Draft Watch: College Woche 2

Saturday Blitz

Nachdem wir uns in der letzten Woche an den ersten Spielen der noch jungen College Saison ergötzen konnten, geht es nun in Woche 2. Behaltet die gezeigten Leistungen des letzten Spieltags im Hinterkopf. Im weiteren Saisonverlauf kommen wir darauf zurück und schauen nach, ob die Prospects beständig auf ihrem Niveau weiterspielen konnten und wie sie vor allem in engen und brisanten Spielen auf ihre Fähigkeiten bauen können.

21:30Uhr: Pittsburgh @ Penn State

Die Penn State-Pittsburgh-Rivalität blickt auf eine 124-jährige Geschichte! zurück und zählt zu den ältesten Sportrivalitäten im College Football. Das Duell im Staat Pennsylvania wird ein großartiges Spiel. In solchen Spielen versuchen Scouts in besonderer Weise zu beobachten, wie Spieler mit Drucksituationen umgehen und wie es um ihre Wettkampfhärte bestimmt ist.

Quarterback Max Browne erhält in diesem Spiel eine besondere Erwähnung. Max wer? Max Browne spielt seit diesem Jahr für Pittsburgh. Zuvor wurde er als 5-star-Recruit und bester Quarterback seines Jahrgangs von der USC verpflichtet und wurde nach dem Weggang von Cody Kessler zum Saisonbeginn 2016 ihr Starter. Jetzt werdet ihr sagen, der Starting Quarterback der USC Trojans heißt doch Sam Darnold. Richtig, allerdings setzte sich Browne zunächst gegen ihn durch, musste aber nach drei Spielen seinen Platz hergeben. Zum Jahreswechsel zog es Browne nach Pittsburgh. Ähnlich wie bei seinem Vorgänger Nathan Peterman versucht es der Pro-Style Quarterback nun bei Offensiv Stratege Pat Narduzzi, von dem er seine letzte Chance erhält, sich für die NFL zu beweisen. Max Browne hat einen sehr starken Arm und persönlich bin ich gespannt, ob er endlich zeigen kann, was er drauf hat. Aus NFL Quellen erfährt man, dass Browne bei vielen Teams immer noch unter den Top 3 auf der Watch Liste steht. Es besteht also die Möglichkeit, dass sich am Ende der Saison alle die Augen reiben, die bisher Allen, Rosen und Darnold ganz oben im nächsten Draft gesehen haben. Vor allem nach weiteren eher mäßigen Leistungen, wie die, die in  Woche 1 von den bisherigen Spitzenkandidaten gezeigt wurden.

Browne muss mit seiner Offense zwar den Weggang von Runningback James Conner verkraften, allerdings hat er mit Jester Weah einen echten Nummer 1 Wide Receiver zur Unterstützung. Mit 6’3″ und 210 lbs hat er Gardemaß und die nötige Schnelligkeit und das Durchsetzungsvermögen, um ein ordentliches Ziel für ihn abzugeben.

Das braucht er in der Big Ten allerdings auch. Die Conference ist gespickt mit talentierten Secondarys. Penn State hat eine davon. Cornerback Grant Haley wird mit 5’9″ wohl zu klein für die NFL sein. Da kann er nichts machen, außer jede Woche zu beweisen, dass er es doch kann. Dann hätte er, aufgrund seines starken Run Supports, eventuell eine Chance als Nickelback gedraftet zu werden. Gegen einen viel größeren Weah dürfte er es schwer haben. Browne sollte seinen Receiver so ins Spiel bringen, dass dieser Vorteil ausgespielt wird. So können die Beiden NFL Scouts überzeugen. Schafft es Haley trotzdem das Passspiel zu limitieren, dürfte er wiederum seine Kritiker in diesem Spiel zum Schweigen bringen.

Zur Hilfe wird Haley und der Defense von Penn State Safety Marcus Allen eilen. Auffällig ist Allen vor allem als harter Hitter und als zusätzlicher Rusher an der Line of Scrimmage. Doch in diesem Spiel sind seine Qualitäten auch in der Tiefe der Defense gefordert. Dies gilt es unter Beweis zu stellen.

Mir ist bewusst, dass Penn State mit Mike Gesicki einen sehr guten Tight End besitzt und Runningback Saquon Barkely vielleicht ein kommender NFL Superstar sein könnte. Aber die Defense der Panthers ist kein adäqauter Herausforderer um ihre Fähigkeiten genauer zu beleuchten. In späteren Spielen der Nittany Lions komme ich aber definitiv auf die Beiden zu sprechen.

01:30Uhr: Oklahoma @ Ohio State

Hier geht es nicht zuletzt um eine mögliche Vorentscheidung im Rennen um die heiß begehrten Playoff Plätze. Dieses Spiel wird hart umkämpft sein und vor allem an der Line of Scrimmage entschieden.

Häufig wird in viel zu frühen Mock Drafts Orlando Brown von den Sooners sehr hoch in den Top Ten gepickt. Klar, nach dem enttäuschenden letzten Draft sehnen sich die Teams nach einem guten Offensive Tackle. Doch ist der Hype berechtigt? Der ehemalige Chef Scout der Chicago Bears Greg Gabriel hat sich im Sommer Tapes der vergangenen Saison von ihm angesehen. Sein Urteil ist vernichtend:

„I have to say that I’m disappointed after reading all the hype. If Brown is the top tackle, then the 2018 class will be as disappointing as the 2017 class was.“

Aus meiner Sicht ist Brown derzeit nicht der beste Tackle der Draftclass 2018. Deshalb können wir aufatmen. Derzeit bin ich überzeugt, dass es Stärkere als ihn gibt. Doch er darf uns gern eines Besseren belehren. Gegen den Pass Rush der Buckeyes um Dre’Mont Jones, Sam Hubbard und Tyquan Lewis werden seine Fähigkeiten einer harten Belastungsprobe unterzogen. Während bei Jones die größten Fragezeichen sind, inwiefern er von Hubbard profitiert, ist Sam bisher über jeden Zweifel erhaben. Er kann fast alles, was in der NFL gefordert ist. Nur mit größeren Offensive Tackles hatte er bisher so seine Probleme. Brown ist 6’8″ groß. Daher wird er erneut auf diese Schwäche getestet werden. Mit Tyquan Lewis steht der Big Ten Defensive Linemen of the Year in der Front Seven der Buckeyes. Viele waren überrascht, als er nicht für den 2017er Draft deklarierte. Zumal er bereits sein Studium abgeschlossen hat. Jetzt kann er sich ganz auf Football konzentrieren. Bestätigt er seine Performance, ist er definitiv ein Erstrundenpick.

Für die Sooners gilt es jede freie Sekunde im Passspiel zu nutzen. Schließlich möchten sie ihre Receiver und allem voran Tight End Mark Andrews so viel wie möglich einbeziehen. Im letzten Jahr konnte er aufgrund einer Verletzung nicht so überzeugen, wie im Vorjahr. Oklahoma wünscht sich von ihm eine Playmaker Rolle. Füllt er sie aus, könnte er auf den Big Boards der NFL Teams bei den Tight Ends ganz nach oben klettern. Sein überragendes Talent in der Red Zone hat er bereits unter Beweis gestellt. Im letzten Spiel auch zunächst die Playmaker Rolle.

Allerdings kommt gegen Ohio State der erste wirkliche Test seiner Qualitäten. Mit 6’5″ und 250 lbs ist er sehr athletisch und dass, was man einen Receiving Tight End nennt. Seine Fähigkeiten als Blocker hat er uns leider noch nicht zeigen dürfen. Er hat derzeit gute Chancen im Draft 2018 der nächste Evan Engram zu sein. Andrews ist womöglich der beste Tight End dieses Jahrgangs, es ist aber noch Luft nach oben.

So schön in Szene setzt ihn Sooners Quarterback Baker Mayfield. In zwei aufeinanderfolgenden Jahren war er am Ende der Saison unter den Top 3 der Heisman Kandidaten. Er hält den Allzeit-Rekord für die höchste Saison Completion Rate. Man kann ihm unterschreiben, dass er eine bemerkenswert hohe Genauigkeit in seinen Würfen hat und dass er zu den besten College Quarterbacks des Landes gehört.

Doch in der NFL sind auch weitere Attribute gefordert. Auf Druck reagiert er viel zu früh und zu hektisch. Mit 6’1″ ist er zu klein. Nun ja, Quarterbacks wie Drew Brees oder Russell Wilson beweisen uns allerdings seit Jahren, dass die Größe allein kein K.O.-Kriterium mehr sein sollte. Der Umgang mit Druck kann gecoached werden. Ich sehe ihn daher als relevanten Quarterback Prospect für den nächsten Draft. Ob er aber in der NFL mithalten kann, dazu bekommen Scouts an diesem Wochenende einen hervorragenden Einblick. Die Buckeyes bringen die wohl stärkste Defense auf das Feld, mit der sich Baker in dieser Saison messen muss. Im letzten Jahr zeigte er gegen Ohio State seine schlechteste Saisonleistung. Bestätigt es sich, dass Mayfield nur gegen schwache Defenses glänzen kann, ist er schneller von den Big Boards, als er vor einem drohenden Sack wegscrambelt. Zumal er im Frühjahr wegen Trunkenheit am Steuer von der Polizei in Gewahrsam genommen wurde. Das sehen die Verantwortlichen der Profi Teams nicht gern.

Bis dahin aber erstmal ein paar Highlights. Ich muss zugeben, dem American Football würde etwas fehlen, wenn er sich nicht für die NFL qualifizieren kann. Ähnlich wie bei Patrick Mahomes im letzten Jahr, macht es unglaublich viel Spaß Baker Mayfield bei der Arbeit zuzuschauen. Erinnert an Johnny Manziel wie er sich immer wieder befreit und aus dem Unmöglichen noch etwas zaubert.

 

Wechselt der Ball die Seiten sehen wir ein weiteres spannendes Duell. Jordan Thomas in den Reihen der Sooners ist ein sehr guter Defensive Back. In diesem Spiel nimmt er es mit Parris Campbell auf. Thomas wäre sicherlich ganz oben auf den Big Boards, aufgrund seiner Größe (6’0″), seiner Athletik und seiner Produktion (5 INT, 1 TD in 2016). Jedoch wurde er aufgrund seines Verhaltens abseits des Platzes bereits zweimal am College suspendiert. Auch das werden Scouts in Betracht ziehen. Allerdings wird er nicht so häufig auf Campbell treffen, wie er es sich vielleicht wünscht. Denn Parris‘ neue Rolle wird es sein, in die Fußstapfen von Curtis Samuel zu treten. Damit geht er weg von seiner Wideout-Rolle, die ihm nach eigenem Bekunden nicht so gut gelegen hat, hinüber zur H-Back-Rolle im Urban Meyer System. Nach Harvin und Samuel möchte Campbell nun der Nächste sein, der es auf dieser Position in die NFL schafft, bei der er quasi überall auf dem Feld zu finden sein wird und auch im Laufspiel eingesetzt wird.

Apropos Laufspiel. Im Letzten Spiel der Buckeyes setze Freshman Dobbins ein erstes Ausrufezeichen. Relevant für den nächstjährigen Draft ist jedoch ein anderer. Mike Weber kommt zurück von einer kleineren Verletzung (Hammy) und muss sich in diesem Spiel erst einmal die Starter Rolle zurückerkämpfen. Im letzten Jahr noch unter den Heisman Kandidaten, könnte ein schwacher Auftritt gegen die Sooners seine zukünftigen Einsatzzeiten stark limitieren und damit auch seine Aussichten auf einem höheren Platz auf den Big Boards der NFL Teams. Weber ist ein typischer Bell Cow Runner. Mit sehr physischen Läufen vor allem durch die Mitte, könnte er, sofern er sich im Kaderduell gegen Dobbins durchsetzt, ein frühes Ziel im nächsten Draft sein.

04:30Uhr: Boise State @ Washington State

Ja, es wird spät an diesem Wochenende und viele werden sich fragen, warum sie gerade für dieses Spiel wach bleiben sollten. Ganz einfach, Boise State und Washington State haben in den letzten Jahren sehr talentierte Prospects für die NFL hervorgebracht. Diese Spieler schwammen dabei aber bis zum Draft fast immer unterm Radar. Beide Colleges rekrutieren in der Regel nicht die 5-Sterne-Athleten. Aufgrund ihres hervorragenden Coachings schaffen die Teams es aber in den letzten Jahren immer mehr zukünftige NFL Spieler zu entwickeln.

Nun gut, von Luke Falk dürfte man mittlerweile etwas gehört haben. Er ist ein Paradebeispiel für die gute Arbeit, die an der Washington State geleistet wird. Denn Falk war nur ein 2-star-recruit als er von der High School ans College wechselte und fand somit nur in den lokalen Nachrichten Erwähnung. Er ist ein sehr tougher Quarterback, der sich nicht von harten Hits beeindrucken lässt und überzeugt durch seine hohe Genauigkeit. Seine Arm Strength ist fraglich. Er spielt in einer Air-Raid-Offense, weshalb wir uns von herausragenden Stats nicht blenden lassen sollten. Zugegeben, die Liste ist lang mit Quarterbacks aus diesen Offenses, die es auf dem nächsten Level nicht geschafft haben, da diese Spieler zumeist keine Pre-Snap-Entscheidungen treffen und wenig Wert auf ihr Footwork legen müssen. Ist Falk die Ausnahme? Zumindest einer der Autoren im BDG-Team wird es sich aus privaten Gründen garantiert wünschen.

Unterstützt wird Falks Passing Game von seiner Offensive Line. Hier muss sich gerade bei einer System-Offense jeder Spieler in der Einzelkritik bewähren und die Scouts schauen genau auf die Techniken. Footwork, Hände, Spielintelligenz, Oberkörper, eben alles was dazu gehört. Guard Cody O’Connell kann bereits viel davon und ist definitiv auf der Beobachtungsliste der Scouts. Meiner Meinung nach findet er derzeit von „Experten“ zu wenig Beachtung. Der Bursche ist vielleicht sogar der beste Guard im nächsten Draft. Right Tackle Cole Madison erlaubte in der letzten Saison nur zwei Sacks und war ein wichtiger Faktor im Laufspiel. Er erhält offensichtlich Bestnoten. Doch Produktion ist eben in diesem System ein Trugschluss. Bei Beiden werden wir auf jedes Detail achten.

Nicht nur in der Offense, auch in der Defense haben die Cougars Talente. Hercules Mata’afa gibt der Defensive Line und dem Pass Rush einen Schub nach vorne. Er wird aber bisher in der Aufzählung der talentierteren DLiner kaum erwähnt. Unverständlich schaut man sich seine Tapes an:

Schön durchgetankt. Ein gutes Beispiel dafür, wie intensiv seine Spielweise ist und welche Technik und Schnelligkeit er dabei besitzt.

Boise State präsentiert uns in diesem Jahr vor allem in der Offense interessante Prospects. Receiver Cedrick Wilson und Tight End Jake Roh haben bisher ebenfalls kaum Erwähnung gefunden. Mit 6’3″ und 187 lbs bezeichnet Wilson sich selbst trotzdem als Speed Receiver. Bei solchen eigenen Worten wird man doch neugierig. Der ehemalige High School Quarterback hat unter Receiver Coach Junior Adams viel gelernt und seine Leistungskurve zeigt steil nach oben. Roh ist ein Receiving Tight End. Bei seinen Maßen mit 6’3 und 227 lbs geht er eigentlich sogar noch als Wide Receiver durch. Im letzten Jahr wurde seine bisher beeindruckende College Karriere durch eine Knieverletzung jäh gestoppt. Jetzt ist er genesen und möchte an seine vergangenen Leistungen anknüpfen. Da bleibt man doch gerne länger wach!

Wie bereits von letzter Woche gewohnt, weise ich darauf hin, dass gern unter dem Artikel diskutiert werden darf. Ich freue mich auf spannende Begegnungen und Bereicherungen eurerseits!

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".