Road to Juhston: DR // Steelers @ Chiefs

Für die Chicago Bears ist die Saison bereits rum. Daher gibt’s ab jetzt in jeder Postseason Woche ein Spiel, das wir einmal näher analysieren wollen. In BDG-Vorbearichten geht es seit Jahren weniger um das Wer, sondern um das Wie gespielt wird. Es gilt weniger einen Blick auf Stats und Facts zu legen. Denn die könnt ihr auch alle selbst nachlesen. Wir wollen euch zeigen, mit welchen Mitteln und wo auf dem Feld der Gegner geschlagen werden kann.

Kommen wir an diesem Wochenende zum Spiel der Pittsburgh Steelers gegen die Kansas City Chiefs im Arrowhead Stadium. Die beiden Teams trafen in diesem Jahr bereits einmal aufeinander. In der Regular Season gewannen die Steelers zu Hause 43:14. Da können wir doch eigentlich schon die Voranalyse beenden und Pittsburgh zum Sieger krönen. Doch weit gefehlt. Gerade die Fans des Steel Courtain wissen, dass diese Ergebnisse nichts bedeuten. Erst letzte Woche hatten sie die Miami Dolphins aus dem Heinz Field gefegt, und da hatte man in der Regular Season noch deutlich das Nachsehen.

Nur was müssen die Chiefs anders machen und wofür müssen sich die Steelers wappnen? Diesen Fragen versuche ich nun eine Antwort zu geben.

Match-Plan

Kansas City Chiefs Offense gegen Pittsburgh Steelers Defense

West Coast ChiefsDie Chiefs spielen eine klassische West Coast Offense. Hierbei geht es im Gegenteil zur üblichen Offense darum, das Laufspiel über das Passspiel zu etablieren. Vorrangige Elemente sind ein breit aufgezogenes Receiving Corps und Tight Ends und Runningbacks die weniger im Blocking und Laufspiel, sondern mehr im Passing Game eingesetzt werden. Dadurch, dass die Defense mehr Passverteidiger bereithalten muss, ergibt sich dann ein Vorteil im Running Game. Weshalb es bei den Chiefs auch fast egal ist, wer da hinten im Backfield steht. Der Runningback wird eingesetzt, wenn genug Platz zum Laufen da ist und die Box um die Front Seven der Defense nicht mit zu vielen Spielern gefüllt ist. Die West Coast Offense versucht auch Überzahlsituationen zu erzeugen und durch bestimmte Passsysteme Spieler frei zu spielen.

Wie im Bild oben zum Beispiel. Auf der rechten Seite läuft der äußerste Receiver einen so genannten Fade oder auf längerer Distanz Go. Der zweite eine Out Route und der dritte eine Flat Route. Der Cornerback und der Safety können auf ihrer Seite lediglich einen Spieler übernehmen, weshalb ein Spieler frei sein sollte. Geht der zweite Safety zur Hilfe rüber auf die rechte Seite, kann der linke Wide Receiver sich durch die Slant Route im 1on1-Matchup gegen seinen Cornerback durchsetzen. Somit wäre in der Theorie immer ein Passempfänger frei. Spieler wie Tyreek Hill, Jeremy Maclin oder Travis Kelce passen mit ihren Anlagen perfekt in dieses System.

Aufgrund von Cover Schemes kann die Defense allerdings solche Überzahlsituationen versuchen auszugleichen. Und hier kommt die Nickel Defense der Pittsburgh Steelers ins Spiel. Die lieben es nämlich, gegen eine Offense zu spielen, die über den Pass ihr Spiel aufziehen will. Bei der Nickel Defense wird ein fünfter Spieler in die Secondary positioniert, wodurch die beschriebenen Überzahlsituationen vermieden werden sollen.

Nickel Defense

Im letzten Spiel sind die Chiefs mit dieser Formation nicht zu Recht gekommen. Was müssen sie also verändern, da sie das Spiel ja sicherlich gewinnen wollen?

Die Steelers haben aufgrund dieser Formation eine Schwachstelle. Das Zentrum der Defensive Line ist anfällig gegen den Lauf. Dies muss das erste Mittel sein, um erfolgreich ein Angriffsspiel aufzuziehen. In der Mitte des Spielfeldes befindet sich auch noch eine weitere Lücke. Die Linebacker Ryan Shazier und Lawrence Timmons gehören wohl in die Ligaspitze, wenn es darum geht, Druck auf den gegnerischen Quarterback auszuüben. Doch ihre Schwäche liegt in der Coverage und damit in der unmittelbaren Passverteidigung. Auf der anderen Seite steht Tight End Travis Kelce, der sich darauf Versteht, dies auszunutzen.

Die Chiefs müssen also zeigen, ob ihr Playbook auch Optionen fern der West Coast Offense enthält. Mit ihrem üblichen System werden sie keine Chance haben oft genug aufs Scoreboard zu kommen. Schaffen sie es, dass System zu verändern, können sie im weiteren Verlauf des Spiels auch wieder auf ihr Lieblings-System zurückgreifen. Denn die Steelers werden dann ebenfalls von ihrem Plan abrücken müssen. Passt Kansas City sein Spiel nicht an den Gegner an, wird es auf dieser Seite des Balls eine einseitige Partie werden.

Allein auf ihre Playmaker können sie sich nicht verlassen. Natürlich wird Rookie Tyreek Hill erneut für ein paar Big Plays gut sein. Seine Yards after Catch/Contact sind herausragend. Für ein paar Punkte wird er wieder verantwortlich sein. Bereits 13 Broken Tackles stehen bei ihm zu Buche. Ein herausragender Wert für einen Rookie Wide Receiver. Von Alex Smith ist mal wieder ein nahezu fehlerfreies Spiel als Quarterback zu erwarten. Jedoch steht ihm ein starker Pass Rush gegenüber. Der Veteran schlechthin James Harrison hat mit 38 Jahren noch einmal richtig Lust auf Football und wird erneut mit sehr viel Herz und Feuer die Fans begeistern, sowie Smith mit seinen Kollegen wenig Zeit zur Entfaltung bieten.

Keys:

  • Etablierung eines alternativen Game Plans auf Seiten der Chiefs
  • Playmaker auf beiden Seiten des Balls sind gefragt (Tyreek Hill, Alex Smith, Travis Kelce, sowie Ryan Shazier, Lawrence Timmons und James Harrison)
  • Es sind wenig Turnover zu erwarten

Pittsburgh Steelers Offense gegen Kansas City Chiefs Defense

Zugegeben, als selbstbezeichneter Offensive Line Nerd habe ich mich in den letzten Wochen in die OLine der Steelers verliebt. Im Run, wie auch im Pass Blocking sind sie oberste Klasse und wohl das beste was es auf dieser Position neben den Dallas Cowboys in dieser Playoff-Serie zu sehen gibt. Vor allem die beiden inneren Guards David DeCastro und Ramon Foster, sowie Center Maurkice Pouncey überzeugen durch praktisch keine erlaubten Sacks und selten zugelassenen Druck auf den Quarterback. Right Tackle Marcus Gilbert darf sich hier mal direkt mit einreihen. Einzig Left Tackle Alejandro Villanueva bleibt ein kleiner Schwachpunkt. Sein Spiel hat sich im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verbessert. Aber wenn mal Druck auf Ben Roethlisberger ausgeübt wird, dann fast ausschließlich über ihn.

Über die linke Seite der Steelers werden wir daher vermehrt Blitze sehen. Rookie Chris Jones ist zwar nicht durch viele Sacks oder andere Aktionen aufgefallen. Er zählt für mich aber jetzt schon zu den besten Pass Rushern in der inneren Defensive Line. Hier ist es natürlich schwieriger an Sacks zu kommen, allerdings schafft er durch die Aufnahme von Double Teams, Räume für den Pass Rush seiner Linebacker. Da wird ein wichtiger Schlüssel in diesem Spiel liegen. Können die starken Guards es ohne Hilfe ihres Centers mit ihm aufnehmen oder werden die Chiefs mit seiner Hilfe einen gefährlichen Pass Rush etablieren können und Big Ben die Luft zum Atmen nehmen? Darauf zu achten ist ganz leicht. Je öfter die OLiner der Steelers die inneren Verteidiger doppeln, desto größer wird im weiteren Verlauf des Spiels der Druck auf ihren Quarterback.

Doch was nützt ein starker Pass Rush gegen diese starke Run-Offense. Le’Veon Bell wird auch in diesem Spiel das Workhorse des Teams sein. Seine OLine wird ihm erneut offene Laufwege präsentieren und er wird sie zu nutzen wissen, wie vielleicht kein anderer in der gesamten NFL derzeit. Zumal die Run-Defense der Chiefs von der Qualität im unteren Drittel der Liga anzusiedeln ist. Die Steelers können daher ihr Spiel über den Lauf aufziehen und abwarten, bis sich Räume für Antonio Brown und das weitere Receiving Corps ergeben.

Aus Sicht der Steelers ist das auch gut so. Denn ihr Passspiel wird gegen diese Secondary einem harten Test unterzogen werden. Egal wer das Matchup gegen Brown aufnimmt. Mit Marcus Peters und Terrance Mitchell hat er es mit hervorragenden Cornerbacks zu tun, die gegnerische Quarterbacks und deren Receiver generell nicht gut aussehen lassen. Safety Eric Berry hilft ihnen noch als zusätzliche Absicherung. Daher sollten die Steelers den langen Pass so selten wie möglich anbringen und keine Turnover provozieren.

Kein Quarterback wirft öfter lange Bälle in der NFL als Ben Roethlisberger. Und keiner hatte in den letzten Wochen eine geringere Completion Rate als er. Kurze Pässe unter 10 Yards sollten das probate Mittel ihrer Offense sein. Danach liegt es vor allem an Bell und Brown was sie daraus produzieren. Gegen den starken Pass Rush der Chiefs sind die kurzen Pässe ebenfalls ein gutes Mittel, da Ben den Ball nicht so lang in seinen Händen hält.

Die Steelers sollten sich auf ihr Spiel verlassen, Turnover vermeiden und häufig den Ball in die Hände von Le’Veon Bell legen. So können sie die Schwachstellen der Chiefs Defense ausnutzen und laufen nicht Gefahr ihnen durch Turnover leichte Punkte oder wenigstens gute Field Positions zu ermöglichen. Allein sein Highlight-Video vom Wild Card Game ist über 2 Minuten lang und sollte auch für unerfahrene Football-Zuschauer keinen Zweifel daran lassen, dass er das Spiel erneut dominieren kann.

Keys:

  • Steelers sollten an ihrem üblichen Gameplan festhalten
  • Gebt Bell den Ball so oft wie möglich
  • DLine muss Druck auf die gesamte OLine ausüben, um Turnover zu erzwingen
  • Big Ben darf nicht zu viel riskieren

Special Teams

Die Kansas City Chiefs haben in dieser Saison über 40% ihrer Punkte aus Special Teams und Touchdowns der Defense erzielt. Das ist enorm. Special Teams Coordinator Dave Toub hat erneut eine richtig starke Einheit geformt. Auch bei den Bears war er damit früher sehr erfolgreich und trug großen Anteil zur letzten Super Bowl Teilnahme 2007 bei. Mit Tyreek Hill hat er einen erstklassigen Returner. Ihm zur Seite stehen hervorragende Blocker. Daniel Sorensen und Steven Nelson möchte ich hier einmal nennen, weil gerade diese Positionen oft zu kurz kommen. Doch ohne ihre Leistung, wäre Hill sicherlich nicht so erfolgreich.

Vor allem bei Punt Returns erlangen sie häufig eine Feldposition in der generischen Hälfte oder erzielen direkt den Touchdown. Die Steelers tun also gut daran, häufig ihre Drives mit einem Score abzuschließen, um den Chiefs diese Möglichkeit gar nicht erst anzubieten. Zumal  Jordan Berry alles andere als ein guter Punter ist.

Egal was hier vorher über Defense und Offense usw. analysiert wurde. Die Chiefs sind in der Lage den Spielverlauf über ihre Punt Returns auf den Kopf zu stellen.

Viele werden sich jetzt fragen, warum ich nicht Antonio Brown bei den Steelers erwähne. Ganz einfach. Brown zählte mal zu den besten Returnern der NFL. In diesem Jahr sicherlich nicht. Da strahlt er mit einem Durchschnitt von 9.3 Yards pro Return und keinem Touchdown keine Gefahr aus. Er darf mich aber gern eines Besseren belehren.

Fazit

Es liegt alles klar auf der Hand. Pittsburgh kann offensichtlich sein Spiel in der Offense wie in der Defense aufziehen und ist damit zunächst klarer Favorit. Doch wenn es Kansas City gelingt, das Spiel umzugestalten, wird das Ergebnis offen sein. Von einem Head Coach der Klasse eines Andy Reid ist dies zu erwarten. Er wird sich in den letzten zwei Wochen immer wieder das Regular Season Game angeschaut haben und seine Schlüsse aus der Niederlage gezogen haben. Aus Sicht der Steelers ist zu wünschen, dass Mike Tomlin sich ähnliche Mühe gemacht hat, trotz des sehr hohen Sieges im letzten Aufeinandertreffen.

Zum Schluss bleibt es aber dabei. Alle Voranalysen sind hinfällig, wenn die Chiefs erneut die Hälfte ihrer Punkte aus Turnovern und Special Teams erzielen können. Stehen die Steelers aufgrund einiger Fehler plötzlich mit dem Rücken zur Wand, wird es sehr schwierig für sie noch einmal zurück zu kommen. Kaum ein Team kann einen Vorsprung so gut verwalten, wie die Kansas City Chiefs.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".