SpielBEARicht: Bears vs. Steelers

Die Chicago Bears gewinnen ihr erstes Spiel der Saison 2017. Es ging verrückt zu und die Spieler mussten alles geben um den Sieg zu erringen. Ehrlich gesagt habe ich dem Team in den ersten vier Wochen keinen Sieg zugetraut. Obwohl ich mir sicher war, dass sich die Mannschaft verbessert gegenüber dem Vorjahr zeigen würde, erschien mir der Schedule am Anfang einfach zu schwer. Umso besser, dass ich hier falsch gelegen habe.

In einem physischen Spiel bei fast 30 Grad Celsius im Soldier Field bezwangen sie die Steelers mit 23-17 in der Overtime. Noch nie gewann das Team unter Coach Fox im September. In der ersten Hälfte hätten die Bears bereits locker unerreichbar davonziehen können. Doch zwei individuelle Fehler ließen die Steelers im Spiel. Connor Barth verschoss ein 47 Yard Field Goal und Marcus Cooper ließ sich kurz vor der Endzone nach einem Turnover den sicheren Touchdown entreißen. Dazu später mehr. In der zweiten Hälfte kamen die Steelers nach zwei Turnovern wieder heran und glichen zum 17-17 aus. In der Overtime machte Chicago dann aber endlich den Sack zu und zeigte, dass man auch knappe Spiele verdient gewinnen kann. Nebenbei erzielte Rookie Tight End Adam Shaheen den ersten Touchdown seiner Karriere.

Defense

Nicht der Pass Rush, wie im VorBEARicht prophezeit, brachte den Schlüssel zum Erfolg, sondern die überragende Leistung der Secondary.

CB Marcus Cooper

Es gibt nichts, dass seinen Fumble kurz vor der Endzone nach erzieltem Turnover entschuldigen kann. Absolut gar nichts. Dafür kann er niemand anderem die Schuld geben als sich selbst. Die Coaches hatten nach diesem katastrophalen Aussetzer zwei Möglichkeiten. Erstens, ihn auf die Bank setzen oder zweitens, ihn weiterspielen lassen, damit er den Fehler wieder gut machen kann. Die Coaches entschieden sich für Variante 2. Gute Wahl. Denn Cooper spielte vor und nach diesem Patzer überragend. Oft im direkten Matchup gegen Antonio Brown eingesetzt, erlaubte er den Receivern der Steelers kaum etwas.

Neunmal warf Big Ben in seine Richtung. Nur einmal konnte der Pass vervollständigt werden. Drei eigentlich sicher fangbare Bälle konnte Cooper dabei wegschlagen. Gegen ihn erzielte Quarterback Roethlisberger ein Rating von 39.6. Man kann sagen, es war ein Fehler von Pittsburgh so oft in seine Zone zu werfen.

CB Kyle Fuller

Okay, wie komme ich darauf beide Cornerbacks zu loben, wenn Antonio Brown 10 Receptions für 110 Yards erzielt? Ganz einfach. Brown ist ein wahnsinnig guter Spieler, den du nicht aus dem Spiel nehmen kannst. Sein Touchdown war im Matchup gegen Amukamara, der sicherlich nach überstandener Verletzung noch den Rost aus den Gelenken klopfen musste. Aber Fuller kam auch auf 3 Pass Breakups und entwickelt sich endlich zu einer festen Größe in der Secondary. Mit dem ehemaligen Erstrundenpick der Bears, dem genesenen Amukamara und Cooper werden die Cornerbacks in Zukunft zu den stärksten Mannschaftsteilen zählen. Drei gute unterschiedliche Cornerbacks erlauben es Defensive Coordinator Fangio auf die meisten Pass Offenses eine Antwort zu haben.

ILB Danny Trevathan

Erneut hatten gegnerische Runningbacks gegen die Bears Defense nichts zu lachen. Auch nicht, wenn dieser Mann im Backfield Le’Veon Bell heißt. Danny Trevathan kontrollierte mit acht, teilweise krachenden, Tackles die Gaps der Steelers Offensive Line nach belieben. Ein großer Tag für ihn, der am Sonntag nicht nur statistisch die Defense anführte, sondern auch als Play Caller und Abwehrchef erstmalig funktionierte. Drei Sacks und zwei Fumble Recoveries als Gesamtleistung der Verteidigung machten in diesem eng geführten Spiel am Ende einen wichtigen Unterschied aus.

OLB Leonard Floyd

Erneut kein Druck von ihm. Bei 11 von 60 Snaps wurde er in die Zonenverteidigung eingebunden. Einige sagen, weil die Steelers Offense mit ihren vielseitigen Waffen Fangio dazu zwang. Andere wiederum finden, der Coordinator kann es sich nicht leisten, den besten Pass Rusher in die Coverage zu stellen. Ich denke im nächsten Spiel dürfen wir endlich seinen Durchbruch erwarten. Gegen den schnellen Quarterback der Packers brauchen die Bears ihren schnellsten Rusher. Im letzten Jahr zeigte er gegen Green Bay seine beste Leistung. Stichwort: Strip Sack Fumble Touchdown! Gegen Pittsburgh war das nichts Besonderes. Kaum im Pass Rush eingesetzt, ließ er sich in der Coverage zweimal überlisten. Gegen den schnellen Wide Receiver JuJu Smith-Schuster hatte er im direkten Matchup keine Chance. Das ist aber auch kein Duell für einen Outside Linebacker, Herr Fangio!

Special Teams – Sherrick McManis

Special Teamer kommen immer zu kurz in Analysen und wenn es um Ehrungen geht. Doch was McManis in diesem Spiel abgeliefert hat, sollte zwingend die Wahl zum Pro Bowl nach sich ziehen. Den fallengelassenen Punt der Steelers sammelte Sherrick blitzschnell auf, da er bereits zur Stelle war. Beim Blocked Field Goal war er auch verantwortlich. Bei erlaubten Return Yards der Gegner stehen die Bears nicht zuletzt dank ihm in dieser Saison ganz gut dar.

Offense

Es grenzt an ein Wunder, wenn man sich mit Verstand die Leistung von Mike Glennon ansieht, dass die Bears in diesem Spiel 23 Punkte erzielten und die Steelers nicht in der Lage waren, obwohl keine Gefahr vom Passspiel ausging, den Lauf zu stoppen.

RB Jordan Howard

Generell haben beide Runningbacks der Bears in der Offense das Spiel gemacht. Tarik Cohen brillierte erneut mit seiner wahnsinnigen Wendigkeit und seinem überraschenden Talent als Slot Receiver. Aber an Jordan Howard geht diese Woche der „Tough Cookie Award“. Mit verstauchter Schulter musste er bei heißen Außentemperaturen zweimal verletzt ausgewechselt werden. Doch er kam immer wieder aufs Feld zurück. Seinen eigenen Aussagen nach, war er im Grunde auch nicht mehr in der Lage weiterzuspielen. Für das Team wollte er aber unbedingt alles geben:

Mit 28 Ballkontakten führt er die Bears Offense an. Er lief 23 mal und mit 5 Receptions fing er sogar die meisten Bälle aller Receiver. 138 Yards und zwei Touchdowns, darunter der Spielentscheidende zum Sieg in der Overtime. Dabei konnte er den Ball immer nur in der linken Armbeuge tragen. Hier vernascht er im vorletzten Play der Begegnung Cornerback Artie Burns.

Run Blocker

Ohne die Blocker sind die Runningbacks nichts. Das wissen die Beiden auch. Hier nun nur einen Spieler hervorzuheben, würde der Sache nicht gerecht werden. Vor allem Kyle Long, Cody Whitehair und Bobby Massie leisteten in der Offensive Line hervorragende Arbeit. Neben dem starken Run Blocking erlaubte Long bei seinem Comeback keinen einizigen Hit, Hurry oder gar einen Sack. Whitehair spielte, sicherlich auch aufgrund der Rückkehr des wichtigen Führungsspielers, wie ausgewechselt. Jetzt muss eigentlich nur noch Josh Sitton von seiner Verletzung zurückkehren.

Auch die Tight Ends und Wide Receiver müssen im Run Game gelobt werden. Im Clip oben sehen wir Sims arbeiten. Hier setzt Receiver Thompson den entscheidenden Block zum Sieg.

OL Bradley Sowell

Nach der Verletzung von Hroniss Grasu (voraussichtlich: Handbruch) musste der eigentlich als Tackle im Roster deklarierte Sowell als Center eingesetzt werden. Normalerweise sollte Whitehair in so einem Fall auf Center zurückwechseln. Doch der zusätzliche Ausfall von Rookie Guard Tom Compton ließ es nicht zu. Die gezeigte Leistung von Sowell lässt mich beten, dass Compton oder Sitton sich für das nächste Spiel gesund zurückmelden.

Niemals darf ein Offensive Line Spieler, wirklich niemals, seine Balance verlieren und auf den Rücken fallen!

Man bemerkt auch, dass er eigentlich Tackle spielt. Im Pass Block ist der Center die Sperrspitze, während sich Guards und Tackle gestaffelt zurückfallen lassen.

Noch hinter dem Tackle, unmittelbar vor dem Quarterback ist in dieser Situation ungefähr acht Yards zu weit hinten. Was macht der da?

Zu seiner Entschuldigung muss man sagen, dass er kalt und ohne Reps mit der ersten Mannschaft eingewechselt wurde und etatmäßig Tackle spielt. Allerdings fungiert er auch als dritter Center. Deshalb geht so etwas nicht. Ich frag mich, wie er es im letzten Jahr noch auf neun NFL Starts bei den Seahawks brachte. Hoffentlich kehren Compton und Sitton schnell zurück und die Verletzung von Grasu ist doch nicht so schlimm.

Mike Glennon

Der Fairness halber muss gesagt werden, seine Receiver haben erneut vier Pässe gedroppt. Doch bei Sims hätte eine Strafe eh mehr verhindert und Miller hätte sowieso kein neues First Down erzielt. Man darf Markus Wheaton daher für seine beiden Drops kritisieren. Doch Glennon müsste diese auch erst einmal anwerfen, wenn sie offen sind. Er hat erneut so viele freie Receiver gar nicht angespielt. Nach seiner Interception gibt er im Interview indirekt Miller die Schuld, indem er sagt, es wäre ein Resultat aus dem falschen Lesen der Optionsroute des Tight Ends. Doch Miller war nie offen und damit sowieso keine Option. Andere Receiver wären in der Szene frei gewesen. Doch Mike Glennon trifft natürlich keine Schuld *Ironie Aus*. Wenn Steelers Verteidiger Mike Mitchell kurz vor Schluss den schlechten und unterworfenen Pass von ihm als eigentlich sichere Interception aufnimmt, schreibe ich in diesem Artikel nicht über den ersten Sieg 2017, sondern darüber was noch passieren muss, damit Mitch Trubisky startet. Glennon warf nur einen einzigen Pass über 5 Yards. Alle anderen waren kürzer, wurden aber von Cohen und Howard verlängert. Kein langer Pass gegen den langsamen Cornerback Joe Haden. Die Receiver heißen Wright und Wheaton und er macht/darf es trotzdem nicht. Für mich Beweis genug, er kann es nicht! Zieht man seinen Turnover ab, müssen die Bears nicht in die Overtime und der Sieg ist nie gefährdet. Erstaunlich, dass jedes Mal wenn die Bears in den letzten drei Wochen einen erfolgreichen Drive hinlegen, Glennon nicht ein einziges Mal dabei den Ball wirft. So auch beim Drive in der Overtime. Er und Fox geben sich aber damit zufrieden. Fox sagt:

„Er war nicht perfekt, aber er hat genug getan um zu gewinnnen!“

Und Glennon:

„Alles was zählt, ist, dass unsere Offense genug getan hat, um zu gewinnen!“

Fazit

Die Chicago Bears können enge Spiele gewinnen und sie haben einen Quarterback im Team mit dem es nicht mal knapp werden müsste. Doch der sitzt immer noch auf der Bank. Stattdessen spielt Mike Glennon, „der Quarterback im Körper eines Punters“ (Zitat meines Bruders), obwohl die ganze Liga weiß, dass der Bessere an der Seitenlinie steht.

Den Sieg durfte ich gemeinsam mit meinem Bruder (Seahawks) und meinem Kumpel, einem waschechten Steelers Fan anschauen. Ein schönes Zitat während des Spiels von ihm:

„Wir (Steelers) sind doch bescheuert, wenn wir Glennon verletzen würden. Dann kommt ja n richtiger Quarterback rein!“

Trotzdem war der Sieg unserere Bears natürlich herrlich. Kirsche auf der Sahnehaube des köstlichen Triumphes war noch, dass ich im Fantasy Football an diesem Wochenende gegen ihn antrat und er Jordan Howard noch fünf Minuten vor dem Spiel auf die Bank gesetzt hatte.

So viel zu kleinen Anekdoten am Rande, hier jetzt ein paar Aufrufe in der Rubrik „Play the Kid“ von Bears Insidern und Analysten vor und nach dem Spiel:

Adam Hoge teilt sich mit mir das letzte Wort. Wenn die Bears doch meinen, dass Mitch Trubiksy nicht so weit ist, warum ist er dann seit der ersten Woche die Nummer 2? Sanchez wurde sogar als Inactive gelistet. Das bedeutet, bei einer Verletzung von Glennon wäre Mitch doch so weit. Ich verstehe die Logik dahinter nicht. Beardown!

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".