Die Akte „Roquan“

Quelle: Getty Images / Ringer illustration

Unser Erstrunden-Draftpick Roquan Smith ist nach wie vor nicht im Trainings Camp der Bears erschienen, da Vertragsunstimmigkeiten den jungen Mann daran hindern zu unterzeichnen. In der letzten Woche hat das Thema nun nationale Aufmerksamkeit der Medien erreicht. Es gibt, wie so oft, verschiedene Sichtweisen auf diese Angelegenheit. Eine Seite, vertreten durch meinem Kollegen „janikbears“, steht voll und ganz hinter dem Spieler, während die andere Seite, bspw. der ehemalige Bears Head Coach Dave Wannstedt, der zuletzt Stellung nahm und Smith als selbstsüchtig darstellte, der Organisation beisteht.

Die Ausgangslage

Roquan Smith wird in den Verhandlungen von der Creatice Artists Agency, einer Berateragentur, und in Person der Agenten Brian Ayrault, Ben Renzin und Todd France vertreten. Die CAA ist eine der größten Agenturen in diesem Bereich, mit einer Menge Einfluss. Sie vertritt Spieler wie Aaron Donald, Joey Bosa und einen Groteil der 2018er Erstrunden Picks. Donald ist derzeit ebenfalls noch nicht bei den Rams erschienen und Joey Bosa blieb seinem Team letztes Jahr für 31 Tage fern.

Hinweis: Die Beträge, die ein Rookie verdient, sind vorgeschrieben und am Draft Spot gekoppelt. Es geht hierbei nicht um Geld, sondern um die Art der Auszahlung – quasi das „Wann?“ und „In welcher Form?“.

Wer trägt die Schuld am Schlamassel? 

Die NFL ist schuld. Nach dem Hickhack mit der Catching Regel, folgt nun, gerade als die alte Last beseitigt wurde, eine erneut schleierhaft formulierte Regel, die zudem mit einer harten Strafen belegt wurde – Suspendierung. Niemand weiß, wie scharf die Zebras damit umgehen oder auf welche Spieler geachtet wird. 

Regel:

Ab 2018 kassiert jeder Spieler ein Foul, der seinen Kopf und damit seinen Helm senkt, um einen Gegner direkt mit dem Helm zu attackieren. Die Referees können einen Spieler auch direkt vom Spiel ausschließen, wenn die drei folgenden Aspekte zutreffend sind:

  • Der Spieler muss seinen Helm senken, um so einen Gegner mit dem Kopf voraus anzugreifen.
  • Der Spieler muss freie Sicht auf den Kontrahenten haben.
  • Der Kontakt muss vermeidbar gewesen sein. Der angreifende Spieler muss also andere Optionen gehabt haben, um den Gegner aufzuhalten.

 

Die schlechte Ausformulierung im Regelwerk betrifft die Spieler nicht nur auf, sondern auch abseits des Platzes. Ebenfalls unbeachtet blieb der Teil, dass die Teams ein Recht besitzen, aufgrund von Suspendierungen das vierte Jahr des Rookie Vertrages entfallen zu lassen. Bis zu diesem Jahr war das auch sinnvoll, da Suspendierungen zuvor nur wegen Fehlverhalten (Gewalt, Drogen) ausgesprochen wurden.

Die Situation

„All Eyes On Us“ heißt es. Es ist inzwischen durchgeklungen, das sämtliche NFL Funktionäre nicht nur eins, sondern gleich beide Augen auf die Lage geworfen haben, weil hier ein Präzedenzfall drohen soll. Die neue Regel kann somit nicht der einzige Streitpunkt sein, weil andere Spieler, wie Saqoun Barkley, Tremaine Edmunds oder Todd Gurley eine solche Absicherung bereits im Vertrag haben. Die ungenaue Regel ist nur der Auslöser für etwas Größeres.

Wieso also ein Präzedenzfall? Im Fall Roquan Smith könnte ein genereller Schutz bei Suspendierungen gefordert sein, nicht weil er ein schlimmer Junge ist, sondern als Errungenschaft für zukünftige Klienten, die wirklich Dreck am Stecken haben.

Die Wahrheit wird vermutlich erst dann immer mehr ans Tageslicht kommen, wenn beide Lager sich geeinigt haben und wie es scheint, kann bis dahin noch eine Menge Zeit vergehen.

Schlusswort

Zuallererst sei gesagt, bei 281 Gehirnerschütterungen im letzten Jahr und zunehmender Kritik dafür, musste die NFL handeln. Zuerst kamen die Regeln, welche die Special Teams betreffe, es folgte die eben besprochene „Helmet Rule“ und das ist vollkommen richtig so. Es geht nun einmal um die Gesundheit von Menschen.

Es ist ein sehr schwerer Fall. Eine Partei, nämlich Smith, will sein garantiertes Geld trotz möglicher Suspendierung, was verständlich ist, da er unter der neuen Regelung mehrere Spiele zum Aussetzen gezwungen werden könnte. Dem gegenüber steht das Interesse der Bears, die im schlimmsten Fall ein volles First-Round Gehalt für einen Rookie zahlen müssen, der es nicht in den Kader schafft oder dauernd wegen Regelwidrigkeiten gesperrt wird. Und als sei das nicht genug, hängt daran noch eine dritte Partei, die Beraterfirma, die nicht nur den Spieler, sondern auch sich selbst vertritt, denn ein solcher Fall bedeutet immer Werbung.

Coach D
Stieß im Jahr 2015 dazu und ist der Ami in unserer Runde. Er war lange als Coach tätig und spielte zuvor selbst Football, wo er sich unter anderem mit der Bears Legende Brian Urlacher messen durfte.