Draft Watch: College Woche 6

Quelle: The Lantern

Die Auswahl der Spiele für dieses Wochenende ist mir besonders schwer gefallen. Als Big12 Guy konnte ich nicht ausschließlich SEC Games nehmen. Aber die Ersteller der Schedules haben mir kaum eine Wahl gelassen. Am Ende habe ich aber einen Ausweg gefunden.

18:00Uhr: Ole Miss @ Auburn

In den Reihen der Ole Miss Rebels befindet sich Pass Rusher Marquis Haynes. Der schnelle Verteidiger mit großer Ausdauer spielt derzeit in der Defensive Line. In der NFL muss er aber auf Outside Linebacker wechseln. Dazu sollte er in den letzten Spielen am College auch einmal seine Fähigkeiten in der Coverage unter Beweis stellen. Im unmittelbaren Matchup bekommt es Haynes mit einer talentierten Offensive Line zu tun, die ebenfalls getestet wird. Für Scouts ein guter Vergleich. Right Guard Braden Smith zähte bereits im letzten Jahr zu den besten Run Blockern des Landes. Er entschied sich dennoch in Auburn zu bleiben um noch mehr an sich zu arbeiten. Austin Golson ist sehr vielseitig einsetzbar. Er spielte bereits Center, Guard und Tackle für die Tigers. Zuvor lief er bereits für die Ole Miss Rebels auf und trifft nun auf seine alten Teamkameraden. Ich sehe ihn derzeit am ehesten als Tackle. Wie Smith muss er am Pass Blocking arbeiten. Aufgrund seiner Flexibilität ist er allerdings ein „Must Have“ für die Kadertiefe eines 53er NFL Kaders.

Pass Blocking ist eine Schwäche der Auburn Tigers. Ein Grund, weshalb Quarterback Jarrett Stidham bisher kaum in Erscheinung getreten ist. Einige „Experten“ sehen Stidham seit seinen Auftritten in der Saisonvorbereitung im Frühjahr als 2018er Erstrunden Quarterback. Jarrett hat einen starken Arm und gute Beine. Geben wir ihm eine Chance und schauen ihn uns an.

Ein weiteres hochgepriesenes Talent seit den Spring Practice ist DLiner Byron Cowart. Der 5 Sterne Rekrut wurde zunächst als reiner Pass Rusher eingesetzt und war weniger erfolgreich. Jetzt scheint er seine Rolle als Defensive Tackle aber gefunden zu haben.

22:00Uhr: Maryland @ Ohio State

Über die Draft Prospects der Ohio State Buckeyes habe ich bereits geschrieben. Hier nachzulesen. Viele gute Prospects in der Defensive Line wie man sieht. Marylands Offensive Guard Damian Prince muss an diesem Wochenende daher eine messbare Probe ablegen. Zunächst als Tackle rekrutiert, spielt er in diesem Jahr eine exzellente Rolle auf der Guard Position. Mit guter Technik ausgestattet, kann er innen seine Kraft viel besser ausspielen. Macht er so weiter wie bisher, werden NFL Teams in Runde 2 zuschlagen müssen, wenn sie ihn haben wollen.

Bei den Buckeyes müssen vom letzten Mal noch ein paar Spieler ergänzt werden. Zumindest Cornerback Denzel Ward und Linebacker Jerome Baker sollen hier noch Erwähnung finden. Ward schlägt mit seiner Schnelligkeit bei langen Bällen wirklich jeden Receiver am College. Auf kürzeren Routen gegen Possession Receiver hat er Probleme. In den ersten Wochen offenbarten diese sich u.a. gegen Indiana. Vor der Saison als einer der besten Prospects seiner Position gehandelt, befindet sich sein Draft Stock im freien Fall. Für Baker gilt ebenfalls: Überbewertet! Wahrscheinlich haben sich die meisten „Experten“ Jerome nicht einmal angesehen, sondern lediglich zum Saisonstart gesagt, dass man in den Mock Drafts ja auch noch einen Buckeyes Linebacker oben dabei haben muss. Ich nenne dies auch gern das Florida Phänomen. Da erleben wir das auch jedes Jahr. Derzeit wirkt Baker eher durchschnittlich in allen Facetten des Spiels.

Mittlerweile sind wir in Woche 6 und die Beiden konnten sich nicht sonderlich in Szene setzen. Generell erfüllen die Buckeyes in diesem Jahr nicht die hohen Erwartungen. Gegen Maryland hätte ich vor der Saison einen hohen Sieg erwartet. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, obwohl die Terrapines mit ihrem dritten Quarterback spielen müssen.

01:15Uhr: Alabama @ Texas A&M

Auch die Alabama Crimson Tide schauen wir uns zum zweiten Mal an. Die Nachlese zu Spiel 1 findet ihr hier. In diesem Spiel geht es um zwei interesante Runningbacks gegen zwei starke Run Defenses. Zunächst einmal Bo Scarborough auf Seiten der Crimson Tide. Der unmittelbare Nachfolger von Derrick Henry im Team von Alabama zeigte in den letzten zwei Jahren herausragende Leistungen. Er besitzt ähnliche Anlagen wie Henry und ist ein massiver großer Runningback. Den diesjährigen Saisonstart hat er aus persönlicher Sicht verpasst. Es passiert selten, aber er könnte einer der wenigen Prospects sein, der besser schon im letzten Jahr für den Draft declared hätte.

Texas A&M Aggies Runningback Keith Ford ist bereits in seinem fünften Jahr. Nachdem ihn die Oklahoma Sooners 2015 suspendieren mussten, wurde er zu den Aggies transferiert. Ich finde, dass er unglaublich gute Anlagen besitzt. Bisher habe ich aber noch kein Spiel gesehen, in dem er daraus tatsächlich mal Tribut schlagen konnte. Es wird Zeit. Dies ist definitiv sein letztes Jahr vor dem Draft.

Zumal ihm nun mit Defensive Tackle Da’Ron Payne ein wahres Großkaliber begegnet. Wer sich bereits im Freshman Year in Alabama einen Startplatz in der DLine ergattert, der hat was drauf, denn diese Positionsgruppe ist bei Coach Saban traditionell mit hochkarätigen zukünftigen NFL Stars bestückt. Selbst der letztjährige Erstrundenpick Jonathan Allen war nur ein volles Jahr kompletter Starter. Paynes Mix aus Kraft und Technik macht ihn in vielen Augen zum besten DLiner, der je unter Saban gespielt hat. Mit seinen Händen schlüpft er manchmal federleicht zwischen den gegnerischen OLinern hindurch. Dann wiederum regelt er alles mit seiner unbändigen Explosivität und Kraft. Es würde mich derzeit wundern, wenn Payne nicht der erste Defensive Tackle ist, der im Draft 2018 vom Board geht.

Neben ihm steht Da’Shawn Hand. Hand steht sich leider selbst im Weg. Abseits des Feldes war er in seinen ersten Jahren in Alabama auffälliger als auf dem Platz. Lange musste er im Schatten von Jonathan Allen und anderen Vorgängern eine ungeliebte Backup Rolle einnehmen. Jetzt darf er endlich spielen, wird aber bisher den hohen Erwartungen nicht gerecht.

Aggies Receiver Christian Kirk ist das nächste Erstrundentalent in diesem Spiel. Kirk wird in diesem Jahr weniger Yards produzieren als im letzten Jahr. Ihm fehlt Quarterback Trevor Knight. Spielt aber keine Rolle. In den Vorjahren hat er bereits alles gezeigt was es braucht. Die Dinge an denen er noch arbeiten muss, kann er auch ohne guten Quarterback unter Beweis stellen. Christian hat mit 5’11 und 200lbs perfekte Maße für einen Slot Receiver, der Hauptanspielstation eines NFL Quarterbacks sein kann. Viele Slot Receiver vom College sind sehr leicht. Er besitzt die selben Maße wie Odell Beckham und Jarvis Landry und ich entdecke vieles an ihrer Spielweise in ihm wieder. Kirk ist bereits sehr weit entwickelt und dürfte mit seiner Spritzigkeit und Geschwindigkeit sofort in der Profiliga einschlagen. Er läuft seine Routen diszipliniert und exzellent, hat keine Probleme gegen Press Coverage zu spielen und kann ohne weiteres auch in den Special Teams spielen. Überall wird er gelobt für seinen guten Charakter und seine Rolle als Führungsspieler auf und neben dem Feld. Seine Qualitäten als Returner und bei End Around Läufen sind herausragend und wohl das Beste der diesjährigen Draft Class. Allerdings muss ich sagen, obwohl er so gut gegen Press Coverage zurecht kommt, wirkt er bei Run Blocks zögerlich und könnte im Zweikampf um den Ball aggressiver agieren. Das zeigt aber auch wie weit er bereits ist, wenn ich zu diesem Zeitpunkt der Saison bei ihm nur noch diese Dinge kritisieren kann. Ich bin gespannt auf ihn. Gerade aus Sicht der Chicago Bears sollte sich jeder Fan einen Receiver wie ihn genauer ansehen. Ich bin ein Fan von ihm!

Gegen die starke Secondary der Crimson Tide ein guter Test. Aber auch die Aggies Secondary ist nicht von schlechten Eltern. Alabamas Star Receiver Calvin Ridley wird sich in diesem Spiel ebenfalls strecken müssen. Am Ende der Saison könnte es gut sein, dass Kirk und Ridley sich um die erste Position eines Receivers im Draft streiten werden. Donovan Wilson fehlt leider aufgrund einer Verletzung. Wahrscheinlich sogar das ganze Jahr. Er hätte Ridley bestimmt das Leben schwer gemacht. Gemeinsam mit Safety Armani Watts ein tolles Gespann gegen das gegnerische Passspiel. Watts fehlte im letzten Jahr verletzt für vier Spiele. Mehr Schwächen finde ich derzeit gar nicht. Er ist ein vielseitiger Playmaker, harter Tackler und Ball Hawk. Schnell, physisch, athletisch, was will man mehr. Wir werden ihn in diesem Spiel häufig im Bild sehen. Sowohl gegen Scarborough als auch gegen Ridley werden die Aggies seine Dienste dringend benötigen.

Auf ein schönes Football Wochenende an dessen Ende der ersehnte erste Start unseres Rookie Quarterbacks Mitch Trubisky steht. Bear Down!

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".