SpielBEARicht: Bears @ Ravens

Quelle: Beloit Daily News

Mit einem überragenden Laufspiel gewannen die Chicago Bears ihr zweites Saisonspiel in Baltimore. Es bestätigte sich wieder einmal. Hast du einen Weltklasse Runningback und eine Top 10 Defense gewinnst du in der NFL Footballspiele. Mitch Trubisky schien wenig Einfluss auf das Spiel genommen zu haben. Doch er machte den kleinen aber feinen Unterschied aus.

Offense

Eine überzeugende Leistung der Offensive Liner und der Runningbacks sorgte für 54 Laufversuche und insgesamt 199 Rushing Yards. Bemerkenswerte Zahlen, bei denen man erstmal über das gesamte Spiel die Konzentration aufrechthalten muss.

RB Jordan Howard

Howard war auf Seiten der Offense der spielentscheidende Mann auf dem Platz. Mit 36 Läufen für 167 Yards erzielte er gemeinsam mit Tarik Cohen (14 für 32) die meisten je erlaufenen Rushing Yards im M&T Bank Stadium gegen die Baltimore Ravens aller Zeiten. Das ist ein Schnitt von 4.6 Yards pro Lauf. Und das, obwohl der Gegner sich völlig darauf einstellte, den Lauf der Bears zu unterbinden. Howard erlief sagenhafte 3.6 Yards nach gegnerischem Kontakt.

Am Ende des Spiels war er berechtigterweise stehend K.O. Im letzten Jahr hätte er nach eigenem Bekunden diese Leistung noch nicht abrufen können.

„I feel like I’m in a lot better shape than I was in last year,” he said. “So I was able to keep carrying the ball as much as they needed me to.”

„Ich fühle, dass ich in einer deutlich besseren körperlichen Verfassung bin als letztes Jahr“, sagte er. „Dadurch war ich in der Lage den Ball so oft zu tragen, wie sie es von mir benötigten.“

QB Mitch Trubisky

Viele wollen mehr von unserem Rookie Quarterback sehen. Doch er muss das Spielen, was die Trainer von ihm erwarten. Sie lassen ihn nicht von der Leine. Zu einfaches Play Calling, Pässe nur aus der Shotgun, schlecht designte Spielzüge.

Da habe ich mir mal die Mühe gemacht, um diejenigen zu überzeugen, die meinen unsere Play Calling wäre gut, das gesamte Offense Spiel Play für Play durchzugehen und auch einmal in genauen Zahlen darzulegen. Die Stats sind nicht zu 100% vergleichbar mit den üblichen Werten, da ich immer vor dem Snap angefangen bin und nicht erst danach. Es gibt dadurch geringe Abweichungen. Was fällt uns auf?

60 Snaps Under Center
9 Passversuche 4/8 (50%) 87 Yards 1 Lauf 0 Sacks
51 Laufversuche für insgesamt 199 Yards

 

18 Snaps Shotgun
18 Passversuche 7/13 (54%) 73 Yards 1 Lauf 4 Sacks
0 Laufversuche für insgesamt 0 Yards

Wenigstens durfte Trubisky in diesem Spiel auch Passen, wenn er Under Center den Snap entgegennahm. Doch ansonsten muss ich den Coaches erneut ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Bei allen Versuchen aus der Shotgun wurde der Pass gespielt. Wen wundert es da, dass Trubisky bei jedem Play aus der Shotgun, den ersten blitzenden Verteidiger vor der Nase hatte, bevor er den Ball überhaupt aufnehmen konnte. Vor dem Spiel war allen klar, dass Ravens Coach Harbaugh auf die Offense der Bears reagieren würde. Bei Play Action Rollouts war immer ein Rusher für die Außen zuständig um Trubisky den Weg abzuschneiden. Resultat daraus waren sechs tatsächlich weggeworfene Bälle und vier Sacks. Darf er einmal vom Center den Snap zum Pass aufnehmen, sieht es ganz anders aus. Die Hälfte der Bälle findet seinen Empfänger, da er deutlich weniger Druck erhält. Sicherlich ausbaufähig aber ein guter Anfang. Ich verlange nicht, dass Trubisky noch seltener aus der Shotgun passen soll. Im Gegenteil möchte ich, dass von dort auch mal gelaufen wird um den Gegner dazuzubringen, weniger Druck auf unseren Quarterback auszuüben und das Spiel unserer Offense undurchsichtiger zu machen. Zumal Howard im letzten Jahr der erfolgreichste Runningback der NFL gewesen ist, wenn er aus der Shotgun losgelaufen ist. Denn das Spielchen hier, wird jedem Defensive Coordinator auffallen.

Trubisky und das Laufspiel wurden somit beide limitiert. Laut unserem Quarterback war der Gameplan ein reiner Laufplan.

“We just wanted to stick with what was working and just pound the rock like we do,” Trubisky said. “You do what’s asked of you. There wasn’t many checks from run to pass. It was checks from run to run. It was just continue to get us in the right situation, get down there, manage the game and just try to keep everyone composed. If we stick together, we can win more ball games.”

Die Bears wollten unbedingt an ihrem Run First Plan festhalten und er hat getan was man ihm aufgetragen hat. Es gab kaum Pre Snap Checks von Lauf auf Pass von den Coaches. Fast nur Lauf auf Lauf. Seine Aufgabe war es, das Spiel zu managen, alle auf die richtige Linie zu bringen und das Spiel so zu gewinnen.

Am Ende waren es aber zwei Aktionen von ihm, die auf Seiten der Offense den Ausschlag gaben. Die Erste war der Pass über 27 Yards bei 3rd&7 zum Touchdown von Dion Sims. Wären sie hier gestoppt worden, wäre der Drive womöglich mit 0 statt mit 7 Punkten geendet. Die Zweite kam erst in der Overtime und war noch bedeutender. 3rd&11 über 18 Yards auf Kendall Wright brachten die Bears in leichte Field Goal Position. Ohne diesen Pass hätte Barth kein Game Winning FG schießen können und die Bears hätten punten müssen. Beides Pässe über 15 Yards.

Am Ende des Spiels kam es sehr auf die mentale Belastbarkeit der Spieler an. Trubisky brachte, laut Kyle Long, alle müden Kämpfer nochmal in die Spur zum Sieg.

LG Josh Sitton

In der letzten Woche bereits mit Lob überschüttet, erhält Sitton erneut die Auszeichnung zum besten Offensive Line Spieler des Tages. An Josh ging gestern nichts vorbei und wenn Howard oder Cohen hinter ihm herliefen, kam immer ein produktiver Spielzug dabei heraus. Bestnote!

Defense

Die Bears Defense zeigte das beste Spiel unter Vic Fangio und John Fox überhaupt. 24 Punkte klingt viel, doch gehen nur 6 Punkte davon auf das Konto der Bears Defense, drei davon waren nach einem Turnover. Sie müssen sich ziemlich verkohlt vorgekommen sein, als sie in der Overtime noch einmal auf das Feld mussten. Denn vorher erzielten sie 3 Sacks, zwei Interceptions, eine Fumble Recovery und einen Touchdown. Sie erlaubten lediglich 125 Rushing Yards und 166 Passing Yards. Die Offense der Ravens war somit das gesamte Spiel über keine Gefahr.

Alle besonders positiven Leistungen in jeder Einzelkritik zu erwähnen, würde den Rahmen sprengen. Daher möchte ich es kurz auf eine Aktion beschränken:

Safety Adrian Amos mit diesem Pick Six. In der letzten Woche hatte ich ihn noch für seine schlechten Hände gescholten. Jetzt belehrt er mich eines Besseren und erzielt seine erste Karriere Interception, noch dazu in seiner Heimatstadt Baltimore.

Fazit

Eigentlich hätte das gestern ein deutlicher und am Ende locker nach Hause gespielter Sieg werden können. Doch aufgrund erneuter Unachtsamkeiten in der Offense und in den Special Teams machten die Bears sich das Leben gestern unnötig schwer. Natürlich war der Ausfall von Special Teams Captain Sherrick McManis spürbar, aber deshalb muss man nicht gleich zwei Touchdowns über die Special Teams zulassen. Zumal der Gegner nicht in der Lage war, über Field Position zu Punkten zu kommen. Das waren allein 15 der 24 Punkte, die man sich hätte sparen können.

Trotz des Sieges sollten die Bears unbedingt an diesen Fehlern arbeiten. So wie es letzte Woche geschehen ist. Nach zu vielen Penalties gegen die Vikings setzte es am Montag eine deftige Ansprache des Head Coaches in Richtung aller Spieler. In dieser Woche konnten sie die Strafen bereits auf 44 Yards begrenzen und es war nur noch eine vermeidbare über 15 Yards dabei. Aber immer noch eine zuviel.

Die Coaches müssen ihre Talente endlich von der Leine lassen. Bereits im letzten Jahr mussten wir mitansehen, wie die besten Spieler zu oft auf der Bank saßen. Kendall Wright ist der beste Receiver im Kader und erhielt erneut weniger als die Hälfte der Snaps, weil die Coaches nur mit dem Ball laufen lassen wollten. Das Spiel muss in der Offensive weniger durchschaubar werden, damit sich die Stars frei entfalten können.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".