Draft Watch: College Woche 1

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Die College Saison startet am Wochenende und Beardown Germany ist von Anfang an mit dabei. In Zukunft wird es an dieser Stelle vor jedem Spieltag eine Übersicht der interessantesten Spiele des Spieltages geben, immer mit Blick auf den nächsten NFL Draft 2018. Selbstverständlich gibt es weitere sehenswerte Begegnungen. Wir schreiben euch nicht vor, was ihr sehen sollt, wir geben lediglich eine Empfehlung ab, die Auswahl habt ihr! Alle relevanten Prospects finden nicht in jedem Artikel Erwähnung. Für die nächsten Wochen möchten wir uns ja noch weitere Informationen vorbehalten.

Zu Beginn der Saison achte ich vor allem auf die Entwicklung der Prospects gegenüber dem Vorjahr unter den Gesichtspunkten Athletik und Fähigkeiten. Für die Spieler geht es schon jetzt darum, die Scouts zu beeindrucken und ihre vergangenen Leistungen zu bestätigen. Ansonsten verschwinden sie ganz schnell von den Watch Listen der NFL Scouts.

18:00Uhr: Wyoming @ Iowa

Bereits vor dem letzten Draft wurde sein Name oft genannt. Wyomings Quarterback Josh Allen. Ein Personalchef eines NFL Teams legte sich schon im April fest: Allen ist der Nummer 1 Pick im NFL Draft 2018!

Nun gut, bis dahin hat er noch eine Saison zu spielen und alle anderen Anwärter ebenso. Da Allen in der Mountain West spielt, wird er nicht viele Chancen bekommen, seine Qualität auf höchstem Niveau unter Beweis zu stellen. Andere Quarterback Prospects werden definitiv häufiger vor größere Herausforderungen gestellt. Gerade deshalb ist es immens wichtig für ihn, bereits in Iowa sein Können unter Beweis zu stellen. Vor über 70.000 Zuschauern im Kinnick Stadium spielen seine Cowboys gegen ein Team, dass der Big Ten, einer der großen fünf Conferences angehört und sich dort in den letzten Jahren mehr als behaupten konnte.

Der Prototyp eines Quarterbacks mit 6’5″ und 235 lbs wird ein verändertes Team auf das Feld führen. Die erste Herausforderung wird sein, wie er sich ohne Runningback Brian Hill und seine wichtigste Anspielstation Receiver Tanner Gentry (der gerade bei den Chicago Bears mitten in der Vorbereitung steckt) schlägt. Die Offense hat an Balance verloren. Somit liegt die Hauptlast nun allein auf seinen Schultern. Als nächstes muss er unter Beweis stellen, dass er sich bei der Entscheidungsfindung verbessert hat. Seine Probleme in diesem Bereich haben sich spätestens im Mountain West Title Game offenbart:

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Er wirft bei noch 1:35min auf der Uhr beim First Down in leichter Bedrängnis in eine dreifache Deckung vor der Endzone. Völlig überzogen. An dieser Stelle hätte er ins Seitenaus werfen können oder einen kürzer stehenden Receiver anwerfen können. Nur wenige Yards hätten bereits zum möglichen Field Goal gereicht. Von dort hätte ihr Kicker kurz vor Spielende ausgleichen können. Stattdessen wirft Allen die Interception und damit die Chance auf die Mountain West Meisterschaft weg.

Gegen Iowa wird er auch Druck bekommen. Mit Josey Jewell läuft bei den Hawkeyes ein sehr vielseitiger Linebacker auf. Lediglich als 2-star-Recruit kam er ans College und mauserte sich seitdem zu einem der besten Linebacker Prospects des Landes. Er war im letzten Jahr nominiert für den Butkus Award und ist statistisch der führende Spieler bei Tacklings in der Big Ten. Nachdem er sich entschied am College zu bleiben, will er nun noch „stärker, schneller und schlauer“ spielen. Er hat eine Menge zu beweisen. Unterstützung erhält er dabei von seinen Mitspielern. Defensive Tackle Nathan Bazata spielte ein gutes letztes Jahr. Mit 6’2″ und 287 lbs ist er „Undersized“ und muss deshalb immer mehr zeigen als andere Prospects um sich für die NFL zu qualifizieren. Ben Niemann sollte auch erwähnt werden. Er muss es durch gute Leistungen aber zunächst überhaupt auf die Watch Liste der Scouts schaffen.

Josh Allen muss gegen diese Mannen aber unbedingt zu Punkten auf dem Scoreboard kommen. Denn auch die Offense der Hawkeyes verspricht sehr viel Talent und Qualität. Für Runningback Akrum Wadley wird es darum gehen, zum Einen seine Fähigkeiten zu bestätigen. Er macht sehr gute Cuts und springt förmlich durch die gegnerischen Verteidigungslinien. Interessant wird sein, ob er auch als Receiver eingesetzt werden kann und wie es um seine Qualität in den Special Teams bestimmt ist. Dies wird entscheidend dafür sein, wie groß die Rolle sein wird, in der NFL Teams ihn im nächsten Jahr sehen. Außerdem muss er sich zunächst gegen die eigene Konkurrenz im Team durchsetzen. James Butler wurde vor kurzem von Nevada transferriert. Dort lieg er in zwei Saisons jeweils für über 1.300 Yards. Zwei sehr produktive und talentierte Runningbacks also im Backfield. Die Hawkeyes werden sehr oft mit dem Ball laufen. Die Offensive Line um Sean Welsh (Guard/Center) und Ike Boettger (Tackle) wird versuchen ihnen den Weg zu ebnen. Welsh ist nicht nur ein ausgezeichneter Blocker, sondern könnte NFL Teams auch aufgrund seiner vielseitigen Einsetzbarkeit beeindrucken. Boettgers bisherige Leistungen sind nicht so hoch anzusetzen.

Wir werden sehen, wer sich am Ende durchsetzen kann und wie sich die einzelnen Prospects schlagen. Für Josh Allen ist dieses Spiel ein sehr wichtiger Härtetest bereits so früh in der Saison.

21:30Uhr: Temple @ Notre Dame

(freier Stream auf NBC)

Equanimeous St. Brown geht in sein letztes Jahr bei den Fighting Irish. Aus Sicht der deutschen College Football Fans wird der Wide Receiver mit deutschen Wurzeln hoffentlich einen beeindruckenden Start in diese Saison hinlegen können. Ehrlich gesagt, mach ich mir persönlich wenig aus der ganzen Story um ihn. ist sein Bezug zu Deutschland doch kein anderer als der eines Jermaine Kearse von den Seáttle Seahawks. Da allerdings die deutschen Medien einen Hype um seine Person machen, komme ich nicht umhin, ihn in besonderer Weise zu erwähnen. Seine sehr guten athletischen Anlagen und seine Sprungkraft sind die ersten Attribute, die positiv auffallen. Er möchte, laut eigener Aussage, sein Spiel weiter verbessern und auch statistisch zu den besten Receivern am College zählen.

Ein guter Einstand gegen Temple wäre die Grundlage dafür. Zumal er auf einen sehr talentierten Cornerback trifft. Sean Chandler findet derzeit immer wieder Erwähnung, wenn es darum geht, die besten Cornerbacks für den Draft 2018 zu nennen. St. Brown und Chandler werden beide versuchen, ein erstes Ausrufezeichen zu setzen und möchten das spannende Duell für sich und ihr Team entscheiden.

 

02:00Uhr: Florida State vs. Alabama

Das Highlight am Ende des Tages. Samstagnacht treffen zwei Playoff Kandidaten bereits so früh in der Saison aufeinander. Angefangen bei den Coaches Nick Saban und Jimbo Fisher ist dieses Spiel ein erster Fingerzeig für das diesjährige Playoff Rennen. Alle NFL Teams werden ihre Scouts in das neue Merzedes-Benz Stadium nach Atlanta schicken, denn es sind zahlreiche vielversprechende Talente auf dem Feld. Nach meinen derzeitigen Erkenntnissen (die sich bestimmt noch ändern im Laufe der Saison) befinden sich im Spiel allein 5-8 Erstrundentalente.

Alle Stars der Teams aufzuzählen, würde in einem einzigen Artikel den Rahmen sprengen. Es geht daher im Folgenden um die wichtigsten Matchups und besonderen Herausforderungen für die Talente des nächsten Drafts. Florida State und Alabama werden in der „Draft Watch Reihe“ definitiv noch häufiger auftauchen, versprochen!

Tarvarus McFadden war der produktivste Cornerback am College im vergangenen Jahr. Acht Interceptions in 15 Spielen können sich sehen lassen. Zumal Florida State in der ACC, einer Power-5-Conference, spielt. Mit 6’2″ und 198 lbs ist er ein physisch spielender Cornerback, der auch bei Blitzes gegen den Quarterback eingesetzt wird und hierbei Gefahr ausstrahlt. Ob er in der NFL eher als Safety eingesetzt werden könnte, liegt nicht zuletzt daran, wie schnell er tatsächlich ist. Seine beeindruckenden Anlagen als Playmaker täuschen nicht über seine Schwächen hinweg. Schnelle Receiver können ihn im Sprint schlagen.

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An fehlender Ausdauer kann es nicht gelegen haben. Es ist das erste Play des Spiels. Aber er hat ja noch Zeit sich zu verbessern. Offenbart sich häufiger diese Schwäche, fällt er definitiv aus den nächsten Erstrunden Mock Drafts heraus.

Die erste Bewährungsprobe in diesem Jahr, ob er gegen NFL Receiver mithalten kann, wird er gegen Alabama erhalten. McFadden trifft nämlich auf einen vermeintlich zukünftigen NFL Profi. Calvin Ridley ist ein potenzieller Nummer 1 Receiver. Er hat gute Hände und die nötige Kombination aus Kraft und Geschwindigkeit um sich in der NFL durchzusetzen. Seine Geschwindigkeit ist nicht die eines John Ross, aber das Gesamtpaket dürfte McFadden vor eine Herausforderung stellen, die Aufschluss über seine Möglichkeiten in der NFL geben wird. Ähnliches gilt selbstverständlich auch für Ridley.

Auf Seiten der Florida State Seminoles ist dann noch ein sehr vielversprechender Quarterback zu nennen. Deondre Francoise hatte ein schweres erstes Jahr. Seine unfassbar schwache Offensive Line hat ihm den Einstieg am College nicht leicht gemacht. Erhielt er aber einmal annähernd die nötige Zeit, konnte er sich in der Pocket behaupten und seine Fähigkeiten aufblitzen lassen. Ich muss sagen, wenn man nur seine Highlights anschaut, bekommt man den Eindruck, dem nächsten großen Superstar bei der Arbeit zuzuschauen. Für ihn gilt natürlich, einen größeren Eindruck zu hinterlassen, als nur Material für schöne Highlight Videos zu liefern. Gegen die womöglich stärkste Defense des Landes eine große Herausforderung. Seine Offensive Line scheint auf dem Papier deutlich verbessert, aber sie ist sehr jung und unerfahren. Wenn er in der Lage ist, sich auf großer Bühne in einem NFL Stadion gegen Alabama zu behaupten und es ihm gelingt, sein Team als Führungsspieler zum Sieg zu führen, geht der Weg nur über ihn, wenn der erste Pick des NFL Drafts 2018 besprochen wird. Wenn es gelingt und er überhaupt nach dieser Saison bereits den Seminoles den Rücken kehrt.

Die Highlight Videos wird uns aber niemand nehmen können. An wen erinnert Francoise euch?

Dagegen hält die Defense der Alabama Crimson Tide. Auf diverse Top-Leute wird in späteren Artikeln näher eingegangen. Heute betrachten wir gemeinsam im Spiel ihren Safety Ronnie Harrison. Er konnte sich im letzten Jahr in einem sehr starken Roster nicht nur durchsetzen, sondern erzielte auch noch die zweitmeisten Tackles im Team. Zur Erinnerung, seine Mitspieler, die in diesem Jahr gedraftet wurden: Jonathan Allen, Reuben Foster und Marlon Humphrey waren allesamt Erstrundenpicks! Ein wahrer Playmaker also, der in seinem ersten Jahr aber nicht immer auf der Höhe des Spiels war. Sein Trainer Nick Saban verlangt daher von ihm, seine Fähigkeiten zu kanalisieren und nicht zu überdrehen, damit er sich zu einem Führungsspieler entwickeln kann. Wir dürfen gespannt sein, ob er diese Erwartungen, die auch NFL Scouts an ihn haben werden, erfüllt und wie er mit der neuen Rolle umgeht.

Derwin James (FSU) und Minkah Fitzpatrick (Alabama) werden sich ein Fernduell der Safeties liefern. Beide zählen zu den besten Spielern im nächsten Draft. James hat, meiner Meinung nach, derzeit ganz leicht die Nase vorn. Er kommt von einer Meniskusverletzung zurück und wird an seine davor gezeigten Leistungen anknüpfen. Er spielt physisch, ist dennoch schnell und athletisch und hat eine überragende Spielübersicht. Ähnliches lässt sich auch über Fitzpatrick sagen. Wo bei ihm allerdings noch die Spielübersicht fehlt, macht er dies gegenüber James mit seinen Fähigkeiten wett, Interceptions zu produzieren (kurz: Ball Skills).

Dieses Spiel ist voll von hervorragendem Coaching, zukünftigen NFL Talenten und starken Fan Bases auf beiden Seiten. Ich kann es kaum erwarten!

Bleibt mir noch, euch allen einen schönen ersten College Gameday zu wünschen. Gerne können wir während und nach den Spielen unter diesem Artikel über die erwähnten Prospects und ihre Leistungen diskutieren.

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philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".