Pass Rusher: Ein hausgemachtes Problem

Quelle: Pro Football Weekly

Die Pass Rusher Position der Chicago Bears ist die Einzige, die noch als ernstes Problem im Kader besteht. Alle anderen Baustellen wurden in der diesjährigen Offseason gründlich behoben. Das Receiving Corps ist nicht mehr wiederzuerkennen, die Offensive Line erhielt einen neuen Coach und erneut junges Talent, obwohl die Kadertiefe auf der Tackle Position durchaus kritisiert werden kann. Die Inside Linebacker erhielten im Zentrum gleich zwei Rookies, dabei gab man für diese Position seinen Erstrundenpick her.

Doch nachdem mit Lamarr Houston, Pernell McPhee und Willie Young gleich 10 der 20,5 Outside Linebacker Sacks das Team am Jahresende verließen, vermissten wir in der Offseason die dringend benötigte Verpflichtung eines weiteren Pass Rushers. Stattdessen sollen dies nun neben Leonard Floyd, ein Undrafted Free Agent Isaiah Irving, ein Sechstrundepick Kylie Fitts und ein lange nicht in Form gewesener Veteran namens Aaron Lynch erledigen. Nicht zu vergessen Sam Acho, der in seiner Karriere in 7 Jahren ganze 17 Sacks verbuchen konnte und Kasim Edebali, von dem mittlerweile diverse Teams gemerkt haben, was sie von ihm erwarten können und was nicht. Im Grunde solide, aber sicherlich kein konstanter Starter.

Warum bringt sich das Front Office der Chicago Bears nur in eine solche Situation? Sie legten in der Behandlung der Position eine sträfliche Selbstgefälligkeit an den Tag. Hat ihnen das Receiver Desaster im letzten Jahr als drohende Mahnung nicht gereicht? Da stand das Corps nämlich vor der Saison recht anständig da. Meredith verletzte sich dann im dritten Preseason Game und Kevin White fiel auch für die restliche Saison aus. Das Ergebnis: Kendall Wright, nun maximal die Nummer 3 bei den Vikings war Receiving Leader, gefolgt von Joshua „ich fange grundsätzlich keine wichtigen Bälle“ Bellamy und Dontrelle Inman, der erst zur Saisonhälfte zum Team gestoßen war.

Nun ergibt sich ein ähnliches Szenario bei den Pass Rushern. Leonard Floyd brach sich vor einer Woche zwei Finger. Zwar wird er damit spielen können, aber es wird ihn schwächen. Dabei lagen auf Floyd alle Hoffnungen. Tatsächlich, auf dem Spieler, der es in seinen ersten beiden Jahren auf 22 der 32 Einsätze brachte und dabei 11,5 Sacks erzielte. Natürlich wünschen wir uns alle seinen Durchbruch, aber damit planen können die Bears doch nun wirklich nicht. Zumal er nun die gesamte Saison angeschlagen spielen muss und ihm auf der gegenüberliegenden Seite Irving oder Fitts an die Seite gestellt werden sollen, von denen er nur wenig Unterstützung erwarten kann. Nicht auszudenken was der Defense blüht, wenn Floyd ganz ausfällt (dabei auf Holz klopfen!).

Es gibt immer noch mehrere Möglichkeiten diese Probleme bereits vor der Saison zu beheben. Welche, soll nun aufgezeigt werden.

Aus den eigenen Reihen

Schwer vorstellbar, dass sich einer der genannten überraschend doch als zukünftiger konstanter Starting Pass Rusher hervortut, aber zumindest sollten wir es berücksichtigen. Bei wem ist es am Wahrscheinlichsten?

Sam Acho

Wohl eher nicht. Sam Acho ist ein solider Linebacker. Seine Stärken liegen allerdings in der Coverage, wo er gelegentlich seine Gegner zur Gänze aus dem Spiel nimmt. Ein Pass Rusher, noch dazu mit konstanter Gefahr wird er in diesem Leben nicht mehr. Sieben bisherige Saisons bei zwei verschiedenen Teams sollten Aufschluss darüber geben.

Kasim Edebali

Wir alle wünschen uns im deutschsprachigen Raum nichts lieber, als das Kasim Edebali endgültig in der NFL ankommt und seine Heimat bei den Chicago Bears findet. Aber Hand aufs Herz und die Schwarz-Rot-Goldene Brille einmal abgenommen. In den USA ist er bis heute gänzlich unbekannt. Chicagoer Medienleute fragten sich ernsthaft, wer das sei, der da verpflichtet wurde, als alle den neuen Heilsbringer im Pass Rush forderten. Edebali zeigt eine gute Preseason und wer weiß, stellen sich seine Konkurrenten weiterhin so unbeholfen an, er hat eine Chance auf einen Kaderplatz, zumal er es über die Special Teams schaffen kann. Dennoch, mehr als ein situativer Pass Rusher wird auch er nicht mehr. Er ist ein Arbeitstier, aber wenn er nach vier Jahren bei unterschiedlichen Teams keinen Durchbruch erlebte, wird es auch nicht im Fünften in Chicago passieren.

Kylie Fitts

Erster Sack im ersten Spiel! Was für ein Einstand dachten viele. Doch wer genauer hinsah, erkannte sofort die Schwächen des diesjährigen Sechstrundenpicks. Denn den Sack und seine einzigen Drucksituationen verbuchte er gegen einen Rookie Tight End. Gegen die Right Tackles sieht es dann eher so aus, als versuche eine Katze mit einem Bären zu ringen. Er ist momentan noch zu schwach für konstanten Pass Rush, aber gleichzeitig ein schneller Junge, der bei Third and Longs um die Ecke huschen kann. Pass Coverage ist derzeit noch Fehlanzeige. Aus ihm kann was werden, aber er braucht noch Zeit.

Isaiah Irving

Wahrscheinlich derjenige, von dem wir am ehesten die Rolle des Starters erwarten können. Ein Kandidat für den nächsten späten Pick oder Undrafted Free Agent, den Ryan Pace aus dem Hut zauberte und der nun einschlägt. Doch seine derzeitigen Leistungen bestätigen das nicht. Die Hoffnung auf einen Durchbruch möchten wir nicht aufgeben. Aber Irving konnte in der bisherigen Preseason nur Druck erzeugen, wenn er gegen die zweite oder dritte Reihe gespielt hat. Ansonsten war er kein Faktor. Soll er nun auf die andere Seite gestellt werden?

Aaron Lynch

Die zweite Verpflichtung in der Free Agency. Der zweite Neue, der in sein fünftes Jahr geht. Doch das Potenzial ist bei Lynch deutlich höher als bei Edebali. Leider bringt dieser nur nicht die Trainingsmoral von Kasim mit. Bei den 49ers aussortiert, holte Vic Fangio seinen alten Zögling zurück zu sich und hofft ihn zu alter Stärke zurückzuführen. Mag sein, dass er das hinbiegt, doch dazu müsste er zunächst einmal am Training teilnehmen. Seit April hat er Probleme mit Zerrungen und seiner Muskulatur, von seiner konditionellen Konstitution mal ganz zu schweigen. Jetzt ist er vor wenigen Tagen endlich ins Training eingestiegen. Ihm bleibt nur noch wenig Zeit um seine Coaches zu überzeugen. Seine Qualitäten als Pass Rusher möchten wir gar nicht anzweifeln. Aber seine Vorverletzungen sprechen nicht für einen konstanten Starter.

Schematische Lösungen

Was gern vergessen wird. Von den 42 Sacks aus der vergangenen Saison kam weniger als die Hälfte von den eigentlichen Pass Rushern. Anführer in den Statistiken ist nämlich der innere Defensive Line Spieler Akiem Hicks mit 8,5. Desweiteren sind die Bears kein Team, dass sich im Pass Rush nur auf wenige Einzelspieler verlässt, sondern den Druck auf den Quarterback lieber als Teamaufgabe meistert. So stammen die erzielten Sacks allesamt von 16 unterschiedlichen Spielern. Von DLinern, allen möglichen Linebackern und sogar von unseren Nickelbacks.

Die Statistiken beschönigen allerdings ein wichtiges Kriterium. Es ist nicht entscheidend ob Druck auf den Quarterback entsteht, sondern wie regelmäßig und konstant dieser erscheint. Und da haben die Bears eindeutig in der Vergangenheit bei Third und Forth Downs eine große Schwäche gehabt. Womit wir Ryan Pace zumindest zusprechen dürfen, dass er für die Verbesserung des Late-Down Pass Rushes etwas getan hat, indem er schnelle reine Rusher dem Roster hinzugefügt hat.

Doch auch bei den Early-Downs benötigt das Team konstanteren Druck. Mit den vorhandenen Spielern wird Fangio das nicht leicht hinbekommen. Doch kann er schematisch mehr aus dem Team herausholen, als es auf dem Papier scheint.

Ohne jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen, aber das Gesicht der Defense wird sich, nun, wo John Fox nicht die Linie vorgibt, noch einmal verändern. Dazu kurz die Kernelemente. Fangio ließ bereits in San Francisco eine hybride Front, also keine klare 4-3 oder 3-4 spielen. Seine Front ist wie er sie spielen lässt, einzigartig in der NFL und er war damit in der Vergangenheit wirklich konstant sehr erfolgreich. Für unsere Diskussion soll aber nur dieses wichtig sein.

Es gibt häufig nur einen stehenden Outside Linebacker, der zum Quarterback durchdringen soll. Die andere Seite übernimmt ein „hockender“ Defensive End. Den Inside Linebackern werden daher hohe Coverage Fähigkeiten abverlangt und es benötigt einen fähigen Cover-OLB. Mit Spielern wie Roy Robertson-Harris und Jonathan Bullard in der Defensive Line, sowie Trevathan, Smith und Acho im Linebacking Corps ergibt das ganze dann alles einen Sinn. Zumal Kwiatkowksi mittlerweile als blitzender Outside Linebacker eingesetzt wird. Denn Fangio ist immer besonders wichtig, dass der Gegner seinen Plan nicht durchschauen kann. Erfolgreichen Druck erzielt er gern damit, dass der Gegner nicht weiß von wem er kommt. So zählten seine Teams immer zu den Mannschaften die mit wenigen Blitzes dennoch konstanten Druck erzeugen konnten.

Sinnvolle Neuverpflichtungen

Es ergibt zwar Sinn, dennoch ist reiner Pass Rush über die Ecke der Offensive Line immer noch der Effektivste und wie wir es auch abwägen, wollen die Bears nicht allein auf den Durchbruch eines angeschlagenen Leonard Floyds vertrauen, kommen sie nicht umhin sich in Kürze zu verstärken. Noch einmal sollte als drohende Mahnung das Receiver Fiasko aus der letzten Saison herhalten. Sie sollten damit nicht bis zur Hälfte der Saison warten. Konstanter Pass Rush, oder das Fehlen davon, haben am Ende der Saison erheblichen Einfluss darauf, ob dieses Team in diesem Jahr bereits ein Playoff Team sein kann oder wir erneut eine ernüchternde Saison erleben.

Die bisherigen Lösungsansätze, die vom Front Office getroffen wurden, sind allesamt unzureichend. Zugegeben, in dieser Offseason war die Auswahl nicht gerade hochwertig besetzt, doch zumindest ordentliche Spieler, wie Connor Barwin oder Alex Okafor ließ man sich bereits entgehen. Entweder darf die Qualität der zurzeit zur Verfügung stehenden Personalien doch erheblich in Frage gestellt werden oder die Spieler sind eindeutig nicht als konstante Every-Down Linebacker zu gebrauchen. Wie wackelig der Kader auf dieser Position aufgestellt ist, zeigte zuletzt das garantiert Bange zittern der Verantwortlichen nach der Verletzung von Floyd. Hier nun einige Möglichkeiten, die gegen drohende Bauchschmerzen und Nägelkauen im Front Office helfen können:

Erfahrene Veteranen

Lamarr Houston

Eine offensichtliche Lösung und es wundert uns, dass er nicht schon unter Vertrag genommen wurde. Klar, Houston war häufiger verletzt und niemand kennt seine Krankenakte daher besser als die Bears. Allerdings spielte er im letzten Jahr für die Houston Texans und als Rückkehrer dann wieder in Chicago in insgesamt zehn Partien und schaffte dabei noch 5 Sacks. Als die angespannte Kadersituation es nicht mehr anders zuließ, sah Houston in 2017 auch viele Snaps pro Spiel und war ein konstanter Pass Rusher. Er mag es in Fangios Defense zu spielen und die Fans mögen ihn. Vielleicht pokert Pace darauf, ihn günstiger zu bekommen, wenn die Preseason sich dem Ende nähert. Außerdem benötigt der 31-jährige Veteran weniger die Vorbereitung mit dem Team und kann sich so nicht in einem unwichtigen Preseason Game verletzen. Doch sollte Pace nicht zu sehr zocken. Die Raiders und Jets hatten ihn bereits zu Besuch. Nicht dass jemand anderes früher zuschnappt.

Elvis Dumervil & Junior Galette

Ein Veteran auf der Position. Mit 34 Jahren etwas in die Jahre gekommen, aber nicht weniger gefährlich. Situativ schafft er immer noch Druck auf den Quarterback auszuüben. Aber konstant ist das alles nicht mehr. Wir kennen diese gestandenen Spieler. Mehr als 10 Snaps pro Spiel sind meistens nicht mehr drin, aber produktiv sind sie dennoch. Die Bears benötigen in erster Linie einen konstanten Pass Rusher für alle Downs. Doch wenn sie keinen finden, könnte Dumervil eine bessere Lösung als der Rookie Kylie Fitts sein.

Seit 2015 gehört auch Junior Galette zum „alten Eisen“ der NFL Pass Rusher. Er ist nach diversen Verletzungen und Problemen abseits des Feldes kein Kandidat für die Starter Position. Allerdings ist er, ähnlich wie Dumervil, in bestimmten Situationen immer noch ein produktiver Pass Rusher. Er selbst wartet auf die richtige Gelegenheit, das passende Team, ansonsten würde er lieber den Weg in den Ruhestand antreten. Bei den Bears hat er mit die besten Aussichten auf einen zweiten Frühling. Die Konkurrenz wäre überschaubar und das Defensive Coaching Staff um Vic Fangio erfahren und angesehen.

Weitere Kandidaten: Tamba Hali, Willie Young

Der etwas andere Ansatz

Malik Jackson

Wenn Fangio doch einen End als Pass Rusher aufstellt, warum sollte man dann nicht diese Position verstärken statt die des zweiten Outside Linebackers? Allein die Vorstellung Malik Jackson in der selben Line mit Akiem Hicks und Eddie Goldman zu sehen, würde Aaron Rodgers und Matthew Stafford den Schweiß auf die Stirn bringen. Malik Jackson zählt zu den talentiertesten und vielseitigsten Ends in der NFL. Kaum zu erwarten, dass die Jaguars ihn bereits jetzt ziehen lassen würden. Doch für ihn müsste man sicherlich nicht so tief in die Tasche greifen wie für andere Stars. Jackson bezieht ein fürstliches Gehalt und allmählich drückt der finanzielle Schuh in Jacksonville, so liegt ihr Cap Space bereits jetzt für die nächste Saison im deutlichen Minus. Mit Taven Bryan hat man schon im Draft seinen Nachfolger geholt und bei einem Trade könnten sie einen Drittrundenpick (zugegeben der kleinste gemeinsame mögliche Nenner) einheimsen und gleichzeitig schon dieses Jahr knapp 10 Millionen US-Dollar einsparen.

Cornelius Washington

Von 2013 bis 2016 spielte „Cornie“ bereits für die Bears. Nach anfänglichen Problemen mit der Umstellung von der 4-3 auf eine 3-4 Defense und diversen Verletzungen verließ er Chicago nach vier Jahren Richtung Detroit. Dort legte er Masse zu und spielt nun am Besten als 3-4 End in ähnlicher Form wie Roy Robertson-Harris. Washington hat nicht die Qualität von Jackson, aber er ist derzeit Free Agent und könnte als bekanntes Gesicht nach Halas Hall zurückkehren. Ein Duell um den Startplatz auf Augenhöhe mit RRH trauen wir ihm zu. Die Verbesserung der Position wäre durch seine Verpflichtung aber marginal.

Den Durchbruch Suchende

Dante Fowler

Der finanzielle Engpass der Jacksonville Jaguars in der kommenden Zeit wurde zuvor schon erwähnt. Der erst 24 Jährige Dante Fowler Jr. ist eine weitere Möglichkeit aus Florida. Der ehemalige #3 OVR Pick hat den Konkurrenzkampf gegen Yannick Ngakoue verloren und ist lediglich Back-Up in Jacksonville, allerdings gehört die Defensive Line auch zu den besten der NFL. Nach der letzten Saison mit 8 Sacks befindet sich Dante Fowler nun im letzten Jahr unter seinem Rookie Vertrag, dass die Wege sich mit seinem aktuellen Team trennen werden, deuteten die Jaguars schon damit an, die Option auf ein fünftes Jahr nicht in Anspruch zu nehmen. Ein früherer Abgang als erst im kommenden Winter scheint nicht sehr unwahrscheinlich, da sich die beiden Konkurrenten nicht sonderlich gut verstehen und in der Vorbereitung aneinander geraten sind. Nach einer Schulterverletzung zu Beginn fehlt Fowler deshalb erneut, die Jaguars suspendierten ihn für eine Woche. Die NFL sperrte ihn ebenfalls für das erste Saisonspiel, Fowler ist also keine einfache Person, was für Ryan Pace in der Regel ein Ausschlusskriterium ist. Sollten die Bears dennoch Interesse an den womöglich talentiertesten Spieler dieses Artikels haben, müssen sie sich beeilen, denn Gerüchten zufolge haben die New York Jets bereits ein Auge auf ihn geworfen.

Shaq Lawson

Im Jahr 2016 ein Erstrunden Pick der Buffalo Bills und womöglich in diesem Sommer auf dem Weg zu einer neuen Station. Es sollte also keine Geheimnis sein, dass Shaq Lawson eine Enttäuschung ist und wohl nie an die vor dem Draft erwarteten Leistungen herankommen wird. Gerade einmal 6 Sacks in zwei Jahren, dafür aber ständige verletzungsbedingte Ausfälle stehen bei ihm zu Buche. Es steht somit außer Frage, dass ihm eine Luftveränderung gut tun würde, um einen Neustart anzugehen. Das Potenzial, mit gerade einmal 24 Jahren, ist definitiv vorhanden, um ein guter Run-Supporter zu werden, der nebenbei noch für 6-8 Sacks in der Saison sorgt.

Shaquil Barrett & Shane Ray

Der Undrafted Free Agent aus dem Jahr 2014 ist noch bei den Denver Broncos unter Vertrag. Eventuell muss man für ihn einen späten Draftpick hinblättern, will man sich ihn garantiert sichern und nicht die Cuts auf die 53er Kader abwarten. Barrett ist erst 25 Jahre alt. Er spielte 2015 in einer 3-4 Defense auf der anderen Seite von Von Miller und erzielte 5.5 Sacks. Einen starken Partner benötigt er, den würde er bei den Bears in Leonard Floyd finden. Seitdem die Broncos ihre Front immer mehr in Richtung 4-3 umbauen, wurde er nur noch situativ eingesetzt, war dort jedoch ebenfalls gefährlich. Spätestens mit der Auswahl von Bradley Chubb im letzten Draft sind seine Tage gezählt in Denver. Er ist günstig zu haben (und günstiger als Teamkollege Shane Ray), besitzt nur einen Einjahresvertrag und sein neues Team könnte ihm eine echte Chance bieten.

Sollte Barrett die Denver Broncos nicht verlassen, dann auf Grund eines Wechsels von Shane Ray. Aus Broncos Kreisen heißt es, er befände sich auf dem Trade Block. Sicherlich, Ray wird nicht entlassen, wenn er nicht getradet werden kann. Shane Rays bisheriger Karriereverlauf gleicht einer Achterbahnfahrt. Nach einer unauffälligen Rookie Saison folgte im zweiten Jahr ein Hoch mit 8 Sacks. Im dritten Jahr blieb er erneut blass und verletzte sich am Ende noch, weshalb er noch immer nicht ganz fit ist.

Nate Orchard

Als Zweitrunden Pick im Jahr 2015 sorgte Nate Orchard in seiner Rookie Saison für Furore. Er erzielte in 15 Spielen 36 Tackle, 3 Sacks und ein Forced Fumble. Außerdem sorgte er noch für eine Interception und unterbrach 4 Pässe. Die Erwartungen vor seinem zweiten Jahr waren groß in Cleveland, doch eine Verletzung machte Orchard einen Strich durch die Rechnung. In der letzten Saison war er nur noch der Back-Up für Myles Garrett und Emmanuel Ogbah und könnte von den abschießenden Cuts vor Saisonbeginn betroffen sein. „Ein Spieler von den Browns soll uns weiterhelfen?“ wird sich nun der ein oder andere sicher fragen. Auf der Edge Position tummelt sich vermutlich die am besten besetzteste Gruppe im Browns Kader und den Kampf um einen der Back-Up Plätze hat Orchard noch lange nicht verloren. Kommt es doch dazu, ist er ein Spieler, der bei den Bears auf dem Zettel stehen sollte.

Weitere Kandidaten: John Simon

Der Blockbuster

Khalil Mack

In diesem Jahr wohl nicht mehr! Zwar gibt es immer wieder Gerüchte, aber für die Bears wird ein Trade doch zu kostspielig. Aber man wird ja noch träumen dürfen. Der beste Pass Rusher der Liga wäre logischerweise die bestmögliche Verstärkung für die Positionsgruppe. Wahrscheinlich müssen gleich zwei Erstrundenpicks für den Ausnahmespieler hingeblättert werden oder man gibt zu einem kleineren zweiten Pick noch einen Spieler wie Adrian Amos als Beigabe. Doch Erstens brauchen die Raiders keinen Strong Safety und Zweitens haben die Bears ihren nächsten Zweitrundenpick bereits für Anthony Miller investiert. Teams mit zwei Erstrundenpicks im nächsten Jahr, wie die Packers, wären, sollte er tatsächlich getradet werden in einer viel besseren Verhandlungsposition.

Wir wünschen uns genauso inständig, dass die Packers ihn nicht bekommen, wie wir möchten, dass Ryan Pace noch einmal auf dem Markt aktiv wird und den Pass Rush verbessert. Und das nicht erst wenn es zu spät ist. Negative Erfahrungen aus dem letzten Jahr sollten ihn das auch gelehrt haben. Optionen sind, wie wir sehen, genug da. Doch zeigt die Vergangenheit auch, dass Pace es wenig zu kratzen scheint. Wie die Receiver Position im letzten Jahr zählten die Pass Rusher vor dieser Offseason als eine der größten Baustellen im Kader. Lynch in der Free Agency und ein Sechstrundenpick waren bisher seine unzureichenden Antworten. Bei den Passempfängern brauchte er fast ein Jahr um es zu realisieren. Wie lang wird er diesmal benötigen? Oder verlässt er sich schon jetzt auf eine sehr wahrscheinlich bessere Free Agent und Draftklasse für die Position als im letzten Jahr? Doch auch dann kann er zumindest für einen Jahresvertrag jemanden der oben genannten unter Vertrag nehmen. Oder habt ihr noch weitere geeignete Kandidaten für unseren General Manager?

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".