SpielBEARicht: Bears @ Saints

Quelle: The Edwardsville Intelligencer

Es fällt mir verdammt schwer nach diesem Spiel und den negativen Ereignissen der vergangenen Tage einfach diesen Spielbearicht herunterzuschreiben. Denn am Sonntag mussten wir eine folgenschwere Sportverletzung eines Sympathie Trägers in der gesamten NFL mit ansehen. Bears Tight End Zach Miller verletzte sich beim Versuch einen Touchdown für sein Team im dritten Quarter zu landen so schwer, dass bis vor wenigen Stunden nicht einmal klar war, ob die Ärzte sein Bein überhaupt retten können. Beim Überstrecken des Knies wurde seine Arterie so stark beschädigt, dass Gefäßchirurgen nach dem Spiel versuchten, die Durchblutung seines gesamten Beines überhaupt wieder herzustellen. Es ist mehr als fraglich, dass Miller seine Karriere fortsetzen kann. Sein Bein konnten die Ärzte aber so weit wiederherstellen. Entwarnung also für seine Fans und vor allem für seine Familie und Freunde. Das Team von Beardown Germany schließt sich den vielen Wünschen zur vollständigen und baldigen Genesung an.

Das Spiel bot uns einige neue Erkenntnisse. Leistungen der letzten Wochen wurden bestätigt. Die offensichtlichen Probleme hielten das Team am Ende vom dritten Sieg in Folge ab. Die New Orleans Saints gewannen ihr Heimspiel unterm Strich mit 20-12.

Referees

Erneut stehen die Referees in der Kritik. Ich bleibe bei meiner Aussage, dass die dargebrachten Calls der Schiedsrichter ein Witz sind. An jedem verdammten Sonntag spielen die besten Profis der Welt gegeneinander, während die Unparteiischen auf High School Niveau agieren. Nicht nur, dass wir alle Zach Miller den womöglich letzten Touchdown seiner Karriere gegönnt hätten. Wie um alles in der Welt können sie den Call Touchdown zurücknehmen. Alle neutralen Beobachter haben einen klaren Catch gesehen und es gibt keinen Beweis dafür, dass Miller während er zu Boden geht, zwischendurch die Kontrolle über den Ball verliert. Bemerkenswert, bei der Verletzung.

Auf Seiten der Saints war es aber nicht besser. Im vierten Quarter erhält Rookie Safety Marcus Williams eine Personal Foul Strafe. Die Flagge dazu fliegt dabei bereits über das Feld, bevor er überhaupt zum, meiner Meinung nach, sauberen Tackle angesetzt hat.

Weitere Fehlentscheidungen beeinflussten den Ausgang des Spiels. Das ist unwürdig und wettbewerbsverzerrend bei nur 16 Saisonspielen. Die NFL und ihre Referees müssen dringend ihr Schulungssystem ausbauen.

Defense

Saints Quarterback Drew Brees nur zwei Touchdowns erlauben und insgesamt zu nur 20 Punkten kommen lassen, geht mehr als in Ordnung. Der Ballbesitz war im Gegensatz zum letzten Spiel gegen die Panthers ungefähr 50/50 aufgeteilt. Zwei Sacks und zwei Fumble Recoverys sind eine starke Ausbeute gegen eine sehr diszipliniert spielende Offense, die vor diesem Spiel erst fünf Sacks zuließ. An der Defense hat es erneut nicht gelegen, dass die Bears verloren haben. Dennoch sorgte eine unnötige Offside Strafe von Kyle Fuller beim ersten Drive dafür, dass die Saints mit mehr als drei Punkten aufs Scoreboard kamen. Diese kleinen aber feinen Fehler kann sich ein Team, dass über die Defense und Ballbesitz gewinnen will, nicht leisten.

CB Prince Amukamara

Prince Amukamara ist unauffällig. Das ist gut für einen Cornerback. Er konnte in den letzten Wochen seine Receiver nahezu komplett aus dem Spiel nehmen und ließ auch gegen die Saints nichts zu.

Lediglich bei jedem 21.6ten Snap wird der Ball in seiner Nähe von einem Receiver gefangen. Das ist etwas mehr als einmal pro Spiel im Durchschnitt während dieser Saison. Er reiht sich hier noch vor Richard Sherman ein. Wenn der Gegner im Pass Game dennoch sehr erfolgreich ist, wie bei den Browns, kommt dieser hohe Wert zustande, weil der zweite Cornerback deutlich schwächer ist und der Gegner lieber dahin wirft. Bei den Bears steht auf der anderen Seite Kyle Fuller. Der spielt häufiger gegen die Nr. 1 Receiver, wird häufiger angeworfen, lässt aber ebenfalls kaum etwas zu. General Manager Ryan Pace hat sein Versprechen aus der Offseason gehalten. Er hat die Secondary nicht nur verstärkt, diese Positionsgruppe hat sich zu einer der Stärken der Bears entwickelt.

DT Akiem Hicks

Mit den Saints und Coach Sean Payton hatte Akiem Hicks noch eine Rechnung offen. Sie haben ihn ohne großes Prozedere vor einiger Zeit nach New England verbannt. Am Sonntag kehrte er zum ersten Mal zurück nach New Orleans. Zu seiner Genugtuung erzielte er auch prompt einen Sack und hatte weitere gute Aktionen, wie die Beteiligung am letzten Fumble von Mark Ingram. Mit 7 Sacks in 2017 ist er der alleinige Leader in der Bears Defense. Mit insgesamt 23 Sacks zur Halbzeit der Saison haben sie sich in diesem Bereich merklich zum Vorjahr verbessert.

Offense

Offensichtlich haben die Chicago Bears eine auszumachende Schwäche. Die Receiver waren im letzten Spiel nicht in der Lage sich freizulaufen. Trubisky hatte massig Zeit den Ball zu werfen. Trotzdem musste er den Ball häufig wegwerfen oder selbst laufen, weil sogar nach fünf Sekunden immer noch niemand frei war. Wir reden hier nicht von weit offen. Die Bears und Trubisky wissen um die Stärke seiner extrem hohen Genauigkeit. Aber in diesem Spiel waren häufig nicht einmal kleinste Passfenster zu erkennen. Wir können nur raten, wie die Situation aussehen würde, wären Meredith und White nicht auf der Injury Reserve Liste oder Wheaton endlich wieder gesund. Jetzt fällt auch noch Zach Miller aus. Mit Dontrelle Inman wurde ein vielseitiger Receiver per Trade von den Chargers geholt. Für diese Saison bei den vielen Ausfällen sehr wichtig. Aber für die nächste Saison muss ein ähnlicher Fokus auf diese Positionsgruppe gelegt werden, wie es Pace im letzten Frühjahr mit der Secondary gemacht hat. Vor allem junge Quarterbacks benötigen einen Go-To-Guy. Hierbei sind zwei wichtige Erkenntnisse aus der Vergangenheit essentiell. Pace darf nicht mit Langzeitverletzten planen. Stoßen sie dennoch gesund dazu, nimmt man das gerne mit, so wie es die Secondary jetzt mit Kyle Fuller erlebt. Die Free Agency ist wahrscheinlich aufgeladen mit Wide Receivern. Die starke 2014er Klasse benötigt neue Verträge.

TE Adam Shaheen

Adam Shaheen ist noch nicht so weit. Es war zu erwarten, dass er Eingewöhnungszeit benötigt. Tight Ends haben häufig Anpassungsprobleme in ihrem ersten Jahr. Shaheen kommt von einem kleinen College und hat nie gegen starke Division I Gegner gespielt. Er benötigt noch Zeit um sich an die Härte und das viel höhere Tempo in der NFL zu gewöhnen. Ihn in dieser Situation als Ersatz für Miller einzusetzen, wäre fatal. Er muss weiter lernen. Daniel Brown hat das im letzten Dezember ganz gut gemacht, als der Starter fehlte. Er wird mehr Reps sehen.

Adam Shaheen wird automatisch in dieser angespannten Situation auch mehr Reps bekommen. Seine Einsatzzeiten sollten aber weiterhin begrenzt werden. Er besitzt, wie in dieser Szene, noch längst nicht das nötige Durchsetzungsvermögen. Die Athletik ist allerdings vorhanden. Im nächsten Jahr hoffen die Bears, dass er Miller, falls er nicht zurückkommt, ersetzen kann. Dafür wurde er gedraftet.

QB Mitch Trubisky

Mitch hat es nicht leicht. Gerade in solchen Spielen wie am Sonntag macht er aber genau die Erfahrungen, die er nur in einem Live Game und nicht auf dem Trainingsplatz sammeln kann. Wie reagiere ich, wenn der Gameplan sich ändert? Was tue ich, wenn keine Receiver offen sind? Wie kann ich als Führungsspieler das Team trotz mentaler Rückschläge zurück ins Spiel führen? Ich sehe genau bei dieser Entwicklung große Fortschritte. Trubisky entwickelt sich bereits als Rookie zu dem Führungsspieler der Bears Offense. Um es mit den Worten von Saints Coach Sean Payton nach dem Spiel zu sagen:

„I think he’s got a bright future!“ – „Ich denke er hat eine glänzende Zukunft!“

Coaches

Das Playcalling war erneut zu einfach, zu durchschaubar. Fox und Loggains machen es in der Offense ihren Spielern nicht leichter. 3rd&1 Situationen in denen gepasst wird, weil beim 3rd Down gefühlt immer gepasst wird. Kurz vor der Endzone gehen Loggains dann, wenn er kein Trickplay auspackt, praktisch die Ideen aus.

Wenn Fox die rote Flagge wirft, kann man als Fan eigentlich zu 100% davon ausgehen, dass er falsch liegt. Er wirft sie dennoch in jedem Spiel. Doch in Situationen, wo er tatsächlich einmal eine Challenge gewinnen könnte, lässt er sie stecken. Natürlich erhält er die Infos immer aus der Team Box von oben im Stadion, doch als Head Coach musst du dich eben für alles rechtfertigen.

Was mir sehr gut in den letzten Wochen an Fox gefällt, ist sein Standing im Team. Er ist ihr Anführer und Partner. Das merkt man in jeder Situation auf und neben dem Platz. Er versteht seine Spieler und weiß auch um die Bedeutung des Ausfalls von Zach Miller für das Team und für Miller persönlich. Am Montag hatte er bereits mehrere Gespräche mit Zach und seiner Familie.

BYE Week Baustellen

Zwei interessante Baustellen wird es in der BYE Week geben. Die erste wird sein, gesund zu werden. Die Offensive Line musste im Spiel gegen die Saints erneut auf den letzten Reservisten im Team zurückgreifen. Dabei wollte ich Sowell nie wieder im Bears Trikot auf dem Feld sehen. Jetzt ist es wichtig, dass Long, Whitehair und auch Grasu in zwei Wochen zurückkehren können. Das Team steht mit einem 3-5 Start bei dem Auftaktprogramm in der ersten Saisonhälfte gut da. Jetzt wird es leichter und die Männer können sich bis dahin etwas ausruhen.

Die zweite Baustelle ist unser Kicker. Ein Team, dass über den Weg, dem Gegner so wenig Punkte wie möglich zu erlauben, seine Spiele gewinnen will, kann sich Connor Barths Ungenauigkeit nicht leisten. Mit 3 Treffern von 7 Versuchen über 40 Yards und mehr, ist er statistisch der schlechteste Kicker in dieser Saison. Pace muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er Gould entlassen hat und mit Barth keine ordentliche Alternative verpflichtet hat. Er hat zwar versucht in der Vorbereitung diese Schwachstelle anzugehen, aber konnte das Problem nicht beheben. Es wird sehr schwer, mitten in der Saison einen neuen Kicker zu finden. Spätestens im nächsten Frühjahr muss er die Verstärkung dieser Position aggressiver angehen. Barth hat keine Zukunft in diesem Team.

Bis dahin! Schaut in den nächsten zwei Wochen immer mal zwischendurch auf unserer Seite vorbei. Neben den typischen Vor- und SpielBEARichten, sowie der Draft Watch gibt es während der Bye Week sicherlich die ein oder andere Analyse von uns, für die im regulären Saisonbetrieb leider die Zeit, bzw. die Autoren fehlen.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".