VorBEARicht: Bears vs. 49ers

Quelle: CBS Sports

Der Dezember kommt schon wieder über uns. Wenn draußen alles weihnachtlich dekoriert wird und die Tage immer kürzer werden, dann geht es in der NFL in die heiße Phase. Entweder spielst du um die Playoffs oder du beginnst dich mehr mit dem Draft als mit den Spielen deines Teams zu befassen. Bei den Bears wie auch bei den 49ers ist letzteres der Fall.

Doch bis zu unseren Analysen rund um das Thema „Draft 2018“ haben wir noch ein paar Wochen. Also, bereiten wir uns auf ein weiteres, hoffentlich interessantes und stimmungsvolles Spiel an diesem Wochenende vor. Interessante Notiz vorne weg. Zum ersten Mal in dieser Saison spielen die Chicago Bears gegen ein Team, dass am Spieltag einen negativen Record innehält. Neben einem machbaren Gegner gibt es vor allem für die jungen Spieler eine Gelegenheit Selbstvertrauen zu tanken und die restliche Saison zur persönlichen Weiterentwicklung zu nutzen.

Offense

In der Offense könnte es sein, dass unsere Line seit langem wieder in Bestbesetzung auflaufen kann. Josh Sitton muss noch aus dem Concussion Protocoll entlassen werden. Dies klingt aber nach einer reinen Formalität. Um dem jungen Quarterback und seinen Mitspielern einmal die Gelegenheit zu geben, ihr volles Talent entfalten zu können, wäre es sehr angenehm, wenn die gesamte Starting Offensive Line, so wie es normalerweise üblich ist, das gesamte Spiel auf dem Feld bleiben kann.

Mitch Trubisky

Da wären wir auch schon bei dem wichtigsten Rookie. Trubisky arbeitet wie erwähnt von Spiel zu Spiel an seinen Schwächen. Gegen die Eagles erkannte er, dass seine Mechanics nicht flüssig abliefen und er daher den ein oder anderen Pass am Ziel vorbeiwarf. Interessant wird sein, ob er seinen Fokus eben genau darauf legen kann in den weiteren Partien dieser Saison. Bereits zum Draft kritisierte ich ihn für seine Mechanics.

Man muss ehrlich sein, begutachten wir nur die Gesamtleistung des Teams und die Stats des hauptverantwortlichen in der Offense auf dem Feld, so müssen wir festhalten, dass Trubisky nicht der beste Rookie Quarterback seiner Draft Class ist. Jedoch tuen ihm seine Coaches keinen einzigen Gefallen und sein Support auf dem Feld ist grausam bis gar nicht präsent. Der ehemalige Center der Bears, Olin Kreutz hat das hier gut erkannt:

Mitch erhält weder die Möglichkeit von seinen Coaches, den Spielzug bei so einer vollgepackten Box in einen Passversuch zu ändern, noch darf er darauf reagieren, dass die kurze Route von Außen nach innen ein sehr leichtes Ziel für seine Receiver abgeben würde. Wenn einer der höchstens durchschnittlichen Receiver einmal so eine Chance erhält und mit einem freien Lauf, einfache Yards erzielen kann, dann sollte Trubisky auch die Möglichkeit bekommen, dies auszunutzen. So erhält er, dank seiner Coaches, regelmäßig lange 3rd Down Conversions und bekommt nie zwischendurch mal eine Verschnaufpause, indem er ein einfaches Play wie hier ansagen dürfte. Stattdessen eben, Laufspiel in eine volle Box. Tackle for Loss und ein abschließender schwerer Passversuch.

Im nächsten Jahr benötigt vor allem Trubisky Coaches, die ihn weiterentwickeln können. Derzeit hat man das Gefühl, dass alle Quarterbacks der Bears im Training beinahe im Stich gelassen werden. Man sieht an den Rams, was der richtige Wechsel im Coaching Staff vor allem für einen jungen Quarterback bedeutet.

Heute geht es gegen die drittschlechteste Laufdefense in der NFL. Trotz talentierter junger Verteidiger mussten sie in diesem Jahr ca. 130 Yards pro Spiel zulassen. Das bedeutet, die 49ers werden gegen ein Run First Team nur etwas erreichen können, wenn sie die Box mit mehr als sechs Spielern besetzen. Gleichzeitig schafft das Räume für die Receiver. Bisher hat eigentlich jedes Team einen Schlüssel gegen diese Defense gefunden. Gerade mit Pre Snap Reads von Trubisky, die in den letzten Wochen kaum zu sehen waren, ist eine solch junge Defense zu überlisten. Wir haben in der Vergangenheit immer wieder betont, dass gegnerische Defenses einem Rookie Quarterback nicht zeigen, was sie nach dem Snap tatsächlich spielen werden. Die Niners sind aber noch nicht so variabel. Daher könnte doch diesmal die Bears Offense die Finten setzen. Wenn die Coaches ihn lassen.

Wide Receiver

Die beiden vor der Saison als Nr. 1 und Nr. 2 im Receiving Corps deklarierten Spieler befinden sich ungefähr seit Saisonbeginn auf der Injury Reserve Liste. Nach den Streitereien auf dem Flur in Halas Hall zwischen McBride und Bellamy, aber vor allem nach fünf gedroppten Pässen in einem Spiel, wurde Tre McBride entlassen. Damit befinden sich im Kader derzeit vier Wide Receiver. Der bestbezahlteste (Marcus Wheaton) davon, könnte nun zum zweiten Mal in dieser Saison als Starter eingesetzt werden. Josh Bellamy war zum Saisonstart als reiner Special Teamer vorgesehen. Hinzu kommen, häufig nicht nachvollziehbare Einsatzzeiten der Schwächeren im Corps, während die Besseren auf der Bank sitzen.

Zum einen bedeutet dies, wir haben ein weiteres Argument für einen Wechsel auf der Trainerposition. Zum anderen war der Kader bereits ohne die Verletzungen und Ausfälle zu dünn und zu schwach besetzt. Hier müssen Verstärkungen her. Gleichzeitig bedeutet dies für die jetzigen im Kader, dass sie sich für nächstes Jahr beweisen müssen. Denn Neuzugänge bedeuten auch, dass der ein oder andere, derzeit zu Recht, das Team verlassen muss.

Gegen San Francisco gibt es eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen Chicagos Wide Receiver erfahrener und vermeintlich sogar besser sind als die verteidigende Secondary. Gleich zwei Rookies spielen allein im Backfield der Niners. Cornerback Akhello Witherspoon und Free Safety Adrian Colbert. Was diese Positionsgruppe angeht, liegen sie im Vergleich zu den Bears um ein Jahr zurück.

Offensive Line

Woran liegt es, dass die Bears Offensive Line in diesem Jahr mal Top und mal Flop ist? Zwei Gründe. Sie konnte eigentlich nie mehr als ein Spiel in Bestbsetzung durchspielen und es gibt auf den Tackle Positionen keinen Wettbewerb, weil Leno und vor allem Massie keine Konkurrenz erhalten.

Gerade im nächsten Spiel sind sie gefragt. Die gegnerische Defense besteht überwiegend aus sehr unerfahrenen Spielern in allen Positionsgruppen. Im Großen und Ganzen sind die Leistungen vor allem in der Front Seven von Linebacker Reuben Foster und der Defensive Line um DeForest Buckner und Solomon Thomas sehr überzeugend. Jedoch verschaffen individuelle Fehler dem Gegner immer wieder spielentscheidende Big Plays. Bears Fans dürfte dies aus dem letzten Jahr bekannt vorkommen. Blockt die Line vor allem auf den Außen immer wieder Running Lanes über die erste Verteidigungsreihe hinaus frei, werden Jordan Howard und Tarik Cohen nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip im Laufe des Spiels zum großen Schlag ausholen.

Defense

Während in der Offense die Schwächung des Teams aufgrund vieler Verletzungen, zumindest bei den Wide Receivern, noch darauf zurückzuführen ist, dass die diesjährige Kaderplanung bei dieser Positionsgruppe mit einem ganz spitzen Bleistift gerechnet wurde, so kann man den Verantwortlichen in der Defense kaum einen Vorwurf machen. Was in diesem Jahr auf der Safety Position los ist, kannst du nicht vorhersehen. Gleich zwei Safeties gelangten früh in der Saison auf die Injury Reserve Liste. Mit Quintin Demps fiel gleichzeitig der Team Captain und erfahrenste Starter aus. Danach spielten Rookie Eddie Jackson und Adrian Amos mit einem Leistungsabfall im letzten Spiel sehr gut in allen erforderlichen Facetten des Safety Spiels.

Verletzungen und ihre Folgen für das Spiel – Safety

Amos wird nun sehr wahrscheinlich ausfallen. Die beiden Backups Bush und Houston-Carson sind ebenfalls angeschlagen. Fluks wurde Demps von der IR Liste zurückbeordert. Laut eigenen Angaben wird auch er nicht rechtzeitig fit. Ich hatte gehofft diesen Namen nie wieder schreiben zu müssen. Aber in dieser Woche verpflichteten die Bears aus der Not geboren den im Sommer entlassenen Chris Prosinski. Wahrscheinlich wird dieser sogar starten. Ein Sinnbild für das Verletzungspech. Zu Saisonbeginn konnten wir GM Pace für seine Neuverpflichtungen noch loben. Aus der schwächsten Gruppe wurde eine Stärke des Teams und letztjährige Starter erhielten nicht einmal mehr einen Vertrag. Jetzt ist neben Houston-Carson sogar Prosinski zurückgeholt worden.

Gegen vergleichsweise schwächere Receiver können die Bears versuchen, vor allem mit Single-High-Safety, oder wie ich es in diesem Spiel als Single-High-Jackson bezeichnen möchte, und viel Nickel Defense spielen. Es wäre ein Test, ob Eddie Jackson in der Lage ist, zumindest gegen das passende Matchup, als alleiniger Safety zu spielen. Gerade gegen Runningback Carlos Hyde wäre ein Box Safety eine zusätzliche Verstärkung der Front Seven und der Laufdefense. Hierbei sollten wir hoffen, dass Houston-Carson seine Sprunggelenksverletzung rechtzeitig auskuriert. Als Box Safety kann ich mir DeAndre sogar als zukünftigen NFL Starter vorstellen. Hier kann er seine Stärken im Tackling und Run Stop ausspielen. Gerade in den Special Teams konnten wir alle in den letzten Wochen sehen, wie gut er bei schweren Tackles im offenen Feld ist.

Sollte er nicht spielen, bin ich mit meinem Latein am Ende. Ich bin gespannt, wie Fangio und Fox dieses Problem lösen wollen.

Verletzungen und ihre Folgen für das Spiel – Pass Rush

Hier darf man den Planern des Kaders wieder einen Vorwurf machen. Mit vier Outside Linebackern gingen die Bears in die Saison. Davon hat noch niemand eine volle Saison durchgespielt als Starter. Und nun ernten sie, was sie gesät haben. Leonard Floyd fällt bis zum Saisonende aus. Genau wie der letztjährige Sack Leader Willie Young. Pernell McPhee kann kein Spiel absolvieren, indem er mehr als 40% der Snaps spielen muss. Sam Acho war noch nie ein typischer Pass Rusher. Rookie Isaiah Irving kam im Laufe der Saison in den Kader und fällt nun auch fürs heutige Spiel aus.

Natürlich ist da auch viel Pech dabei, aber es war von Beginn an sehr knapp kalkuliert. Jetzt hat man Lamarr Houston verpflichtet. Der Veteran wurde gerde bei den Texans entlassen und wird gegen die Niners sofort eingesetzt werden. Der Rückkehrer kennt das Playbook aus den letzten Jahren und wird sich schnell in das Team einfügen.

Der Pass Rush muss funktionieren. Vor der Saison hätte sich niemand Sorgen gemacht, aber jetzt steht dahinter ein Fragezeichen. Die klare Schwäche der 49ers Offensive Line muss bespielt werden. sie erlaubte die sechstmeisten Sacks in diesem Jahr.

Jimmy Garoppolo

Keinen neuen Starting Quarterback in einem NFL Team kennen Bears Analysten besser als Jimmy Garoppolo, das Team von Beardown Germany eingeschlossen. Die Coaches und Ryan Pace haben sich im letzten Jahr intensiv mit ihm beschäftigt und Interesse an einer Verpflichtung signalisiert. Im letztjährigen gemeinsamen Trainings Camp mit den Patriots konnten sie viele Eindrücke sammeln. Da die Niners um Head Coach Kyle Shanahan nicht in so kurzer Zeit das Rad neu erfinden können, sollte die Defense also auf ihn vorbereitet sein. Sollte? Muss!

Genauigkeit und schnelle Antizipation zählen zu seinen Stärken. Sie sollten ihn dennoch in der Pocket halten und zu schnellen Pässen zwingen. Cornerbacks wie Kyle Fuller und Prince Amukamara dürften in der Lage sein, Receiver wie Marquise Goodwin oder Aldrick Robinson dafür lang genug in Schach zu halten.

Fazit

Beide Teams zählen zu den Schlusslichtern, wenn es um erzielte Punkte pro Spiel geht. Ein Two-Possession Vorsprung kommt damit einer Vorentscheidung gleich. Am Ende geht der als Sieger vom Feld, der in der Offensive die wenigsten Fehler in Form von Turnovern macht und am diszipliniertesten spielt. Sollten sich Chicago und San Francisco hierbei die Waage halten, sollten die Bears als Sieger vom Feld gehen. Die unerfahrene Defense der Niners dürfte einige Big Plays erlauben. Ihre Offense benötigt, genau wie die von Chicago solche Möglichkeiten. Jedoch mussten in diesem Jahr bisher eigentlich alle Teams mühsam den Ball von First Down zu First Down gegen die Bears treiben. Sie erlaubten die fünftwenigsten Big Plays in der NFL diese Saison.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".