RPO -tology

Foto: Icon Sportswire, Getty

Die Run-Pass-Option (RPO) hat im letzten Jahr eine große Rolle in der NFL eingenommen. Nicht nur in der Regular Season, gerade in der Post Season bekam das für viele Fans neue Konzept gehörig viel Aufmerksamkeit. Die NFL hat sie im Sturm erobert und durch Coach Nagy ist sie auch bei den Bears angekommen, was der Anlass zu diesem Artikel ist.

Erst einmal, die Run-Pass-Option ist ein taktisches Element für die Offense, die in der NFL noch recht neu und dadurch ziemlich effektiv ist, weil sich die Mittel zum Kontern erst noch entwickeln müssen. Im folgenden Tweet sind die Teams aufgelistet, bei denen RPO’s bereits einen festen Bestandteil der Offense darstellen:

Was ist eine RPO?

Zu Beginn ist es manchmal ganz hilfreich, wenn man das Schema zur Veranschaulichung bereits bestehenden Taktiken gegenüberstellt.

Read-Option: Bekannt geworden durch RGIII, ist sie ein reiner Laufspielzug, worin der QB entscheiden muss, ob er den Ball an den Runningback weitergibt, oder selbst läuft.

Play Action Pass: Ein reiner Passspielzug, der eine Übergabe an den Runningback vortäuscht, bevor der Passgeber sich zum Werfen bereit macht.

Run-Pass Option: Der Quarterback hat die Option, den Ball zu übergeben, um aus den Spielzug einen Lauf zu machen, oder ihn selbst behält und den Ball passt.

Im gleichen Spielzug die Option auf einen Pass, sowie auf einen Lauf klingt einfacher als es ist. Dazu müssen alle Mannschaftsteile harmonisch aufeinander abgestimmt sein und das beginnt mit den großen Jungs an der Front.

Offensive Line

Die größte Veränderung kommt wohl auf diese Posititionsgruppe zu. Die Linemen haben bei einer RPO die Aufgabe so zu blocken, als wäre es ein Laufspielzug. Dementsprechend sollen sie nicht zurückfallen, wie in der Absicherung eines Passes, sondern nach vorrücken. Der Grund dafür liegt bei demjenigen der die Entscheidung trifft, dem Quarterback. Dieser wählt seine Option nämlich erst nachdem der Ball gesnappt wurde und er die tatsächliche Defense Ausrichtung gelesen hat.

Die Schwierigkeit hierbei ist, sollte sicher der Quarterback für einen Tiefenpass entscheiden, muss er den Ball loswerden, bevor die Spieler der Offensive Line über 1 Yard nach vorne gerückt sind, ansonsten zieht das die „ineligible player downfield“ Strafe nach sich. Um dieses Szenario von vornherein auszuschließen sind RPO’s größtenteils mit Blocking Varianten verbunden, in denen sich die Linemen horizontal bewegen und dem Quarterback damit mehr Zeit zu verschaffen.

Receiver & Runningbacks

Hier wird es tricky. Logischerweise müssen die beiden Positionsgruppen für alles bereit sein. Die Receiver laufen ihre Routen zunächst, als wäre es ein Passspielzug, müssen jedoch jederzeit die Übersicht behalten, um im anderen Fall blocken zu können. Außerdem bietet sich kein Spielraum für Improvisationen, denn sollte der QB sich für einen Pass entscheiden, geschieht dies unter Druck (die OL blockt wie für einen Lauf) und auf einen bestimmten Spot, weswegen die Route präzise ausgeführt werden muss.

Währenddessen ist der Runningback Unterstützer des Quarterbacks. Er muss jederzeit bereit sein den Ball zu sichern, indem er ihn übernimmt und läuft. Der Lauf ist oftmals auch nur der Ausweg für den QB zumindest keine Negativyards zu erzielen, oder auch keinen Hit zu kassieren.

Quarterback

Bei einem erneuten Blick auf die Liste der Teams, die dieses Element bereits in ihren Playbooks verankert haben, fällt auf, dass die Quarterbacks unterschiedliche Spielertypen entsprechen. Die wichtigste Fähigkeit bei der Run-Pass-Option ist die Entscheidungsfindung. Ein Spielzug funktioniert nur, wenn der QB in der Lage ist, die richtige Option in kürzester Zeit zu wählen.

Der Pre-Snap-Read verschafft dem Quarterback eine erste Tendenz, wohin der Spielzug führen könnte. Nach dem Snap konzentriert sich der Quarterback auf das Lesen seines „Konflikt Verteidigers“, solange sich nicht sogar eine offensichtliche Möglichkeit bietet. Die Bewegung in eine Richtung oder das einfache Verharren auf der Position des Verteidigers (normalerweise Strong Safety oder Linebacker) führt zur eigenen Reaktion – sprich Pass zu Receiver X/Y/Z oder Lauf.

Erweiterungen/Auswirkungen

Eine Möglichkeit, die bisher noch nicht genutzt wurde, ist der Lauf des Quarterbacks. Ein Risiko, das viele Teams erst gar nicht eingehen wollen, doch eine theoretische Möglichkeit. Die Houston Texans nutzten in der letzten Saison bereits extra für Deshaun Watson entworfene Läufe. Warum also nicht auch aus einer Run-Pass-Option heraus? Die RPO’s stellen die Verteidiger bereits vor einer immens schwierigen Aufgabe, diese Erweiterung würde sie bei unentschlossenen Handeln oder Überaggressivität bestrafen.

Während der Post Season haben die Eagles ihr RPO Repertoire bereits in gewisser Weise erweitert. Sie haben begonnen, Fake RPO’s zu spielen. Als die Verteidiger meinten eine RPO erkannt zu haben und die kurzen Zonen zustellten, ließ sich die OL zur Absicherung eines Passes fallen, die Receiver machten einen Double-Move und der Quarterback warf den Tiefenpass. Das ist natürlich keine Run-Pass-Option mehr, sondern ein ganz normaler Passspielzug, der aufgrund der erfolgreichen Etablierung des Schemas möglich wird.

Wann sind RPO’s sinnvoll?

Der aktuelle Hype um die Run-Pass-Option sorgt dafür, dass viele sie ständig und überall meinen erkannt zu haben und die Eagles/Chiefs Offense quasi ausschließlich aus diesem taktischen Mittel bestünde. Im anfänglichen Tweet bereits gezeigt, ist sie das weiß Gott nicht (max. 18% der Offensive Plays) kein Mittel für immer und überall. Doch wann macht sie denn Sinn?

Um die Frage zu beantworten müssen die Stärken und Schwächen herausgestellt werden. Die Run-Pass-Option ist schwierig zu stoppen, da sie der Offense haufenweise Möglichkeiten bietet und eine Defense kaum auf alles gleichzeitig gewappnet sein kann. Das macht die RPO zu einer sicheren Alternative um ein paar Yards zu überbrücken. Damit sind wir jedoch gleichzeitig bei der Schwäche. Ein paar Yards. Nur selten führt sie zu größeren Raumgewinn, weil dem Passgeber aufgrund des Vorrückens der Offensive Line in der Regel nur wenig Zeit bleibt bis er den Ball loswerden muss.

Feldposition: Zwischen den 20 – 40 Yard Markierungen beider Hälften macht sie am meisten Sinn. In der eigenen Hälfte möchtest du in diesem Bereich sicher den Ball nach vorne tragen, um in Zonen vorzurücken, die eine aggressivere Spielweise zulassen und aus denen Punkte erzielt werden können, was hier in der Regel noch nicht der Fall ist. In der Gegnerischen Hälfte möchte man an dieser Stelle nicht mehr den Drive abgeben, sondern sicher in die Region vorstoßen, die dir Versuche direkt in die Endzone ermöglichen.

Downs: Ein paar sichere Yards möchtest du bei den ersten beiden Versuchen erzielen, um dir bei der/den darauffolgenden mehr Optionen zu verschaffen.

Kann Trubisky RPO?

Abschließend die wichtigste Frage für uns Bears Fans. Ist unser junger Quarterback dazu überhaupt in der Lage? Während seiner Zeit am College war Trubisky bereits in einer Offense, die dieses Element ebenfalls impliziert hatte.

Zur Verdeutlichung der Umsetzung der Spielzüge aus der Offense von UNC Coach Larry Fedora in der NFL folgt nun ein Vergleich zwischen einen dieser und einem Play unseres Rivalen, der Green Bay Packers.

Wenn beide Teams auch leicht unterschiedlich aufgestellt sind, ist die Idee die gleiche.

Beide Teams werfen einen Bubble Screen, einmal zum Receiver und einmal zum Runningback, die jeweils die weiter außen postierten Receiver als Vorblocker nutzen.

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.