Mike Glennon – Zwischenlösung oder Franchise Quarterback?

(AP Photo/Tony Dejak)

Mike Glennon – Zwischenlösung oder Franchise Quarterback?

 

Ist Mike Glennon der zukünftige Franchise Quarterback oder eher eine Zwischenlösung aus Mangel an Alternativen? Dazu habe ich mir seine bisherigen 630 Pässe in der NFL angesehen.

Sich alte Bucs-Spiele anzuschauen ist sicherlich keine leichte Kost, aber für euch tue ich so etwas ja gerne. Aufgeteilt in Pro und Contra Glennon will ich mich seiner Analyse nähern.

Contra Glennon:

Was kann man zu Mike Glennon sagen? Zunächst zum Negativen. Er wirkt sehr unathletisch. Sehr groß, sehr dünn, nicht schnell, geht hart zu Boden beim Sack. Irgendwie macht es mir Angst, dabei zuzuschauen. Hinzu kommen noch solche Fehler wie bei seinem ersten NFL Pass oder wie diesen hier:

Das ist ein Fumble nach einem 65 yard Drive wegen Pressure. Man MUSS da den Hit nehmen und darf niemals ausweichen.

Bei Druck kommt noch etwas hinzu dass mich ins grübeln kommen lässt. Er hat allem Anschein nach Angst vor Sacks, nur das kann hierfür die Erklärung sein:

Welcher NFL Quarterback verlässt den Boden um zu werfen? Dies gefällt mir persönlich überhaupt nicht. Seine Angst. Sie kann tödlich für die Angriffsbemühungen der Bears werden.

Wie Jay Cutler hat er einen fantastischen Arm, wirft aber vom hinteren Fuss, mit beiden Füße in der Luft, rennt weg, verliert den Ball und ist absolut nicht zuverlässig in der Pocket. Zumindest war das so in 2013 & 2014. Zu seiner Verteidigung muss man aber sagen, dass er verletzt gespielt hat, aber auch Ausfälle hatte. Damit wäre er der nächste Quarterback bei den Bears, der noch nie eine volle Saison gespielt hat. Verletzungen könntne bei so einem „Spargel-Tarzan“ tatsächlich ein Problem werden. Sein Gewicht bei seiner Körpergröße sprechen zumindest erstmal nicht für große Robustheit.

Mike Glennon war in einer sehr schwierigen Situation in Tampa Bay. Gar keine Frage. Er wurde Starter als frisch vom College kommender Rookie und musste Josh Freeman ersetzen, der nach Querelen im Team entlassen wurde. Die Bucs waren in dieser Zeit das mit Abstand schlechteste Team in der NFL und ihr Coach war nicht gerade dass, was man einen Quarterback-Guru nennt, Lovie Smith. Er erkannte nie das Potenzial und setzte ihm nach einem Jahr Josh McCown vor die Nase, der nach einer guten Saiosn bei den Bears als Free Agent verpflichtet wurde. Die beiden wurden, auch in der Öffentlichkeit, einem offenen Kampf um die Position als Starter ausgesetzt. In dieser Situation zeigte Glennon nicht mehr und nicht weniger, als was man von einem durchschnittlichen NFL-Quarterback verlangt. Im Laufe der Saison verlor er aber das Duell gegen Josh McCown. In dieser ganzen Zeit spielte Glennon, wenn er auf dem Feld war, hinter einer ganz schlechten Offensive Line, die sicherlich nicht zu einem selbstverständlicheren Spiel eines Unerfahren beiträgt.

Ja, das war ein sehr schlechten Offensive Line bei den Buccaneers.

Pro Glennon:

Also blicken wir nun auf das Positive. Was bringt Mike Glennon mit?

Sein Footwork, genau richtig.  Auch bei dem vorherigen Sack gab es hier nichts auszusetzen. Auch der Wurf war gut, außen wo der Verteidiger den Ball nicht kriegen kann. Okay, kurze Pässe sind das, was jeder Quarterback machen kann, und sind sehr effektiv, aber man muss auch den starken Wurf in Traffic machen können, wie Mike Glennon hier.

Und die richtig guten Quarterbacks haben nicht nur den Arm um 50+ Yards zu werfen, die können diese Bälle auch an den Mann bringen:

Arm Strength gepaart mit einer hohen Passgenauigkeit sind bei einem Quarterback durch nichts zu erstezen. Und beides kann man ihm bescheinigen.

Hinzu kommt seine Smartness. Ein klares Indiz eigentlich aller Neuverpflichtungen von Pace. Er mag eben trainierbare und intelligente Spieler. Sein gestriges Interview hat bei allen Zuhörern einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Sein Auftreten gegenüber seinem neuen Team und den Medien war exzellent. Er ist mental gewachsen und erscheint sehr begierig, mehr über das Spiel als Quarterback in der NFL zu lernen. Diese Lernbereitschaft zeigte er dann wohl auch in den letzten Jahren, weshalb eine Verbesserung seiner Fähigkeiten nicht abwegig erscheint.

In Chicago angekommen sprach er dann zuallererst mit alten Bekannten, wie Eddie Royal, um eine Perspektive zu erhalten und um alle Telefonnummern seiner neuen Teamkameraden in der Offense zu bekommen. Er möchte so schnell wie möglich mit allen Beteiligten rund um Halas Hall interagieren und zu einem externen Trainings Camp im Frühjahr einladen (interne Einheiten sind ja erst im Sommer wieder erlaubt).

Stats:

Kommen wir zu den Stats der letzten vier Jahre und vergleichen dabei  Glennon und Cutler:

 

Glennon:

Cutler:

Auffällig sind die Unterschiede. Glennon wirft für weniger Yards, bekommt aber fast genauso viel Touchdowns pro Spiel hin. In die Metrik, wirft er Zielgenauer, versucht aber nicht annähernd so oft den Ball über 20 Yards zu bringen. Allgemein sind die Stats ganz gut, bis auf die Sacks die er einsteckt. Sacks deuten nicht oder nur bedingt auf ein schlechten Offensive Line hin. Quarterbacks müssen eher reagieren, schneller sein und auch ein Gefühl für Pressure haben.

Glennon scheint einen siebten Sinn für Druck zu haben, kann aber nicht immer ausweichen. Mit schnellen Receivern kann Glennon sehr gut arbeiten, Mike Evans und Vincent Jackson hatten wirklich gute Stats in 2013 dank Glennon.

Medien:

Allem Anschein nach wollen auch viele mit ihm zusammen spielen:

Und schauen wir zuletzt einmal auf die Expertenmeinung vom ehemaligen Super Bowl Coach Jon Gruden.

Nette Worte vom QB-Experten über Glennon.

Schlusswort:

Zunächst war ich skeptisch über die Verpflichtung und so geht es vielen von euch auch sicherlich. Doch nachdem ich ihn im Interview gesehen habe und seine NFL-Spiele gesehen habe, habe ich Hoffnung und sehe einen guten Spieler, den man nicht vorschnell verurteilen sollte. Glennon wird als Spieler geshen, der eine Chance in der NFL erhalten hat und gescheitert ist. Doch hatte er wirklich eine faire Chance? Er hat mehr verdient. Und so ist auch sein neuer Vertrag auf diese zweite Chance gestrickt. Er hat einen s.g. Year-by-Year Contract mit Optionen. Dass heißt, er erhält im ersten Jahr garantiertes Geld und ab dann ist sein Vertrag flexibel in beide Richtungen. Wenn es nicht klappt, kann man ihn günstig entlassen und einfach verlängern, wenn er gut spielt.

Zur Eingangsfrage zurück. Er ist weder Zwischenlösung noch Franchise Quarterback. Er kann ein absoluter Glücksgriff sein oder eine Enttäuschung. Wir wissen es nicht, die Bears wissen es auch nicht. Vielleicht ist er deshalb eher als „Perspektivspieler“ zu sehen (Anm.: philippgd).

Trotzdem sage ich, großartige Arbeit von Ryan P ace, weil es keine Nachteile bei seiner Verpflichtung für die Bears gibt. Egal ob es funktioniert oder nicht, es ist sehr wahrscheinlich, dass die Bears noch einen Quarterback früh im Draft holen werden. Schlagen beide ein, haben wir zwei richtig gute Quarterbacks, floppen beide, haben es die Verantwortlichen gleich auf beiden Märkten versucht, um diese Schlüsselposition zu verstärken. Glennon bringt zumindest schon einmal das Potenzial für Erfolg mit.

 

Bleibt nur noch zu sagen,

Willkommen Mike Glennon, du bist ein guter Quarterback der viel Positives mitbringt!

Coach D
Stieß im Jahr 2015 dazu und ist der Ami in unserer Runde. Er war lange als Coach tätig und spielte zuvor selbst Football, wo er sich unter anderem mit der Bears Legende Brian Urlacher messen durfte.