Der Kampf um die Kaderplätze: Quarterbacks

Quelle: Windy City Gridiron

Als die Chicago Bears Mike Glennon verpflichteten und mit ihm vereinbarten, dass er in diesem Jahr 16 Mio US-Dollar verdienen würde, war allen klar, dass er der neue Starting Quarterback der Bears ist. Was viele nicht bedacht haben, 2018 sind davon nur noch 4.5 Mio US-Dollar garantiert, 2019 sogar nur 1 Mio US-Dollar. In der Draftnacht saß ich mit janikbears zusammen und verfolgte die erste Runde. „Bears trading for the Second Pick“ und ich deutete an „die holen Trubisky“. Viele schauten verwundert, da doch Glennon bereits als Starter verpflichtet wurde. Wieso, weshalb, warum Trubisky dennoch die Zukunft ist, könnt ihr in unterschiedlichen Artikeln dazu nachlesen. Auch Glennon ist bei uns nicht zu kurz gekommen.

Für die Saison 2017 scheinen die Rollen dennoch klar verteilt. Glennon ist der Starter, Trubisky soll hinter ihm reifen. General Manager Pace stellte einen Tag nach dem Draft fest, dass sich an diesem Plan nichts ändern würde.

Damit können wir uns das Gerede über ein Quarterback Battle eigentlich sparen. Pace hat sich ja bereits festgelegt. Doch vor ca. zwei Wochen wies janikbears mir eine Hintertür, die der GM gelassen hat. Pace sagte nämlich lediglich so etwas wie „momentan“ oder „nach derzeitigem Stand“ ist Glennon unser Starter. Und außerdem entscheidet nicht der Manager wer aufgestellt wird. Coach John Fox hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Doch auch Fox hält selbst nach dem ersten Preseason Game klar an Glennon als Starting Quarterback fest. Denn allein der Auftritt eines Preseason Games wirft nicht die Planung und die gewonnenen Eindrücke der bisherigen Trainingsvorbereitung über den Haufen.

Immer noch kein Quarterback Battle? Doch! Und das nicht erst seit dem letzten Preseason Game. Solche Lippenbekenntnisse bedeuten im Business der NFL nämlich so gut wie nichts. Mag sein, dass Trubisky den Head Coach positiv überrascht hat. Auch Adam Hoge sagte im Interview zu uns, dass Mitch zwar der bessere Passer sei, allerdings bemerke er, dass Glennon das Team führe und der Rookie noch elementare Baustellen besitze, die es abzustellen gelte. Und in der Saison soll nicht der beste Passer, sondern der beste Quarterback spielen. Das ist nach John Fox‘ Meinung derzeit Mike Glennon. Journalisten sprechen Fox bereits sein Urteilsvermögen ab. Aber niemand sonst, als er mit seinen Coaches, hat so tiefe Einblicke in dieses Battle. Mit seiner großen Erfahrung sollte er sich nicht einer solchen Kritik nach einem Preseason Game aussetzen.

Trubisky sagt von sich selbst, dass er noch nicht so weit ist.

Mike Glennon haben die meisten von uns nur ein Viertel lang gesehen. Ein schwaches Viertel, aber ich habe auch schon schlechtere aus dem Soldier Field gesehen, bevor ein Spiel vom selben Quarterback herumgedreht wurde. Er sollte deshalb nicht allein an dieser Leistung gemessen werden. Mal alle Hand aufs Herz. In einem regulären Spiel wäre er sicherlich nach diesem Viertel nicht ausgewechselt worden und auch kein Fan im Stadion hätte einen Wechsel gefordert. Die Möglichkeit seine Fehler wiedergutzumachen bekam er nicht mehr. Daher ist es nur folgerichtig, dass er eine weitere Chance erhält. Nur wie viele, hängt weniger davon ab, wie tief ihm der zweite Anwärter auf den Startjob im Nacken sitzt. Glennon muss schon selbst viele weitere Fehler machen um den Starting Job zu verlieren. Diese Prämisse gilt aber nur für diese Saison. Er wird Trubiskys Atem immer direkt hinter sich spüren. Eine Situation mit der er umgehen muss. Für die Bears wäre eine erfolgreiche Saison seinerseits und die Option ihn im nächsten Jahr zu traden sicherlich das beste Szenario für 2018.

Denn seit dem Preseason Game, indem Mitch Trubisky wohl alle Fans zum staunen brachte, scheint es beim Rookie auch im Training zu klicken. Er tritt selbstbewusster im Huddle auf und sein Footwork ist nicht mehr so „sloppy“ sondern viel flüssiger. Wie wir es auch im Spiel gegen die Broncos bestaunen durften.

Auch wenn es in Chicago niemand offiziell zugeben will, aber der interne Kampf um den Startplatz ist entbrannt. Dies bringt die Coaches in einen Zwiespalt, denn derjenige der sich am Ende durchsetzt, sollte auch in der Vorbereitung die meisten Snaps mit dem ersten Team bekommen. Heute Nacht wird dies Mike Glennon sein. Kann er erneut nicht seine Leistungen des Trainingslagers abrufen und enttäuscht, sollten sie Mitch Trubisky in der Vorbereitung auf Spiel 3 Reps mit der ersten Reihe geben und ihn womöglich auch mit dieser starten lassen. Es ist besser, doch wenn nicht, auch noch kein ausschlaggebendes Kriterium dafür, wer beim Saisonstart spielt.

Im letzten Jahr begegnete Carson Wentz bei den Eagles einer ähnlichen Situation. Zunächst als Nr. 3 ins Training Camp berufen, setzte er sich am Ende der Preseason für die Zukunft als Starter durch. In seinem Fall bekam er in keinem Vorbereitungsspiel Reps mit der ersten Reihe. Dieser Umstand sollte aber tunlichst vermieden werden, da es seinem Spiel deutlich anzumerken war. Seine Leistungen waren überzeugend, aber unkonstant.

Macht Trubisky weiter wie bisher, sollte eine realistische Chance bestehen, dass er früher Starter wird als erwartet. Doch auch für ihn gilt, ein Preseason Game allein wird sein Schicksal nicht entscheiden. Auch er muss den Coaches noch eine Menge beweisen und seine verbesserten Mechanics in den nächsten Wochen konstant abrufen. Sollte Trubisky sich nicht durchsetzen, hat er die Möglichkeit als Backup seine Technik zu verfeinern und mehr Routine in sein Spiel zu bringen.

Egal wie es ausgeht, Mitch und Mike sind natürlich für den Kader gesetzt. Doch wie sieht es dahinter aus? Vor zwei Wochen hätte ich gesagt, die Bears müssen unbedingt mit drei Quarterbacks in die Saison gehen. Doch weitere starke Leistungen von Trubisky werden ihm zumindest den unmittelbaren Backup Posten hinter Glennon bescheren. Das wäre dann schlecht für Mark Sanchez, da für seine Erfahrung hinter zwei potenziellen Startern dann keine Verwendung mehr sein könnte. Gerade deshalb sollte er auch kaum noch Snaps in den Preseason Games sehen. Wenn Glennon der diesjährige Starter sein soll, muss er mehr Snaps bekommen als im letzten Preseason Game. Auch er muss sich in dieses Team erst einfinden. Da Trubisky auch viele Reps braucht, wäre es am Besten, die zwei teilen sich das Spiel auf. Jeder eine Halbzeit.

Connor Shaw war nie für den 53er Kader vorgesehen in diesem Jahr. Schließlich wurde er bereits gecuttet und kam nur aufgrund der kurzwährenden Verletzung von Sanchez zurück ins Team. Unter normalen Umständen werden wir ihn in keinem Preseason Game auf dem Feld sehen.

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