Analyse: Cutler vs The World

Seit langer Zeit, zu lange wenn ihr mich fragt, ist Jay Cutler Quarterback der Chicago Bears. Ein teurer Trade und ein noch teurerer Vertrag hat Jay zu einem der umstrittensten Quarterbacks der NFL gemacht. Heute schauen wir woran das noch liegen kann.

Zum Einstieg

Jay Cutler ist ein Quarterback, der in den Augen seiner Fans nichts falsch machen kann. Das ist auch okay, solange diese nicht gleichzeitig Bears Fans sind. Warum? Weil seine Fans nicht unvoreingenommen seine Fehler betrachten können. Für sie sind alle Fehler die Jay macht, zurückzuführen auf andere Dinge. Immer sind Andere schuldig. Sei es die Offensive Line, oder die Receiver, Coaches, oder das Wetter, oder die Lizard People, die unter der Erde leben.

Dabei beachten sie nicht die Faktoren, die alleine an Jay Cutler hängen. Also schauen wir uns Jays Fähigkeiten einmal genauer an.

Arm Strength: Note 1+

Was Jay hat, ist eine Kanone von einem Wurfarm. Hier zählt er zu den besten der Liga. Es wird auch behauptet, dass er eine hohe Accuracy hat. Und damit kommen wir zum ersten Kritikpunkt.

Cutler Analyse

Arm Strength ist nämlich nicht gleichzusetzen mit Genauigkeit. Es bedeutet zwar, dass der Quarterback den Ball in ein kleineres Fenster Downfield bringen kann, aber nicht, dass die Zielgenauigkeit auch automatisch vorhanden ist. Trifft er den Receiver hier weiter vorn, macht der das Big Play. Zu weit hinten wird er früh getackled.

Zur Untermalung hier noch die Statistik dazu: Jay Cutler’s Adjusted Completion Rate setzt ihn auf Platz 19 unter die aktiven Quarterbacks der NFL. Platz 19! Lasst es mal über euch ergehen, dass Cutler damit unter Colt McCoy auf der Liste steht und sich zwischen Namen wie Geno Smith und Zach Mettenberger wiederfindet.

Athletik: Note 1

Jay Cutler ist ein Spitzen Athlet, keine Frage. Er arbeitet mehr als andere an seiner Athletik und ernährt sich dabei sehr gesund. Eine sehr professionelle Einstellung. Jedes Jahr erscheint Jay Topfit zu den OTAs und ist immer in guter Form. Das hilft ihm auch, wenn er mal wieder viel einzustecken hat, auf dem Feld. Und das muss er häufig. Dafür ist er aber mitverantwortlich. Doch gegen Jays körperliche Fitness kann man absolut nichts sagen. Von seinen vielen Verletzungen erholte er sich immer schneller als erwartet.

Intelligenz Note: Football 2, Life 5

Hiermit kommen wir zum nächsten Punkt. Intelligent muss ein NFL Quarterback sein. Das ist Jay, aber er macht gerne was Dummes. Man erfährt, dass er sich sehr schnell in Playbooks einlesen kann. Auch dass er die Tapes schnell lernt (Video-Ausschnitte von nächsten Gegner). Doch er scheint Probleme zu haben, alles auf dem Feld zu registrieren und umzusetzen oder er schaut seine eigenen Tapes nicht an und erkennt so nicht seine Fehler. Zudem lässt der Gute seine Reality TV Frau bestimmen, dass seine Kinder nicht geimpft werden. Hallo Polio! (Insert Faceplam Meme here).

Field Vision: Note 5.

Das zweitgrößte Problem für Cutler. Er scheint einen Tunnelblick zu bekommen während des Spielzuges, und zwar regelmäßig. Sehr oft sehen wir zu, wie Jay gefühlte 3 Minuten lang den Ball hält und wartet bis Receiver X „frei“ steht. Dann, wenn Receiver X nicht offen steht und ein Defender auf Jay zu kommt, hievt er den Ball, mit nur seinem hinteren Fuß noch am Boden und im Rückwärts fallen auf den gedeckten Receiver. Falsche Entscheidung, die nicht selten zu einer katastrophalen Entscheidung wird.

Laut Football Outsiders sind seit 2007 nur 42 derartig geworfene Bälle von Jay bei den eigenen Receivern gelandet. 18 waren Drops, 73 waren Underthrown, 47 Overthrown, 29 Defended oder Batted down und glatte 50 waren Intercepted. Das erste, was dabei allerdings auffällt, ist die erschreckend hohe Gesamtzahl von Throws Off Back Foot. Nächsthöchster Wert hierbei geht an Matthew Stafford mit 178 (allerdings erst seit 2009).  Trotzdem noch 81 weniger, obwohl ich Cutler‘s 5 Rookie Spiele nicht mitgezählt habe. Diese Fehler gehen auf sein Konto, aufgrund seiner ungenügenden Aufmerksamkeit und Spielübersicht. Jahrelang ist die Offensive Line dafür unrechtmäßig verantwortlich gemacht worden. Das ist leicht, aber nicht objektiv. Objektiv ist die Beobachtung, wenn Josh McCown oder Brian Hoyer mit der selben Line spielen, bessere Leistungen vollbringen. Objektiv ist zu sehen, dass Eli Manning, Cam Newton, Aaron Rodgers, Tom Brady, Phillip Rivers und Sam Bradford alle besser gespielt haben die letzte zwei Jahre und alle eine weitaus schlechtere Offensive Line hatten.

Hier ein Bild, dass ich gerne zu Trainingszwecken heranziehe:

Wie man sieht, sollte Jay Cutler einfach nach rechts rüber und schon hat er sein Passing Lane. Ihr wisst sicherlich schon, was da passiert ist, oder?

Cutler Analyse

Habt ihr es erraten? J‘Marcus Webb hat den Ball auf den Kopf bekommen.

Mechanics: Note 5-

Cutler AnalyseJay Cutler hat sehr gutes Footwork am Anfang jedes Spiels. Er sichert auch den Ball vor dem Wurf. Egal wie der Punktestand aussieht, verliert er diese Basics im Laufe des Spiels. Die linke Hand geht nicht mehr an den Ball, der rechte Ellenbogen bleibt unter seiner Schulter beim Wurf (darauf kommen wir gleich noch zurück), die Füsse werden träger. Im vierten Quarter kommen diese Fähigkeiten manchmal zurück. Das Schlimmste daran ist, dass sein Wurf sich dadurch immer weiter verschlechtert. Sports Science sagt uns, dass beim Wurf (egal ob Baseball oder Football) etliche Dinge miteinander in Einklang geraten müssen, um ein genaues Placement zu bekommen. Beim Overhand Throw (also Würfe über der Schulter, so wie ein Pass im Football aussehen sollte), muss der Ellenbogen über Schulterhöhe sein. Ansonsten verliert der Ball an Allem, hauptsächlich Schnelligkeit und Genauigkeit. Hierzu eine wissenschaftliche Veröffentlichung über Würfe und Kinetische Flexion.

Ball Security: Note 6

143 Interceptions, 32 Fumbles Lost, 68 Fumbles. Dazu gibt es nicht mehr zu sagen. Selbst die nicht verlorenen Fumbles beenden in der Regel den Drive.

Winning Attitude and Leadership: Note 4

Persönlich mag ich Jay Cutler nicht. Ich versuche trotzdem objektiv und fair bei meiner Beurteilung zu bleiben. Trotzdem die Note 4, wieso? Er ist Team Captain, gewählt von seinen Mitspielern. Doch schon mal ein Team gesehen, dessen Quarterback nicht mit einem C aufgelaufen ist? Ich auch nicht. Aber das können wir nicht beurteilen, also lassen wir es dabei. Was ich jedoch noch nie gesehen habe, weder im TV, noch in den Feeds, die ich von der Arbeit bekomme, noch Live im Stadion und nicht einmal Live beim Training Camp, war, dass Cutler auch nur ein einziges Mal sein Team, ob Offense, Defense, oder Special Teams richtig angefeuert hat. Nie. Keinmal. Von allen anderen Quarterbacks der Liga gibt es Bilder davon. Brady läuft sogar zur Endzone, wenn Special Teams oder Defense einen Touchdown erzielen. Andy Dalton hebt seinen Receiver immer hoch. Big Ben klatscht denen immer auf den Hintern. Jay? Gar Nix.

Zu guter Letzt, seine Stats: Note? Lest weiter…

Man kann Statistiken als Unbeugsame Wahrheiten bezeichnen, dass stimmt aber nicht. Stats kann man auch verdrehen. Stats können auch täuschen. Deshalb schauen wir erstmal Objektiv auf seine Stats.

Die Rekorde! Die meisten Touchdowns in Bears History! Die meisten Yards!

Der Losing Record?

Cutler‘s Superkanone von Arm scheint ihn in Schwierigkeiten zu bringen. All die Rekorde, aber ein Career Quarterback Rating von nur 85.9? Kaum möglich. Aber ProFootballFocus scheint zu zeigen warum.

Mithilfe des Adjusted Passer Rating: PFF‘s Experten haben die alte NFL Formel umgeschmissen. Der alte Standard war folgendermaßen:

Formel

Nun werden Drops, Yards in Air, Spikes und Throwaways inkludiert. Dies lässt ein viel besseres Urteil evaluieren, als mit der alten Formel (die immer noch benutzt wird). Lässt aber Cutler‘s Karriere statistisch nochmal schlechter aussehen.

Ebenso auffällig ist, dass bei Hinzuziehen der Adjusted Completion Percentage, Cutler geradezu bloßgestellt wird. Daran muss auch der letzte Cutler-Lover erkennen, dass Jay durchaus verantwortlich für die ein oder andere Niederlage ist. Cutlers akkurateste Saison war 2014, allerdings ist die Average Depth of Target (also wie weit er werfen musste) um ca. 30% (!!) verkürzt gewesen. Dies war aber auch bekannt, Runningback Matt Forte beendete die Saison mit 102 Receptions und 771 seiner 808 Receiving Yards erzielte er daebei erst nach dem Catch. Cutlers Arm hat ihm also hierbei wenig geholfen. Seine Career Deep Accuracy % ist 38,8%, ein Stück unter Sam Bradford (42%) und Matt Schaub (41%) und deutlich schlechter als Roethlisberger (47%). Cutler gradete sogar in jeder Saison, außer 2008 und 2011 bei -1 oder schlechter. In PFF‘s Grading System, erkennt man deutlich, wie er das Team in eine schlechte Position bringt. In fast 25% seiner Starts hat er sogar ein -2 oder schlechteren Grade gehabt.

Was bedeutet das für Bears Fans? Nun ja, es bedeutet das Cutler eben nicht mehr und nicht weniger als ein passabler Starter ist. Okay, keiner hat behauptet, dass er Elite ist. Aber es bedeutet auch, dass die Bears 8 Saisons auf einen Quarterback gesetzt haben, der denen kaum eine bessere Chance auf Erfolg bieten konnte, wie die Hälfte des NFL Backup Quarterback Pools. Dazu noch ein gutes Stück Cap Space, dass sie anders verwendet hätten können und noch dazu 2 First Round Draft Picks und ein Third Rounder. Diese junge Spieler fehlen eben jetzt.

Für diese Entscheidungen des Front Office kann er aber nicht verantwortlich gemacht werden. Er wird in diesem Jahr nach ausgestandener Daumenverletzung wieder auf die Starting Quarterback Position zurückkehren. Ob er das auch getan hätte, wenn Brian Hoyer sich nicht verletzt hätte, müssen wir nicht mehr beantworten. Eines steht für mich aber fest.

Die Zeit ist reif für einen neuen Quarterback!

Coach D
Stieß im Jahr 2015 dazu und ist der Ami in unserer Runde. Er war lange als Coach tätig und spielte zuvor selbst Football, wo er sich unter anderem mit der Bears Legende Brian Urlacher messen durfte.