SpielBEARicht: Bears @ Giants

Zehn Spiele dieser Saison sind rum. Für die Chicago Bears setzte es die 8. Niederlage. Irrelevant, da sie ihre Saison bereits vor dem Spiel an den Nagel hängen konnten. Entscheidend ist aber das, was auf dem Platz dabei gespielt wird. Die Bears sammeln in diesen letzten Saisonspielen Informationen für das nächste Jahr und die Offseason. Erneut zeigte die Mannschaft in beiden Halbzeiten ein anderes Gesicht. Es ist erschreckend anzusehen, wie dieses Team in jeder Woche den Sieg in Hälfte 2 verspielt. So wie die beiden Halbzeiten sich in Licht und Schatten unterteilen lassen, will ich es an dieser Stelle auch mit den Eindrücken vom letzten Spiel halten.

Licht:

Die erste Halbzeit war herausragend. Überraschend nach der Leistung der vergangenen Woche. Die Bears konnten in ihren ersten drei Drives scoren und lagen zwischenzeitlich mit 16-6 in Führung. Bis zur Pause brachte Jay Cutler 75% seiner Pässe an und warf zum Touchdown auf den ebenfalls glänzend aufgelegten Zach Miller. Jordan Howard erlief 72 Yards mit einem Average bei 12 Läufen von 6 Yards pro Lauf. Die Offensive Line hielt dem Druck stand und gab Cutler genug Zeit seine Anspielstationen zu finden.

In der Defensive konnte der Pass Rush zwar keinen einzigen Sack verzeichnen, allerdings war Leonard Floyd bis zu seiner Verletzung erneut gut aufgelegt. Sein Tackle for Loss gegen Rashad Jennings zeigte einmal mehr, weshalb die Bears ihn geholt haben. Floyd hat etwas, dass man keinem NFL-Profi mehr antrainieren kann. Instinkt!

Deon Bush durfte zum ersten Mal in seiner Rookie-Saison als Safety starten. Dabei spielte er gleich alle 67 Snaps mit. Durch seine Schnelligkeit konnte er große Bereiche des Feldes covern und verzeichnete einige bemerkenswerte Run Stops. Manning spielte nur selten in seine Richtung, was für eine gute Coverage spricht. BeardownGermany ist sich hier geschlossen einig und möchte mehr von ihm sehen. Es ist schon verwunderlich, wie ein Spieler, der in den ersten neun Spielen nicht eingesetzt wurde, auf einmal alle Snaps spielt und auch noch ein gutes Gesamtbild dabei hinterlässt. Warum haben wir ihn nicht früher gesehen? Auf jeden Fall wird er in den letzten Spielen der Saison noch weitere Möglichkeiten bekommen, sich für die nächste Saison zu beweisen und eventuell schon eine Frage für die Offseason in Bezug auf die Secondary beantworten können.

Ähnliches gilt für CJ Wilson. Nach einer Odyssee zwischen Practice Squad und Roster während der bisherigen Saison gerieten die Bears, aufgrund von Ausfällen, in die Verlegenheit, ihn aufstellen zu müssen. Ich muss sagen, dass er mich positiv überrascht hat. Als natürlich schwächere B-Option von Eddie Goldman könnte er es in den nächsten Wochen dauerhaft in den 2017er Kader schaffen, wenn er weiterhin so druckvoll das A-Gap bespielt.

Schatten:

In Hälfte 2 verspielten die Bears erneut eine Führung und konnten nicht einen Score landen. Jay Cutler benötigte ganze 13 Minuten für den ersten vollständigen Pass der zweiten Halbzeit. Bis dahin schafften sie kein einziges neues First Down. Jordan Howard wurde, nach starker erster Halbzeit, im ersten Drive nicht einmal eingesetzt.

Die Giants hingegen erzielten mit den ersten beiden Drives jeweils einen Touchdown und stellten den bisherigen Spielverlauf auf den Kopf. Danach wurden auf beiden Seiten des Balles auch keine Punkte mehr erzielt.

Erneut müssen die Coaches diese unnötige Niederlage auf ihre Kappe nehmen. Wieder haben sie ihren tapfer und unermüdlich kämpfenden Spielern die Belohnung mit fehlenden und falschen Adjustements in der Halbzeitpause vorenthalten. Sie müssen sich etliche Fragen gefallen lassen. Warum wird der Playmaker der letzten Wochen zu Beginn des dritten Quarters auf die Bank gesetzt, nachdem er bis dahin hervorragend gespielt hat? Warum bricht der Gameplan in der Offense wie in der Defense je länger das Spiel dauert in sich zusammen? Warum kann jeder Gegner in der NFL bessere In-Game-Adjustements treffen als ihr?

Die Coaches tragen die Hauptverantwortung dafür, dass die Chicago Bears erneut nicht um die Playoffs spielen können. Fehlendes Glück kommt da noch hinzu. Erneut verletzten sich wichtige Säulen auf beiden Seiten des Balles. Es ist ein Wunder, dass die Bears überhaupt noch genug Spieler auflaufen lassen können. Das kann nicht einmal mehr als Pech bezeichnet werden.

Ausblick:

Nächsten Sonntag geht es gegen die Tennessee Titans. Von den Startern der ersten Woche werden von 22 Spielern maximal noch neun in der Startaufstellung stehen. Unter anderem werden die Bears mit Quarterback Matt Barkley Vorlieb nehmen müssen, nachdem Jay Cutler sich an der Schulter verletzte und erneut für längere Zeit ausfällt. Ben Braunecker erhält seine Chance auf der Tight End Position. Hat er NFL-Format und kann die Lücke im nächsten Jahr hinter Zach Miller ausfüllen? Ähnliches gilt für die Secondary. Die Bears müssen aus der Not eine Tugend machen und weiter ihre jungen Spieler testen und ihnen die Chance geben, sich im Wettbewerb zu beweisen.

Eine weitere Frage wird sein, ob die Coaches an sich arbeiten können und sich bei den Adjustements verbessern können. Die Ergebnisse sind unwichtig. Entscheidend ist die Performance und diesmal bitte über beide Halbzeiten hinweg.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".