SpielBEARicht: Bears vs Vikings

Nach drei Niederlagen in Folge gab es endlich wieder einen Sieg. Ein wichtiger Sieg in einem Divisionsduell gegen die Minnesota Vikings und der erste Sieg mit Starting Quarterback und Rückkehrer Jay Cutler. Vor zwei Wochen zählten die Wikinger aus dem Norden noch zu den besten Teams des Landes. Die Bears haben sie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und haben sie kaum ins Spiel gelassen.

Offense:

Kein Team erreichte bisher gegen Minnesota über 400 Offensive Yards. Mit einer effizienten und ausbalancierten Spielweise konnten die Bears dem Gegner ihr Spiel aufzwingen. Jay Cutler setzte mit einer hohen Effektivität seine Passempfänger in Szene und die Offense konnte häufig auf ihr exzellentes Running Game setzen. Vor allem in der Aufnahme der Drives war das Laufspiel ein entscheidender Faktor für den Sieg. Das gilt ebenso für die 3rd-Down-Effizency, die gestern bei 50% lag.

Jay Cutler verteilte die Bälle auf insgesamt 8 verschiedene Receiver für 252 Yards. Nach anfänglich doch eher hölzernem Spiel von ihm, fand er rechtzeitig, aber erst ab dem zweiten Quarter, öfter Alshon Jeffery, der mit seinem ersten Touchdown in dieser Saison die vorübergehende 20:3 Führung erzielte. Diese Verbindung kann den Bears in den nächsten Wochen einen entscheidenden Vorteil im Angriffsspiel geben. Das gilt auch für Zach Miller. Ihn fand Cutler gleich 7mal für 88 Yards.

Die Offensive Line darf bei diesem Sieg nicht vergessen werden. Sie konnte fast alle Bemühungen der gefürchteten Defense der Vikings entschärfen und erlaubte nur einen Sack. Druck auf den Quarterback konnte der Gegner nur punktuell aufbauen und selten die Drives der Bears in der eigenen Hälfte stoppen. Die Ausfälle von Sitton und Long konnten von Kush und Larsen kompensiert werden. Der viel gescholtene Bobby Massie machte sein bestes Spiel in der bisherigen Saison. Er ließ nur ein einziges Mal Druck auf seinen Quarterback zu. Weiter so!

Was ist Jordan Howard doch ein Super-Typ. 153 Rush Yards und 1 Touchdown gegen eine Lauf-Defense, die vor diesem Spiel im Schnitt nur knapp über 80 Yards pro Spiel zuließ. Gleich sein erster Lauf brachte Chicago auf die Siegerstraße.

Er ist auf einem sehr guten Weg und man kann sicher sagen, dass er einer der besten Draft Picks in diesem Jahr ist. Bereits 18 Tackles konnte er in dieser Saison ausweichen. Ligaspitze! Nur Ezekiel Elliott erreichte den selben Wert. Der hat aber schon 60 Carries mehr. Sein Spiel machte es Jay Cutler leichter, nach seiner Verletzung zurückzukehren. Die Vikings Defense musste immer den Lauf als gefährliche Waffe bei ihrer Strategie berücksichtigen und Play Action Pässe vereinfachten das Pass Blocking der Offensive Line. Jay Cutler wusste auch bei wem er sich nach dem Spiel zu bedanken hatte und hob besonders die Pass Protection seiner OLine hervor. Das Zusammenspiel mit Jordan Howard fühlte sich, laut eigener Aussage, an, als hätte er mit einem 5-Jahres-Veteran-Spieler auf dem Feld gestanden.

Offensive Player of the Game: RB Jordan Howard (Rush: 153yds, Average: 5.9, 4Rec: 49yds)

Defense:

5 Sacks! Dann auch noch von vier unterschiedlichen Spielern. Vic Fangio dürfte mit dieser Performance mehr als zufrieden sein. Sam Bradford bekam nie Zeit zum durchatmen. Nur zweimal haben die Bears während des Spiels geblitzed. So hatte es sich BDG-Autor janikbears ja auch gewünscht. Damit standen in der Coverage mehr Verteidiger zur Verfügung.

Leonard Floyd kommt immer besser ins Spiel und zeigt, weshalb die Bears ihn in Runde 1 des diesjährigen Drafts geholt haben. Nach überstandener Verletzung fühlt er sich endlich Wohl und kann sich entfalten. Er wurde gestern als Pass Rusher eingesetzt. Nur einmal wurde er für die Coverage aufgestellt. Zwei Hurries und ein Sack gehen auf sein Konto. Endlich kann er dort im Spiel Akzente setzen, wo die Bears ihn eingeplant haben.

Gerade in den entscheidenden Momenten war der Pass Rush präsent. Als eine der Schlüsselszenen mache ich den Stopp kurz vor der Halbzeitpause aus, der die Vikings auf Abstand hielt und nur ein Fieldgoal zuließ. Nach zwei missglückten Läufen für gerade einmal ein Yard, setzte Akiem Hicks zum Sack an und verhinderte so den Touchdown. Damit gingen die Bears mit einem Two-Possession-Vorsprung in die Pause. Im Vergleich zu den letzten Spielen zeigt Hicks‘ Leistungskurve wieder deutlich nach oben.

Tracy Porter spielte 8 von 12 Targets auf Stefon Diggs gegen selbigen und erlaubte nur vier Receptions für 25 Yards. Man kann sagen, dass er ihn nahezu aus dem Spiel genommen hat. Der Pass Rush hat ihm sicherlich dabei geholfen, es bleibt aber eine starke Leistung.

Jeder Sack hätte die Beendigung des Drives zur Folge gehabt, hätte Cornelius Washington sich nicht eine dumme Strafe eingefangen. Er lief nach dem Spielzug von der Bank aufs Feld und verhinderte damit die zu-Null-Führung nach dem 2. Quarter. Solche Aussetzer sind in den häufig engen Partien unverzeihlich.

Wenn es Schwachpunkte gab, ist CB De’Vante Bausby zu nennen. Als er den erneut angeschlagenen Tracy Porter ersetzen musste, erzielten die Vikings ihren einzigen Touchdown. Diggs war ihm zum dritten Mal in Folge entwischt. Seine Coverage erreicht bisher kein NFL-Format. Aus Mangel an Alternativen werden wir ihn aber weiterhin auf dem Feld sehen. Es sei denn nach der BYE Week kann sich Deiondre Hall gesund zurückmelden.

Das Run Game der Vikings war nicht präsent. Die Defensive Line der Bears erlaubte hier nur 57 Yards und konnte so ständig den Druck auf Sam Bradford erhöhen, indem dieser für lange 3rd Downs gehen musste. Er konnte nur zweimal den Drive fortsetzen. Wenn man bedenkt, dass der beste Run Stopper in Eddie Goldman gar nicht auf dem Feld war, kann man die Leistung der Defense in diesem Spiel gar nicht hoch genug aufhängen. Gleichzeitig steht es dafür, welchen Einfluss die Neuzugänge Jerrell Freeman und Danny Trevathan auf das Spiel haben. Im letzten Jahr wären so wenige Rush Yards des Gegners in keiner der 16 Begegnungen denkbar gewesen, praktisch unerreichbar.

Defensive Player of the Game: DE Akiem Hicks (2Sacks, 4Tackles, 1Pass deflected)

Was noch zu sagen wäre:

Die Special Teams waren unauffällig. Cre’von LeBlanc sollte in Zukunft nicht häufiger als nötig die Punt Returns übernehmen. Er verursachte beinahe einen Turnover, weil er sich zu spät und falsch entschied, den Ball nicht aufzunehmen. Im weiteren Verlauf konnte er sich zwar steigern. Die Bears werden aber sobald Eddie Royal fit ist, wieder auf ihn setzen. Punter Pat O’Donnell konnte erneut, wie schon in der gesamten Saison, keinen Punt innerhalb der letzten 10 Yards platzieren. Alternativen sind auf dem Markt. Hier ist die NFL stärker besetzt, als auf der Place Kicker Position. Es besteht die Möglichkeit in der spielfreien Zeit jemanden auszutesten. Die Bears sollten ihm zumindest zeigen, dass er sich solch unterdurchschnittliche Punts nicht mehr lange erlauben darf. Ein Wechsel ist durchaus möglich.

Jeremy Langford scheint seinen Starting Job als Runningback bereits verloren zu haben. Das heißt aber nicht, dass wir ihn gar nicht mehr zu sehen bekommen. Ein Lob hierbei an Dowell Loggains, der es verstand, alle drei Halfbacks passend einzusetzen. Langford wird in Zukunft vor allem bei längeren 3rd-Down-Conversions gebraucht und konnte gegen die Vikings bereits ein 3rd&8 zu einem neuen First Down umwandeln.

Tight End Ben Braunecker fing seine allererste NFL-Reception. Von ihm werden wir sicherlich Woche für Woche mehr Einsatzzeiten auch in Pass Situationen sehen.

Kicker Connor Barth verwandelte 2 von 2 Field Goals und alle Extrapunkte. Da eine perfekte Performance bei ihm bisher nicht selbstverständlich war, sei es an dieser Stelle einmal erwähnt. Auch wenn es relativ kurze Versuche waren, so wünschen wir uns alle, dass er an diese Leistung anknüpfen kann und sich das Kicking Squad eingespielt hat.

Fazit:

Entgegen der Aussagen von Journalisten, die wir in den letzten Wochen aus Chicago empfangen haben, scheinen die Bears ihr Schicksal immer noch selbst bestimmen zu wollen. Und das können sie auch. Nach der BYE Week geht es gegen Tampa Bay, die Giants, Tennessee und San Francisco. Das ist zwar nach einem Spiel sehr hoch gegriffen, aber das Team glaubt daran, dass sie diese Spiele für sich entscheiden können. Danach geht es gegen zwei Divisionsrivalen. Stehen die Bears bis zu diesen Spielen bei 5-7 haben sie es in der Hand. Divisionsintern weisen sie mit 2-1 bereits mehr Siege als Niederlagen vor. Das zeigt wie nah sie eigentlich vom Leistungsniveau an die anderen Teams im Norden herangerückt sind. Zugegeben, ein Comeback nach diesem desolaten Saisonstart wäre außergewöhnlich. Auch wenn die Playoffs wohl unerreichbar sind, können die Chicago Bears im weiteren Verlauf zeigen, dass sie in der Division mithalten können. Das gibt mehr Selbstvertrauen für die nächste Saison und würde alle Beteiligten wieder positiver in die Zukunft blicken lassen. Aber warten wir zunächst einmal ab, ob die Leistungskurve im November weiter nach oben zeigt, oder ob dieser Sieg nur eine Eintagsfliege gewesen ist.

Ein früher Pick im Draft ist nicht erstrebenswert. Erstens zeigen die letzten Jahre, dass einem frühe Picks keine Garantie auf eine Verbesserung des Teams geben. Manche Franchises finden sich nun schon seit Jahren unter den ersten Draftplätzen wieder. Zweitens stellt GM Ryan Pace sein Händchen bei der Talentsuche unter Beweis. Von seinen bisherigen 15 Draft Picks sind neun Spieler bereits Stammkräfte (Verletzte mitgerechnet), zwei sind auf dem Sprung und nur zwei weitere befinden sich derzeit gar nicht im Kader oder wurden bereits entlassen. Eine Bilanz die sich sehen lassen kann.

Verabschieden möchte ich mich heute mit den Worten Pernell McPhees nach dem Spiel:

„That’s what I hope. I hope it piss everybody off and know we can really dominate the league if we put our mind to it. We just played a great team and we dominated them. So it got to piss everybody off and say we shouldn’t lose no more games to teams we ain’t got no business losing to.“

Ja, dass hoffen wir auch. Ihr habt diese Schmähungen der letzten Wochen nicht nötig. Hört einfach auf Spiele unnötig zu verlieren und kontrolliert die Gegner, denen ihr überlegen seid. BearDown!

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".