Draft Watch: College Woche 12

Quelle: D210.tv

Bevor die entscheidenden Duelle in den großen Power 5 Conferences anstehen, nutzen wir in dieser Woche die vielleicht letzte Gelegenheit einen Blick auf die Draft Prospects der kleineren Division I Colleges zu erhaschen. Doch wer jetzt meint, mit denen brauche man sich nicht beschäftigen, liegt daneben. Die späteren NFL Pro Bowler und Super Bowl Sieger stammen nicht alle aus Alabama oder von der Clemson University. Sie kommen von Colleges breit verteilt über das ganze Land. Es gibt unterschiedliche Gründe, weshalb sie nicht an einem großen College spielen. Manch einer spielt gern noch ein paar Jahre in seiner Heimat, andere wiederum kommen von einer kleinen High School und konnten in der Recruiting Phase nicht besonders auf sich aufmerksam machen. Es soll auch unter den zukünftigen Football Profis den klassischen Spätentwickler geben.

Aber keine Sorge, in der Nacht gibt es noch ein SEC Match mit einem ganz besonderen Talent!

18:00Uhr: SMU @ Memphis

In der American Athletic Conference treffen die Southern Methodist Mustangs aus Dallas auf die Memphis Tigers. Beide Colleges haben einen ausgezeichneten Wide Receiver in ihren Reihen. Die beiden potenziellen Erstrunden-Kandidaten möchten wir uns bei dieser Gelegenheit genauer anschauen, zumal sie ja nie gleichzeitig auf dem Feld stehen.

SMU Receiver Courtland Sutton war bereits im letzten Jahr in der Diskussion um die Top Draftplätze, entschied sich aber ein weiteres Jahr am College zu bleiben. Mit 6’4 und 214lbs gemessen, gehört er zu den Playmakern, die in der NFL gefragt sind. Er hat einen kräftigen Körper und starke Arme und weiß damit sowohl beim Catch als auch im anschließenden Lauf sich damit seine Gegner vom Leib zu halten. Früher spielte er Basketball. Dieser Hintergrund hilft ihm in der Endzone und immer wenn sein enorm großer Catch Radius gefragt ist. Sein Trainer lobt seine Trainingsmoral. Sutton selbst sagt von sich, dass sein Wecker stets um 5Uhr morgens klingelt und sein erstes Workout kurz darauf beginnt.

Für mich gehört er derzeit in die Top Ten des nächsten Drafts. Hätte er einen vernünftigen Quarterback, würde niemand darüber diskutieren. Doch die Flatterbälle seines QBs führen zu vielen Drops. Sollte er beim Senior Bowl mitspielen, wäre dies sicherlich positiv für die Entwicklung seines Draft Stocks. Danach sieht ihn bestimmt jeder weiter vorn.

Tigers Receiver Anthony Miller ist nicht vergleichbar mit Sutton. Mit 5’11 und 190lbs ein ganz anderer Typ Receiver. Nachdem ich im September auf Sport1 sein Spiel gegen UCLA gesehen habe, eigentlich wegen Josh Rosen, begann ich mich näher mit ihm zu beschäftigen. Miller spult ein 100Yard Spiel nach dem anderen herunter und erzielte bereits 11 Touchdowns. Er besitzt bemerkenswert gute Hände. Man sieht so gut wie nie, dass er einen Pass dropped. Seine Geschwindigkeit und Quickness bringen ihm den nötigen Vorteil um sich gegen seine Verteidiger durchzusetzen. Er ist weniger ein physischer Spieler. Trotzdem kann er auch als Wideout und nicht nur in der Slot eingesetzt werden. Hier schlägt er den Press-Corner und macht den Catch des Jahres:

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Ein weiteres Element ist sein Catch Radius. Obwohl 13cm kleiner als Sutton, ist er in der Lage den Ball weit von seinem Körper entfernt noch zu fangen.

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Gute Hände, gepaart mit einer technischen sowie athletischen einwandfreien Umsetzung seines Route Runnings, machen ihn zu einem Kandidaten für die erste Runde. Seine hohe Produktivität in diesem Jahr unterstreicht diese Ambitionen.

Auf Seiten der Memphis Tigers befindet sich noch Linebacker Genard Avery. Dieser war in den letzten Jahren auffällig durch seine sehr gute Arbeit gegen den Lauf. Im letzten Frühling arbeitete er gemeinsam mit Chuck Smith an seinen Fähigkeiten gegen den Pass. Smith hat bereits keine geringeren Talente als Von Miller und Aaron Donald bereit für die NFL gemacht und zeigte sich begeistert vom jungen Avery. Das Training scheint bereits angekommen und auf dem Feld umgesetzt worden zu sein. Mit 5.5 Sacks und besseren Fähigkeiten in der Coverage ist er ein deutlich gefährlicherer Passverteidiger als noch im letzten Jahr. Gepaart mit seiner ohnehin schon guten Laufverteidigung bin ich gespannt, auf seine ersten NFL Einsätze.

21:00Uhr: Louisiana Tech @ UTEP

Louisiana Tech in Sachen Draft als Small School zu bezeichnen, wird den Bulldogs nicht gerecht. Seit Jahren haben sie in jedem Draft talentierte Spieler auf allen Positionen dabei. So auch in diesem Jahr. Pass Rusher Jaylon Ferguson ist produktiv und erzielt viele Sacks. Er besitzt die Maße eines Edge Rushers und versteht diese in allen Facetten seines Spiels technisch wie athletisch einzusetzen. Gegen größere Offensive Line Spieler bekommt er manchmal Probleme. Gegen die University of Texas at El Paso bekommt er es mit einer qualitativen Line zu tun. Vor allem Guard Will Hernandez wird ihm ein interessantes Matchup bieten. Hernandez gehört zu den besten Guards dieser Draft Class und das will was heißen, bedenkt man, dass es sich um eine der besseren Positionsgruppen 2018 handelt. Mit 6’3 ist er ein wenig klein, aber bisher bekam er damit nie Probleme, da er dies mit starker Technik und einem Fokus auf den ersten Kontakt mit seinen Gegnern mehr als ausgleicht.

Beide Colleges zählen in diesem Jahr zu den Schlechtesten in der Division I. Trotzdem möchte ich mich auch mit einem Skill Player in der Offense beschäftigen. Da wäre nämlich Louisiana Techs Runningback Boston Scott. Nur 5’6 groß besitzt er ein bemerkenswertes Durchsetzungsvermögen kurz vor der Goalline. Manche NFL Teams suchen nach Spielern, die gegnerischen Defenses ungemütliche Matchups bereiten. Zugegeben, ich habe fast noch nichts von ihm gesehen. Doch bevor sich da ein nächster Sleeper befindet, dessen Name im Draft fällt, von dem vorher noch nie jemand etwas gehört hat, sollten Scouts die Gelegenheit nutzen und sich ihn wenigstens einmal angesehen haben. Tarik Cohen lässt grüßen.

Sehr verwackelte und unscharfe Bilder. Aber was man erkennt, sieht nicht verkehrt aus.

01:00Uhr: LSU @ Tennessee

Sicherlich eine gute Nachricht, dass Top Prospect Arden Key endlich ein stabiles Gewicht gefunden hat und nun wieder der Alte ist. Neben den vielen anderen Prospects in Reihen der LSU Tigers, ist Key das auffälligste Talent. Vor zwei Wochen zeigte er sein bestes Spiel der Saison. Auch im Run Stop ist er jetzt deutlich verbessert.

Was wenn ich sagen würde, dass Alvin Kamara 2015 nicht der Top Runningback Recruit der Tennessee Volunteers gewesen ist? Das sollte man sich doch ansehen. John Kelly ist ein bemerkenswert athletischer Runningback. Er ist kaum zu Boden zu bringen. Bei eigentlich verlorenen Spielzügen holt er immer noch etwas heraus. Wenn die Offensive Line korrekt blockt und er bis zu den Linebackern vordringt, schafft er praktisch jedes Mal ein First Down. Negative Laufversuche sind eine absolute Seltenheit bei ihm. Und der Junge hat auch noch Qualitäten im Receiving Game.

Verlorene Spielzüge gibt es nicht für John Kelly:

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Ein Tackle brechen zum First Down:

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Er besitzt so etwas, wie einen zusätzlichen Gang, den er einkuppeln kann, wenn es von Nöten ist:

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Es bereitet mir Freude ihm bei der Arbeit zuzusehen. Die Defense der LSU Tigers ist schnell und talentiert. Vor allem für Arden Key wird es eine Aufgabe sein, ihn auf seiner Seite nicht ins zweite Level vorkommen zu lassen.

Was meint ihr? Einer für euer Team dabei? Aus Bears Fan Sicht geht der Blick für mich vor allem auf die Pass Rusher und Wide Receiver der ersten Runde. Aber im Grunde sind alle Spieler relevant. Vermeintliche Needs können sich von Jahr zu Jahr sehr schnell ändern. Oder wer hätte vor drei Jahren gedacht, dass bei den Chicago Bears die größte Offseason Baustelle, die der Receiver ist, als in der Offense noch Alshon Jeffery, Brandon Marshall und Martellus Bennett aufliefen? Lasst euch nichts erzählen. Jeder Spieler, der das Team verbessern kann, wird von den Scouts angesehen.

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