SpielBEARicht: Bears @ Packers

Quelle: spox.com

Und sie ernteten, was sie gesät haben…

Zwei Auswärtspiele verwandelten sich in zwei Blowouts für die Chicago Bears. Die Spielanlage blieb wie zu erwarten gleich. Ein hoher Rückstand direkt zu Beginn ließ somit einen Sieg schon früh in weiter Ferne rücken. Eine 47 minütige Unterbrechung bat das Potenzial für einen Neustart, doch wie heißt es so schön? Im Westen nichts Neues.

Offense

  • Beginnen wir sofort mit dem ersten Snap. Die Bears stellten sich zum Run auf und versuchten einen Play-Action Spielzug inkl. Tiefenpass. Der Gedanke war absolut klasse, einen solchen Pass direkt zu Beginn hat wohl niemand erwartet, der die drei Spiele zuvor gesehen hat. Die Kehrseite der Medaille: Es gab einen Grund, warum das bisher nie versucht wurde. Dieser Grund nennt sich Mike Glennon. Glennon, der, trotz ausreichender Zeit und einer freien Anspielstation, einen Fumble verursacht. Green Bay erhält den Ball an der 3 Yard Linie und als die Offense zum nächsten Anlauf das Feld betritt, steht es bereits 14:0.
  • Wir machen sofort mit dem zweiten Drive im Spiel weiter. Der Ball lief. Bis zu dem Zeitpunkt, als Glennon den zweiten Turnover verursachte. Dieses Mal gab er das Sigal für einen „silent snap“, geht daraufhin aber zur Line, um den Call zu ändern. Sitton gab das Kommando jedoch schon an Whitehair für den Snap weiter. Glennon war unvorbereitet, wird quasi abgeworfen und der nächste Fumble steht zu Buche.
  • Der dritte Drive endete mit einem 3 & Out anstelle eines Turnovers. Das ist doch schon einmal eine Weiterentwicklung, oder? Beim zweiten Down verfehlte der Quarterback einen Screen Pass, worauf ein Checkdown Pass zu einem gut gedeckten Receiver, der vor der 1st Down Grenze positioniert war. Kommt einem inzwischen bekannt vor, nicht?
  • Nach der witterungsbedingten Spielunterbrechung hatten die Bears nochmal die Chance ins Spiel zurückzufinden. Sie waren in Green Bays Hälfte und näherten sich der Field Goal Range. Aufgrund eines Holdings mussten sie jedoch 20 Yards überbrücken. Der erste Pass (Screen) endete in einem Drop von Howard, der sowieso nicht weit gekommen wäre, da die Packers schon darauf lauerten. Nach einem weiteren Checkdown Pass folgte beim 3rd Down ein Tiefenpass. Ich weiß, ich habe beim im Vorbericht zum Steelers Spiel genau das von Glennon gefordert. Doch ausgerechnet hier hätte ein weiterer Checkdown Pass ein Field Goal und damit 3 Punkte bedeutet. Stattdessen warf er zu Bellamy, der von 3 Leuten umstellt war. Wenn es unbedingt ein langer Ball sein musste, warum nicht wenigstens auf Kendall Wright? Der war an der Seitenlinie völlig blank.
  • Nach dem nächsten Drive hätte das Spiel endgültig für beendet erklärt werden können. Glennon sorgt mit einer Interception für Turnover Nummer 3. Er überwarf einen erneut freien Receiver im Zentrum des Feldes. Zwei Spielzüge später hieß es 21:0 für die Packers.
  • Es folgte zwar noch der 4. Turnover, aber insgesamt war die restliche Partie passabel bis ordentlich. So ehrlich bin ich natürlich, es wäre halt nur schön, wenn er das von Beginn an zeigen würde und nicht erst, sobald das Spiel bereits hergeschenkt ist.
  • Es war das erste Spiel in diesem Jahr indem unsere Stammbesetzung in der OL zusammen starten konnte. Entgegen der Planungen in der Offseason, dass Long und Sitton die Positionen tauschen, war alles beim Alten. Nach Longs dominanter Partie gegen die Steelers ist das für mich einleuchtend. Die Bears versuchten das Laufspiel zu etablieren, doch bis zur Garbage Time blieben sie bei unter 2,5 Yards pro Versuch. Die Packers spielten es wie Atlanta und Tampa. Die Box wurde vollgestopft, stellenweise bis zu 9 Leute, und damit der Raum verengt.
  • Die Packers ließen sich bei Shotgun Aufstellungen der Bears tiefer fallen, doch einen Lauf aus dieser Ausrichtung gab es nicht (obwohl Howard in der letzten Saison so am effektivsten war). Die Bears waren in der Offense zu ausrechenbar. I-Formation: 8-9 Gegner in der Box, Shotgun: 6 Gegner in der Box. Die Bears müssen demnächst innerhalb ihrer Ausrichtungen variantenreicher sein. Die End-Around Fakes zu Tarik Cohen verdienen hingegen ein Lob.

Ich entschuldige mich für das Ausmaß an Quarterback betreffenden Punkten. Es führt nur leider kein Weg daran vorbei. Die wichtigste Position in der Offense, des Spiels, vielleicht sogar sportübergreifend hat unweigerlich Auswirkungen auf alle anderen Mitspieler. Ich kann die Anderen einfach nicht fair bewerten. Es führt nun kein Weg mehr daran vorbei Glennon auf  die Bank zu verbannen. Wenn die Verantwortlichen sich dermaßen dagegen sträuben Trubisky auflaufen zu lassen, dann stellt auch Mark Sanchez eine bessere Option dar.

Defense

  • Erneut ein Touchdown nach dem ersten Drive. Ich weiß nicht wie oft wir das schon angesprochen haben. Das passiert den Bears viel zu oft und endet mit einer ziemlich hohen Übereinstimmung in Niederlagen. Hinzu kommt, dass die Bears den Münzwurf zu Beginn gewonnen und sich gegen den Ball entschieden haben. Ich verstehe die Beweggründe dahinter, doch bei den wiederkehrenden Startproblemen ist das vielleicht nicht die beste Idee. Ein 7:0 ist für die Offense eine immense Hürde.
  • Die Packers schafften es den Run zu etablieren, was jede Person auf Seiten der Bears überrascht haben wird und unter keinen Umständen zu akzeptieren ist. Als Ty Montgomery verletzungsbedingt das Spiel vorzeitig beenden musste konnte man endlich das Laufspiel der Packers eindämmen.
  • Green Bay musste auf ihre ersten 4 oder sogar 5 Offensive Tackle verzichten und dennoch sahen die Pass Rusher blass aus. Es gab wichtige Sacks (McPhee, Floyd), doch ist das insgesamt nicht dominant genug. Inwiefern die schlechten Platzverhältnisse nach der Unterbrechung mitspielten, kann ich nicht beurteilen.

Abschließend muss jedoch festgehalten werden, dass die Defense, wenn man den ersten Drive und fehlende Turnover ausklammert, erneut einen ziemlich guten Job abgeliefert hat. Die Packers kamen auf 260 Yards. Alleine dieser Aspekt zeigt gegenüber dem Ergebnis, wo das Spiel verloren wurde.

Der Aufreger des Spiels

Gegen Ende des dritten Quarters kam es zum K.O. eines Wide Receivers der Green Bay Packers. Danny Trevathan hatte so einen heftigen Hit gesetzt, dass Davante Adams ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Allgemein sage ich zu solchen Szenen, dass es im Football dafür keinen Platz geben darf.  Die Szene spezifisch gesehen: Da halte ich mich an jemanden, der selbst in der NFL spielte… Olin Kreutz:


Letztendlich wird es für die Aktion dennoch eine saftige Geldstrafe, wenn nicht sogar eine Sperre geben. Schon alleine deswegen, um ein Zeichen zu setzen. Hinzu kommen Aussagen Trevathans während der Offseason, dass er schnell zurück kommen und Leute ausknocken will (Erinnerung: Er war lange verletzt). Das meinte er natürlich nicht wortwörtlich, sondern wollte damit ausdrücken, dass er heiß auf Football ist. Kommt in Kombination mit der Aktion am erst 4. Spieltag dennoch unglücklich an.

Ausblick

Das nächste Spiel ist erst in der Nacht von Montag auf Dienstag. Der Spielplan der Bears ermöglicht ihnen also eine zusätzliche kleine Bye-Week (11 Tage Pause) bis zum Aufeinandertreffen mit den Minnesota Vikings. Wenn die Organisation diese Gegebenheit dafür nutzt, sich dafür zu entscheiden, nicht mehr freiwillig Spiele zu verlieren, dann sollte Mitch Trubisky der neue Starter auf der Quarterback Position werden. Mike Glennon ist aller spätestens nach dieser Partie nicht mehr tragbar. Gott sei Dank, gibt es dafür tatsächlich Anzeichen. Im Gegensatz zu den Aussagen nach der Partie in Tampa schließt Head Coach John Fox einen Wechsel nun nicht mehr kategorisch aus.

Wie schon gesagt, es bleibt ihm nun auch nichts anderes mehr übrig. Mike Glennon, so scheint es, hat nämlich das Vertrauen seiner Kameraden längst verloren (was keine große Überraschung sein sollte):

Also… um den Ausblick auf die kommende/n Partie/n zusammenzufassen, halte ich es mit dem bekannten Wahlplakat der SPD: „Es ist Zeit!„. Die Saison der 2017er Chicago Bears kann nun endlich beginnen!

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