Draft Watch: College Woche 3

Quelle: Go Joe Bruin

Es sind nicht viele Spiele in einer Saison. Um so entscheidender ist jede Leistung in jedem einzelnen Spiel. Heute werden wir neben neuen Teams auch einen alten Bekannten aus der ersten Woche dabei haben. Hierbei können wir einmal die bisherigen Prospects im Auge behalten und den Blick auf weitere relevante Spieler im Team lenken.

18:00Uhr: UCLA @ Memphis

Es gibt kaum ein spannenderes Thema der ersten Wochen aus Draft Perspektive als die Frage, wer der beste Quarterback im nächsten Draft sein wird. Heute schauen wir uns zwei an. Um 18:00Uhr spielt Josh Rosen mit UCLA gegen Memphis. Nach seinem Freshman Jahr zum nächsten leuchtenden Stern am Himmel erkoren, verpuffte dieser im zweiten Jahr. Eine längere Verletzung trug ihr übriges dazu bei. Rosen ist sehr umstritten. Die einen sehen in ihm den nächsten Aaron Rodgers. Keine Frage, bei seinem Arm.

Er besticht durch Genauigkeit und Kraft. Andere wiederum halten ihn für den nächsten Christian Hackenberg. Ein Freshman Wunder, dass nie wieder an die gezeigten Leistungen anknüpfen konnte. Und diese Kritik lässt sich begründen. Viele Scouts haben bereits jetzt Zweifel an seiner Trainingseinstellung. Er sei ein Poser, ein Blender! Da ist leider was wahres dran. Seine Kritiker kann er nur auf dem Platz zum Schweigen bringen. Verschwendet er sein Talent oder schlägt er endlich den richtigen Weg ein? Wir werden sehn.

Die Offensive Line kann ihn bei seinen Bemühungen unterstützen. Allen voran Scott Quessenberry. Der athletische Pass Blocker der Bruins wurde bereits als Center und Guard eingesetzt. Seine Zukunft liegt eher auf der Guard Position. Ein großes Plus. Bisher blieb Quessenberry von Verletzungen verschont. Obwohl sehr athletisch, versteht er es nicht dies in Kraft umzumünzen. Deshalb ist er als Run Blocker viel zu schwach. Kann er sich hier in diesem Jahr verbessern, zählt er zu den besseren Guards im nächsten Draft.

Wer auf der Suche nach Prospects auf der Linebacker Position ist, der wird bei diesem Spiel den Fokus auf Kenny Young (UCLA) und Genard Avery (Memphis) legen. Beide haben gute Maße und sind den Scouts durch gutes Tackling aufgefallen.

Im Team von Memphis befindet sich ein sehr produktiver Receiver. Mit 5’11 und 190 lbs ist Anthony Miller als zukünftiger Nr.1 Receiver in der NFL ein wenig zu klein, aber mit 95 Receptions für 1.434 Yards dürfte er ein relevanter Prospect für die Slot Position sein. Und die wird immer wichtiger bei den Profis. Ehrlich gesagt, habe ich von ihm noch nichts gesehen. Deshalb bin ich gespannt auf seine Hände und wie passabel er bereits die vorgegebenen Routen läuft.

21:30Uhr: Notre Dame @ Boston College

In Woche 1 drehte sich alles um Equanimeous St. Brown. In diesem Spiel richtet sich der Blick aufgrund des Gegners vor allem auf die Offensive Line. Mike McGlinchey ist ein vielversprechendes Talent auf der Position des Left Tackle. Auf der rechten Seite hat er mir besser gefallen, im letzten Jahr hatte er auf Links einige Probleme. Mit 6’7″ und 310 lbs ist er ein großer und exzellenter Run Blocker. Gegen schnellere Pass Rusher muss er sein Können allerdings noch unter Beweis stellen. Er wird sich hier mit den Besten duellieren müssen. Seine Leistungen werden daran gemessen. Stärker ist derzeit Quenton Nelson einzuschätzen. Der Guard ist das Herz und die Seele der Offensive Line der Fighting Irish. Mit vereinter Kraft ebnete sie im letzten Jahr den Weg für 5,63 Laufyards pro Carry. Nelson hat schon jetzt eine bemerkenswerte Technik, ist schnell und kräftig.

Diese Mauer stellt sich nun einem der besten Pass Rusher der Nation in Harold Landry. Mit 6’3″ und 250 lbs hat Harold die selben Maße wie Von Miller. Genau wie Miller kehrt Landry zurück ans College, nachdem er mit 16,5 Sacks im letzten Jahr den Schulrekord gebrochen hat. Die Gründe dafür sind selbstlos. Seine Verlobte ist schwanger und er möchte so hoch wie möglich gedraftet werden, um seine Familie zu unterstützen. Er ist etwas klein für einen Defensive End, aber so lange er weiterhin Sacks produziert, wird es kein Problem darstellen. Gegen die Offensive Line der Fighting Irish erwartet ihn allerdings ein sehr hochwertiges Kaliber an Blockern. Kann er sich durchsetzen, wird es seine gewünschte frühe Draftposition untermauern. Kommt er in Schwierigkeiten, wird er sich Fragen der Scouts gefallen lassen müssen. Landry kommt meistens über die linke Seite und wird in diesem Spiel häufig als Run Stopper getestet werden.

02:30Uhr: Texas @ USC

Erfahrene College Fans erinnern sich gern zurück an das vielleicht größte Spiel aller Zeiten. Der 92. Rose Bowl in Pasadena/Kalifornien am Ende der 2005er Saison war gleichzeitig das Spiel um die nationale Meisterschaft. Die beiden ungeschlagenen  Champions der Big12 und der Pac12 lieferten sich vor fast 94.000 Zuschauern ein Duell auf Augenhöhe, dass die Longhorns erst kurz vor Schluss mit 41 zu 38 und einem kontroversen Last-Minute Touchdown (war Youngs Knie schon unten?) für sich entscheiden konnten. Damit endete die Serie von USC, zum dritten Mal in Folge die Meisterschaft zu gewinnen. In den Starting Lineups befanden sich mit Matt Leinart und Reggie Bush gleich zwei noch aktive Heisman Trophy Gewinner. Die MVPs waren keine geringeren als Vince Young und Michael Huff. Allein neun gültige College Rekorde wurden in diesem Spiel eingestellt. Selbst neue College Fans können erahnen, was dass für ein Spiel gewesen sein muss.

In diesem Re-Match kommen wir zum nächsten hoch angesehenen Quarterback für den Draft. Sam Darnold spielte bei den USC Trojans im letzten Jahr eine überzeugende Saison, nachdem er am dritten Spieltag den eigentlichen Starter verdrängte. ESPN College Analyst Kirk Herbstreit fasst seine letztjährigen Leistungen ganz gut zusammen:

Besonders positiv hebt er seine Entscheidungsfindung und seine Genauigkeit heraus. Seiner Meinung nach die wichtigsten Attribute eines zukünftigen NFL Quarterbacks. Gepaart mit seiner mentalen Belastbarkeit und seiner Pocket Awareness hält er ihn für den besten Quarterback derzeit am College. Doch gute College Quarterbacks gab es an der USC zuvor viele. In der NFL sind die meisten gehypten Talente dann jedoch gefloppt. Aus der Perspektive von Herbstreit (College) also ein Top Prospect. Doch wie es um den nächsten Schritt zu den Profis bestellt ist, darauf werden Scouts einen Schwerpunkt legen. Es braucht mehr um ein guter NFL Quarterback zu werden. Besitzt Darnold die nötige Arm Strength und wie ist es tatsächlich um seine Entscheidungsfindung und Pocket Awareness bestimmt, wenn das ganze Spiel deutlich schneller abläuft und der Druck sich erhöht? Seine Genauigkeit hat definitiv Profi Niveau.

Sein Hauptziel ist Receiver Deontay Burnett. Mit 6’0 und 170 lbs ist er sehr leicht für seine Größe, aber auch sehr schnell und bietet sichere Hände für Darnold. Wie bei Dede Westbrook im letzten Jahr muss er einfach mehr Masse zulegen um in der NFL bestehen zu können. Derzeit profitiert er mir auch zu sehr von der Genauigkeit und Feldübersicht von Darnold. Morgen spielt er gegen Cornerback Holton Hill. Mit 6’3 und 179 lbs braucht der auch ein paar Kilos mehr. Ein weiteres Ziel für Sam Darnold ist Runningback Ronald Jones. Er ist verdammt schnell und hat für einen College Runningback wirklich sehr hohe Receiving Fähigkeiten. NFL Scouts würden sicherlich gerne häufiger sehen, wie er sich bei Läufen zwischen den Tackles schlägt. Kann er das auch, gehört er zu den besten Prospects auf seiner Position im nächsten Jahr.

Jones erwartet ein schweres Matchup. Linebacker Malik Jefferson ist der Chef der Longhorns Defense. Habe ich im vergangenen Draft Podcast im April noch gesagt, ein Talent wie Reuben Foster gibt es nicht jedes Jahr, muss ich das zurücknehmen. Jefferson ist sogar noch besser. Niemand erkennt derzeit eine Schwäche bei ihm und kann er an seine bisherigen Leistungen anknüpfen, ist er unter den frühen Picks am ersten Tag des Drafts zu finden.

Wer jetzt denkt, die Texas Longhorns haben für den ersten Tag des Drafts nur ein Eisen im Feuer, den muss ich enttäuschen. Offensive Tackle Connor Williams ist nach den im letzten Jahr gezeigten Leistungen derzeit in meinen Augen der beste Offensive Tackle im nächstjährigen Draft und deutlich besser als die stärksten der letzten Draft Class. Er gehört zu den wenigen kompletten Tackle Spielern, die es in der heutigen Zeit noch gibt. Verwunderlich ist nur, dass er in den ersten beiden Spielen unter seinem neuen Coach Probleme beim Anpassen an das neue System zeigt. Natürlich kann das Fragezeichen aufwerfen, falls diese Schwierigkeiten die gesamte Saison anhalten. Sollte er sich allerdings bald ähnlich gut zurechtfinden wie im letzten Jahr, verbessert dies seine Bewertung nur umso mehr. Damit zeigt er den NFL Teams, wie anpassungsfähig er auf System Veränderungen reagiert. Pass Rusher Porter Gustin wird ihn hoffentlich testen. Gustin ist bisher seinen Ansprüchen nicht gerecht geworden. Viele erwarten aber endlich seinen Durchbruch. Gegen den besten Tackle des Landes sicherlich ein guter Zeitpunkt. Allerdings hat er sich vor kurzem einen Zeh gebrochen und musste operiert werden. Derzeit konnte sein Coach noch nicht sagen, ob er am Samstag auflaufen wird.

Ein weitererer hoch dekorierter Fünf-Sterne-Rekrut in der Defense der USC Trojans, der bisher noch nicht alle Erwartungen erfüllen konnte, ist Linebacker Cameron Smith. Er taucht deshalb natürlich in Mainstream Mock Drafts dennoch ständig in der ersten Runde auf. Jedoch hat er mir dafür noch zu wenig gezeigt. Er ist gut, aber gerade in der Coverage muss er nachlegen. Er nimmt es mit Longhorns Runningback Chris Warren auf. Der Modell-Athlet ist ein typischer Runningback, wie er oft an den High Schools im südlichen Teil der USA zu finden ist. Er beerbt Dont’a Foreman und von ihm wird der neue Coach ähnliches erwarten. In den ersten Spielen nach langer Verletzungspause konnte Warren ein erstes Ausrufezeichen setzen. Doch gegen USC muss er seine Fähigkeiten unter härteren Bedingungen beweisen.

Bis dahin, viel Spaß bei den Spielen. Auch wenn gerade das letzte Spiel auf dem Papier nach einer einseitigen Sache aussehen mag, kann ich nur sagen, dass es vor allem in prestigeträchtigen Begegnungen wie dieser, mit klarem Außenseiter, doch in jedem Sport die größten Überraschungen gibt. Man muss sich doch wundern, warum die Longhorns trotz dieses Talents im Kader erneut so holprig in die Saison gestartet sind.

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philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".