VorBEARicht: Bears @ Packers

Lambeau Field, Green Bay. Die Chicago Bears können in dieser Saison nicht mehr viel erreichen. Aber sie können ihren Erzrivalen die Packers ärgern und die Fans etwas milder stimmen lassen. Die 193. Auflage der ältesten Rivalität im professionellen Football startet bereits heute Nacht und ist u.a. im freien Stream auf Twitter empfangbar. Die Bears führen mit 94 zu 92 Siegen bei 6 Unentschieden den Langzeitvergleich knapp an. Das letzte Spiel in Wisconsin konnten sie gewinnen. Davor setzte es 4 Niederlagen. Beide Teams blieben in dieser Saison hinter ihren Erwartungen zurück. Es geht in diesem Spiel nicht nur aufgrund der großen Rivalität um mehr als nur gewinnen oder verlieren.

Match-Plan:

Offense:

Quarterback Brian Hoyer ist Mr. Un-Risky. Die meisten seiner Pässe finden die Anspielstation. Er wirft keine Interceptions. Das zum Positiven. Hoyer wählt immer die sicherste Variante. Spielt nur kurze Pässe. Wenn er mal den langen Ball nimmt, ist er zu ungenau, als dass er von seinen Receivern verarbeitet werden kann. Doch ohne Risiko kommt nichts Zählbares herum. Die guten Stats nützen ihm und seinem Team gar nichts. Im nächsten Spiel hat er es mit einer ständig attackierenden Front Seven zu tun. Sie ist verwundbar. Mit Screens und kurzen Pässen durch die Mitte kann der Ball über das Feld getrieben werden. Hier kann sich erneut Cam Meredith hervortun. Er ist die Neuentdeckung der Saison auf Seiten der Bears und erzielte in den letzten zwei Spielen 243 Yards bei 20 Receptions. Seinen ersten NFL-Touchdown erzielte er dabei obendrein. Eddie Royal wird ausfallen. Meredith ist also umso mehr gefordert.

Alshon Jeffery und Zach Miller müssen gesucht werden, wenn die gegnerische Endzone näherkommt. Die Packers haben aufgrund von zahlreichen Verletzungen große Probleme in der Secondary und können in der Passverteidigung nur schwer den Gegner vom Scoren abhalten. Verletzt fehlen Damarious Randall, Quinten Rollins und Sam Shields. Starting Cornerbacks sind daher LaDarius Gunter und Demetri Goodson. Beide sind äußerst unerfahren und konnten sich bisher nicht entscheidend in Szene setzen. Mehr kann ich an dieser Stelle zu den beiden nicht sagen. Gegen diese Secondary müssen Touchdowns her. Das Coaching Staff ist gefragt und sollte seine Red Zone Targets in 1-on-1 Matchups anspielen lassen. 01-personell wird ab den letzten 15 Yards ein probates Mittel sein und sollte gelegentlich eingesetzt werden. Hierbei wird mit Open Backfield und einem Tight End gespielt. Warum keine Läufe? Dazu komme ich jetzt.

Jordan Howard und Ka’deem Carey erwartet eine der stärksten Run Defenses der NFL. Lange das Sorgenkind der Packers Verteidigung sind sie hier in diesem Jahr besonders stark und ließen nur 72.4 Yards und einen Touchdown zu.

Über den Lauf können die Bears nur kommen, wenn Hoyer sich traut den Ball lang zu werfen. Dann stehen die Gegner tiefer und können die Läufe nicht so früh stoppen. Dadurch erzwingt er förmlich zwar seine erste Interception in Navyblue-Orange, aber erhöht so die Wahrscheinlichkeit eigene Big Plays zu kreieren, die zu notwendigen Touchdowns führen. Es hängt vom Coaching ab. Mit dem falschen Gameplan gehen die Bears unter. Mit der passenden Red Zone Offense wird das ein spannendes Spiel.

Key-Matchup: HC John Fox vs. HC Mike McCarthy

Defense:

Der Pass Rush der Bears ist in diesem Jahr wieder nicht gut genug. Vor der Saison als die stärkste Positionsgruppe der Bears ausgerufen, bleibt sie weit hinter ihren Erwartungen zurück. Einzig Willie Young setzt mit bereits 6 Sacks Akzente. Er allein kann das Ruder aber nicht herumreißen. Wir können uns nur wünschen, dass mit der Rückkehr von Eddie Goldman und Pernell McPhee in den nächsten Wochen die Front Seven endlich beweist, wozu sie fähig ist. Derzeit erhält der Gegner zu viel Zeit und findet zwangsläufig irgendwann seine Receiver. Die Stats erzählen uns zwar etwas Anderes, aber die Pass Defense ist immer noch zu anfällig.

In dieser Situation kommt jetzt ausgerechnet Aaron Rodgers, der Star-Quarterback der Green Bay Packers. Das sollte er doch ausnutzen, oder? Doch weit gefehlt. Er spielt erneut eine schwache Saison, die zweite nacheinander. Konnte er sich letztes Jahr noch mit einem limitierten Playbook, aufgrund der Verletzung von Wide Receiver Jordy Nelson, herausreden, gehen ihm jetzt die Argumente aus. Die von ihm gern geschundene Offensive Line spielt derzeit auch herausragend und kann ebenfalls nicht als Prügelknabe in der Öffentlichkeit herhalten. Zum ersten Mal in seiner Karriere muss sich Rodgers selbst für schlechte Leistungen verantworten. Er steht spätestens seit seiner schwachen Leistung gegen die Cowboys am Sonntag unter Druck. Natürlich nicht zur Diskussion. Soweit möchte ich nicht gehen. Gegen die Bears will er seine Kritiker zum Schweigen bringen. Spielt er, wie zu besten Zeiten, haben die Bears nicht den Hauch einer Chance. Bleibt er im Formtief stecken, zumindest noch für eine Woche, können sie besiegt werden.

Denn die Packers können nur über das Pass Game ins Spiel kommen. Beide Runningbacks sind verletzt. Aufgrund der Ausfälle von Eddie Lacy und James Starks ertradeten sie in dieser Woche Knile Davis von den Kansas City Chiefs für einen siebtrunden Pick. Er zählt zu den besseren Reservisten in der NFL. Allerdings ist er erst seit zwei Tagen im Team. Unwahrscheinlich, dass er in dieser Zeit bereits viele Seiten des Playbooks auswendig gelernt hat. Die Abstimmung mit QB Rodgers wird auch noch haken, ist er doch bekannt für seine Hard Counts vor dem Snap. So wird Wide Receiver Randall Cobb auch häufiger im Backfield zu finden sein.

Wir dürfen gespannt sein, was sich Head Coach McCarthy einfallen lässt. Die übliche Packers Spielweise mit vielen Läufen und langen Pässen kann er für dieses Spiel vergessen. Dafür fehlen ihm die Optionen.

Key Matchup: HC John Fox vs. HC Mike McCarthy

Quelle: www.wgnradio.com Foto: Nuccio DiNuzzo (Chicago Tribune)
Quelle: www.wgnradio.com
Foto: Nuccio DiNuzzo (Chicago Tribune)

Fazit:

Die Chicago Bears haben ihren Kredit bei den Fans verspielt. Erneut blieben beim letzten Heimspiel ca. 5000 Plätze von Dauerkarteninhabern leer. Es wird mit den geringsten Einschaltquoten in Illinois, die je bei einem Spiel gegen die Packers gemessen wurden gerechnet. Zumal gleichzeitig die geliebten Cubbies im NL Championship Game antreten. Amerikas Sport City hat sich scheinbar abgekehrt von seinem einst so stolzen Team. Ein Sieg bedeutet heute Nacht mehr als nur das. Erstens kann man die Packers ärgern und dafür sorgen, dass in Green Bay ähnlich unruhige Zeiten anbrechen, wie das in Chicago schon der Fall ist. Zweitens können die Bears die Gunst der Fans zurückerlangen. Eine Niederlage bedeutet aber auch mehr. Nächste Woche geht es gegen die Vikings und momentan sehe ich keinerlei Möglichkeit, wie die Bears dieses Spiel gewinnen sollen. Gehen sie 1-7 in die BYE Week werden für alle Beteiligten stürmische Zeiten anbrechen. Stürmischer als sie in der Windy City ohnehin schon sind.

Die Verträge des unterlegenen Coaching Staffs in dieser Begegnung hängen am seidenen Faden. Be prepared! It’s Do or Die!

Anmerkung: Es soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass BeardownGermany, in irgendeiner Form Verletzungen von Spielern des gegnerischen Teams feiert. Wir wünschen allen Profis auf beiden Seiten eine schnelle Genesung und hoffen, dass sie bald wieder auf dem Feld stehen. Es wäre doch sicherlich ein schöneres Spiel für alle Fans, wenn die Besten auf beiden Seiten dabei wären. Die Liste aller Inaktiven fürs Spiel erhaltet ihr erneut eine Stunde vor dem Kickoff auf unserer News – Seite.

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