VorBEARicht: Bears @ Lions

Quelle: Pro Football Weekly

So, wie es in der NFC North gerade läuft, liegt der Druck eindeutig auf Seiten der Detroit Lions. Auf den Division Title ist der Abstand eigentlich zu groß und um die raren Wild Card Plätze kämpfen noch viele Teams mit Erfolgsaussichten. Spätestens seit der Meldung in dieser Woche, dass Aaron Rodgers zurück im Starting Lineup der Packers ist, weiß man in Detroit, dass jeder Sieg mitgenommen werden muss. Ein Sieg gegen Chicago ist damit Pflicht im Playoff Race und nur zu gern würden sich unsere Bears im heutigen Spiel als Weihnachts-Grinch verkleiden und den Lions ordentlich das Fest vermiesen.

In Chicago dreht sich seit Wochen alles nur noch um die Entwicklung ihres kommenden „Erretters“ Mitch Trubisky. Dieser erhält eine weitere Gelegenheit. Nach erwarteten Startschwierigkeiten kommt unser Rookie Quarterback immer besser in Fahrt und wirkte im letzten Spiel zum ersten Mal so, als sei er endgültig bereit für den Job. Jetzt spielt er zum ersten Mal ein zweites Mal gegen den selben Gegner. Dort kann er zeigen, wie lernfähig er ist.

Einige von euch werden darüber streiten, ob es besser sei die Saison abzuhaken oder man versuchen sollte, die letzten drei Spiele zu gewinnen. Aber mal ehrlich. Drei, Vier Draftplätze machen es nicht aus und vor allem für ein so junges Team kann es in den letzten Wochen nichts wichtigeres geben, als gewinnen und sich die nötige Bestätigung für nächstes Jahr zu holen. Zumal es heute nach Motor City geht und man die Playoff Träume von Stafford und Co. in Alpträume verwandeln kann.

Nach dem letzten Spiel gegen die Lions schrieb Janikbears: „Die Offense der Chicago Bears zeigte ihr bisher bestes Spiel in dieser Saison, die Defense allerdings ihr zweitschlechtestes. Alles in Allem verloren die Bears jedoch, weil ihr Kicker scheiße ist.“ Was hat sich seit dem verändert? Wie stehen die Siegchancen?

Offense

Gute Coaches wissen, ein Playoff Team baust du Offensiv zuallererst über das Laufspiel auf. Mission erfüllt. Die Bears besitzen die siebtstärkste Laufoffense und mit Jordan Howard und Tarik Cohen ein One-Two-Punch-Duo, dass jeden gegnerischen Defensive Coordinator vor eine besondere Herausforderung stellt. Paart man unsere Runningbacks nun mit einem gefährlichen Quarterback, besitzt man, wie in der letzten Woche gesehen, bereits mehr als die halbe Miete. Bereits im letzten Spiel gegen Detroit zeigte die Offense eine sehr gute Leistung. Ausnahmsweise ging die Niederlage nicht auf ihr Konto.

In der letzten Begegnung gegen die Bengals zeigte sich Dowell Loggains Play Calling deutlich verbessert. Sein Quarterback trat mit deutlich spürbarem Selbstvertrauen auf und die besseren Spieler im Angriff konnten in Szene gesetzt werden. Trotzdem gibt es dafür lediglich verhaltenen Applaus, denn der Prozess bis dahin dauerte viel zu lang. Die Saison war nämlich vorher schon gelaufen. Es ist aber wichtig in den letzten Wochen weiterhin so zu agieren.

Die Lions Defense ist unterer Durchschnitt, wie wir es im letzten Aufeinandertreffen schon bemerkt haben. Wechselnde Formationen, sowie kreative Laufspielzüge sollten sie vor schwierige Aufgaben stellen. Mittlerweile ist die Offense auch definitiv dazu in der Lage ein komplexeres Playbook umzusetzen. Vor allem Kendall Wright erhielt im letzten Spiel die Einsatzzeit, die er verdient, und bedankte sich dafür mit der besten Saisonleistung eines Bears Receivers überhaupt.

Die wichtigste Personalie auf dem Feld in den letzten drei Wochen ist Mitch Trubisky. Einst war es der Plan, den Rookie Quarterback hinter Mike Glennon Erfahrungen sammeln zu lassen. Spätestens jetzt wissen alle, dass es für Trubisky besser war, diese bisher auf dem Feld gemacht zu haben. Er spielte gegen drei Top 10 Defenses und musste schwierige Herausforderungen meistern. Ausfälle in der Offensive Line zählten genauso dazu wie die fehlende Unterstützung seiner Receiver und seines Offensive Coordinators.

Nur so konnte er bereits in einem so frühen Stadium seiner Karriere zum Führungsspieler bei den Bears aufsteigen und sich verschiedene Spielweisen aneignen. Letzteres ist von Nöten, da Detroit genauestens die Tapes vom vergangenen Aufeinandertreffen studieren und versuchen wird, Trubisky aus seiner Komfort Zone zu holen. Bis vor kurzem bespielte man den Rookie mit vielen Blitzes und unterschiedlichen Defense Fronts. So einfach wird es aber nicht mehr gehen. Diverse Analysten unterschreiben ihm, dass er den nächsten Schritt gemacht hat. Sein Spiel ist komplexer, er nimmt den Druck des Gegners gut auf und trifft kaum noch falsche Entscheidungen. Die Lions erwartet eine verbesserte Version von Mitch Trubisky und sie hatten ja mit der letzten schon Probleme.

Gegen Detroit zeigte der Rookie Tarik Cohen eine sehr gute Leistung. Sein Speed und seine Beweglichkeit stellte die gegnerische Defense häufiger vor unlösbare Aufgaben. Lediglich die Screen Pässe auf ihn brachten keinen Erfolg. Nun hat sich sein Quarterback aber in der Entscheidungsfindung verbessert und die Defense muss tiefer verteidigen. Nur weil es beim letzten Mal nicht funktioniert hat, stellt dies keine Prophezeiung für das heutige Spiel dar. Sie sollten es erneut versuchen. Denn eigentlich liegt hier eine Schwachstelle der Lions.

Die wohl größte Veränderung zum letzten Aufeinandertreffen ist Adam Shaheen.Er hatte zwar im letzten Spiel gegen Detroit seinen Rookie Durchbruch mit 4 von 4 gefangenen Bällen, 41 Yards und einem Touchdown. Aber die Verbindung zwischen ihm und Trubisky ist seitdem gewachsen. Er ist der beste Tight End in den Reihen der Bears und gerade dieses Duo sollte vielen Fans Hoffnung für die nächsten Jahre machen. Er blockt und ist eine wichtige Anspielstation für seinen Quarterback. Im heutigen Spiel könnte er als Hauptziel hervorgehen.

Ich befürworte die Herausnahme von Kyle Long aus dem Kader. Er benötigt eine längere Pause um seine Verletzungen auszukurieren. Außerdem braucht die Offensive Line Konstanz. Im heutigen Spiel könnte sie endlich einmal mit der Startformation durchspielen. Bereits in der letzten Woche hat es der gesamten Offense geholfen, dass man sich zumindest mit der gültigen Line für das Spiel vorbereiten konnte.

Zwischenfazit: Sollten Spieler und Trainer sich fokussiert vorbereitet haben, kann die Bears Offense zum zweiten Mal in Folge wie eine ganz normale NFL Offense agieren. Ausbalanciert in Pass und Laufspielzügen sollten sie den Ball gegen eine vergleichbar schwache Defense gut über das Feld bewegen können. Für Trubisky sollte der Coordinator seine beiden wichtigsten Anspielstationen Shaheen und Wright freispielen lassen. Das Laufspiel dürfte erneut über jeden Zweifel erhaben sein. Aber Vorsicht! Am Ende gewinnt die Offense mit den wenigsten Fehlern. Und Detroit hat seine Interception Rate in den letzten Spielen vor allem bei tiefen Bällen ausgebaut.

Defense

Abgesehen von einem Quarter im Tiefschlaf hatte die Defense im letzten Spiel den Gegner aus Detroit im Griff. Vor einigen Wochen fehlte Danny Trevathan. Sein Einfluss auf die Leistung der Abwehr lässt sich leicht zusammenfassen. Mit ihm erlaubten sie in den letzten zwei Spielen nur einen Touchdown, vor seiner Verletzung sah es ähnlich aus. Ohne ihn setzte es im November krachende Niederlagen. Mit ihm kann man hoffentlich die Big Plays vermeiden, die den Gegner beim letzten Mal davon ziehen ließen.

Golden Tate war beim letzten Mal kein Faktor. Jetzt spielt er nicht gegen den Backup Cre’Von LeBLanc sondern gegen den Starter Bryce Callahan. In der Secondary könnte auch Adrian Amos zurückkehren. Trotz fehlendem Pass Rush wäre die Defense damit ziemlich gut aufgestellt gegen einen Quarterback wie Matthew Stafford. Wenn Kyle Fuller und Prince Amukamara in der letzten Woche einen Receiver wie A.J. Green kalt stellen konnten, dann sollte es ihnen doch auch mit Marvin Jones gelingen. Beim letzten Mal ließen die Bears gegen Stafford, wie gewohnt, mögliche Interceptions liegen. Hoffen wir, dass die Secondary Fangtraining gemacht hat.

Zwischenfazit: Der Schlüssel zum Sieg ist im Grunde ganz einfach. Keine Big Plays zulassen und den Lions das Kurzpassspiel erschweren. Wenn sie mit dem Ball laufen müssen, werden sie ins Schleudern kommen. Pass Rush ist gegen diese Offense gar nicht so wichtig. Gerade die Linebacker müssen die kurzen Zonen verteidigen.

Fazit

Der Record erzählt nie die wahre Geschichte. So wie die Packers mit 7-6 besser sind als die 7-6 Lions, so sind die Bears trotz 4-9 definitiv ein ebenbürtiges Team. Fans erhalten die Gelegenheit in den letzten Wochen ihr Team der Zukunft zu sehen. Ein Sieg, vor allem gegen einen Divisionsrivalen, ist wichtiger als ein guter Draftplatz.

Am Ende habe ich ein deutlich besseres Gefühl als noch beim letzten Spiel gegen Detroit. Chicago kann befreit aufspielen und einfach Spaß haben auf dem Feld. Aktive und ehem. Footballspieler wissen, was „Spaß“ auf einem Footballfeld tatsächlich bedeutet.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".