VorBEARicht: Bears vs Jets

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Nach zwei Niederlagen in Folge empfangen die Chicago Bears an diesem Wochenende mit den New York Jets das nächste AFC East Team im heimischen Soldier Field. Gegen das Team aus dem „Big Apple“ soll, sowie muss die Trendwende her. Gleichzeitig nimmt Head Coach Matt Nagy einen alten Bekannten in Empfang, wie man zuletzt erfahren konnte. Er und der gegnerische Head Coach Todd Bowles kennen sich bereits über Nagys Vater und so wurde bekannt, dass unser Head Coach im letzten Jahr in New York als Offensive Coordinator vorgesehen war.

Matchplan

Defense

Die Chicago Bears treffen nach der kleinen Kostprobe von Josh Rosen zum ersten Mal auf einen der neuen Rookies auf der Quarterback Position. Sam Darnold hat sich von Saisonbeginn an als Starter bei den New York Jets etabliert. Dabei zeigt er durchaus gute Ansätze und stellt sein Talent unter Beweis, aber ein Rookie bedeutet gleichzeitig Unerfahrenheit, aufgrund dessen man ihn zu Fehlern zwingen kann. Sam Darnold hat beispielsweise die Angewohnheit den Ball im Schnitt recht lange zu halten, weil er darauf wartet, dass sich noch eine Anspielstation in der Tiefe ergibt. Das sollte unserer Front Seven zusätzliche Zeit verschaffen, zu ihm zu gelangen. Durch stetigen Druck, gerade in diesen Situationen, wo er einen Wurf erzwingen möchte, hält man ihn am besten in Schach. So ist der Rookie der Quarterback, der zurzeit die meisten Interceptions (10) auf dem Kerbholz hat. Im Gegensatz zu vielen anderen jungen Quarterbacks stellt sich Darnold äußerst geschickt beim Erkennen von Blitzen an und nutzt diese dann aus, also wird Vic Fangio auch in diesem Spiel seine aktuelle Marschroute beibehalten.

Die Schwachstelle des eigenen Quarterbacks kennen natürlich auch die Jets und so stellen sie ihm viele schwere Jungs zur Seite. Sie nutzen sehr oft Formationen mit mehreren Tight Ends, sei es „12 Personnel“ (1 RB, 2 TE) oder „13 Personnel“ (1 RB, 3 TE), wobei der Runningback als auch die jeweiligen Tight Ends zum Blocken genutzt werden. Die Bears werden sich dementsprechend häufig in ihrer Base Defense befinden, da der 5. Defensive Back kaum gebraucht werden wird.

Die Offensive Line gehört zum Liga Mittelmaß. Bei dem hohen Fokus unserer Seite auf diesen Teil des Spiels sollten jetzt jedem die Ohren klingeln – im Bereich Offensive Line Mittelmaß der NFL zu sein, bedeutet bereits nichts wirklich tolles. Die inneren Drei der Line lassen gehörig Druck zu. Center Long und RG Winters sind die Gegenspieler von Akiem Hicks und anfällig gegen Bull Rushes. Long droht sogar auszufallen. Die Offensive Tackles haben weniger Probleme mit Pass Rushern, die sie umlaufen möchten, sondern mit denen, die innen an ihnen vorbeiziehen. Die Pass Rusher der Bears müssen sie also nach Außen lenken und sich dann nach innen arbeiten. Das gelingt folgendermaßen: LT Beachum hat Probleme mit einem sicheren festen Stand, so er kann leicht nach hinten geschoben werden, wodurch er ein besseres Match Up für Khalil Mack als für Floyd darstellt. RT Shell lässt sich hingegen dazu verleiten, sich zu weit außen zu positionieren und hinterlässt dann eine Lücke in der Line.

Die Anspielstationen für Sam Darnold sind ligaweit so unbekannt, dass sie zu sehr unterschätzt werden. Die Wide Receiver sind keine Top Stars, aber definitiv auch keine der schlechten Sorte. Robby Anderson ist Darnolds Deep Threat, eben jene Option, der er öfters Zeit verschaffen möchte. Anderson ist jedoch angeschlagen und wird eventuell nicht am Spiel teilnehmen. Das Jets Spiel setzt aber zum großen Teil auf kurze Bälle, vor allem Wide Receiver-, statt Runningback Screens. Somit stellt Quincy Enunwa das Hauptziel von Darnold dar. Allerdings fällt dieser verletzungsbedingt auf alle Fälle aus. Die übrig gebliebenen Optionen sind Jermaine Kearse und Rishard Matthews. Letzterer ist allerdings erst in dieser Woche zum Team hinzugestoßen und wird deshalb noch nicht allzu sehr integriert sein. Die Chicago Bears können sich also auf Runningback Isiah Crowell konzentrieren, weil Darnold offensichtlich die Waffen ausgehen.

Offense

Wechseln wir zur Schokoladenseite der New York Jets. Die Defense ist auch im Jahr 2018 das große Prunkstück und fällt noch immer durch den hohen Gebrauch an Blitze auf. Die Jets blitzen nämlich nicht nur bei 3rd Downs, wie die meisten anderen Teams, sondern durchaus auch beim ersten und zweiten Down mit den 5 Rushern (3 DL + 2 OLB) aus ihrer 3-4 Base Defense heraus.

Dabei nutzen sie des Öfteren Überladungen auf einer Seite der Line. Außerdem haben sie verschiedene Stunts (Tausch der Pass Rush Wege zum QB zwischen zwei Spielern) im Repertoire. Ziel hierbei ist es Verwirrung bei den Blockern zu schaffen und ungeblockt zum Quarterback vorzustoßen. Darin lag auch der große Erfolg der ersten Wochen, welcher in den letzten beiden Spielen nicht mehr ganz so erzielt werden konnte, denn kommen sie nicht, von den Coaches geschaffen, möglichst frei zum QB durch, tun sich die Spieler der Jets dabei schwer, weil sie nicht mehr über die Einzelkönner von früheren Tagen verfügen. Sinnbildlich für anfängliche Produktivität, nun aber nachlassendem Erzeugnis von Druck ist Henry Anderson, der ist nämlich, genauso wie Star DL Leonard Williams, bedeutend besser gegen das Laufspiel des Gegners. In diesem Bereich sind die Jets generell sehr stark besetzt, hierbei sind nämlich auch NT McLendon und Safety Jamal Adams zu nennen.

Es kommt also erneut auf Mitch Trubiskys Leistung an, der jedoch vor allem gegen gegnerische Blitze Probleme aufwies. Da die Jets, wie zuvor beschrieben, solche zu jeder Zeit auspacken können, ist es zwingend erforderlich, dass Nagy in jeden Passspielzug eine Absicherung für Trubisky einbaut, die für ihn da ist und ihm dabei hilft, die Ruhe zu bewahren. Ziemlich effektiv gegen die Jets würde beispielweise eine kurze „Curl Route“ (3-5 Yard) von Trey Burton oder eine „Flat Route“ von Tarik Cohen sein.

Der große Vorteil der Bears Offense liegt auch hier beim derzeitig massiven Verletzungspech der New York Jets. So gehen alle Starter Cornerbacks angeschlagen in die Partie, weswegen es nicht verwunderlich wäre, wenn so mancher Back Up auf Einsatzzeiten kommen wird. Um die Starter zumindest einmal genannt zu haben, da wäre die offizielle Nr.1 Trumaine Johnson, der allerdings bisher eher enttäuschend agiert. Sein Gegenüber Morris Claiborne ist nämlich der eigentliche Lichtblick. Slot Cornerback Skrine ist die große Inkonstante in der Defense. New Yorks Defense ist zumeist eine Single Deep Safety Defense, befindet sich also hauptsächlich im Cover-3 oder Cover-1. Der Vorteil, der nicht ganz fitten Secondary liegt vor allem darin, dass sie darin größtenteils auf eine Manndeckung baut. Indem die Bears Cohen und Taylor Gabriel genau diese 1vs1 Duelle verschaffen, worin die beiden ihren Schnelligkeitsvorteil ausspielen können, liegt auch schon der Schlüssel zum Erfolg.

Fazit

Ich halte es heute kurz. Matt Nagys Bears sollten Todd Bowles Team, welches sich wissentlich noch in einem früheren Stadium eines Aufbaus befindet, schlagen. Erst Recht, wenn man sich die Verletztenliste des Gegners anschaut. Ich lehne mich dementsprechend mal weiter aus dem Fenster und sage ganz deutlich: Sollten die Bears Defense gegen diese Offense ebenfalls so dastehen, wie zwischenzeitlich in den letzten beiden Partien, dann darf sie niemand mehr zu den Großen dazuzählen.

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.