Der Bears Draft 2017

Quelle: herosports.com

Dem 1. Runden Pick der Chicago Bears haben wir schon in der Draft Nacht zwei Artikel gewidmet und es werden demnächst noch weitere folgen. Doch nun möchten wir das Scheinwerferlicht erst einmal auf diejenigen richten, die in den weiteren Runden ausgewählt wurden.

Am Ende des Draft Wochenendes muss man feststellen, bei den Bears kam alles anders als erwartet und sie stachen aus der Menge heraus, weil sie ganz anders als die anderen Teams agierten. Als die Stärke des Drafts wurde die Defense Seite ausgemacht und bis auf ein Pick ausgenommen, angelten sich die Bears ausschließlich Offensivspieler, wovon Drei aus niederklassigen College Ligen stammen. Letztendlich kommt es jedoch nur auf eine Sache an: Sind die Jungs gut, oder nicht?

2. Runde (Pick #45): TE Adam Shaheen, Ashland

In der zweiten Runde des Drafts entschieden die Chicago Bears sich für den Tight Ende Adam Shaheen aus dem Division II College Ashland, Ohio. Bei der Bewertung von Spielern, die bisher niederklassig gespielt haben, ist es immer wichtig zu sehen, dass sie auf diesem Level absolut dominiert haben. Auf Adam Shaheen trifft das zu.

janikbears: Shaheen ist ein Spieler, den einige NFL Teams höher einstufen, als die Medien. Sie wissen nämlich wozu ihre Coaches fähig sind und Shaheen ist ein echter Rohdiamant, jedoch meine ich mit „roh“ so richtig roh. Eigentlich ging er zum College um dort Basketball zu spielen, dann wurde er zu Ashland transferiert, wo er sich entschied Football zu spielen. In den letzten beiden Jahren fing er 127 Pässe, erreichte 1.600 Yards und 26 Touchdowns.

Adam Shaheen hat absolutes Gardemaß. Er misst 6‘6 ½ und wiegt 276lb, was der Traum eines jeden Coaches ist. Trotz dieser Maße läuft er ziemlich gut, sein 40-Yard-Dash lag bspw. Bei 4,78 Sekunden. Er besitzt einen schnellen Antritt, sowie eine gute Beweglichkeit und guter Körperkontrolle. Er ist in der Lage sich als Receiver gegen Mann-, als auch Raumdeckung freizulaufen und aufgrund seiner Größe ist er ebenfalls in Engen anspielbar. Zudem sind seine Hände extrem sicher beim Fangen (auch bei Würfen weg vom Körper). Nach dem Catch überzeugt er durch Explosivität und guten Instinkten bei der Wahl seiner Laufwege. Als Blocker ist er gewillt, lässt jedoch die nötige Technik vermissen. In dieser Spielklasse funktionierte es natürlich dennoch, er dominierte durch seine Größe und seiner Kraft, doch für die NFL muss er lernen seine Hände besser einzusetzen und sich selbst in eine bessere erfolgsversprechende Position zu bringen.

In Anbetracht seiner Schwäche wird einem klar, warum die Bears sich für diesen Rohdiamanten entschieden haben. Sie verfügen über den nötigen Positionscoach. Tight Ends Coach Frank Smith ist mit Ryan Pace von den Saints gekommen und in dessen Wertschätzung sehr hoch angesiedelt. Außerdem hat er ein Offensive Line Background und sollte somit bei der Lehre von Blocks genau der Richtige sein. Bis dahin, wird Shaheen erst einmal als reiner Receiving Tight End eingesetzt.

Ryan Pace: “I think Adam’s projected to play early. I like his skill set. We spent a lot of time on that. So, just because he’s a small school player, yeah, it’s a big jump. But I think he has the physical skill set to make that jump, and we’re confident in that.”

4. Runde (Pick #112): DB Eddie Jackson, Alabama

In der vierten Runde des Drafts gelang den Chicago Bears ein sogenannter Steal, indem sie Safety Eddie Jackson bekommen konnten. Jackson begann seine College Karriere als Cornerback, wo er sich als Starter im Jahr 2014 das Kreuzband riss. Im Jahr darauf wechselte er dann auf die Free Safety Position und kam dort auf beeindruckende 46 Tackles und 6 INT. Seine Einsätze in der letzten Saison deuteten auf eine vergleichbar starke Saison hin, doch er brach sich im achten Spiel das Bein und verpasste dadurch den Rest.

janikbears: Wir haben Eddie Jackson schon im Draft Podcast zu den Safeties besprochen und sahen ihn einstimmig als 1. Runden Talent an, wären die Verletzungen nicht gewesen. Seine Instinkte und seine Ball Skills sind seine große Stärke. Er hat fantastische Reaktionsschnelligkeit und seine Deckungsreichweite geht von Seitenlinie zu Seitenlinie. Am meisten beeindruckt bin ich jedoch von seiner Führungsqualität. In der so stark besetzten Alabama Defense war er einer der Lautsprecher und Dirigent der Secondary. Nach seinem Ausfall blieb er dennoch nah am Team und sorgte mit einem öffentlichen Brief an seine Kollegen vor dem College Championship Finale für zusätzliche Motivation.

Ryan Pace: “It was just the ball skills and the instincts. So we really liked him as a safety and then you combine that with his skills as a punt returner and we knew we wanted to address punt returner. So I was like, man, we’re going to kill two birds with one stone here and get a good safety and a good punt returner.”

4. Runde (Pick #119): RB Tarik Cohen, North Carolina A&T

Der nächste Auserwählte der Chicago Bears war Tarik Cohen, ein Runningback von der North Carolina A&T. Auch hier gilt, wie zuvor bei Shaheen, dass er die schwächere Konkurrenz auf alle Fälle dominieren muss. In den letzten beiden Jahren lief er für mehr als 2.800 Yards. Noch Fragen?

Cohen ist kein Spieler, der für jedes Team in Frage kommt, denn er wird niemals eine Nummer 1 sein können, also jemand der bei jedem Down zu gebrauchen ist. Die Bears konnten sich Cohen erlauben, weil sie ihre Nummer 1 in Jordan Howard bereits gefunden haben. Tarik Cohen ist ein Spot/Change-of-Pace Runningback, der ebenfalls als Slot Receiver genutzt werden kann. Er ist klein (das darf, hier, sogar ich sagen), muskelbepackt und verfügt über eine außerordentliche Explosivität.

Er misst gerade einmal 5‘6 ½ und wiegt nur 180lb. In Anbetracht dieser Größe verblüfft er dafür mit langen Armen und überaus großen Händen (10 ¼), die zu den größte der RB-Gruppe in diesem Jahr gehören. Aufgrund dessen spielt er größer als er es ist. Seinen 40-Yard-Dash absolvierte er mit 4,42 Sekunden.

janikbears: Tarik ist ein antrittsstarker, schneller und beweglicher Läufer. Er kann seine Gegner aufgrund seiner Qualität bei Richtungswechsel und seiner Cut-Bewegungen in engen, sowie großen Räumen ausweichen und mit dem danach folgenden Antritt im Regen stehen lassen. Cohen findet sehr schnell Lücken in der gegnerischen Verteidigung zum Attackieren und kann mit seinem kräftigen Unterköper noch für weitere Yards nach dem Kontakt sorgen. Als Receiver überzeugt er durch gute Hände. Auch hier überzeugt er dann nach dem Catch mit Antritt, Schnelligkeit und Beweglichkeit, um in Richtung Endzone zu gelangen. Er wurde am College nicht als Returner genutzt, sein ehemaliger Coach ist in diesem Bereich jedoch von seinen Fähigkeiten überzeugt, nutzte ihn, laut eigener Aussage, nur nicht, weil er für die Offense zu wichtig war. Sein einziger Return im letzten Jahr war zudem gleich ein Touchdown.

Tarik Cohen wird 10-15 Mal pro Spiel den Ball in die Hand bekommen, sei es als Runningback, Returner oder Receiver und mit diesem Maß bei jedem Spielzug eine Gefahr für den Gegner darstellen.

Ryan Pace: “He’s quick as a running back, he’s instinctive as a running back, he was productive in every season he had there. Then you split him out of the backfield, and he’s going to shake and separate from a linebacker and a safety. So he can create problems with his quickness and his suddenness, and his athleticism. Again, he was one of those guys we were all pretty fired up about and not just from the YouTube videos.”

5. Runde (Pick #147): OL Jordan Morgan, Kutztown

Der letzte Pick der Bears war ein Offensive Lineman aus Kutztown, ein weiteres Division II College aus Pennsylvania. Die Bears haben eine erfolgreiche Tradition mit Offensive Lineman von kleineren Colleges aus Pennsylvania. So kamen bereits James Williams und Chris Villarrial daher und wussten zu überzeugen.

janikbears: Morgan spielte Left Tackle bei Kutztown und wird in der NFL auf die Guard Position rutschen. Er misst 6‘3 und wiegt 310lb. Er besitzt ordentlich Kraft, lange Arme und ist athletisch. Die Bears Coaches kannten ihn vom Senior Bowl, wo er unter ihrem Regime spielte. Lasst euch also nicht von der Konkurrenz am College fehlleiten, denn beim Senior Bowl bewies Morgan bereits mit den anderen Spielern aus größeren Colleges mithalten zu können.

Die Bears besitzen auf der Guard Position jetzt schon eine starke Tiefe mit Kyle Long, Josh SItton und Eric Kush. Somit wird Jordan Morgan in nächster Zeit als weiterer Back-Up dienen, doch sollte einer der Genannten im Saisonverlauf ausfallen, sollte Morgan gut genug sein, um einzuspringen.

Ryan Pace: “Jordan Morgan played tackle in college. We see him more as a guard — he can do a little bit of both and has good arm length. Again, an advantage of coaching the Senior Bowl was intimate knowledge with this player, and (he’s) another small school player, but I think that Senior Bowl experience kind of cemented for us what kind of player he is. We’re excited about adding him to our offensive line.”

Fazit

Der Draft der Chicago Bears wird größtenteils sehr negativ angesehen. Dabei ist es der starke Kontrast, die so verschiedene Herangehensweise im Vergleich zu den anderen Teams, was ihn so seltsam daherkommen lässt. Denn unter den gewählten Spielern befindet sich definitiv sehr viel Talent und Potenzial und wie schon eingangs erwähnt, kommt es nur darauf an. Natürlich ist es ein Spiel mit großem Risiko, wenn solch eine Reihe an Spieler ausgewählt wird, Pace entschied sich hier voll und ganz für „Top oder Flop“, doch bei genauerer Betrachtung wird klar, wie gut die Spieler ins Team und zu den Coaches passen. Er weiß es halt doch besser, als die Medienleute mit ihren Bewertungen noch vor dem ersten Snap.

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.