SpielBEARicht: Bears vs Panthers

Quelle: Jonathan Daniel/Getty Images

Nichts für Ästheten des offensiven Footballs, aber der Sieg am Sonntag gegen die Panthers hat uns gezeigt, dass die Bears auf dem richtigen Weg sind. Und echte Chicago Bears Fans sehen knallharte Defenses eh viel lieber, ansonsten wären sie nämlich Packers Fans geworden. Am Ende hieß es 17:3. Erneut hat die Defense keinen offensiven Touchdown erlaubt. Der eigene Angriff musste diesmal aber auch ohne auskommen. 5-4-3-2-1!

Fünf Sacks

Danny Trevathan sorgte für den Auftakt- und den Schlussakkord. Zu Beginn des Spiels setzte er den ersten Sack des Tages. Zuletzt erstickte er mit seiner Interception die letzten Hoffnungen der Panthers im Keim. Man sah in Cam Newtons Augen. Der Mann hatte sichtlich keine Lust noch einmal das Feld zu betreten. Die Front Seven dominierte die gegnerische Offensive Line nach Belieben. Jeder durfte mal ran. Hicks, Floyd, McPhee und ein geteilter Sack von Unrein und Goldman sollten der ersten Aktion von Trevathan folgen. Wer bereits vor Jahren Fan der Bears geworden ist, weiß warum. Keiner will schönen Football sehen, sondern beobachten, wie der Gegner an uns verzweifelt. Mit Beginn der Trestman Ära mussten wir auf eine dominante Defense verzichten. Jetzt ist sie wieder da. Wenns Richtung Winter noch kälter in „The Windy City“ wird, können wir bei vergleichbaren Leistungen, wie an diesem Wochenende, Newtons ernüchterten Blick in den Augen so einiger gegnerischer NFL Quarterbacks im Soldier Field entdecken.

Überraschend waren vor allem die vielseitigen Fronts an der Line of Scrimmage für die Panthers. Dank eines weiterentwickelten Jonathan Bullard, ließ Fangio teilweise sogar eine 4-3 Defense spielen, wobei erwähnter Bullard als Right End agierte. Er gefiel mir gut, kam viel häufiger ins Backfield des Gegners und sah bedeutend mehr Snaps als in den Vorwochen.

Die wohl beste Nachricht zu dieser erbrachten  Leistung der Defense ist, dass wir noch lange was von ihr haben. Alle Leistungsträger besitzen noch Vertrag für mindestens diese und die nächste Saison. Einzig mit Kyle Fuller muss verlängert werden.

Vier Completions

Mitch Trubisky hatte keinen großen Tag. Wir wussten, dass auch mal ein schwaches Spiel in seinem ersten Jahr dabei sein wird. Trotzdem zeigte er sich sehr selbstkritisch in der anschließenden Pressekonferenz nach dem Spiel. Glücklicherweise erlaubte der positive Spielverlauf, dass riskante Spielzüge praktisch komplett aus dem Gameplan gestrichen werden konnten. So ergab es sich, dass Trubisky der erste Quarterback seit Tim Tebow 2011 war, der mit weniger als fünf vollständigen Pässen ein Spiel gewinnen konnte. Der damalige Head Coach war John Fox. Mitch musste vier Sacks einstecken. Es war geplant. Er sollte auf keinen Fall durch zu viel Risiko den Sieg in Gefahr bringen. Doch wer denkt, Trubisky hätte den Sieg nur verwaltet, täuscht sich. Schöne Pässe auf Zach Miller und eine Kanone auf den tief frei stehenden Tarik Cohen waren sehr ansehnlich und beweisen uns, wozu er fähig ist.

Mit Druck auf die Pocket bekommt er immer noch so seine Probleme. Statt hier einfach den freien Miller anzuwerfen, versucht er zu viel, behält den Ball zu lang und wird gesacked. Damit bringt er sein Team um ein machbares 39 Yard Field Goal, mit etwas Glück sogar um ein neues First Down.

Dennoch erfüllt er die Erwartungen der Coaches. Sie wollen über Ballkontrolle, Laufspiel und starker Defense die Spiele gewinnen und den Gegner zermürben. Dazu benötigen sie einen Quarterback, der keine spielentscheidenden Fehler macht.

Drei Turnover

In zwei aufeinanderfolgenden Spielen erlaubte die Defense keinen Touchdown und insgesamt nur 12 Punkte. Immer wenn die Panthers in Field Goal Range gelangten, kreierten die Bears einen Turnover. Vor der Interception von Trevathan sagte ich, dass wir jetzt einen Turnover bräuchten. Früher habe ich sowas wie selbstverständlich rausgehauen, aber in den letzten Saisons bin ich mit solchen Aussagen sehr vorsichtig umgegangen. Als dann Newton den Ball in die Bears Defense warf, bekam ich glatt eine Gänsehaut. Chicago kreiert wieder Turnover. Die Defense macht das Spiel. Die Offense verwaltet den Sieg. Das ist Bears Football!

Zwei „Pick-Six“

Ein Wort: Historisch

Eddie Jackson ist das fehlende Puzzleteil in der Defense. Der Rookie ist überall auf dem Feld zu finden und sorgt dafür, dass der Pass Rush endlich auch in zählbares umgemünzt wird. Seine Fähigkeiten als Punt Returner kommen ihm hierbei zu Gute. Schnelligkeit und Übersicht sind eine gefährliche Mischung. Seine Coverage erlaubt den Cornerbacks, aggressiver zu verteidigen und gibt Nebenmann Adrian Amos häufiger die Möglichkeit, nahe der Line of Scrimmage aufzutauchen und physisch gegen die gegnerischen Playmaker zu agieren.

Ein Field Goal

Die Offense der Bears erzielte ein einziges Field Goal. Von der 1-Yard-Line, nachdem man zwei Versuche von der selben Stelle nicht in die Endzone bringen konnte. Ein Sinnbild für die konservative Spielweise von Coach Fox. Aber mehr hat das Team von der Offense zum Sieg nicht benötigt.

Rookie Adam Shaheen könnte bald mehr Spielzeit bekommen. Fox wünscht sich ein sehr hohes Maß an Blocking Fähigkeiten aller Spieler in der Offense. Mehrere Aktionen im letzten Spiel zeigten, dass sich Shaheen seit Saisonbeginn in diesem Bereich sichtlich verbessert hat.

Fazit

Zwei Siege in Folge und ein 3-4 Record lesen sich gut, bedenkt man, dass jetzt schon genauso viele Siege auf dem Konto sind, wie nach der gesamten Saison 2016 und wie schwer der bisherige Schedule in diesem Jahr gewesen ist. Siege gegen die Steelers und die Panthers sind Siege gegen Playoff Mannschaften. Das Team befindet sich auf dem richtigen Weg. Wir sollten uns aber alle mit „Monsters of the Midway“ Vergleichen noch ein wenig zurückhalten. Die Chicago Bears sind in diesem Jahr in der Lage, bei passenden Matchups, sogar einen favorisierenden Gegner zu dominieren. Dennoch ist da am Sonntag kein Super Bowl Contender aufgelaufen. Lassen wir die Kirche im Dorf. Die Bears sind klar auf dem richtigen Weg, aber sie sind noch nicht am Ziel.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".