VorBEARicht: Bears @ Eagles

Quelle: Bleeding Green Nation

An diesem Wochenende erwartet euch aufgrund des Gegners ein etwas anderer Vorbearicht als gewöhnlich. Schreibt gern in die Kommentare was ihr davon haltet. Und keine Sorge, in der nächsten Woche gibt es wieder die bekannte Version unserer Vorbereitung auf das Spiel!

Nachdem die Bears nun endgültig ihre Hoffnungen auf eine Playoffteilnahme begraben können, geht es an diesem Wochenende nach Philadelphia, um sich gegen den NFL Primus Philadelphia auswärts zu messen. Unter regulären Bedingungen wäre ein Sieg bereits verdammt schwer. Jetzt fallen in der Front Seven gleich mehrere Starter aus, nachdem Leonard Floyd auf die Injury Reserve Liste gesetzt wurde und Danny Trevathan mit einer Wadenzerrung ebenfalls nicht dabei sein wird. Ein nahezu unmögliches Unterfangen gegen die Eagles zu gewinnen.

Chicago ist ein Run-First Team und spielt gegen die beste Laufdefense der Liga. Chicago hat in diesem Jahr kein Spiel gewonnen, bei dem der Gegner mehr als 24 Punkte erzielt hat und spielt gegen ein Team, dass in diesem Jahr erst einmal unter 24 Punkten geblieben ist. Dieses Spiel hat Philadelphia gegen Kansas City allerdings verloren. Ein ganz kleiner Hoffnungsschimmer.

Daher wird dies auch ein etwas anderer VorBEARicht. Es soll um die Frage gehen, warum die Bears Fans trotz einer drohenden deutlichen Niederlage gegen Philadelphia hoffnungsvoll nach vorn blicken können. Meine Behauptung ist nämlich, an diesem Wochenende spielt Chicago gegen ihre eigene Zukunft.

Zur Sache der Gemeinsamkeiten

Nach der Saison 2012 wurde ein relativ erfolgreicher Coach, der es allerdings nie zum ganz großen Erfolg geschafft hat, nach einem schwächeren Jahr entlassen. Nein, die Rede ist nicht von Lovie Smith, sondern von Andy Reid. Danach baute ein gehypeter Head Coach mit Namen Chip Kelly das gesamte Team um und zerstörte damit jegliche Struktur und Identität der bisherigen Eagles. In Chicago bezeichnet man dieses ähnliche Konstrukt als die Trestman-Emery-Ära.

Philadelphia spielte in 2016 die erste Saison mit ihrem Rookie Quarterback Carson Wentz und stand am Ende bei 7-9. Die Bears befinden sich derzeit mit ihrem Rookie Quarterback auf einer ähnlichen Mission. Wie ich bereits in mehreren Analysen geschrieben habe, besitzt Trubisky sehr viele Gemeinsamkeiten mit Wentz. Die Defense war im letzten Jahr auf Kurs. In der Offense fehlten den Eagles vor allem gute Wide Receiver.

Defense

Herzstück der Eagles Defense ist ihr Run Stop. Die Pass Defense profitiert vor allem von einem starken Pass Rush und weniger von Playmakern in der Secondary. Für die Bears wird die Laufdefense am Sonntag ein Problem darstellen, allerdings kann die sich, sofern alle gesund sind, mit ihr messen. Auch in Chicago setzt man eher darauf, den Quarterback unter Druck zu setzen. Philly befand sich statistisch im letzten Jahr bei allen relevanten Werten im oberen Mittelfeld. Chicago ist dort zumeist bereits stärker in dieser Saison.

Offense

Im letzten Jahr starteten die Eagles, obwohl sie zunächst auf Sam Bradford setzten, direkt zu Saisonbeginn mit einem unerfahrenen Rookie Quarterback. Die Bears warteten leider in 2017 noch die ersten vier Wochen ab, bevor sie das Zukunftsprojekt Trubisky in Angriff nahmen. Vergleicht man die statistischen Werte der Eagles 2016 mit den Bears 2017 entdeckt man erneut viele Gemeinsamkeiten.

Hinzu kommt das Spielsystem. Beide Teams spielen einen Zone Blocking Scheme in der Offensive Line mit dem dazugehörigen Zone Run. Im Passing Game setzen sie auf ein Vertical System, bei dem der Quarterback, nachdem der Lauf den Pass vereinfacht hat, in die Schnittstellen zwischen den Verteidigern werfen soll. Hierbei wird häufig ein schneller Slot Receiver, sowie der Tight End angeworfen.

Im letzten Jahr hatten die Eagles eine ausgemachte Schwäche, ihre Wide Receiver. Insgesamt befanden sich abwechselnd neun unterschiedliche Receiver im Kader. Kurz vor der Saison ertradeten sie noch Dorial Green-Beckham. Die Bears machten so etwas durch den Inman-Trade und hatten auch schon viele Wechsel auf dieser Position.

Ist die Zukunft bereits geschrieben?

Nein! Trotz vieler Gemeinsamkeiten der 2016er Eagles und der 2017er Bears hat Philadelphia in der letzten Offseason seine schwächeren Positionen bereits verstärkt und besitzt mit Doug Pedersen einen hervorragenden Coach, der die Philosophie des Franchises in seiner Spielweise wiederspiegelt. Um im nächsten Jahr mit einen Quarterback wie Mitch Trubisky oben dabei zu sein, hat man in Chicago also noch viele Hausaufgaben zu erledigen.

Jedoch haben sie einen Vorteil hierbei. Die exzellente geleistete Arbeit von General Manager Howie Roseman kann Ryan Pace als Blaupause dienen. Was in der nächsten Offseason zu tun ist, soll hier nur kurz angeschnitten werden. Mit Beginn der Offseason wird das BDG-Team sicherlich näher darauf eingehen.

Coaches

Mit Doug Pedersen verpflichteten die Eagles im letzten Jahr einen Head Coach, der bereits bei den Eagles gearbeitet hat, als sie zum letzten Mal erfolgreich waren und typischen Eagles Football gespielt haben. Die beiden Coordinator komplettieren ein qualitatives Staff. Sie holten mit Frank Reich jemanden für die Offensive, der bereits mit Peyton Manning und Philip Rivers gearbeitet hat und lange Zeit Wide Receiver und Quarterbacks Coach gewesen ist. Für die Defense kam Jim Schwartz. Ein ehemaliger Head Coach, der ein sehr hohes Ansehen als Defensive Mastermind in der NFL besitzt. Gemeinsam zeichnet sie alle ein sehr guter Umgang mit den Spielern aus. Es gibt in der NFL wenige Coaches, die ihren Spielern auf Augenhöhe begegnen und keine klare Hierarchie fordern. Diese drei Coaches gehören dazu.

Bei Coaching Kandidaten mit Bears Vergangenheit während der Lovie Smith Zeit fällt mir als allererstes Dave Toub ein. Der derzeitige Special Teams Coordinator der Kansas City Chiefs wird bereits seit ein paar Jahren immer wieder als zukünftiger NFL Head Coach genannt. Er würde Kenntnisse für beide Seiten des Balls mitbringen. Die Special Teams waren unter ihm immer Ligaspitze. Das Playcalling in der Offense und Defense wäre nicht seine Aufgabe. Aus Pace Sicht garantiert ein Vorteil, da sich Fox immer wieder in die Belange seiner Coordinator einmischt und sie „ausbremst“.

„…and what Coach Fox is allowing us to do on offense.“ Hat da wirklich der Rookie Quarterback gerade seinen Head Coach in der Öffentlichkeit kritisiert? Auf jeden Fall macht er es so, dass er es abstreiten könnte, würde man ihn darauf festnageln wollen.

Toub zumindest, sowie auch Pace besitzt viele Weggefährten die für eine Rolle als Offensive Coordinator in Frage kämen. In der Defensive haben die Bears bereits einen angesehenen Coordinator. Ohne dieses Szenario bewerten zu wollen, aber es klingt doch zumindest nicht abwegig.

Schwachstelle Wide Receiver

Wie an dieser Stelle immer wieder betont, junge Quarterbacks brauchen einen GoTo-Guy. Um in Zukunft erfolgreich sein zu wollen, müssen die Bears Trubisky ein ordentliches Receiving Corps zusammenstellen. Dabei dürfen sie nicht auf die Rückkehr von Kevin White und Cam Meredith hoffen. Unabhängig davon müssen Neuverpflichtungen her. Sollten sie dennoch erstarkt zurückkehren, wären sie dann eine weitere Aufwertung der ohnehin schon exzellenten Positionsgruppe.

Die Eagles setzten mit Torrey Smith und Alshon Jeffery auf erfahrenere, aber nicht abgehalfterte Optionen. Beide haben bereits fünf/sechs Saisons gespielt und sind trotzdem noch ein paar Jahre von der 30 entfernt. Dass Smith und Jeffery unterschiedliche Typen Receiver sind, muss hier denke ich nicht weiter erläutert werden. Smith brachte den Speed in die Offense und Jeffery die Körpergröße und Physis. Im Draft holten sie noch zwei ähnliche Spieler wie diese beiden. Mack Hollins und Shelton Gibson sind Investitionen in die Zukunft.

Nach derzeitigem Stand hat Pace in diesem Jahr die Qual der Wahl. Die Rookie Verträge einer der stärksten Receiver Draft Klassen laufen aus. Einige werden sicherlich langfristig von ihrem Team gehalten, dennoch liest sich die Liste derzeit ganz gut. Alshon Jeffery, Davante Adams, Jarvis Landry, John Brown, Paul Richardson, usw. Ganz egal, wer oder wie viele verpflichtet werden. In Anbetracht der Salary Cap Belastung durch gute Wide Receiver muss unbedingt noch jemand für die Zukunft gedraftet werden.

Wo sind die Weichen bereits gestellt?

Die Bears besitzen in vielen Segmenten des Spiels bereits Gemeinsamkeiten. In der Offense verfügt Chicago über ein gefährliches Laufspiel. Hierfür mussten die Eagles noch Jay Ajayi ertraden. Die Offensive Line kann es mit der von Philadelphia aufnehmen und gehört zu den besseren Lines in der NFL. Carson Wentz spielt am liebsten seinen Tight End Zach Ertz an. Die beiden fahren im selben Rhythmus über das Spielfeld, wie man sagt, und sie sind freundschaftlich verbunden.

In Chicago versucht man eine ähnliche Verbindung für die Zukunft aufzubauen. Mitch Trubisky und Adam Shaheen haben sich im Trainings Camp das Zimmer geteilt. Zwar kann niemand diese Beziehung erzwingen, jedoch zeigten sie auf dem Feld in den letzten zwei Wochen eine sehr gute Harmonie. Sechs Receptions für 80 Yards und ein Touchdown in zwei Spielen lassen einen positiv in die Zukunft blicken. Am Sonntag möchten alle gerne mehr davon sehen.

In der Defense wären die Bears, sofern einmal alle gesund bleiben würden auf Augenhöhe. Seit vielen Jahren müssen Bears Fans leider mit diesem Umstand leben. So richtig kann man nie erfahren, wie gut dieses Team tatsächlich ist.

In der letzten Woche verkündeten die Bears, dass es für die Zukunft eine große Veränderung in Halas Hall geben wird. Die Trainingsstätte und Herz der Chicago Bears soll seit 20 Jahren zum ersten Mal grundlegend erneuert werden. Zur Saison 2019 wird alles fertiggestellt sein. Alle Bereiche, auch für Fitness und Medizin, werden bis dahin vergrößert und modernisiert. Halas Hall soll dann zu den modernsten und größten Trainingseinrichtungen der NFL gehören. Die Behandlung und Vorbeugung von Verletzungen, sowie die Fitness der Spieler wird damit auf ein deutlich besseres Niveau gehoben. Dies ist gut für alle zukünftigen Spieler der Chicago Bears und für eine erfolgreiche Zukunft. Auf dem Free Agent Markt wird die neue Einrichtung ebenfalls ein positiver Faktor sein. Gerade bei der Suche für einen neuen Head Coach sollte der Ausbau ein wichtiges Argument sein.

Wie die Eagles mit ihrem derzeitigen 9-1 Record beweisen, sind die Bears wirklich auf dem richtigen Weg. Doch gerade nach dieser Saison müssen die Weichen korrekt gestellt werden. Sonst gibt es am Ende einen Totalschaden. Floppt der nächste Coach, wird Pace mitgefeuert. Besitzen die Bears in Zukunft keine guten Wide Receiver, wird Trubisky immer hinter seinen tatsächlichen Leistungen zurückbleiben. Am Sonntag dürfen wir daher mit Ansehen, wie unser Team in Zukunft spielen könnte. Könnte! Denn bis dahin ist noch ein Weg zu gehen. Er ist kürzer als die meisten denken, jedoch voll tückischer Abzweigungen, die die Reise um Jahre verlängern könnten.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".