VorBEARicht: Bears vs Panthers

Quelle: chicagobears.com

Zurück im heimischen Soldier Field treffen die Chicago Bears am 7. Spieltag der Saison auf die Carolina Panthers. Ein Spiel, das man unter der Überschrift „das große Wiedersehen“ laufen lassen könnte. Während auf Bears Seiten Head Coach John Fox auf sein Ex-Team trifft, gilt gleiches Szenario für Panthers Head Coach Ron Rivera, der als Spieler für unser Team auflief und unter Lovie Smith Defensive Coordinator war. Außerdem stehen bei den Panthers Julius Peppers und Greg Olsen unter Vertrag. Letzterer fällt leider verletzungsbedingt die ganze Saison aus. Quarterback Mitchell Trubisky spielte bekanntlich für die University North Carolina und derzeit befindet sich sogar Charles Tillman im Umfeld der Panthers, bei denen er seinen Karriereabend verbrachte, und lehrt den Spielern der Secondary seinen legendären „Peanut Punch“.

Doch nun back to topic. Die Panthers haben derzeit einen 4 – 2 Record und stehen damit an der Spitze der NFC South. Sie stehen somit derzeit im Soll, werden für die Art und Weise, wie sie ihre Siege erzielen, von Fan- und Medienkreisen kritisiert. Die Panthers gingen mit dem Anspruch „Super Bowl Run“ in die Saison, sind allerdings bisher nicht konstant und souverän genug. Man sieht sich in Carolina selbst als eines der am besten aufgestelltesten Teams in der NFC, was ich hier gar nicht bewerten möchte, und nach dem Rodgers Ausfall werden die Rufe natürlich noch lauter. Die Bears sollten somit qualitativ kein Problem für das Team darstellen, doch bietet Carolina ein ziemlich günstiges Match-Up für unsere Mannen. Damit kommen wir zum…

 Match-Plan

Offense

Ein Team das von Ron Rivera gecoacht wird, hat logischerweise eine gute Defense. Der Ex-Bears Spieler und Defensive Coordinator lässt die uns noch aus Lovie Smith Zeiten bekannte Cover-2-Defense spielen.

Die Panthers sind eines der wenigen NFL Teams, die kaum in der Nickel-Formation auflaufen, die sonst zum Standardrepertoire geworden ist. Hier sieht man noch zum größten Teil die vier Lineman, 3 Linebacker und vier Backs, sogar wenn der Gegner das Spiel breit zu machen.

Dazu kommt die inzwischen ebenfalls unübliche Verwendung von Raum und Manndeckung. Carolina spielt überwiegend in Zone. Das könnte unseren unerfahrenen Wide Receivern entgegenkommen. In der letzten Woche gegen die Ravens hatten Gentry und McBride große Probleme sich von ihren Gegenspielern zu lösen, wenn sie in Press Coverage verteidigt wurden. Die Panthers bleiben üblicherweise jedoch ein paar Meter von der Line of Scrimmage entfernt und lassen das Spiel auf sich zukommen. Damit fahren sie jedoch bisher ganz gut, so befinden sie sich auf Rang 7 in erlaubte Passing Yards. Doch die Panthers Secondary weist ähnliche Probleme auf, wie die Bears sie auf der WR Position haben – etliche Verletzte. So fielen bisher die beiden Safetys Coleman & Cox aus, wovon zumindest Letzterer auch gegen die Bears nicht auflaufen kann, und CB Williams befindet sich auf IR. Das führt zu einer Anfälligkeit gegen Tiefenpässe. Trotz der wenigen Yards, ließen die Panthers dadurch schon jetzt 20 Passing Touchdowns zu.

Somit kommen wir zur eigentlichen Stärke dieser Defense. Die Front-7! Die Panthers haben nämlich die zweitmeisten Sacks in der NFL (20). Wenn ich oben erwähnt habe, dass sie in ihrer Grundformation / Base Defense bleiben, dann liegt das an ihren athletischen Linebackern, wie Shaq Thompson, Thomas Davis und natürlich Luke Kuechly, die das ermöglichen. Letztgenannter Luke Kuechly fällt im heutigen Spiel aus, er wird durch David Mayo ersetzt, ein ebenfalls guter Spieler, doch natürlich nicht so stark wie ein Kuechly, der evtl. sogar der stärkste MLB in der NFL ist. Dementsprechend ließen die Panthers nach seinem Ausfall im letzten Spiel gegen die Eagles noch 18 Punkte zu. Zurück zu starken Front-7, die besteht logischerweise nicht nur aus Linebacker, sondern wird durch eine starke Defensive Line ergänzt. Hier sticht der allseits bekannte Julius Peppers heraus, der trotz seines hohen Alters nochmal einen neuen Karriere Frühling erlebt und bereits 6,5 Sacks verbucht. Nachdem Defensive Coordinator McDermott nun einen Head Coach Job in Buffalo bekommen hat, besetzt nun Steve Wilks den Posten. Unter ihm blitzen die Panthers auffällig öfter als im Vorjahr. Gerade Shaq Thompson erweist sich als starker Pass Rusher, während Julius Peppers die zusätzliche Kraft und den miteinhergehenden Freiraum auszunutzen weiß. Die Bears tun sich in dieser Saison bisher schwer gegen gegnerische Blitzes, Trubiskys Bewegung in der Pocket ist somit erneut wichtig. Die Rollouts nach Außen wurden in der letzten Woche von den Ravens in Schach gehalten, die athletischen Panthers Linebacker werden gleichermaßen agieren und Trubisky in der Pocket halten, so wie sie es bereits mit Tyrod Taylor von den Bills gemacht haben.

Im Passspiel haben wir also ein starkes Match-Up zwischen der Offensive Line und der Front-7. Die Bears müssen dem mit einer Person namens Kendall Wright entgegnen. Er sollte genügend Freiräumen innerhalb der Zonen finden, um als Anspielstation zu dienen. Die Bears können es sich nicht erlauben, den besten Wide Receiver weiterhin so wenig Snaps zu geben. Eine weitere Möglichkeit sind die Tight Ends. Die Panthers weisen hier eine gewissen Anfälligkeit an, so konnten Zach Ertz (Eagles) und Detroits Darren Fells jeweils zwei Touchdowns erzielen (ich könnte auch Gronk nennen, doch wer hat mit ihm keine Probleme?).

Die Offense der Chicago Bears besteht allerdings eher aus ihrem Laufspiel. Carolina befindet sich in der Verteidigung von Läufen auf Platz 5 im NFL weiten Vergleich. Ein Vorteil hier ist das Verweilen in der Grundformation, wodurch sie einen Linebacker mehr zur Verfügung haben. Die NFL Rangliste täuscht jedoch ein wenig. Die Liste ist nach dem Kriterium „erlaubte Yards pro Spiel“ angefertigt, die Panthers sehen pro Spiel allerdings auch die zweitwenigsten Runs gegen sich. Die durchschnittlichen Yards pro Lauf liegen hingegen bei 4,0. Als Beispiel kann hier Carlos Hyde dienen, der zwar nur 9x laufen durfte und damit 49 Yards erzielte. Das sind wenig Yards in einem Spiel, doch viele pro Versuch. Damit möchte ich nicht die Leistung der Panthers Defense schmälern, die insgesamt wenigen Läufe resultieren natürlich auch aus der bekannten Stärke dagegen, doch möchte darauf hinweisen, dass in diesem Bereich immer wieder weite Läufe für Howard und Cohen möglich sein werden. Zudem weist Carolinas Defense hier einen besonderen Schwachpunkt auf, nämlich wenn Läufe über die linke Seite aus Sicht der Offense kommen. Bei unseren Stammlesern klingelt es nun. Ja, auch in diesem Jahr sind die Bears bisher am erfolgreichsten mit Läufen hinter oder um Charles Leno.

Key-Matchup: Offensive Line vs Front-7

Defense

Die Defense der Chicago Bears kommt in dieses Spiel mit der besten Leistung seit Ewigkeiten im Rücken und treffen nun auf eine Offense, die bisher hinter ihren Erwartungen zurückblieb. Die Panthers weisen eine ähnliche Einseitigkeit auf wie die Bears Offense auf der anderen Seite. Hier ist es nur genau andersherum. So ist für die Panthers der Pass das Mittel, welches für die Bears der Lauf ist. Die hohe Anzahl an Passversuchen (bspw. 52 Stück allein im letzten Spiel) und damit verbundene Einseitigkeit führt zu bereits 8 Interceptions auf Cam Newtons Konto. Let’s do it again, Bears!

Die Wide Receiver für Newton sind Kelvin Benjamin und Devin Funchess. Beide Receiver sind wahrhafte Riesen. Sie messen 6‘5 und wiegen dabei noch 245lb bzw 225lb. Beide sind dementsprechend nicht die Schnellsten, allerdings ist es ihre Aufgabe in der Regel nur 10-15 Yards in die Tiefe zu laufen und dann einen Pass an die Seitenlinie zu empfangen, wobei sie ihren Gegenspieler mit ihrem Körper fernhalten. Auch für Newton ein Vorteil, da er unter Druck oft dazu tendiert den Pass zu hoch anzusetzen. Niemand besitzt Cornerbacks mit solchen Maßen, die Bears ebenfalls nicht, doch alle Outside Conerbacks (Fuller, Amukamara und Cooper) sind zumindest über 6‘0 und können mit einem guten Timing gefährlich werden. Die tiefe Passoption für Cam ist TE Ed Dickson, der Ersatz für den verletzten Olsen kommt durchschnittlich auf 20,7 Yards pro Catch und verbucht somit 307 Yards auf seinem Konto.

Die Hauptanspielstation für Newton ist in diesem Jahr First Round Pick Christian McCaffrey (37 Receptions), der häufig im Slot oder durch Screens angespielt wird. McCaffrey ist dort ein ähnlicher Albtraum, wie Tarik Cohen und wird zu schnell und zu wendig für die Bears Linebacker sein (hier wird vermutlich Kwiatkoski sein Comeback feiern), wodurch wir uns hauptsächlich in Nickelformation befinden werden, um Bryce Callahan dagegen zu stellen.

Bei einem Runningback wie ihn Jonathan Stewart darstellt, gibt es dann im Normalfall Probleme, doch die Panthers und der Lauf ist, wie zuvor erwähnt, eine vergleichbare Farce wie das Bears Passspiel. Hier ist die schwache Offensive Line der Grund. Die Panthers laufen über 50% ihrer Runs hinter dem Center oder einem der Guards. Stewart durchbrach in dieser Saison bereits 9 Tackles, doch hilft das wenig, wenn der Tackle bereits innerhalb zwei Yards angebracht werden kann. Daraus resultieren durchschnittlich 3,4 Yards pro Lauf für das Team, 2,9 Yards für Stewart oder 2,7 Yards für McCaffrey. Der gefährlichste Läufer bleibt somit Cam Newton himself, wenn er bei eigentlichen Passspielzügen nach Außen ausbricht und dann selbst für ein paar Yards das Feld runterläuft. Er kommt auf durchschnittlich 4,0 Yards pro Versuch. Die Bears müssen ihn in der Pocket halten und dort zu fassen bekommen, damit er nicht wirklich zur, vom NFL Game Pass, titulierten „Scoring Machine“ wird. Der aus Vikings Zeiten bekannte LT Matt Kalil bleibt die ebenfalls bekannte Instabilität in der Offensive Line und könnte zum ausgeguckten Opfer für unseren Pass Rush werden.

Key-Matchup: Outside Linebacker vs Cam Newton

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.