VorBEARicht: Bears vs Buccaneers ’18

Quelle: 247 Sports

Am Sonntag treffen die Chicago Bears und die Tampa Bay Buccaneers im Soldier Field aufeinander. Beide Teams wollen ihren dritten Sieg einfahren. Während die Offense der Bucs derzeit von Ryan Fitz(magic)patrick die gesamte NFL mit ihrem Passspiel überrascht, sind es die Bears die das ihrige endlich in Fahrt bringen wollen. Auch wenn man im Spiel 2017 derbe einstecken musste, führt unser Team aus der Windy City die Allzeit-Serie der ehemaligen NFC Central Divisionsgegner mit 38-20 an. Trauen wir den Statistikern erwartet uns ein wahrlich packendes Match. Die beste Defense trifft auf die fünftbeste Offense der Liga. Auf der anderen Seite spielt der Platz 27 Angriff gegen die drittschlechteste Abwehr der NFL.

Doch wollen wir den schönsten Sport der Welt nicht auf nackte Zahlen reduzieren. Gerne nehmen wir sie zur Bestätigung des Gesehenen zur Hand. Also, was müssen wir uns anschauen? Wo wird das Spiel gewonnen?

Offense

Wenn etwas nicht gut funktioniert, gehen Coaches und Spieler zurück ins Tape und versuchen in Zukunft ihr Spiel weiterzuentwickeln. Matt Nagy und Mitch Trubisky werden dies in der abgelaufenen Woche getan haben und sich gesagt haben, dass man bisher zu komplex gespielt hat und zu viel von der kaum eingespielten Offensive verlangt hat. Nun treffen sie auf die bisher schwächste Defense. Da kann die Devise nur lauten „Zurück zu den Grundlagen“! Unser Head Coach hat in den ersten drei Wochen viel probiert. So langsam sollte er ein erstes Gefühl dafür bekommen, was bereits funktioniert und was eben nicht. Alle Spieler, nicht nur sein Quarterback, haben das Playbook noch nicht ansatzweise verinnerlicht. Also werden wir mehr College Elemente als in den letzten beiden Spielen sehen. RPO’s, leichte Reads dank Crossing Routes und Bootlegs, die den Spielzug verlängern.

Zuallererst ist aber das Laufspiel an der Reihe. Outside Zone Runs aus der Shotgun sind gegen diesen Gegner das probate Mittel. Die Bears Runningbacks sind erfolgreich, wenn sie zum einen durch die Gaps zwischen Cody Whitehair und Kyle Long laufen und wenn die Runs über die äußeren Ecken der Run Blocker (TE eingeschlossen) gehen. Und wie es der Zufall so will, haben die Bucs in den vergangenen drei Wochen exakt dort am meisten zugelassen. Über ihre linke Seite der Defensive Line erwartet unseren Quarterback der schiere Pass Rush in Persona von Gerald McCoy und Jason Pierre-Paul. Will er ihnen früh im Spiel beibringen, dass er jedes unkontrollierte Pass Rushing, ohne vorher den Handoff zum Runningback abzuwarten, bestrafen kann, lässt er seine Runningbacks genau über diese Spieler ihre Läufe planen. Damit dämmt er erstmal den Pass Rush und kann die Schwachstelle in der Bucs Defense bespielen.

Sprechen wir über leichte Reads, so dürfen die Fans im vierten Bears Spiel eine bessere Verbindung von Trey Burton zu seinem Quartebrack erwarten. Mit Option Plays und dosiert eingesetzten Seam-Routes können sie exzellent die Schnittstellen bei der Übergabe von Linebackers auf Safeties und zwischen den Safeties in der Mitte des Feldes anspielen. Die Buccaneers spielen voraussichtlich aufgrund der Verletzung von Chris Conte mit zwei unerfahrenen und nicht eingespielten Defensive Backs in der tiefen Passverteidigung. Justin Evans geht in sein zweites Jahr und Jordan Whitehead macht als Rookie seinen ersten Karrierestart überhaupt. Abstimmungsprobleme und falsch gelesene Spielzüge werden den beiden zwangsläufig irgendwann unterlaufen. Wenn Burton mit Trubisky auf der selben Welle schwimmt, kann er ihre Schnittstellen penetrieren und sie zu Fehlern zwingen.

Zur Verletzung von Anthony Miller sei gesagt, dass davon auszugehen ist, dass sich Josh Bellamy, Tarik Cohen und teilweise sogar Allen Robinson die Reps in der Slot teilen werden. Ein weiterer Rückschlag für Kevin White, sollte seine Zahl an Snaps sich tatsächlich trotz des Ausfalls von Miller nicht steigern.

Key Matchup: Trey Burton gegen die zwei Safeties Evans und Whitehead

Defense

Ob auf Jameis Winston oder, wie wir momentan alle erwarten, die Bucs weiterhin auf Ryan Fitzpatrick setzen, spielt für den Matchplan der Bears Verteidigung kaum eine Rolle. Beide Quarterbacks bevorzugen es aus einer sauberen Pocket tiefe Bälle zu verteilen. Die Pittsburgh Steelers haben es letzte Woche vorgemacht und im Gegensatz zu den beiden bisherigen Gegnern, „Fitz-Magic“ ordentlich Feuer unterm Hintern gemacht. Und siehe da, schon sieht ihr Quarterback aus, wie ein Anfänger. Die Interceptions, die Ryan im Monday Night Game geworfen hat, waren meterweit überworfen und zum Teil katastrophale Entscheidungen aufgrund der wenigen Zeit, die er nach dem Snap bekam. Gegen Pittsburgh bekam er die Möglichkeit das schwache Linebacking Corps in der Zone Coverage zu testen. Ob ihm das allerdings gegen Danny Trevathan, Roquan Smith und Leonard Floyd gelingt, kann man durchaus anzweifeln. Doch das athletische Duell zwischen unserem Rookie und Bucs Tight End O.J. Howard dürfen wir mit Spannung erwarten. Als Faustregel gilt, je weniger Spieler die Bears für einen effektiven Pass Rush benötigen, desto bessern. Denn so können kurze Checkdowns und die mittleren Zonen leichter verteidigt werden. Effektiv sollte er jedoch stets bleiben. Da gilt es die richtigen Calls zu machen.

Bleibt noch die Rückversicherung über das Laufspiel. Nur liegt genau hier die Achillesverse von Tampa Bays Offense. Mit weniger als drei Yards pro Lauf sind sie damit in der NFL nicht konkurrenzfähig. Wenn, dann geht für sie höchstens etwas durch die Mitte, doch da wartet Eddie Goldman, der in diesem Jahr nach einer Masseaufbauphase, wirklich herausragend spielt.

Klingt alles nach einem Spiel für die Bears. Nur wird Cornerback Prince Amukamara fehlen. Marcus Cooper laboriert ebenfalls noch an einer Zerrung und fällt ebenfalls aus. Ausgerechnet auf ihrer Seite wird aber Speed benötigt. Denn DeSean Jackson ist der routinierteste Deep Threat Receiver der NFL und hat wahrscheinlich aufmerksam jeden Abend den Injury Report gelesen. Dadurch das beide ausfallen, bleiben Chicago nur noch zwei Optionen. Veteran Sherrick McManis, der eigentlich ein reiner Special Teams Spieler ist, dort aber zu den besten der Liga zählt oder Rookie Kevin Toliver. Der große, kräftige und eher physisch spielende Cornerback wird ein gefundenes Fressen für die Offensive der Buccaneers. Aus Toliver kann mit den richtigen Coaches (und die haben die Bears für die Position) sogar ein ganz besonderer Spieler werden, aber einem NFL Start als Rookie, noch dazu gegen einen so ausgebufften Spezialisten wie Jackson, ist er nicht gewachsen. Zwar bekommt McManis bis heute Probleme, bei der kurzen Routenverteidigung, auf ein Speed Duell gegen DeSean Jackson könnte es Vic Fangio am Sonntag aber ruhig ankommen lassen. Noch dazu, wenn dahinter Eddie Jackson auf seine nächste Interception lauert.

Es liest sich zwischen den Zeilen auch so, als habe der Bears Defensive Coordinator genau das vor:

Einige Bears Insider vermuten auch, dass Bryce Callahan als Cornerback aufläuft und Toliver als Nickelback spielt. Doch dazu schätzt unser Coordinator Callahans Fähigkeiten gegen den Lauf und die Slot zu sehr, als das er ihn auf die Außenbahn setzt. In der heutigen NFL und gerade bei den Bears hat die Nickelback Position mittlerweile eine gleichwertige wenn nicht höhere Relevanz, weshalb diese Überlegung annähernd auszuschließen ist.

Doch ganz egal wie es kommt. Den Passangriff der Bucs werden die Bears vor allem mit Druck auf den Quarterback verteidigen können. Mike Evans und DeSean Jackson sind, sofern Amukamara ausfallen sollte, ein Problem für unsere bisher sehr gute Secondary.

Key Matchups: Roquan Smith gegen O.J. Howard und McManis/Toliver gegen DeSean Jackson

Darauf werden wir also im nächsten Spiel am Sonntag gegen die Tampa Bay Buccaneers achten müssen. Oder habt ihr andere Key Matchup Vorschläge? Ich lege mich auf jeden Fall fest. Wenn die Defense genug Druck auf Fitzpatrick aufbauen wird, dann sehen wir Ryan und nicht Fitzmagic und dürfen uns auf diverse Interceptions freuen. Besinnt sich die Offense auf das was sie kann, werden die Bears endgültig als Sieger vom Feld gehen und bestärkt in die spielfreie Woche gehen.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".