Breaking Down the Defense: Defensive Backs

Oftmals denken Fans, dass Quarterbacks das meiste wissen müssen und das alle anderen auf dem Feld viel weniger im Gehirn haben. Das ist falsch. Quarterbacks sollen natürlich die Offense leiten und sind schon sehr intelligent, aber es muss auch jeder andere die unterschiedlichen Spielzüge in jeder Situation kennen. Vor allem die Verteidiger, da die Defense auf die gegnerische Offense reagieren muss. Wie viel da von einem verlangt wird? Darum geht es in unserem dreiteiligen Breakdown. Heute:

Defensive Backs

Cornerbacks und Safeties müssen viel Verständnis haben wie eine Offense funktioniert, was ihre Gegner und ihre Mitspieler machen, und vor allem wann. Ein Großteil davon ist wichtig in Zone Defense. Die gegnerischen Receiver müssen solange sie in den jeweiligen Zonen sind, gedeckt werden und sauber übergeben werden wenn sie aus der Zone laufen. Dabei muss der DB nicht nur auf den Receiver achten, der sich gerade in seiner Zone befindet, sondern auch auf andere Gegenspieler in der Nähe, falls sie diese übenrehmen sollen. Die Geschwindigkeit in der sie durch die Zone laufen, was der Quarterback macht, was der Runningback macht und zum Teil sogar was die Offensive Line macht. Ein Auge muss auch stets die Seitenlinie im Blickfeld haben, da ein Hit außerhalb des Spielfeldes automatisch 15 Yards für den Gegner bedeuten.

Pre-Snap:

  • Field Awareness: Der DB muss wissen, wo er sich im Feld befindet, welches Down wir haben und wie der Punktestand ist. Diese Faktoren sind entscheidend für den Spieler, wie aggressiv er spielt und welche Cover-Routen er läuft.
  • Stance: DB Coaches lernen über die Jahre, das alleine das „wie man steht“ relativ viel ausmacht. Je nach Defensive Scheme, stehen DBs zum Start in verschiedene Haltungen. Hierzu spielt auch die Biomechanik des Spielers eine Rolle.
  • Balance: Hier geht’s um das Gleichgewicht im Sinne von Emotion. Ein DB darf sich nicht beeindrucken lassen. Vieles ändert sich im Laufe der Saison. Der DB muss das hinnehmen und konzentriert, aber locker sein.

Prior-to-Snap/On Snap:

  • Calls: Bei Motions resetted sich oft das Secondary Scheme. Ist die Defense in Man-Zone eventuell nicht, aber ansonsten ändert sich definitiv das Secondary Play. Besonders bei Motions kommen die Hash-Split Regeln zum Tragen.
  • Over-Split: Ein Receiver ist Over-Split wenn er sich 6 Yards outside der Feldnummern befindet wenn der Ball an die nähere Hash platziert wurde, 4 Yards außen wenn der Ball Middle-of-Field ist oder 2 Yards außen wenn der Ball von den Hashes auf die andere Seite des Feldes platziert wurde.

Hier wird Inside-Technique gespielt. Cornerbacks sind etwas näher zur Mitte des Feldes als die Receivers. Hier spielt man so, dass man zwischen Receiver und Quarterback ist während die Route gelaufen wird. Entscheidend hierbei ist, dass man nicht den langen Pass erlaubt, in dem man hinter dem Receiver zurück bleibt.

  • Under-Split: Ein Receiver ist Under-Split wenn er 6 Yards oder weniger vom letzten Blocker an der LOS entfernt ist. Hier wird “buttoned“ gespielt. Buttoned bedeutet für alle Football Spieler das Gleiche. Ein direkter Gegner steht dir genau gegenüber und nicht versetzt. Bei engen Formationen die Under-Split Receivers haben, spielt man hauptsächlich gegen kurze Pässe und Runs.

Wie tut man das?

Defensive Backs haben 3 Jobs. Sie sind verantwortlich für Passverteidigung, Outside Run-Verteidigung, und helfen gegen Inside-Runs in dem sie die richtigen Lanes verteidigen. Bei Inside-Runs sind Tacklings nicht entscheidend, sondern die Lücken des Ballträgers zuzumachen, damit er nicht vor Tacklers weglaufen kann.

Bei Outside-Runs ist es vorrangig wichtig, den Runner nicht außen weglaufen zu lassen. Er soll möglichst früh abgefangen werden, damit er wieder in die Mitte des Feldes gelenkt wird, wo mehr Verteidiger sind. Tackling gehört dazu.

Passverteidigung ist die Hauptaufgabe der Secondary. Um dies zu schaffen müssen DBs in Abstimmung zusammenarbeiten. Jeder muss abgestimmt sein auf seine Mitspieler in der Secondary. Oft zählen Linebackers dazu. Der Begriff “Zone“ wird oftmals missverstanden. Receivers laufen Routen, das tuen DBs auch. Zur Veranschaulichung sind hier Skizzen. Die Nomenklatur einer DB Route ist abhängig von Coaches, also bekommt ihr nun exklusiv das Secondary Playbook von Coach D zu sehen. Dies ist abgestimmt auf einen Advanced Route Tree.

Zuerst Backpedal, Weave und Interception Point.

  • Back Pedalling ist das A und O für Cornerbacks. Die ersten Schritte sollten langsam sein. Man muss zunächst den Receiver und den Quarterback während seines Drops lesen. Das heißt Schultern zum Gegner und Augen auf. Man will so lange wie möglich im Backpedal bleiben. Ein häufiger Anfänger-Fehler ist aus dem Backpedal zu kommen beim ersten Cut des Receivers. Sobald ein Receiver das sieht, ändert er seine Route in die andere Richtung um einen Schritt voraus zu sein.
  • Weave: Ein DB muss sein Backpedal in verschiedene Richtungen ausführen können. Manchmal ist das seitlich, horizontal zu den Quarterback-Receiver Passing Lanes.
  • Turn and Go: Das wichtigste überhaupt! Man möchte so lang wie möglich im Backpedal bleiben. Idealerweise 20 Schritte. Sobald man sein vertikales Polster verliert, dreht man und rennt mit dem Receiver. Ist der Ball noch nicht geworfen, benutzt man seine Hand um den Receiver zu finden, während man schnell den Kopf in Laufrichtung dreht.
  • Plant and Drive: Muss man frühzeitig aus dem Backpedal wegen einer kurzen Route, nimmt man noch einen kleinen Schritt zurück, rollt den Fuß in die Richtung wo man hin will und wirft Kopf und Schulter in die gleiche Richtung. Da sucht man den Interception Point, ein Punkt ungefähr 5 Yards vor dem Receiver, wo man den Ball erwartet.

Play the Ball

Viele Fans kritisieren einen Spieler, wenn er für eine Interception springt und dabei den Receiver verliert und ein Big Play erlaubt.

Falscher Ansatz. Ein DB MUSS aggressiv spielen und den Ball attackieren. Besteht keine Chance auf eine Interception zu spielen, spielt er für einen Knockdown. Haut alles nicht hin, ist ein Hit zwar cool anzuschauen, aber ein Strip Play auf den Ball viel besser und effektiver.

Bump and Run techniques. Under/Over Coverage.

Under Man:

  • grundsätzlich sollten Cornerbacks nie schneller Upfield sein als Receivers. So ein Schritt hinten dran damit man den Receiver mit ausgestreckten Arm anfassen kann, ist optimal. Das ist eine typische Cornerback Coverage und auch für Safeties in Man Coverage oder CB Safe Zones.

Over Man:

  • Auch bekannt aus den 80er Jahren als “DB Safe“. Over Man Coverage ist so, dass man immer den Receiver vor sich, zwischen DB und Quarterback deckt. In der Regel so 5-7 Yards Vorsprung und dauerhaft im Backpedal. Heutzutage kaum von Cornerbacks gespielt außer in CB Safe Zone Coverages wo Safeties, Nickelbacks, Dime Backs und Linebackers oder gar D-Linemen die Zonen nah an der LOS spielen.
  • Receiver Jams: Mirror Jam, Inside Mirror Jam, Outside Mirror Jam, Catch Mirror Jam, Yale Technique. Wie der Name schon sagt, versucht man die Bewegungen des Receivers zu spiegeln. Man spielt nah genug an der LOS um den Receiver zwischen erstem Schritt und zweitem einen Schubser zu geben. Das irritiert den Receiver und verschwendet Zeit, wovon der Pass Rush profitiert. Ob gerade über den Receiver (Nase an Nase) Inside (Nase an der Schulter des Receivers näher an den Quarterback), Outside (äußere Schulter) oder Soft (man spielt etwas weiter weg und schubst später) ist abhängig von Feldposition und Zeit. Die Yale Technique spielt man als Ergänzung zum Mirror Jam und der DB bleibt immer Inside (1 Yard) und Under (1-2 Yards) des Receivers. Das macht Pässe in die Mitte des Feldes fast unmöglich.

Zone und Zone-Man:

  • Hier sind die Coverages so unterschiedlich, dass ich darüber ein Buch schreiben könnte. Eine Zone ist meistens ein 10×10 Yard Kasten in dem der Defender am Receiver bleibt, bis er die Zone verlässt. Man kann damit das komplette Spielfeld abriegeln oder nur einen Teil. Hier eine bildliche Darstellung.

Half-Field Man Zone Dropback

Der abgebildete Linebacker hat eine besondere Aufgabe die der Secondary alles erleichtert. Seine Hilfe in frühen Coverages macht die Übergabe von Right Corner zu Right Safety möglich, was wiederum die Interception Chance deutlich erhöht. Links bleiben die Defender am Mann. Der Grund dafür ist, dass man den Tight End als Post-Snap Read ansieht. Bleibt der Tight End zum Blocken, spielt der Left DB 2-5 Yards vor der Line Of Scrimmage und wartet. Geht der Tight End einfach verspätet in eine Route, bleibt man dran. Ansonsten ist der DB da, um Outside Runs, QB Rollouts oder was auch immer sonst der Offense einfällt, zu stoppen.

High Man:

Chicago Bears Fans sehen eine besondere Coverage sehr oft. Das ist die High Man Coverage. Oft eine gemischte Coverage mit einer Zone auf einer Seite und eine Double Coverage auf der andere Seite. Der langjährige Defensive Coordinator Vic Fangio lässt die Cornerbacks und Man Coverage DBs ein Under Man Coverage spielen bis 15 Yards, danach spielen sie Upfield und wechseln in ein Over Man Coverage oder ein Safe, falls der Receiver nicht Upfield gelaufen ist. Diese Mischung erlaubt maximale Coverage gegen kurze Pässe und minimiert die Chancen auf Big Plays von 40+ Yards für die gegnerische Offense. Zudem haben die Pass Rusher den Hot Read Bonus. Da der gegnerische Quarterback seinen First Read Receiver nicht schnell anspielen kann, haben die Linemen und Designated Pass Rushers mehr Zeit um zum Quarterback zu kommen. Ohne elitären Pass Rusher haben die Bears 42 Sacks in 2017 generiert. Dank der Secondary.

Tape Study:

  • Tape Study gibt den Defender eine gute Idee dafür, was passieren wird gegen die gezeigte Defense. Spielt man Man oder ein Mirror Jam in der Zone, weiß man im Vorfeld, was der Gegner gern dagegen unternimmt. Das bedeutet ziemlich viel Zeit mit Coaches, Mitspielern und auch alleine einfach Videos anzuschauen und davon zu lernen. Meistens erwarten die Coaches Notizen und fragen danach.
  • Playbook Study: Es gehört viel mehr dazu als hier geschildert wurde. Vieles davon ist auch ausgeschrieben im Playbook. Playbooks sind auch animiert und interaktiv. Diese Vielfalt an Information muss der Spieler nicht nur wissen sondern auch umsetzen.

Zum Abschluss der ersten Folge seid Ihr dran. Stift und Zettel holen und Notizen machen ;-)

Genießt mal ein Video von einem der besten NFL Combines von einem DB den es überhaupt gegeben hat. Patrick Peterson ist technisch fast tadellos in seinen Bewegungen.

Und ein Highlight Video von einem Safety der meiner Meinung nach der Beste war. Bei 1:07 sieht man ein perfektes Plant and Drive für eine Interception. Man sieht auch, dass die meisten Interceptions von Under Man Coverages kamen.

Und ein Highlight Video von Chicago Bears Safety Eddie Jackson, der alle Voraussetzungen erfüllt um ein Top 3 DB zu werden.

Schau nun genau hin zum Highlight Tape 2017. Hier erkennt man, dass die Sacks oft gemacht werden konnten, weil der Quarterback einfach keinen anspielbaren Receiver fand. Bei den Interceptions erkennt man die oben geschilderten Spielweisen und die Routen oder Zonen, die gespielt wurden.

Coach D
Stieß im Jahr 2015 dazu und ist der Ami in unserer Runde. Er war lange als Coach tätig und spielte zuvor selbst Football, wo er sich unter anderem mit der Bears Legende Brian Urlacher messen durfte.