SpielBEARicht: Bears @ Buccaneers

Quelle: Brian Blanco/Getty Images

Der Versuch, mal kurz die Quarterback Kontroverse in Chicago zu vergessen, fällt sehr schwer, wenn man bedenkt, dass die Bears mit der letzten gezeigten Leistung aller Wahrscheinlichkeit mit 0-4 in die Saison starten. Nachdem das Team in der letzten Woche in einem großen Kampf dem NFC Champion ganz knapp unterlag, gab es diesmal eine 29-7 Klatsche, die bereits nach der ersten Hälfte entschieden war.

Defense

Bei 29 Punkten sollte eigentlich klar sein, wer für die Niederlage verantwortlich ist. Den größten Kritikpunkt, den sich die Verteidigung der Bears gefallen lassen muss, ist erneut der verschlafene Start. Defensive Coordinator Vic Fangio scheint nicht der Held zu sein, für den ihn alle bei seiner Verpflichtung gehalten haben. Woche für Woche dürfen die Fans mit ansehen, wie der Gegner im ersten Drive punktet und wie es das Team schafft, nach jedem Sack ein großes Play zuzulassen. Die Bears zählen zu den erfolgreichsten Defenses des Landes, wenn sie blitzen. Fangio ist aber der Coordinator, der seine Defense, dass am Wenigsten in der ganzen NFL tun lässt. Er schafft es auch, dass gegnerische Teams ein 3rd and Long leichter in ein First Down verwandeln, als ein 3rd and Short. Im letzten Jahr stand seine Defense in der 3rd Down Statistik auf Platz 22 (40% erlaubt). Jetzt hat er es geschafft, mit besseren Spielern zum Saisonstart diese Quote zu verschlechtern. Mit einer Zulassungsquote von 50% liegt er auf Platz 28.

Du kannst die größten Talente und Profis in deiner Mannschaft haben. Aber wenn du ständig zu passiv agierst, bestrafst du ihre sonst überragende Leistung. Das ist eine Frage des Gameplans und der Auswahl der Spielzüge. 29 Punkte klingen nicht gerade nach guter Spielerleistung in der Defense. Zieht man allerdings die Leistung von Vic Fangio ab und bedenkt man, dass die Offense der Buccaneers den zweiten Drive an der 38 Yard Linie, den Dritten an der Bears ’13 und den Vierten an der Bears ’35 starteten, ist es kaum verwunderlich, dass Winston mit seinem Team regelmäßig punkten konnte. Positiv möchte ich sogar den erneut starken Kyle Fuller hervorheben, sowie Eddie Jackson und Marcus Cooper. Quintin Demps war leider erneut in den entscheidenden Momenten nicht auf der Höhe, verpasste Tackles und positionierte sich falsch.

Der Pass Rush war kaum vorhanden, was Akiem Hicks auch zu einer ordentlichen Selbstkritik veranlasste. Die unnötigen Strafen für Defensive Holding bei 3rd Downs bezeichnete er im Interview als Turnover. So etwas dürfe nicht passieren, wenn man den Gegner praktisch vom Feld habe. Die Holding Strafen gehen zu weiten Teilen auf das Konto von Danny Trevathan.

Offense

Nach diesem Spiel die wichtigste Frage:

Wird Fox darüber nachdenken, Trubisky nächste Woche spielen zu lassen? Seine Antwort: „Nein!“

Keine Überraschung, da er ja immer wiederholt, dass Glennon der Starter 2017 ist. Aber nach dieser Leistung muss dieser Plan doch zumindest überdacht werden. Mike erzielte 301 Passing Yards. Warf dabei zwei Interceptions, wovon eine direkt in einen Touchdown umgewandelt wurde und fumbelte zusätzlich den Ball bei einem Sack. Dieser Fumble resultierte auch in einem Touchdown. Nach meinen Berechnungen ist Glennon damit für die Hälfte der gegnerischen Punkte verantwortlich. Doch Fox will unbedingt das gesamte Team dafür verantwortlich machen und geht mit seinem Starter:

„Das waren nicht Mike Glennon’s Bears. Es waren die Chicago Bears. Es war das gesamte Team.“

Wie bereits auf dieser Seite erwähnt. Der selbe Coach, der Jay Cutler im letzten Jahr nicht den Startjob nach seiner Verletzung garantieren wollte, gibt Mike Glennon jetzt nach schwächeren Spielen Rückendeckung. Nicht nur das. Er kritisiert lieber andere Spieler für die schlechte Leistung:

“I’m not sure we ran a real clean route on the out-cut.” – „Ich bin mir nicht sicher, ob wir (Bellamy) eine saubere Route beim Out-Cut gelaufen sind.“

Und Glennon reiht sich ein in die Kritik:

“Second one, (Josh Bellamy) kind of turned around the nickel a little bit, so I thought when he broke out that he was going to win. Obviously, not the case.“ – „Die Zweite (Interception), (Bellamy) drehte sich um den Nickelback, deshalb dachte ich, wenn er ausbricht, wird er gewinnen. Das war wohl nicht der Fall.“

Mein alter Lehrer pflegte schon zu sagen. Wenn ein Satz mit „ich dachte“ anfängt, kommt meistens was Dummes dabei raus. Mit solchen Aussagen macht sich Glennon auf jeden Fall keine Freunde in der Umkleidekabine.

Mike Glennons Stärken als Quarterback lägen in dem was er vor dem Snap macht, sagte vor kurzem Offensive Coordinator Dowell Loggains. Leider muss Glennon aber auch den Ball irgendwann aufnehmen. Dann soll er eigentlich die große Stärke der Ballsicherheit besitzen. Nach drei verschuldeten Turnovern im letzten Spiel, kann ihm die jetzt keiner mehr attestieren. Danach folgt ein hölzernes Footwork, ein schwacher Arm, geringe Genauigkeit und ein fast gefrorenener Blick auf den ersten Receiver. Er spielt nicht nur schlecht. Er bringt andere Mitspieler sogar in Gefahr. Tarik Cohen musste in beiden Spielen extrem harte Hits einstecken, weil sein QB nicht in der Lage war, ihm den Ball in den Lauf zu spielen. Dass er eine gute Offensive Line mittlerweile wie einen Haufen Versager darstehen lässt, nehme ich persönlich. Im ersten Saisonspiel hat Guard Josh Sitton ihm bereits im ersten Quarter nach einem unnötigen Sack noch auf dem Feld die Leviten gelesen.  Das Runningback Corps der Bears zählt zu den besten der Liga. Ohne Gefahr bei tiefen Bällen, können Howard und Cohen aber keine einzige Lücke finden. Zugegeben, ich habe in ihm auch mehr gesehen bei seiner Verpflichtung. Ich habe mir Tapes aus seiner College Zeit und seines ersten Jahres bei den Bucs angesehen und bin davon ausgegangen, dass er sich auf allen Ebenen zumindest leicht verbessert hat. Was ich nicht ahnen konnte, dass er es geschafft hat sich sogar zu verschlechtern.

Aber es ist kein Wunder. Während Trubisky emsig sein Training abspult und häufig der letzte ist, der Halas Hall am Abend verlässt, hat Glennon nichts besseres zu tun als pausenlos das Quarterback Battle klein zu reden. Man sollte doch eigentlich annehmen, dass er etwas aus seinem letzten Duell mit Winston gelernt hat. Stattdessen sehe ich da nur den schlechtesten Quarterback den ich in diesem Trikot je erlebt habe. Das sagt jemand, der den Super Bowl 2007 miterleben durfte, nachdem jeder Experte sagte, mit jedem Quarterback der nicht Rex Grossman heißt, hätten die Bears gewonnen. Ab heute sage ich, mit jedem Quarterback der nicht Mike Glennon oder Rex Grossman heißt.

John Fox muss aufwachen oder er geht mit Glennon unter. Er will den Quarterback nicht verantwortlich machen, für etwas, wofür er verantwortlich ist. Die letzten beiden Wochen waren ein DejaVu der letzten Saison. Mit Drops in der Endzone kurz vor Schluss hat das Team letztes Jahr gegen die Titans verloren und mit zwei Interceptions, einem Pick Six und einem Strip-Sack-Fumble verloren die Bears 2016 mit 36-10 gegen die Buccaneers.

Unser Head Coach hat seit zwei Jahren immer dieselben Antworten parat:

„Es war nicht alles schlecht.“ oder „Wir hatten auch gute Sachen dabei.“ oder „Wir sind ein gutes Football Team, aber es zahlte sich nicht aus.“

Wie auch immer, nach drei Jahren des Umbaus muss das Team weiter sein. Zumal die Rookie Classes der letzten Jahre endlich wieder verheißungsvoll aus Sicht der Bears waren. Fox Record bei den Bears liegt jetzt bei 9-25 und eine erneute Niederlage in der Höhe gegen den selben Gegner zeigt, dass sich das Team nicht so weiterentwickelt hat, wie erwartet. Hinzu kommt, wie unvorbereitet und unmotiviert die Bears oft in die Spiele gehen. Und dann sitzen noch sehr talentierte Spieler das gesamte Spiel auf der Bank. Fox glaubt, er habe die Spieler korrekt evaluiert und lässt die Besten spielen, eingeschlossen vor allem Mike Glennon. Aber das kann nicht sein ernst sein. Er ist nur verleitet so etwas zu sagen, weil er Trubisky nicht verheizen möchte.

Es gibt aber keinen Grund, Mitch Trubisky zu schützen. Er ist weiter in seiner Entwicklung als erwartet, er hat einen starke Offensive Line und ein gutes Laufspiel zur Unterstützung. Ihm fehlen lediglich gute Receiver als Anspielstation. Doch mit Practice Squad Receivern gelang ihm in der Preseason jeweils ein Passer Rating von über 100. Bei Derek Carr sagte man vor ein paar Jahren ähnliches. Dass man ihn in dieses unerfahrene und schlechte Team hereinwerfen würde, verheize ihn. Gute Spieler werden nicht verheizt. Gute Spieler machen ein Team immer besser. Carr gewann zwar mit schlechten Receivern nur drei Spiele in der Saison, aber heute zählt er zu den besten Quarterbacks des Landes und klopft an die Tür zum Super Bowl. So schlimm können die negativen Erfahrungen wohl nicht gewesen sein im ersten Jahr. Sein großes Plus in Jahr 2 als er mit Amari Cooper und Michael Crabtree endlich zwei gute Anspielstationen erhielt. Er machte keine dummen Rookie Fehler mehr. Und im Vorjahr spielten diese Fehler keine Rolle, weil das Team eh schlecht war.

Fazit

Jeder Mannschaftssportler weiß, in dieser Situation, in der die Spieler nicht der selben Meinung wie die der Coaches sind und in der das Team verliert, dass der Ärger in der Umkleide vorprogrammiert ist. Zumal man zwischen den Zeilen immer wieder liest, dass Offensive Coordinator Loggains auch nicht der selben Meinung wie sein Head Coach ist. Viel dringt nicht nach außen aus Halas Hall. Und das ist auch gut so. Aber Aussagen, wie die Lohpudelei Loggains über Trubisky und dass er nicht dasselbe System wie jetzt spielen würde mit ihm. Oder auch, dass Loggains Trubisky im persönlichen Gespräch in der Preseason mitteilen durfte, dass er im dritten Spiel Reps mit den Startern erhalten würde, obwohl Fox vorher klar machte, dass es keine Änderung im Plan gebe. Nicht Fox, Loggains durfte es ihm sagen. Ich finde, dass lässt diesen Interpretationsspielraum zu, zumal ich in der Vergangenheit bereits häufiger richtig mit solchen Vermutungen lag. Manager Pace war auch nicht begeistert, als Trubisky am Ende des vierten Preseason Games noch einmal auf das Feld geschickt wurde und einen bösen Hit einstecken musste.

Meine Prophezeihung, die ich aus allen gesammelten Informationen schließe: John Fox geht mit Glennon unter. OC Loggains und QB Coach Dave Ragone werden in den Trainerbesprechungen immer mehr Druck auf Fox aufbauen. Wenn Fox endlich einlenken will, wird es schon zu spät sein. Pace wird sich einmischen und den Head Coach entlassen. Loggains wird als Interimslösung vorgestellt und Trubisky ist ab sofort der Starting Quarterback der Bears. Somit erhält das Team die Möglichkeit, endlich zu zeigen, was es tatsächlich kann. Auch der Offensive Coordinator muss dann endlich seinen Wert unter Beweis stellen.

Zum Schluss noch ein versöhnliches Wort über Glennon und der Umgang mit Profi Sportlern in der Öffentlichkeit im Allgemeinen. Ich kritisiere hier lediglich die Leistung von Mike Glennon und nie seine Person. Das kann ich gar nicht und maße mir so etwas auch nicht an. Gerade in den sozialen Netzwerken und der „Yellow Press“ sollte ein vernünftiger Umgang mit Sportlern geführt werden. Auch wenn seine Leistungen für einen NFL Starter nicht reichen, so gehört Glennon doch zu den Menschen, die in der besten Football Liga der Welt spielen dürfen. Und das muss ihm ja auch erstmal jemand nachmachen. Das sollte bei all der Kritik nicht vergessen werden.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".