Der Bears Draft 2018

Foto: Tom Pennington // Quelle: Getty Images

Der NFL Draft ist jedes Jahr heiß erwartet und wenn es endlich an der Zeit ist, ist er auch schon wieder vorbei. Der Medienrummel, den auch diese Seite zugegebenermaßen mitmacht, ist völlig übertrieben. Letztendlich gab es 7 Neuzugänge für die Chicago Bears, die noch nichts bewiesen haben. Nicht mehr, nicht weniger. Doch nun wird es interessant, denn jetzt wissen wir, welche Spieler unser Team verstärken sollen und die möchte man als Fan kennenlernen. Das möchte ich euch gerne ermöglichen und somit folgt, hier, eine ausführliche Beschreibung der jungen Wilden.

1. Runde (Pick #8): LB Roquan Smith, Georgia

Die Chicago Bears begannen ihr Wochenende mit einem Ausrufezeichen! Sie wählten in Roquan Smith einen Spieler der die gesamte Defense besser machen kann. Ein ILB, der gemäß der Tradition, der Mittelpunkt, sowie der Chef unserer Defense sein soll – quasi der Quarterback der Defense. Wir sollten uns also auf die kommenden Jahre freuen, so wie Vic Fangio in der besagten Nacht, dort sahen wir unseren Defensiv Coordinator tatsächlich lächeln.

janikbears: Dieses Jahr ist unsere Draft-Rekapitulation bedeutend einfacher. Zu Smith gibt es ein Spielerprofil. Dort hat der gute „philippgd“ bereits alles gesagt.

Roquan Smith: “I know they are known for defense here in Chicago and coach Vic is an awesome defensive coordinator. I’m just excited to play in that system. Regardless of how he wants to use me, I’m just excited and willing to do anything.”

Ryan Pace: “Just every game you watch he’s just so explosive, I mean Notre Dame, every game you watch, this guy’s flying around, making plays … I think in today’s NFL, the linebackers are becoming more and more of this. Sometimes you might sacrifice a little bit of size to gain a lot of athleticism and a lot of speed, and Roquan definitely has that.”

2. Runde (Pick #39): OL James Daniels, Iowa

Vor dem Draft waren uns Fans einige Baustellen bewusst, die angegangen werden mussten. Nach der Entlassung von Josh Sitton war der Weg gewappnet für einen jungen Mittelblock in der Offensive Line. Bei der Besetzung fiel die Wahl auf James Daniels, der mit seiner unglaublichen Athletik perfekt in das System der Bears passt und somit vom ersten Spieltag an ein sicherer Starter sein sollte.

janikbears: Die Maße 6’3, 306lb und die dafür fantastischen athletischen Werte vom Combine sind auch auf dem Feld ersichtlich. Seine flüssigen Bewegungen und die flinken Füße lassen ihn im Laufspiel schnell ins zweite Level vorrücken und beim Passspiel helfen sie ihm dabei, auf alle Gefahren schnellstmöglich zu reagieren und ebenso den Gegenspieler zu spiegeln. Trotz seines eher leichten Gewichts generiert er genug Power aus Ober-, sowie Unterkörper und nutzt gute Stellungen und Hebelwirkungen. Seine Punches sind kräftig und gut platziert, er spielt mit tiefen Pads und ja, seine Übersicht und Antizipation sind ebenfalls hervorragend. Kurz gesagt: James Daniels is the real deal. Vor allem für Zone-Blocking-Systeme, wie das der Bears.

James Daniels: “I’m a good hard worker and I’m very athletic, and I’m also young, too. I’m just 20 years old. My birthday is in September when I turn 21. So those things would describe me as a player.”

Ryan Pace: “He’s very athletic. He plays with very good pad level. He’s very quick off the ball, very good technique — like a lot of Iowa offensive linemen. It’s a guy that [offensive line coach] Harry [Hiestand] was really passionate about, too. We feel like there’s still a lot of upside ahead of this player, as young as he is. One thing that jumps out with these guys, too, is, you see these offensive linemen kind of get caught in awkward positions. He has the ability to recover and maintain his balance.”

2. Runde (Pick #51): WR Anthony Miller, Memphis

Eigentlich war der zweite Tag für die Bears schon vorbei, doch Ryan Pace entschied sich nochmal zurückzukommen. Ein Trade unseres 2019er Zweitrunden-Picks und einem der beiden diesjährigen Picks in der vierten Runde ermöglichte einen weiteren Spieler in der zweiten Runde zu wählen. Im Prinzip gab man lediglich einen von zwei Viertrunden-Picks ab, um den Zweitrunden-Pick vom nächsten Jahr, ein Jahr früher zu bekommen. Der Spieler, von dem man derartig überzeugt war, ist Anthony Miller. Ryan Pace war überrascht, dass Miller so spät noch zu haben war. Verständlich, so befindet sich der WR innerhalb meiner Top30. Er ersetzt den abgewanderten Meredith demnächst im Slot.

janikbears: Erneut. Hier ist ein Spielerprofil im Vorfeld schon geschrieben worden – von mir. Überraschenderweise deckt sich die Meinung.

Anthony Miller: “I’m very versatile. I can play [inside or outside]. If I had a choice I’d play the slot. … I don’t think any safety or linebacker in the league is capable of holding me, especially with a quarterback like Mitch Trubisky. I believe we’re gonna tear it up wherever they put me.”

Ryan Pace: “He’s competitive. He’s tough. His route quickness. His hands. His work ethic. His mentality — all those things are infectious qualities he possesses. He’s a fun guy to watch on tape because of how he plays.”

4. Runde (Pick #115): LB Joel Iyiegbuniwe, Western Kentucky

Nach drei Homeruns im Draft war es an der Zeit für einen typischen Pace-Move, sprich, man rauft sich die Haare. Ein Spieler, den niemand kennt, niemand aussprechen kann und trotz klaffender Kaderlücken eine Position abdeckt, die die womöglich stärkste Besetzung des ganzen Kaders hat. Ryan Pace wurde für die Art an Picks im letzten Jahr harsch kritisiert, doch besitzt er auch mehr Informationen als alle anderen, inklusive mir, und sollte Iggy (Spitzname) eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie seine Vorgänger aus dem letzten Jahr werden, wen interessiert dann noch der Punkt an dem er geholt wurde.

janikbears: Wie auch Erstrunden-Pick Roquan Smith besitzt er nur durchschnittliche Maße und ist anfällig von Blockern weggeschoben zu werden, da er seine eigentlich langen Arme nicht konsequent nutzt, um sich diese vom Hals zu halten. In diesem Bereich muss er physischer werden. Ansonsten besitzt Iggy ein gutes Gefühl für die Deckung und weiß, wie er in Zone Coverage agieren muss. Seine Schnelligkeit und Beweglichkeit verschafft ihm einen großen Aktionsradius (Sideline-to-Sideline). Zudem findet er gute Routen zum Ballträger und ist ein sicherer Tackler. Pass-Rush Fähigkeiten sind ebenfalls da, um bei Blitzes genutzt zu werden. Er ist ein weiterer moderner Pursuit-Linebacker und im Worst-Case ein guter Special Teamer.

Iggy: “(Teams) asked me what I wanted to play and I told them I wanted to be an inside linebacker, that’s what I want to do. This past year at Western Kentucky that’s what I played and I had my best season.”

Ryan Pace: “He’s so athletic. He’s so fast. He plays so physical. … he’s a real fun guy to watch because of all those reasons.”

5. Runde (Pick #145): DL Bilal Nichols, Delaware

Am Ende der letzten Saison musste Akiem Hicks für 95% der Snaps herhalten. Selbst ein Spieler dieser Klasse ist damit überlastet und somit ist es völlig richtig einen weiteren Spieler neben Bullard und RRH ins Rennen zu schicken, die für Entlastung sorgen sollen. So kommt es zum Pick von Nichols, der zwar noch sehr roh (er ist nunmal ein 5. Runden Pick), aber athletisch und vielseitig einsetzbar ist.

janikbears: Bilal Nichols ist groß (6’4), schwer (300lb) und dennoch athletisch. Er ist ein weiterer Small School Prospect, bei dem wieder wichtig ist, dass er auf dem niedrigen Level alle anderen dominiert hat. Wie bei Shaheen, tat er das mit seiner bloßen Athletik, technisch ist aufgrund des schlechteren Coachings natürlich Nachholbedarf. Seine Reaktionszeit beim Snap ist ebenfalls zu langsam. Sein Stärken liegen im Verteidigen des Laufs, seinen Einsatzwillen und einige nette Pass-Rush Moves bringt er ebenfalls schon mit, was schön ist, da es sich somit nicht um einen reinen Run-Stopper handelt, sondern Potenzial für mehr besteht.

Bilal Nichols: “As a player I feel as though I use my athletic ability to my advantage. I feel as though I use my quickness and my hands well.”

Ryan Pace: “For his size, he’s athletic. The toughness and rugged style he plays with stands out. … He has a lot of upside specifically as an inside rusher, which we value too.”

6. Runde (Pick #181): EDGE Kylie Fitts, Utah

Lange hat es gedauert, doch in der 6. Runde war es dann endlich so weit. Die Bears holten einen Edge Rusher mit dem nötigen Potenzial gegenüber von Leonard Floyd zu starten. Die größte Baustelle wurde angegangen. Kylie Fitts hat eine Verletzungshistorie, doch besteht diese aus vielen Kleinigkeiten, weswegen es keine Bedenken geben sollte. Sein Fall im Draft kann dennoch damit begründet werden.

janikbears: Kylie Fitts war das Combine-Ass der diesjährigen Edge-Rusher Klasse. Die nötigen Maße bringt er ebenfalls mit. Beim Pass-Rush hat er einen flüssigen ersten Schritt, wodurch er schnell in die Tiefe gelangt. Er bringt die Beweglichkeit mit, um die Geschwindigkeit auch beim Umkurven des Gegenspielers beizubehalten. Dabei hat ebenso eine ganze Reihe an Moves und Konter auf Lager, um sich den Gegner vom Hals zu schaffen. Das gelingt ihm gegen den Run noch nicht so ganz. Er spielt zwar grundsätzlich physisch, doch seine Lücke gegen Offensive Tackle geschlossen zu halten, gelingt ihm noch nicht. Gegen TE’s hat er derweil keine Probleme.

Kylie Fitts: “I know I’m going to stay healthy. I’ve been taking care of my body and those injuries — they were kind of freak accidents. … just a run of bad luck and I think got it out of the way. I’m 100 percent now and ready to go.”

Ryan Pace: “You want to make sure you’re evaluating a player when he’s healthy. When we dug into those [injuries], there was nothing significant. It’s just a couple of little nicks and bruises. Nothing is going to linger. So medically we’re very comfortable with him.”

7. Runde (Pick #224): WR Javon Wims, Georgia

Wir sind an einem Punkt angelangt, wo nur noch Projekte übrig bleiben. Pace legt keinen großen Wert auf diese Picks (so sind sie immer wieder Teil von Trades), doch der erste Receiver vom diesjährigen Finalisten der nationalen Meisterschaft ist einen Versuch wert. Außerdem ein weiterer Spieler von den Bulldogs, sollte Wims es in den Kader schaffen, werden unsere Bears langsam zu Georgia Midwest.

janikbears: An der Highschool noch Basketballspieler und auch am College, grob genommen, nur 2 Jahre Football gespielt, ergibt einen noch unerfahrenen Spieler, der noch allerhand zu lernen hat. Da wäre beispielsweise sein Start beim Snap, das Laufen der Routen an sich und sich vom Verteidiger nicht abdrängen zu lassen. Doch in der Redzone könnte er früher oder später mal Gold wert sein. So besitzt Javon Wims eine ungeheure Hand-Augen-Koordination und ist unglaublich fangsicher, auch während des Gegnerkontakts. Bei der Höhe seines Catch-Points kommt ihm seine Basketball Vergangenheit zugute. Außerdem erweist er sich als guter Blocker und ist als Special Teamer zu gebrauchen, was für die Spieler am Ende des Positions-Rankings wichtig ist, um einen Kaderplatz zu erhalten.

Javon Wims: “I’m a hands catcher. I have a unique ability to get the ball when surrounded. I think my best football days are ahead of me.”

Ryan Pace: “He’s big, physical, has outstanding hands, outstanding catch radius, body control. He’s played a lot of big games and he’s made plays at big moments. So I can just say we were happy when he was there.”

Fazit

Im letzten Jahr viel und vor allem stark kritisiert, findet dieses Mal eine große Lobhudelei statt. Seien es die lokalen Medien aus Chicago, die nationalen Medien, allesamt preisen die Auswahl der Bears an. Mir kam nicht eine negative Bewertung unter die Augen, nein, unser Team wird grundsätzlich unter den „Gewinnern“ gelistet. Ein ganz neues Gefühl mit dem ich ehrlich gesagt nicht umzugehen weiß. Es fällt mir schwer all das komplett auszuschalten und mich nicht von dieser Art übertriebener Euphorie anstecken zu lassen. Im letzten Jahr habe ich geschrieben, dass die früh kritisierten Rookies erst einmal spielen müssen, um sie zu bewerten und das gilt im umgekehrten Fall natürlich genauso. Auch die jetzt gelobten Neuzugänge müssen die erhoffte Leistung erst noch abrufen.

Interessant ist allerdings die neue Draft Strategie, die GM Ryan Pace in diesem Jahr verfolgte. In der Vergangenheit waren seine Rookies die Spieler mit dem größtem Potenzial – athletische Freaks. Diesmal fiel seine Wahl auf Spieler, die einen bestimmten Bedarf für die kommende Saison abdeckten. Nach drei Jahren Wartezeit sind die Bears endlich im „Win-Now“-Modus angelangt. Das Ziel ist nicht länger die Entwicklung der athletischen Freaks, um irgendwann einen guten Stamm zu besitzen. Das Ziel heißt nun Ergebnisse einfahren. Damit ist nicht gemeint, dass die Bears nun Playoff- oder gar Titelanwärter sind, sondern auch noch im Dezember im Rennen darum sein wollen. Es sind nicht die einzelnen Spieler, sondern die Symbolwirkung, die uns euphorisieren sollte. Die Bears greifen an! Also freut euch auf die kommende Saison.

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.