Draft Watch: College Woche 4

Quelle: College Football News

Für die meisten Teams beginnen diese Woche die Conference internen Duelle. Von nun an spielen fast alle Colleges bis zu den Bowl Games im Dezember ausschließlich gegen unmittelbare Konkurrenz. Diese Spiele sagen oft deutlich mehr aus über die Prospects, da in den letzten drei Wochen auch der ein oder andere schwache Gegner dabei war. Jetzt zählt’s!

18:00Uhr: NC State @ Florida State

In der Atlantic Coast Conference kommt es zum Kräftemessen zwischen dem North Carolina State Wolfpack und den Florida State Seminoles. Die Seminoles sind seit der langwierigen Knieverletzung von Deondre Francois arg gebeutelt und nehmen es an diesem Wochenende mit einer starken Defense auf. Diverse Prospects der FSU wurden bereits in der ersten Woche behandelt. Heute geht es um die Defensive Line und ihren Pass Rush. Nose Tackle Derrick Nnadi ist kein Playmaker. Das sind aber wenige Nose Tackle in der NFL. Er gehört zu diesen unaufhörlichen Arbeitern, die der Offensive Line genug Stress bereiten, damit andere in der Defense davon profitieren können. Nnadi ist technisch versiert, hat einen guten ersten Schritt und ist wahnsinnig schwer wegzubewegen. Oft müssen sich ihm zwei Blocker gleichzeitig widmen, da er sich zwar selbst nur selten von gegnerischen Blöcken lösen kann, aber anders beim Laufspiel kein Gap geöffnet werden kann. Im Pass Rush kann er tiefe Lücken in die Offensive Line reißen. Von seiner Spielintelligenz profitiert u.a. Josh Sweat. Es ist kaum möglich dieses Duo aufzuhalten. Denn Sweat ist nicht weniger talentiert und zählt zu den explosivsten Pass Rushern des Landes. Gemeinsam werden sie der Offensive Line und dem Quarterback ordentlich Druck machen.

Bei NC State bekommen wir dadurch die Möglichkeit, Guard Tony Adams einem echten Härtetest zu unterziehen. Allein wird die OLine aber dem Pass Rush nicht standhalten können. H-Back Jaylen Samuels wird ihr öfter zur Hilfe eilen. Wie ein H-Back definiert wird? Er blockt, er läuft, er fängt. Für einen Tight End ist er zu klein, für einen Fullback zu leicht und für einen Runningback nicht agil genug. Im College gibt es diese Position öfter. In der NFL ist sie vom aussterben bedroht. Aber Samuels ist ein Ausnahmetalent. Ich bin gespannt, ob die NFL auf einen Athleten seiner Klasse verzichten möchte oder ob jemand einen Platz für ihn in seinem System entwickelt. Morgen könnte er der Game Changer sein.

Vor allem wenn ihn Quarterback Ryan Finley wieder gut einsetzt. Bisher kaum Erwähnung bei den „Draft Experten“ gefunden, könnte er einer der Namen sein, der am Ende der Saison überraschend auf den Big Boards erscheint. Es würde mich dennoch wundern. Zu seinen Stärken zählen perfekte Maße und das Lesen der Defense. In der Spread Offense stellt er häufig die Spielzüge um und verlängert seine Zeit zum Werfen, indem er die Blocks umstellt. Schwäche ist seine Genauigkeit. Wie bei vielen jungen Quarterbacks hat er hier Probleme. Bei ihm kann man es aber scheinbar nicht beheben. Während bei einigen Prospects, die Probleme eher in mechanischen Automatismen liegen, die noch nicht flüssig abgespult werden, bekommt er einfach zu wenig Luft unter den Ball. Ist sein Arm zu schwach für die NFL? Bisher macht er vor dem Snap viele Dinge, die andere College Quarterbacks noch nicht können. Nun muss er auch nach dem Snap zeigen, dass er nicht nur auf Nachwuchs Niveau glänzen kann und auch tiefere Bälle besser platzieren.

Abschließend das Herzstück des Wolfpacks. Die Front Seven. Allen voran Pass Rusher Bradley Chubb. Er gehört in die Diskussion um den besten Pass Rusher im nächsten Draft. Während andere eher Speed oder Bull Rusher sind, ist Chubb ein absoluter Allrounder.

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Mit 6’4 und 275 lbs hat er die Power und das Durchsetzungsvermögen um einen Gegner mit seiner Kraft zu schlagen. Er ist zwar nicht so schnell, wie Arden Key oder Harold Landry, aber schnell genug um einen Tackle auch um die Ecke zu überlisten. Am obigen Beispiel erkennt man beide Fähigkeiten im Paket. Nur mit Speed oder ausschließlich mit Kraft hätte er den Tackle nicht bezwingen können.

Kommen wir nun zum wohl krassesten Athleten der letzten Draft Classes. Kentavius Street ist ein Wunderwerk an Athletik. Mit 6’2 und 283 lbs stellt er unfassbare Dinge an. Hier macht er eine Kniebeuge mit 317,5kg!

Ein elektronisch gestoppter 40 yard Dash von ihm wurde mit einer Zeit von 4.58 Sekunden! gestoppt. Zur Relation. So schnell lief Safety Jamal Adams beim letzten NFL Combine. Beim Vertical Jump erzielt er mit 40 inches ein ähnliches Resultat wie Myles Garrett. Nur ist Garrett 5cm größer und 5kg leichter. Street ist ein Freak! Bin gespannt was er mit dieser Athletik auf dem Platz anzufangen weiß.

Komplettiert wird die Defensive Line um Tackle B.J. Hill. Es kann ein langer Tag für das Passpiel der Seminoles werden.

21:30Uhr: Rutgers @ Nebraska

Im BigTen Spiel zwischen den Rutgers Scarlet Knights und den Nebraska Cornhuskers gibt es auf beiden Seiten mal wieder schöne Receiver-Defensive Backs-Battle. Rutgers Cornerback Blessuan Austin gegen De’Mornay Pierson-El und Nebraskas Defensive Backs Chris Jones und Joshua Kalu gegen Janarion Grant.

Jones und Kalu haben beide an ihrer Körpermasse gearbeitet. Mal sehen, ob es ihrer bisher positiven Athletik nicht abträglich sein wird. Ansonsten haben beide derzeit gute Chancen einen Weg in die NFL zu finden. Ähnliches gilt für Grant. Er kehrt von einem Bruch des Sprunggelenks zurück und erschien in den ersten Spielen eindeutig genesen. Profi Teams, die auf der Suche nach einer Speed Option im Passing Game sind und noch dazu einen guten Returner in den Special Teams draften wollen, werden Grant ganz sicher auf ihren Scouting Reports haben. Seine Produktion sollte hier nicht von seinen Fähigkeiten ablenken. Rutgers Quarterback ist wahrlich keine Unterstützung für ihn. Doch müssen die Scouts ausschließen, dass es nicht doch daran liegt, dass er keine guten Fanghände hat.

Austin ist ein produktiver Press-Man-Coverage Corner mit langen Armen und somit großem Verteidigungsradius. Er erzielte im letzten Jahr 15 Pass Breakups. Leider war nur eine davon eine Interception. Scouts fragen sich zu recht, ob er Hände aus Stein hat (wie man sagt) oder ob er einfach nur Pech hatte. Das ist leicht an seiner diesjährigen Zahl der Interceptions abzulesen. Pierson-El ist ein kleiner Receiver mit großen Ambitionen. Leider wurde er in den letzten zwei Jahren immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Jetzt will er es endlich allen zeigen.

Quarterback Tanner Lee findet in ihm hoffentlich seine wichtige Anspielstation. Lee sorgte für Aufsehen im alljährlichen Manning Camp der besten Quarterback Prospects des Landes im Frühjahr. 2015 spielte er noch für Tulane hinter einer mehr als fragwürdigen Offensive Line. Kein Wunder also, weshalb er sich im letzten Jahr zum Wechsel entschied. Zwar musste er deshalb eine Saison aussetzen. Dennoch ergibt alles Sinn. Nebraska erlaubte 2016 nur 15 Sacks und sollte ihm die nötige Zeit geben.

Er ist ein hochgewachsener Pocket Passer mit einem guten Arm. Er wird den Ball schnell los und hat eine überdurchschnittliche Arm Strength. Viele schreiben ihn nach den ersten Spielen schon wieder ab. Zu Recht. Lee versagte auf ganzer Linie. Nebraska ist bereits nach drei Wochen nicht mehr im Titelrennen. So herum kann es auch laufen. Overhyped sagt man, glaube ich.

01:00Uhr: Mississippi State @ Georgia

In der Southeastern Conference ist ein direktes Duell immer ein schweres Spiel. Dazu ist sie einfach zu ausgeglichen. Die Mississippi State und die Georgia Bulldogs haben sich zum Kampf der Bulldoggen verabredet. Es wird ein sehr physisches Spiel zwischen zwei Top Teams des Landes. Georgia besitzt eines der besten Recruiting Colleges des Landes. Dennoch waren sie in den letzten Jahren nicht in der Lage, Talent in Erfolg umzusetzen. Bis jetzt sieht das in diesem Jahr besser aus. Runningback Nick Chubb, der Bruder des oben erwähnten NC State Defenders Bradley Chubb, war 2015 noch im Rennen um die Heisman Trophy, ehe eine Verletzung in jäh stoppte. Chubb ist ein Tackle brechender und explosiver Runningback innerhalb wie außerhalb der Offensive Tackles. Ihm fehlt es an Endgeschwindigkeit. Nicht nur Fans der Chicago Bears sollte das bekannt vorkommen. Klingt nach dem nächsten Jordan Howard.

Georgia hat im Laufspiel aber ein weiteres hungriges Maul zu stopfen. Sony Michel ersetzte den verletzten Chubb und ist ebenfalls Senior. Beide wollen genug Läufe bekommen, um sich für die NFL zu beweisen. Georgia wird sehr oft den Ball laufen lassen, ihr Passpiel darf trotzdem nicht unterschätzt werden. Michel ist Chubb einfach zu ähnlich, als das beide unterschiedliche Rollen erhalten könnten. Chubb behält im direkten Vergleich aber klar die Oberhand.

An der Defensive Line wartet Georgia mit Trenton Thompson und Jonathan Ledbetter auf. Thompson war der beste High School Defensive Tackle seines Jahrgangs als er rekrutiert wurde. Wie bei Chubb verhindern Verletzungen bisher den großen Durchbruch. Er ist ein physisch spielender DLiner und könnte, wenn er gesund bleibt einer der Aufsteiger dieses Draftjahrgangs werden. Für Ledbetter gilt ähnliches. Nur dass er nicht von Verletzungen, sondern von ausschweifenden Partys und zu viel Alkoholkonsum immer wieder vom Spielfeld ferngehalten wird. Angeblich soll er jetzt zu einem echten Führungsspieler herangewachsen sein und seine Probleme in den Griff bekommen haben. Angeblich sollte Georgia auch zu den besten Teams des Landes zählen. Lassen wir uns überraschen.

Quarterback Nick Fitzgerald überflügelte mit seiner Offense der ersten Wochen die Gegner. Mit Louisiana Tech und vor allem LSU besiegten sie keine Laufkundschaft. LSU war letzte Woche noch an 12 geranked. Im Schnitt erzielten sie fast 48 Punkte. Und Fitzgerald war in der SEC der produktivste Quarterback schon in der letzten Saison in Total Yards, Rushing TDs und Spiele mit über 100 Rushing Yards. Wenn man sich ihn ansieht, würde niemand darauf kommen, dass er so mobil ist. Er ist 6’5 (1.96m) groß und wiegt 230 lbs (104kg). Zu seiner Schnelligkeit kommt sein wirklich starker Wurfarm hinzu, den die Secondarys in seiner Conference mehr als respektiert haben. Er bereitete den gegnerischen Defensive Coordinators bei der Spielvorbereitung regelmäßig Kopfzerbrechen. Dennoch sprach nach der Saison kaum jemand über ihn. Nick besitzt bei Option Plays eine gute Übersicht über die Defense und weiß sowohl seinen Runningback einzusetzen, als auch selbst gefährlich zu laufen. Er bricht dabei Tackles und ist sogar schneller als die gegnerischen Defensive Backs.

Sein Wurfarm ist stark. Leider sind seine Bewegungen aber sehr roh. Die Mechanics beim Wurfablauf in Footwork und Armbewegung sind nicht flüssig. Regelmäßig bei aufkommendem Druck fiel seine Statik beim Pass förmlich in sich zusammen. Dies führte häufiger zu unvollständigen Pässen, denn seine Genauigkeit leidet darunter. Er wird weiter daran arbeiten. Sein Coach sollte ihm dabei behilflich sein. Dan Mullens bisherige Quarterback Projekte heißen Alex Smith, Cam Newton, Dak Prescott und jetzt eben Nick Fitzgerald. Vor allem Prescotts raketenhafter Aufstieg dürfte den Coach und seine QBs auf den Radar der Scouts gebracht haben. Viele Teams in der NFL setzen bereits auf Dual-Threat-Quarterbacks mit guten Armen und sind damit erfolgreich. Kann Nick sich in die Reihe von Dak Prescott, Marcus Mariota, Russell Wilson und Cam Newton einreihen? Zur Not kann er noch ein weiteres Jahr am College dranhängen, wozu ich derzeit raten würde. Doch es ist noch Zeit bis zum Saisonende. Er wird sich weiter entwickeln und verbessern. Davon bin ich überzeugt. Schnell genug und er ist bereits im Draft 2018 vorne mit dabei.

Momentan besitzt er für seine Blind Side einen sehr talentierten Left Tackle. Martinas Rankin erhielt im letzten Jahr den Startplatz und brauchte doch eine gute Zeit zur Eingewöhnung. Zu Beginn der Saison hatte er größere Probleme mit gegnerischen Pass Rushern. Doch im Laufe der Saison wurde er immer besser. Im Duell mit Myles Garrett gegen Ende der Saison, zum Beispiel, behielt er klar die Oberhand und entschied das Duell für sich. Zu Gute kommt ihm auch, dass er sogar schon als Center eingesetzt wurde. In diesem Jahr wird sich zeigen, ob er ein vielseitiges Erstrunden Talent auf der Tackle Position ist oder ob er erneut unkonstante Leistungen zeigt.

Viel drin an diesem Wochenende! Jetzt geht es für die Teams, die nicht um die nationale Meisterschaft spielen, aber um die Conference Meisterschaften ein Wörtchen mitreden wollen, erst richtig los. Denn nur der interne Conference Record wird dazu am Ende in Rechnung gestellt. Gerade das Battle of the Bulldogs wird hoffentlich ein Kracher!

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".