SpielBEARicht: Lions vs Bears

Quelle: chicagotribune.com / Foto: Stacey Wescott

Aus gesundheitlichen Gründen erscheint der Spielbericht diese Woche erst so spät. Ich bitte um Entschuldigung.

 

Die Offense der Chicago Bears zeigte ihr bisher bestes Spiel in dieser Saison, die Defense allerdings ihr zweitschlechtestes. Alles in Allem verloren die Bears jedoch, weil ihr Kicker scheiße ist.

Offense

Das sah doch mal nach einer Offense aus. Chicago blieb ihrer Philosophie treu, der Run war immer noch die erste Priorität. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden, solange man dabei variantenreich agiert, die unterschiedlichen Fähigkeiten nutzt, um so die Defense zu verwirren. Es ist somit wenig überraschend, dass das erfolgsversprechend war und zum ersten Mal zu mehr als 17 Punkte in der regulären Spielzeit führte. Das kam auch dem Passspiel zu Gute, hier konnte ebenfalls mehr variiert werden, weil man nicht ständig in 3rd & Long Situationen gedrängt wurde.

  • Es schien, als hätten die Chicago Bears endlich das Playbook weiter geöffnet, so kamen viele verschiedene Formationen zum Vorschein. Das überforderte nicht nur die Defense, sondern auch ein Stück weit unsere eigenen Männer. Die Bears mussten ein Timeout nehmen, weil Wright und Bellamy nicht wussten, wo sie sich aufstellen sollten und Trubisky wollte den Ball einmal zu seiner Linken an Cunningham übergeben, der jedoch rechts von ihm vorbei lief.
  • Im Trainingscamp wurde immer wieder berichtet, dass Trubisky seine Schwierigkeiten mit der Übernahme beim Snap under Center hatte. Am Sonntag sahen wir das zum ersten Mal im Spiel, als er einen guten Snap fumbelte, was zum ersten Touchdown Detroits führte. Ein weiteres Problem war wieder mal seine Genauigkeit. In der zweiten Halbzeit verpasste er zwei Würfe hintereinander, was einen Punt statt einem First Down zur Folge hatte. Die Genauigkeit war am College jedoch seine große Stärke, also keine Sorge, wenn er sich weiter anspielt, wird diese zurückkommen. Das passiert ihm, wenn sein Footwork nicht korrekt ist. Bemerkenswert ist jedoch, dass er nach dem Spiel ohne Videoanalyse selbst darauf hinwies.
  • The Kid durfte des Öfteren Read-Option-Plays spielen, dabei entschied er sich mehrmals dafür den Ball zu behalten. Die Defense musste somit auch darauf ständig gewappnet sein, was zu mehr Freiraum für Howards Läufe, wie bspw. dessen Touchdown, führte. Neben seinen Beinen ist seine Entscheidungsfindung sehr positiv zu betrachten.
  • Nachdem Tarik Cohen in den letzten Wochen zumeist ignoriert wurde, fand auch er sich gegen die Lions häufiger auf dem Platz wieder. Am Ende kamen Howard und er auf die gleiche Anzahl an Snaps. Die Idee beide zeitgleich ins Backfield zu schicken bewies sich als ein guter Einfall. Daraus resultierten starke Läufe von Howard, weil die Linebacker auch den schnellen Cohen über Außen befürchten mussten. Beide zusammen hatten einen grandiosen Tag. Sie kommen auf 24 Läufe, 169 Yards und 2 TDs. Nimmt man Trubiskys noch hinzu, erzielten die Bears über 200 Yards mit ihrem Laufspiel, oder durchschnittlich 7 Yards pro Lauf.
  • Es gab noch einen weiteren Rookie mit einem guten Tag. Adam Shaheen verbuchte seinen zweiten Touchdown in seiner Karriere und erzielte mit 4 gefangenen Bällen bei 4 Anspielen ganze 41 Yards, während er sich ansonsten als souveräner Blocker im Laufspiel erwies. Seine Leistung war laut PFF am Ende die beste aller Tight Ends an diesem Spieltag.

  • Kyle Long war nach seiner Handverletzung zurück im Team und spielte wie man es von ihm erwartet. Eine Wand. Die beiden Strafen gehen allerdings mal so gar nicht, zumal die Erste zum Touchdown Detroits führte. Der Rest der O-Line wusste ebenfalls zu gefallen, keine Sacks und kaum Druck zugelassen, das war die nötige Antwort auf das Spiel zuvor.

Defense

  • Die Defense läuft derzeit ihrer Form hinterher. So verwundert es nur wenig, dass Marcus Cooper für den gut spielenden Amukamara rein rotiert wurde und im ersten Drive eine 17 Yard Completion beim 3rd & 15 zuließ und anschließend ein Touchdown nach einem Tiefenpass folgte, weil er von seinem Gegenspieler ausgetanzt wurde.
  • Christian Jones war zum zweiten Mal in Folge für die Calls zuständig und wenig überraschend hatte er damit erneut Probleme. Mehrere Fehlkommunikationen und falsche Calls auf Seiten der Defense. Er ist damit schlichtweg überfordert. Die Frage, warum wir Laien das erkennen, unsere Coaches jedoch nicht, muss hier leider erneut gestellt werden. Die Lösung gab es hier auch schon: Kwiatkoski und Timu hatten beide bereits diese Aufgabe und waren ihr gewappnet. Warum also Jones?
  • Pernell McPhee steht viel zu oft auf dem Feld. Der Mann hat zwei kaputte Knie und man sieht ihm deutlich an, dass er fertig ist. Er ist langsam und wird vom Gegner herum geschubst. Er mag situativ eingesetzt wohl noch Gefahr erzeugen können, aber nicht, wenn er gefühlt das ganzes Spiel auf dem Platz steht. Nach der Verletzung Floyds wird sich die Anzahl an Snaps aus Mangel an Alternativen sogar noch erhöhen und ich gebe ihm 3 Spiele bis er sich so erneut verletzt (Coach D hat intern einen Zehner auf < 3 gesetzt)
  • Detroits Top Receiver Golden Tate war an diesem Tag nicht auffindbar. Lob geht an dieser Stelle an Cre’Von LeBlanc, der somit den Druck auf Callahan erhöht.
  • Vic Fangio stellte zur Halbzeit um, es ließen sich 8 Leute in die Deckung fallen und nur 3 Spieler machten Druck auf den Quarterback. Sehe ich nicht gern, aber hier hatte es Erfolg, also habe ich nichts daran auszusetzen.
  • Das ist die zweite Woche in Folge, in der die Defense im letzten Quarter das Spiel hergab, während die Offense die Bears in Position brachte. Im letzten Monat, vor der Bye, dominierte die Gruppe alles und jeden. In den letzten zwei Wochen wurden sie von ihrer eigenen Offense hinter sich gelassen.
  • Den Unterschied machen dabei vor allem die Turnover. Die Defense lässt in diesem Bereich derzeit zu viel liegen. Ja, sie haben einen Ballgewinn nach einem Fumble erzeugt, doch ließen ebenso 3 INT fallen (2x Fuller, 1x LeBlanc).

Special Teams

  • In der letzten Woche schrieb ich, dass Connor Barth trotz guter Leistung entlassen gehört. Im Spiel gegen die Lions wurden alle daran erinnert warum ich das schrieb. Der Ball flog 15 Yards an den Stangen vorbei. Der Kick war eine Frechheit. Die Bears taten inzwischen das, was vor einem Jahr bereits hätte geschehen müssen und trennten sich von ihm. Am Sonntag kickt Neuzugang Cairo Santos. Schlechter kann es sowieso nicht werden…. Oder?
  • Der Captain ist zurück. Sherrick McManis ist wieder genesen und setzt bei einem Kickoff Return direkt einen schönen Tackle. Nice!
  • Isiah Irving wird ebenfalls erwähnt, weil er zwei extrem harte, aber vor allem wichtige Stops verbuchte. Der Undraftet Rookie überzeugte im Special Team und in der Preseason. Ich würde gerne sehen, wie er nach Floyds Verletzung eine Chance in der Defense erhält.
janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.