John Fox und die Quarterback Kontroverse

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Nach den ersten beiden Preseason Games ist es schwer, die Logik hinter der Argumentation von Head Coach John Fox bei der Quarterback Frage zu verstehen. Natürlich ist Trubisky mit nur einer College Saison sehr unerfahren und er würde sicherlich typische Rookie Fehler machen in dieser Saison. Aber Mitch Trubisky ist der beste Quarterback auf dem Roster der Chicago Bears, mit Abstand. Es ist eigentlich kaum vorstellbar, warum der erfahrene Coach das nicht verstehen will und weiterhin auf Mike Glennon als Starter fokussiert ist.

Fox ist engstirnig

Das Resultat aus der Engstirnigkeit von John Fox wäre fatal. Wenn Mike Glennon dieses Team mit einer solch schwachen Leistung in die reguläre Saison führt, starten die Bears 0-4. Doch dieses Team hat sich gut entwickelt und mehr verdient. Nicht auszudenken, welche Folgen diese Fehleinschätzung für das ganze Team haben könnte. Kann die Umkleidekabine die Entscheidungen ihres Head Coaches absolut nicht nachvollziehen, schlägt dies auf die Stimmung. Abgänge von den zahllosen Spielern, die im Frühling Free Agent werden, wären vorprogrammiert und Pace könnte wieder bei Null anfangen. Die Öffentlichkeit würde weitere Unruhen im Team forcieren.

Fox hat ein Quarterback Battle mit einem Rookie nie erlebt. Er musste nie einen gedrafteten Quarterback aufbauen und hatte seine erfolgreichsten Saisons bei den Broncos und Panthers mit Veteranen ihres Fachs. Als Defensive Coach ist er natürlich eher auf Ball- und Zeitkontrolle bedacht. Deshalb ist er weiterhin von Glennon überzeugt:

„Ich denke, es war eine große Entwicklung (…) Ich denke wir hatten einen sehr eingeschränkten Überblick in Woche 1, wie bei den meisten Ersten Offenses in dieser Liga. Einige Starting Quarterbacks spielen nicht einmal in Woche 1. Aber ich denke die ganze Offense hat geantwortet, Mike eingeschlossen.“

Es hat auch niemand etwas dagegen einzuwenden, dass Glennon noch einmal als Starter auf das Feld auflaufen durfte, doch hätte Trubisky zumindest die Rolle des zweiten Quarterbacks zugestanden. Stattdessen hielt der konservative Head Coach an seinem Plan fest und gab Mark Sanchez im dritten Quarter einen Drive, bevor Mitch bei knapp 2 Minuten auf der Uhr in diesem Viertel das erste Mal auf das Spielfeld durfte. Nicht genug, dass er zu wenig Zeit auf dem Feld verbrachte um weitere Erfahrungen zu sammeln. Er ließ ihn auch noch auswärts gegen eine aggressiv spielende Cardinals Defense ins offene Messer laufen. Trubisky wurde oft getroffen, hatte sehr wenig Zeit und musste in sehr enge Coverages werfen, damit er nicht ständig auf dem Boden lag. Zwei Roughing the Passer Strafen trugen ihr übriges dazu bei. Solche Aktionen gegen ihn mit hohem Verletzungsrisiko möchte kein Fan und auch sicherlich nicht General Manager Ryan Pace sehen. Es fehlt noch, dass Trubisky in seinem angeblichen „Red Shirt Year“ verletzungsbedingt ausfällt.

Trubisky ist der bessere Quarterback

Mike Glennon zeigte im letzten Spiel eine Leistungssteigerung. Nach einem Passer Rating von 0.0 gegen die Broncos war dies aber auch keine Kunst. Im Grunde genommen waren seine Pässe aber weiterhin ungenau und er las sehr selten seine Receiver. Viel zu oft warf er auf einen gedeckten Cam Meredith statt andere Optionen in Betracht zu ziehen. Nach dem Snap war er sehr langsam und übergab an seine Runningbacks somit viel zu nah an der Line of Scrimmage. Das Resultat aus seiner Ungenauigkeit und seinem schlechten Footwork: Tarik Cohen hätte sogar eine noch bessere Leistung zeigen können als die ohnehin schon starken 7 Yards pro Lauf. Die Interception hätte keine sein müssen. Cardinals Safety Mathieu sagte noch während des Spiels im Interview, dass er die Post Route erkannte, doch viel zu spät dran war. Glennon tat ihm dann aber den Gefallen und warf zu weit nach innen, sodass er ihn noch abfangen konnte. Ein Quarterback mit einer höheren Passgenauigkeit würde den Ball weiter nach Außen werfen und hätte damit ein 1st and Goal an der 4 Yard Linie erzielt. Der Ball auf Meredith an der Goal Line war zu weit hinten platziert. Ebenso hätte dieser Pass bei einem Quarterback mit einer höheren Passgenauigkeit wohl zum Erfolg geführt. Sein Touchdown auf Wright konnte die Gemüter ein wenig beruhigen, täuschte aber nicht über ein erneut schwaches Passer Rating von 78.2 hinweg.

Ihr wisst, dass ich eigentlich kein Verfechter von Stats bin, aber wenn diese so deutlich erscheinen, nehme ich sie gerne zur Hand. Denn Mitch Trubisky spielte erneut besser als der vorgesehene Starter und überzeugte in nur einem Quarter:

  C/ATT Yards Average TD INT Sacks Hurries QB Rating
Mike Glennon 13/18 89 4.9 1 1 0 0 78.2
Mitch Trubisky 6/8 60 7.5 1 0 1 7 135.4

In der Gesamtrechnung beider Spiele wird der Unterschied noch deutlicher:

  C/ATT Yards Average TD INT Sacks Hurries QB Rating
Mike Glennon 15/26 109 4.2 1 2 0 0 48.4
Mitch Trubisky 24/33 226 6.8 2 0 1 7 111.4

Kritiker werden sagen, dass er diese Zahlen ja gegen eine schwächere Defense erzielt hat. Das ist vollkommen richtig. Allerdings spielte er auch selbst mit einem schwächeren Team als es Glennon tat. So erklären sich zum Beispiel die 7 Hurries gegenüber Null bei Glennon. Trotz des deutlich höheren Drucks gegen Trubisky und der schwächeren  Receiver und Offensive Line spielte Trubisky besser als Mike.

Modernere Passer Rating Berechnungen bestätigen den Leistungsunterschied auf weiteren Ebenen:

Adjusted Completion Percentage: Gemessene reine Genauigkeit, Unwegsamkeiten, wie Hurries, Hits, Spikes und absichtlich weggeworfenen Pässe werden nicht berücksichtig. Bei einer durchschnittlichen Completion Rate über die gesamte Saison mit diesem Wert, wäre Trubisky der genaueste Qaurterback in der NFL. Nur um das einzuordnen, es waren natürlich nur wenige Quarter und schwächere Defenses haben es ihm leicht gemacht. 86.7% ist aber unter Berücksichtigung der Umstände dennoch ein sehr guter Wert.

Play Action Yards per Attempt: Die erzielten Yards bei Play Action Versuchen zeigen, wer in einem entscheidenden Teil der Spielzugausführung erneut die Nase vorne hat.

Passer Rating vs. Pressure: Obwohl Trubisky hier unter dem Ligaschnitt liegt, kann ihn der „Veteran“ auf dieser Ebene nicht schlagen. Bereits häufiger habe ich beschrieben, dass Mitch noch an seinem Umgang mit Druck arbeiten muss. Glennons Werte sind hier unterirdisch.

Yards in Air Percentage: Hier werden die erzielten Yards des Receivers nach dem Catch einfach herausgerechnet. Obwohl Trubisky mit seiner hohen Genauigkeit den Receivern eine viel größere Chance lässt, selbst Raumgewinn zu erzielen, führt er sogar in diesem Bereich.

Average Depth of Throw: Es offenbart sich das Kurzpassspiel von Dowell Loggains. Dies kommt einem Rookie sehr zu Gute, sollte aber auch die Stärken von Glennon ansprechen. Die Average Depth of Throw meint nichts anderes, als die durchschnittliche Wurfweite, gemessen von der Abwurfstelle und nicht von der Line of Scrimmage.

Genug der Stats für all die verliebten Zahlenfanatiker. Schaut man sich die beiden Spiele an, bestätigen die Zahlen lediglich was offensichtlich ist. Derzeit ist Trubisky der beste Quarterback auf dem Roster der Chicago Bears. Offensive Coordinator Dowell Loggains hatte für das letzte Spiel sogar eigene Spielzüge für Mitch Trubisky designed, die nur er in diesem Team vollenden kann. Eines dieser Plays verhalf den Bears zum Touchdown von Benny Cunningham.

Den „Naked Rollout“ mit kurzem Anspiel auf den Runningback kannst du nur mit einem Quarterback spielen, der schnell genug ist, um den Spielzug zu vollenden, bevor der Gegner merkt was geschieht oder der Defensive End ihn sacked. Hierbei blockt die Offensive Line entgegengesetzt der Laufrichtung des Quarterbacks und lässt ihn praktisch „nackt“ ohne Schutz auf sich allein gestellt zurück. Im College oder in Europa sieht man solche Spielzüge öfter. Da sind die Verteidiger aber viel langsamer. In der NFL gibt es wenige Quarterbacks, die auf diesem schnellen Niveau so etwas zeigen können.

Ausblick

Es sollte damit der letzte Mensch mit Football Sachverstand kapiert haben, dass Trubisky augenscheinlich so gut ist, dass er sich ein Preseason Game mit der Starting Offense verdient hat. Dann können alle und vor allem der Bears Head Coach sehen, wer der bessere Quarterback in diesem Team ist. Offensichtlich ist bereits schon, dass Loggains das Playbook erst in Gänze für Trubisky öffnen kann und Glennon häufig mit Screen Plays versorgt, damit dieser, ähnlich wie es letztes Jahr Brian Hoyer und Matt Barkley taten, einfach nur das Spiel managed. Mike Glennon wird seltener dazu bewegt, den Ball lang zu werfen, was das Laufspiel vereinfachen würde, weil er es vielleicht einfach nicht kann.

Loggains kann Trubisky vielseitiger einsetzen und Pace ist überzeugt von ihm, da er sonst für ihn nicht hochgetradet hätte um ihn zu draften. Außerdem wünschte sich Pace unlängst allgemein mehr Wettbewerb im Team. Warum dann nicht auf der Quarterback Position? Ich sage (noch) nicht, dass Mitch Starting Quarterback sein soll. Ich will aber, dass er es endlich unter Beweis stellen kann. Die Chance kann ihm nur John Fox geben. Derzeit bekommt man leider das Gefühl als würde dieser alles daran setzen genügend Argumente für die Nichtberücksichtigung von Trubisky zu sammeln. Fox spielt die Interceptions herunter, er kritisiert die gesamte Leistung der Starting Offense damit die Schuld nicht allein beim Quarterback liegt. Trubisky spielt nur gegen schwache Defenses. Fox will nicht wissen, wozu er gegen die großen Kaliber in der Lage ist.

Es wird noch obskurer. Der selbe Coach, der sich im letzten Jahr nach der Verletzung von Jay Cutler nicht darauf festlegen lassen wollte, dass dieser, sofern genesen, erneut der Starting Quarterback seines Teams wird, gibt Mike Glennon in der Öffentlichkeit eine Job Garantie, obwohl dieser zwei Jahre lang nicht in der NFL gespielt hat und in den ersten beiden Preseason Games alles andere als überzeugen konnte. Wie ist so etwas möglich?

Er muss es nicht einmal als Wettbewerb zwischen Glennon und Trubisky öffentlich deklarieren. Er soll einfach Trubisky im nächsten Spiel Reps mit der ersten Offense geben. Damit alle sehen ob der Hype real ist oder nicht. Ansonsten hat Fox in jeder Woche im Soldier Field „We want Mitchell“ Sprechchöre zu erwarten und die Presse wird ihn nach jedem Spiel in der Luft zerreißen, wenn Glennon so weiter spielt.

Eine ähnliche Situation ist ihm schon einmal begegnet. Fox war der Head Coach, der an Kyle Orton wochenlang festhielt, bis er endlich der TEBOWMANIA nachgab und Tim Tebow spielen ließ. Dieser führte dann nach einem 1-4 Start Ortons das Team noch in die Playoffs.

Es geht an dieser Stelle nicht einmal darum, dass Trubisky der Starter in der regulären Saison wird. Er soll lediglich die Gelegenheit in der Preseason bekommen, dies unter Beweis zu stellen. Verdient er sich sogar den Starter-Job, dürfen wir von ihm im ersten Jahr aber keine Wunder erwarten. Trubisky bleibt ein Rookie und wird Fehler machen, die das Team nicht kompensieren kann. Fehler, die ihm aber bestimmt jeder Fan verzeihen wird.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".