Offensive Schema Vergleich: Altes und Neues für Mitch Trubisky

CSN Chicago

In den letzten Jahren war die Offense der Bears eher wenig erfolgreich. Dies hatte verschiedene Gründe. In der letzten Saison sah grundsätzlich alles ganz gut aus. Das Team konnte mit Ballkontrolle und statistisch hohen Yards per Game aufwarten. Die Offensive Line hat sich zu einem der stärkeren Mannschaftsteile des Teams entwickelt und das Laufspiel ist mit Jordan Howard auf ein Level früherer erfolgreicher Jahre zurückgekehrt. Einzig in der Red Zone ist die Ausbeute schwach und viel zu niedrig um in der NFL mitzuhalten. Eben dort zählt es. Was nützen Ballkontrolle und viele Yards, wenn am Ende des Drives nichts dabei herauskommt und man mit nicht einmal zwei Touchdowns pro Spiel zu den Schlusslichtern der Liga gehört.

Um in Zukunft die Defense zu entlasten, muss an dieser Schraube gedreht werden und Dinge, die bereits gut laufen, sollten beibehalten und weiterentwickelt werden. Mit der Verpflichtung von neuen Tight Ends und Receivern im Draft und in der Free Agency hat man zumindest schon einmal für nötiges Spielermaterial gesorgt. Nun ist es an der Frage, ob die neuen Quarterbacks umsetzen können, was die Coaches von ihnen in Zukunft verlangen? Nach derzeitigem Stand werden die Bears mit Mike Glennon in die Saison gehen. Doch die langfristige Antwort ist Mitch Trubisky, weshalb es im Folgenden darum gehen soll, wie er in das System der Chicago Bears passt und wie schnell er umsetzen kann, was von ihm in Zukunft verlangt wird. Wie ähnlich ist sein altes Schema an der University of North Carolina dem der Bears?

UNC Tar Heels Offense

In den letzten Jahren hat sich die Offense der Tar Heels unter Offensive Mastermind Larry Fedora in neue Sphären entwickelt. Die Spieler im Angriff jagen dabei Schulrekord um Schulrekord. Doch wie geschieht das?

Fedora lässt ein Vertical System spielen. Während es bei der mittlerweile klassischen West Coast Offense darum geht, durch kurze Pässe Räume für das Laufspiel zu generieren, zielt das vertikale System in höherem Maße auf das mittlere und tiefere Level des Spielfeldes. Durch sogenannte Seam Routes wird versucht, in die Schnittstellen der Zonenverteidigung des Gegners zu werfen. Dies hat zwei Vorteile. Einmal soll es Verteidiger verwirren, da sie nicht mehr erkennen, welchen Mann sie verteidigen sollen und der Quarterback muss häufig nur einen Verteidiger im Blick haben, um zu erkennen, welcher seiner Receiver frei wird. Beide diesjährigen Super-Bowl-Teilnehmer spielen eine Art des Vertical Systems und schaffen so immer wieder Überzahlsituationen für Edelman, Jones und Co.

 

Ein Blick auf die Bewegungen des Nickelbacks/Linebackers genügt um zu erkennen, welcher Spieler offen sein wird. Je tiefer er sich bewegt, desto kürzer die Option. Der äußere Receiver befindet sich auf der Hot Route. Er ist das erste Ziel. Der mittlere Receiver läuft nicht einfach geradeaus, wie hier eingezeichnet. Er beobachtet, wie die Secondary des Gegners das Feld in der Tiefe aufteilt (Viertel, Drittel, Hälfte) und läuft dann exakt an der Teilungslinie entlang. So kann es passieren, dass sie nicht wissen, wer für den Receiver zuständig ist. Der zweite Read des Quarterbacks.

 

Vor der letzten Saison haben die Tar Heels oft den kurzen Pass gewählt. Trubisky eröffnete ihnen die Möglichkeit, viel häufiger für den tiefen Pass zu gehen. Sie haben auch deutlich öfter den Ball geworfen als in den Vorjahren.

Wichtigste Schlüssel in Fedoras Offense sind die Defense auseinanderzuziehen (Spread Offense) und viele Lauf-Pass-Optionsspielzüge in das Playbook einzubetten.

Chicago Bears Offense

Was erwartet Trubisky nun bei den Bears? Zuerst, auch Offensive Coordinator Dowell Loggains bevorzugt eine Vertical Offense. Trubisky passt also auf dem ersten Blick in das System. Natürlich spielen die Bears nicht exakt dasselbe Schema, aber es gibt Gemeinsamkeiten. Desweiteren hat Loggains gezeigt, dass er anpassungsfähig auf seine Spieler reagiert. So hat er mit Cutler tiefere Passrouten bevorzugt, als mit Hoyer und Barkley. Trubisky bietet ihm eindeutig wieder Passoptionen für die Tiefe. Wichtigste Komponenten sind für ihn die Ballkontrolle, immer Missmatches und Überzahlsituationen zu kreieren. Dabei lässt er ähnlich wie die Tar Heels am Häufigsten 11-personell aufs Feld, also einen Tight End und einen Runningback zu drei weiteren Receivern. Neben Seam Routes bevorzugt er aber noch verschiedene Screens, die seinen sehr schnellen Receivern zu Gute kommen.

Aus der Shotgun verwendet Loggains sogar genau dieselben Spielzüge. Dies wird es Trubisky leicht machen.

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Aus rechtlichen Gründen, kann ich hier kein Bears-Videomaterial einsetzen. Also müsst ihr mir glauben, wenn ich sage, dass sie es genauso spielen. Play-Action, angetäuschter Lauf, Seam Route und ab.

Unterschiede der Systeme

Dann kann es doch eigentlich gar nicht mehr so lang dauern, bis wir ihn auf dem Feld sehen, könnte man jetzt sagen. Doch es gibt auch elementare Unterschiede, die Loggains ihm zu Liebe nicht aushebeln kann, da diese einfachere Spielweise in der NFL nicht funktionieren wird. Trubisky spielte bevorzugt aus der Shotgun. Doch in der NFL wird er das deutlich seltener dürfen. Seit Jahresbeginn arbeitet er an seiner Fußarbeit um Under Center spielen zu können und die Coaches lassen verlauten, dass er sich hier bereits enorm verbessert hat. Allerdings müssen diese Bewegungen erst in Fleisch und Blut übergehen, bevor er erfolgreich sein wird. Carson Wentz hatte im letzten Jahr ähnliche Probleme. Wir dürfen auf die Preseason Games gespannt sein und selbst beurteilen, wie weit er sich im Footwork bereits entwickelt hat.

Und um zum Eingang des Artikels zurückzukommen. Loggains will gar nicht genauso weiterspielen wie im letzten Jahr. Dafür waren die Resultate in der Red Zone einfach zu schlecht. Könnte Trubisky als Game Manager, sobald sein Footwork steht, sehr zeitig eingesetzt werden, so wird die Spielweise auf den letzten Yards eine ganz neue Herausforderung. Die Bears wollen hier ihre Tight Ends mehr einbeziehen. Das kennt Trubisky kaum. Sinnbildlich für diese Umstellung in der Zukunft ist, dass Trubisky sich mit Tight End-Rookie Adam Shaheen in der Vorbereitung das Zimmer teilen soll, um eine Beziehung auf und neben dem Feld zwischen den beiden zukünftigen Hoffnungsträgern zu fördern.

Wann startet Trubisky?

Zugegeben, zu diesem Zeitpunkt ist es Kaffeesatzleserei zu ermitteln, zu welchem Zeitpunkt er startet. Daher werde ich mich auf Kriterien festlegen. die erfüllt sein müssen, damit er kommt. Sobald diese stimmen, wird er spielen. Da lege ich mich fest. Es wird dabei keine Rolle spielen, wie gut Glennon auftritt. Sind sie nicht gegeben, sehe ich die Einsatzchancen von Mark Sanchez so lange höher, als die von Trubisky, bei einem Ausfall des Starters.

Footwork

Aufgrund seiner harten Arbeit daran, ist zu erwarten, dass er hier schnell Fortschritte macht. Dies wird spätestens in der Mitte der Saison keine Rolle mehr spielen, ist aber elementar. In den Preseason Games ist zu erwarten, dass es noch manchmal hakt, aber er eine Weiterentwicklung unter Beweis stellen kann.

System

In vielen Ansätzen wird Loggains ihm den Einstieg in die NFL leicht machen. Trubisky ist der Quarterback des letztjährigen Drafts, der am ehesten das derzeit stärkste Offense System (Beweis: Patriots, Falcons) der vertikalen Offensive umsetzen kann, da er es am College bereits sehr erfolgreich angewendet hat. Er ist intelligent und wird einen Großteil des Playbooks bereits jetzt kennen. Die Ähnlichkeiten mit seinem alten System wird er auch unmittelbar auf dem Feld einsetzen können. Es ist zu erwarten, dass seine ersten Passversuche in der Preseason für ihn, gewohnte Konzepte sein werden, um ihm die ersten Schritte auf der großen NFL-Bühne zu erleichtern.

Mitspieler

Auf dieses Kriterium hat Trubisky den geringsten Einfluss. Die Qualität seiner Mitspieler wird voraussichtlich am Ende entscheiden, ob Mitch in dieser Saison bereits eingesetzt wird. Jay Cutler hatte vor einigen Wochen betont, dass man ihn auf gar keinen Fall bringen soll, wenn es nicht läuft. Ob er dasselbe meint wie ich, vage ich zu bezweifeln. Cutler spricht hierbei wahrscheinlich über den Druck des Umfelds rund um das Soldier Field und Halas Hall, den er in den letzten Jahren am eigenen Leib erfahren musste. Natürlich nicht irrelevant.

Allerdings geht es vor allem darum, wie sich vor allem seine Receiver entwickeln. Denn ohne ein starkes Ziel, kein guter Einstieg für einen Rookie-Quarterback. Derek Carr und Marcus Mariota dienen als Beispiel dafür. Beide sind mittlerweile unbestritten in der NFL angekommen. Während Mariota eine starke Rookie Saison gespielt hat, ist Carr dies nicht gelungen. Der Unterschied: Mariota hatte einen eindeutigen Go-To-Guy, indem er Delanie Walker bei über 40% seiner Passversuche anwarf und war damit erfolgreich. Rookies haben Probleme das gesamte Feld zu überblicken. Sie sind noch zu sehr mit anderen Dingen (Handling Pressure, etc.) beschäftigt und so macht ein Star-Receiver das Leben leichter. Carr fehlte im ersten Jahr dieser Spieler. Seine Leistungen waren nicht sonderlich berauschend.

Die Bears zählen eher zu den Teams, die viele unterschiedliche Anspielstationen in ihr Spiel einbeziehen möchten. Eine klare Nummer 1 ist derzeit noch nicht erkennbar. Es ist wohl so, dass man in Chicago auch gar nicht bevorzugt, eine klare Anspielstation zu etablieren. Der Saisonverlauf wird es zeigen. Soll zum Beispiel Cam Meredith diese Rolle einnehmen und ausfüllen können, erhöht es die Wahrscheinlichkeit, dass Trubisky im weiteren Verlauf der Saison, bereits als Starter eingesetzt werden könnte.

Ist auch nur ein Kriterium nicht erfüllt, sollte er unbedingt auf der Bank bleiben und erst in der Saison 2018 eingesetzt werden. Glennon wird dann Starter bleiben und Sanchez sein Backup.

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