QB Mitchell Trubisky im Videoraum

profootballweekly

Mitchell (Mitch, „you can call me whatever you want“) Trubisky ist die gedraftete Quarterbackhoffnung der Chicago Bears, ansonsten hätte Pace ihn nicht so früh im diesjährigen Draft ausgewählt. 14 Jahre mussten die Fans der Bears auf einen jungen Erstrunden-Quarterback warten. Pace geht mit diesem Pick ein sehr hohes Risiko ein. Zum Beispiel wäre Jamal Adams gewiss die sicherere Variante gewesen, da er unsere Secondary garantiert verstärkt hätte, doch wohin uns sichere Picks in den letzten Jahren geführt haben, sehen wir nicht zuletzt am letztjährigen 3-13 Record. Wir sollten uns daher alle einmal beruhigen und die Notwendigkeit in dieser Verpflichtung akzeptieren.

Experten behaupten, der Trade wäre teuer gewesen. Zugegeben, im ersten Moment wirken zwei Dritte und ein Viertrunden-Pick im Tausch für den Erstrunden-Pick eine ganze Menge.  Doch betrachtet man die anderen beiden Quarterback Trades der ersten Runde, muss man sich fragen, warum die Bears sich diese Medienschelte gefallen lassen müssen. Die Chiefs gaben im Tausch für Watson ihren diesjährigen Ersten, ihren 3rd Rounder und ihren Erstrunden-Pick aus dem kommenden Jahr weg. Die Texans kommen, dank dem Watson Trade, im nächsten Jahr ebenfalls nicht in Runde 1 am Zug. Die Bears hingegen schon. Warum? Weil sie ihre hoffentlich einmalige Ausgangslage, früh im Draft an der Reihe zu sein, ausgenutzt haben. Sie mussten für ihren zukünftigen Quarterback nämlich nicht gerade weit vortraden.

Die Experten sagen weiter, die Bears zahlen Mike Glennon Startergeld und brauchen doch gar keinen Quarterback. Die selben Leute haben uns jedoch vor einem Monat noch für die Glennon-Verpflichtung ausgelacht. Ich mag ihn, aber er hat noch nichts bewiesen. Außerdem wurde sein Vertrag so strukturiert, dass er zunächst nur in seinem ersten Jahr als Starter bezahlt wird. Und Starter wird er auch aller Voraussicht nach sein.

Weshalb Trubisky kein sofortiger Starter ist, begründen eben jene Experten damit, dass er eine typische College-Spread-Offense mit Wurfoption auf den ersten Read gespielt hat. Ebenso behaupten sie, er wäre ein Produkt einer starken Offensive Line. Völliger Schwachsinn. Sie liegen hier gleich mehrfach daneben. Drei Starter der UNC Offensive Line waren im Draft dabei. Keiner von ihnen wurde gedraftet und das in einer der schlechtesten O-Line Draft Classes aller Zeiten. Und weiter, Mitch spielte in einem offensiven System, dass dem System der Bears sehr ähnelt und keinesfalls ein simples „First Read“-College-System ist. Auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden wir demnächst näher eingehen, heute jedoch geht es ausschließlich um unseren Neuzugang. Welche Attribute er bereits mitbringt und woran er noch zu arbeiten hat, soll diese Analyse klären.

College Stats im Vergleich

Zunächst einmal möchte ich diesen „Experten“ den Wind aus den Segeln nehmen. Lance Zierlein und Todd McShay sehen in Mitchell Trubisky einen guten Quarterback, mehr aber auch nicht. Er hat laut ihnen die „Chance, ein guter NFL Starter zu werden“. Im weiteren Verlauf vergleichen sie ihn mit Matthew Stafford und dessen Karriere als College Quarterback.  Stafford hält bis heute eine der besten Grades/Bewertungen von den beiden. Komisch, Trubisky ist wie Stafford, aber schlechter, sagen sie. Vergleicht man die nackten Zahlen frage ich mich, wie sie darauf kommen. Wie Stafford und auch Aaron Rodgers ist Trubisky exakt 6‘2“ groß und wiegt 225 lbs. Ihre letzte College Saison war bei allen dreien beeindruckend:

M. Stafford A. Rodgers M. Trubisky
QB Rating 153.9 154.3 157.9
TD-INT 25-10 24-8 30-6
angek. Pässe (%) 61.4 66.1 68
durchschn. Yards pro Versuch 7.8 8.1 8.3

Mir zeigt es, wie voreingenommen die diesjährige QB-Class generell bewertet wurde. Die Teams sehen es definitiv anders. Deshalb haben auch alle Teams mit Erstrunden-QB vorgetradet und nach zwölf Picks waren alle drei vom Markt. Mittlerweile rudern auch die ersten Experten bei ihrer Beurteilung zurück. Wie kann man Trubisky bei diesen Fakten nicht wenigstens ähnlich bewerten wie Rodgers und Stafford? Die Antwort wissen die Experten wohl nur selbst. Mitch Trubisky hat ähnliche Anlagen und zwei spätere Pro Bowler in seinem letzten College Jahr überflügelt. Seine Beine sind definitiv schneller im Vergleich zu denen der beiden Divisionsrivalen.

Szenenanalyse

Stärken

Schauen wir nun zuallererst auf sein Breakout Game. Wie wichtig es doch ist, mit einem guten Play ins Spiel zu kommen…

Animated GIF  - Find & Share on GIPHY

Erstes Dementi. Trubisky geht nicht für den First Read. An der Bewegung seines Kopfes sehen wir, dass er zunächst zwei andere Optionen in Betracht zieht, bevor er auf Option 3 wirft. Er sieht auch den Druck kommen. Als er den Pass-Rush von links kommen sieht, scrambelt er nicht direkt heraus, sondern erkauft sich durch zwei weitere Schritte die nötige Zeit bis sein Receiver frei ist. Hätte er gescrambelt, hätte er diesen Pass ins Aus werfen müssen. So kann er, aufgrund seines Reads und seiner unfassbar hohen Genauigkeit, den Ball an den Mann bringen und das 2nd-Down erleichtern. Ein solches Play ist 1 zu 1 in der NFL vorstellbar und wäre ein guter Auftakt in ein Spiel. Pässe wie diesen, sieht man von ihm sehr häufig und sind sicherlich etwas, dass ihn auf den Radarschirm von vielen NFL Teams vor dem Draft gebracht hat.

Er passt perfekt in unser System und in das was die neuen Receiver mitbringen. Haargenau dieses Play hat Neuzugang Kendall Wright im letzten Jahr in einen Touchdown converted.

Animated GIF  - Find & Share on GIPHY

Leider hatte Mitch am College keinen Kendall Wright, aber an ihm hat es sicherlich nicht gelegen, dass dieser Ball nicht gefangen wurde. Genau aufs Ziel. Trotz solcher Drops kommt er immer noch auf eine sehr hohe Anzahl angekommener Pässe.

Hier ist seine erste Option gedeckt. Daraufhin nimmt er Option 2: Seine schnellen Beine und seine gute Übersicht für freie Räume beim Laufspiel.

Animated GIF  - Find & Share on GIPHY

Zugegeben, am Ende sollte er in der NFL sliden (auf dem Boden rutschen), so etwas will ich nicht sehen. Aber beeindruckend ist auch seine Toughness. Nach diesen Hits steht er auf und zeigt binnen zwölf Sekunden No-Huddle den nächsten Snap. Diese Elemente (Option-Läufe und No-Huddle-Offense) können den Bears vor allem in der Red Zone ein weiteres Mittel zu Punkterfolgen liefern.

Trubisky nur für den ersten Read. Nein!

Animated GIF  - Find & Share on GIPHY

Hier faked er mit dem Handoff zum Runningback, will danach eigentlich auf den inneren Receiver werfen, entscheidet sich aber kurzfristig um, denn er erkennt den völlig freien außenstehenden Receiver. Ein typischer College-Quarterback hätte diesen Mann entweder gar nicht erkannt oder viel zu spät. Ihm kann ich hier eine hohe Reaktionsschnelligkeit attestieren und eine vortreffliche Übersicht.

Schwächen

Das soll fürs Erste gewesen sein. Kommen wir nun zu den negativen Aspekten, die vielen Leuten und auch mir zunächst Bauchschmerzen bereiten.

Animated GIF  - Find & Share on GIPHY

Trubisky traut seinem Arm sehr viel zu, manchmal zu viel und mit Druck geht er nicht immer klug um. Hier nun eine besondere Drucksituation, wie es viele von ihr in ähnlicher Form gibt. Nur noch 14 Sekunden auf der Uhr und noch über 50 yds zu gehen bei einem Punkt Rückstand. Mitch weiß, jetzt liegt es vor allem an ihm. Doch hier macht der Pass-Rush von Florida State alles richtig. Er kann nirgendwo entkommen. Statt das Play aufzugeben, wirft er auf dem Hinterfuß stehend noch den Ball auf Switzer, der diesen auch noch fast erreicht. Aaron Rodgers hatte am College ähnliche Probleme. In seinem ersten Jahr auf der Bank hinter Brett Favre hat er aber daran gearbeitet. Seitdem gilt, kann Rodgers scramblen, versucht er den Ball anzubringen und vertraut seinem starken Arm, kann er dies nicht, wirft er den Ball ins Aus oder auf den Boden. Trubisky muss das auch lernen. Es macht den Unterschied bei ihm, ob seine Karriere auf der Bank oder in großen NFL Spielen als Starter endet. Großes Selbstbewusstsein ist eine wichtige Eigenschaft eines Profi-Quarterbacks, aber Mitch sollte nicht den Held spielen, wo es nicht angebracht ist. Es ist meistens noch ein weiteres Play zu spielen, sofern man im Ballbesitz bleibt und auch in diesem Spiel hat sein Team tatsächlich noch gewonnen. Diese Erfahrung hat ihm hoffentlich gezeigt, dass man auch bei wenig Zeit immer kühlen Kopf bewahren sollte.

Ein weiteres Argument, weshalb Rookie Quarterbacks besser ein Jahr Eingewöhnungszeit erhalten, sehen wir hier.

Animated GIF  - Find & Share on GIPHY

Eigentlich wollte ich keine Analyse zum Hurrikan-Spiel gegen Virginia Tech machen. Aber dieses Play hätte auch bei besserem Wetter passieren können. Rookies, und dazu gehört Mitch Trubisky nun, haben kurze Konzentrationslücken und neigen manchmal dazu in Panik zu geraten. Wen wundert es, wenn auf einmal das Spieltempo so dermaßen angezogen wird gegenüber dem Colege-Niveau. Dieses Play hätte in der NFL zu einer völlig unnötigen Safety geführt. Unverständlich dazu, denn im ersten Moment macht Trubisky noch alles richtig. Er scrambelt weg vom Pass Rush, den er gut antizipiert und weist seinen Runningback danach sogar an, den Block aufzulösen und sich freizulaufen. Statt den dann freigewordenen Mitspieler anzuwerfen, versucht Mitch vor dem jetzt ungeblockten Pass-Rusher davonzulaufen und verhindert gerade so die Safety. Solche Plays werden die Fans im Soldier Field auch einem Rookie nicht verzeihen. Um ihn aus der Schusslinie zu nehmen, ist es daher immer besser einen jungen Quarterback langsam heranzuführen, damit ähnliche Fehler in einem wichtigen Spiel nicht passieren. Im Training darf er so etwas in seinem ersten Jahr noch machen und dazulernen.

Animated GIF  - Find & Share on GIPHY

Gerade komplexere Defenses stellen ihn vor eine große Herausforderung. Sobald die Gegner nicht das machen, was er im Vorfeld aus der Defensivausrichtung gelesen hat, passiert so etwas wie im oberen Ausschnitt. Er ist dann schnell überfordert. Vor dem Snap hat er drei Receiver links von sich. Die beiden Äußeren haben einen Gegenspieler, während er seine ohnehin erste Option völlig ungedeckt wiederfindet. Nach dem Snap springt der Verteidiger allerdings zur ersten Passoption herüber, wodurch diese gedeckt ist, die Zweite jedoch frei wird. Trubisky sieht das, doch anstatt zur neuen Option überzugehen, kehrt er dem Passspielzug den Rücken zu und wird gesacked.

In einer seiner wenigen Interceptions am College offenbart sich eine weitere Schwäche, bei der sich Pace erneut die Frage gestellt haben muss: Können wir mit ihm daran arbeiten?

Animated GIF  - Find & Share on GIPHY

Seine Mechanics  laufen NOCH nicht automatisch ab. Die Betonung liegt hier auf NOCH. Wie bereits im Draft Podcast erwähnt ist dies sicherlich der größte Unterschied zwischen einem Veteran QB und einem Rookie. Der Rookie muss über so etwas noch nachdenken. Tom Brady kannst du nachts aufwecken und er wirft 200mal mit derselben Stabilität. Warum? Übung, Übung, Übung. Diese Abläufe sind definitiv zu automatisieren und Mitch arbeitet laut eigener Aussage bereits seit Januar mit demselben Coach zusammen, der bereits Ben Roethlisberger, Blake Bortles und Carson Wentz NFL Ready gemacht hat. Big Ben stand im ersten Jahr beinahe im Super Bowl, Carson Wentz konnte sich in der Vorbereitung überraschend bereits als Starter durchsetzen. Dies ermöglichte den Eagles, Bradford für einen Firstroundpick zu traden. Unwahrscheinlich dass dieser Fall bei den Bears nun auch eintritt. Wie gesagt, für die Eagles kam dies völlig überraschend, jedoch zeigt es die Qualitäten des Coaches Ryan Lindley. Diese Zusammenarbeit ist sehr wichtig für seine Zukunft. In der NFL ist jeder Pass entscheidend und solche, „meine Füße stehen nicht richtig, oder mein Ellenbogen hängt runter“-Aktionen, wie in diesem speziellen Fall gegen Duke will niemand von einem Profi sehen. Es passiert Trubisky selten, aber es passiert eben noch. In diesem Fall wirft er dadurch zu tief. Die Interception hätte er sich sparen können.

Animated GIF  - Find & Share on GIPHY

Eine weitere Szene, die schlechte Mechanics aufweist. Seine ersten beiden Reads sind zum Zeitpunkt als er sie durchgeht (noch) gedeckt, somit entscheidet er sich, völlig nachvollziehbar, für den Notfallplan und visiert den Runningback an.  Er bleibt jedoch in seiner Ausrichtung des Körpers bei der zweiten Option hängen anstatt seinen Stand zu erneuern, so folgt ein schlechter Wurf.

Hoffnungsschimmer

Mitchell Trubisky offenbart zwei Quarter später seine Lernfähigkeit. Sie müssen sich in der Zwischenzeit die Szene von eben nochmal angeschaut und erkannt haben, dass der Receiver spät in der Endzone frei geworden ist. Der Spielzug wird somit noch einmal wiederholt. Nun antizipiert er die Freilaufbewegung und trifft den offenen Receiver. Touchdown! Genau das ist es, was NFL Teams sehen wollen. Im selben Spiel kann er mit seiner Spielintelligenz und nachdem sein Coach sich mit ihm an der Seitenlinie besprochen hat, sein Spiel anpassen und sogar in Punkte umwandeln. Diese und andere ähnliche Momente halten für mich dem Beweis stand, dass er an seinen Defiziten arbeiten kann, ähnlich wie es andere große Quarterbacks vor ihm getan haben.

Kommen wir zu dem Play, dass alle seine Stärken vereint.

Animated GIF  - Find & Share on GIPHY

Es zeigt, wie gut er sich in der Pocket bewegt, dass er die gegnerischen Safeties lesen, ja sogar faken kann und dass er sicherlich nicht für die erste Option geht. Seine Genauigkeit wird hier nochmal unterstrichen. Die NFL Quarterbacks die solch einen Pass werfen können, sind die, die wir im Trikot der Bears sehen wollen, aber jahrelang nicht haben konnten. Wer sich nach diesem Touchdown nicht in ihn verliebt, dem kann ich auch nicht weiterhelfen. Hier nochmal aus einer anderen Perspektive.

Animated GIF  - Find & Share on GIPHY

Dort sehen wir noch einmal genau, wie gut er die Defense austrickst und wie klein das Passfenster tatsächlich ist.

Werfen wir nun noch einen Blick auf seinen allerletzten 2-minute-Drill am College. Hier bescheinigten ihm Experten eine schwache Leistung. Es heißt in den Reports, dass Trubisky das Spiel gegen eine starke Defense verloren hätte und am Ende nicht nach Hause geholt hat. Ihm fehlt das Vermögen ein so genannter „Clutch-Performer“ zu sein. Außerdem heißt es, seine Receiver hätten den größten Verdienst an seinen Leistungen und er profitiert von ihnen zu sehr. Schauen wir einmal selbst genauer hin und bilden uns eine eigene Meinung (ab Minute 06:26):

Wenn ich mir seinen letzten Drive ansehe, frage ich mich, ob diejenigen ihn sich überhaupt angesehen oder nur auf das Ergebnis geblickt haben. Ich sehe eine starke Pocket Präsenz von Mitch und ein ruhiges Auge für den freien Receiver. Von Beginn des Drills an, behält er die Uhr im Auge und wirft somit auch den ersten Ball zielgenau an die Seitenlinie. Ich sehe danach vier unmittelbar aufeinanderfolgende Pässe in die Endzone, die genauer kaum sein können. Nur halten seine Receiver die Bälle nicht fest. Der Touchdown ist am Ende ein eher glückliches Produkt, zugegeben, erinnert mich sehr stark an Aaron Rodgers oder auch Matthew Stafford, wie sie im letzten Jahr eben die knappen Spiele gewonnen haben. Scramblen, den ersten Verteidiger auch einmal am ausgestreckten Arm abschütteln und den dann erst frei gewordenen Receiver anwerfen. Eine sehr gute Spielzugverlängerung.  Bei der anschließenden 2-Point-Conversion kollabiert die Offensive Line völlig und er wird in Grund und Boden geblitzt. Er sieht noch die ersten beiden Optionen. Beide sind gedeckt. Als er dann wieder in die andere Richtung ziehen will, da die letzte Option nur eine erneute Verlängerung des Spielzugs sein kann, lässt die an diesem Tag außerordentlich starke Defense von Stanford dies nicht zweimal hintereinander zu und gewinnt das Spiel.

Fazit

Ich kann den Unmut einiger Fans nachvollziehen, betrachtet man nicht die Gesamtsituation, sondern nur den Draft als solchen. Natürlich hätten die Bears die späteren Picks zur Verstärkung ihres Teams brauchen können. Zumal ich in Trubisky, betrachtet man nur die nächste Saison, keine Verstärkung für den Kader der Chicago Bears sehe. Aber ebenso sehe ich für die nächsten fünf Jahre eine rosige Zukunft. Er kann mit seiner hohen Passgenauigkeit und seinen schnellen Beinen langfristig eine erhebliche Verstärkung für das Team sein.

Der Pick ist mehr als nachvollziehbar. Pace ist von der Entwicklung seines Teams überzeugt und musste davon ausgehen, dass sein Team in den nächsten Jahren nicht mehr so früh im Draft an der Reihe sein wird. Dies hat er ausgenutzt. Desweiteren hat er mit der Verpflichtung von Mike Glennon dafür gesorgt, dass Trubisky in seinem ersten Jahr als Profi nicht verheizt werden muss und hinter Glennon ein weiteres Jahr an seinen Defiziten arbeiten kann. Defizite, von denen Pace überzeugt ist, dass er sie abstellen kann. Ich bin es auch. Trubisky hat die Proportionen und Armkraft eines NFL-Starters. Er hat einen genauen Wurfarm innerhalb der Pocket, sowie aus der Bewegung heraus. Er liest das gesamte Feld und passt perfekt in das Schema der Chicago Bears. Er lies die Defense gerade im zweiten Level bereits sehr gut, muss allerdings noch an seinen Mechanics arbeiten und mit gesammelter Erfahrung Fehler in seiner Entscheidungsfindung noch weiter minimieren.

Die Puzzleteile für einen elitären Quarterback liegen vor ihm. Jetzt ist es an Coordinator Dowell Loggains und QB-Coach Dave Ragone diese Teile in einem Jahr zusammenzubringen. Das Bears-System machte es in der Vergangenheit sogar durchschnittlichen QBs leicht zu glänzen. Siehe die letztjährigen Leistungen von Brian Hoyer und Matt Barkley. Die Offensive Line wird einen Einstieg in die NFL für einen jungen Quarterback ebenfalls erleichtern.

General Manager Ryan Pace hat alles dafür getan, dass sich Trubisky in dieses Team einfügen und auf NFL-Niveau spielen kann. Er hat ihm zwei erfahrene Quarterbacks zur Seite gestellt, mit Coaches, die ein System spielen lassen, indem sich Quarterbacks weiterentwickeln und gute Leistungen zeigen können. Die Offensive Line erlaubt kaum fatalen Druck durch die Mitte, somit kann ein Pocket Passer wie Trubisky seine Qualitäten ausspielen. Mit Sims, Shaheen und Miller besitzt das Team große Anspielstationen für die Red Zone. Unsere Wide Receiver sind schnell und machen das Spiel breit, genau wie es Trubisky bereits am College bevorzugte.

Pace hat, in dem Wissen, dass es riskant ist, einen jungen Quarterback so früh zu draften, seine Hausaufgaben gemacht. Nachvollziehbar, denn sein Job und damit auch seine Karriere hängen an den Wohl und Wehe der Leistungen Mitch Trubiskys. Er hat Spiele von ihm vor Ort gesehen und traf ihn im November in seiner Heimat, ohne das andere NFL Teams davon etwas mitbekommen haben. Nach diesen Gesprächen kam er wohl zu ähnlichen Eindrücken, wie ein ehemaliger Scout der Ohio State Buckeyes. Die Buckeyes wollten Trubisky damals nach seiner High School Zeit für ihr Team verpflichten. Doch Mitch wollte in einem für ihn passenden System spielen und sagte ihnen ab. Ohios Mr. Football (jährliche Auszeichnung für den besten High-School-Footballer aus Ohio) war an seiner High School für über 9.000 Yards und stand daher nicht nur bei Ohio State ganz oben auf der Rekrutierungs-Liste. Der damalige Scout bescheinigte Trubisky folgendes: „Er kümmert sich um andere Mitspieler.“, „Er hat eine gute Arbeismoral.“, „Er ist ein Familienmensch.“, „Seine Trainingseinstellung ist beeindruckend.“ und „Es sieht aus, als scoutete man einen Coach und nicht einen jungen High-School-Spieler.“ Damit unterstreicht er sein positives Verhalten auf und neben dem Platz und erneut seine hohe Spielintelligenz.

Bears Fans in Deutschland, so bleibt mir noch zu sagen, bildet euch gern eure eigene Meinung, aber lasst euch nichts von den vermeintlichen Experten erzählen. So hab ich es auch getan und bin seitdem überzeugt, dass die Bears den richtigen Weg mit Trubisky eingeschlagen haben. Seit Jahren dümpelt unser Team im Niemandsland der Durchschnittlichkeit. Pace gibt unserem geliebten Team mit der Verpflichtung von Mitch Trubisky endlich wieder die Möglichkeit an die alten Erfolge anzuknüpfen. Mit Hoyer, Barkley und wie sie alle heißen, gewinnen wir in Zukunft definitiv keinen Super Bowl. Mit Trubisky haben wir eine junge Hoffnung darauf gedraftet. Von Garantien sind wir weit entfernt, aber die hatten andere Teams genauso wenig, als sie ihren Franchise Quarterback fanden. Und ohne den gewinnt kein NFL Team eine Meisterschaft!

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".