am besten Leben. Von allen Mannschaften in der NFL hege ich gegen die VIkings die größte Abneigung um es nett zu formulieren. Und zu den Packers kann ich nur sagen…FTP ;)

Darauf war die Frage wirklich nicht ausgelegt, aber so freut uns das umso mehr. Dein Wort in Gottes Ohr. Vielen, vielen Dank dafür, dass du wieder zur Stelle warst. Es war mir wieder einmal eine Freude. 

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.